mini|Irma von Troll um 1875 Irma von Troll-Borostyáni (* 31. März 1847 als Maria Magdalena von Troll in SalzburgTaufbuch Salzburg St. Blasius, tom. II, fol. 294 (Faksimile); laut ÖBL lautet der Geburtsname Marie von Troll.; † 10. Februar 1912 ebenda) war eine österreichische Schriftstellerin, Journalistin und Vorkämpferin für Frauenrechte. Sie gilt als erste Salzburger Frauenrechtlerin. Sie kämpfte für das Wahlrecht der Frauen, für die Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe, für die Frauen- und Jugendbildung und gegen die Prostitution.

Leben und Wirken Kindheit und Jugend mini|hochkant|Irma von Troll-Borostyáni Maria von Troll wurde als jüngstes von vier Kindern 1847 in Salzburg geboren. Während sie mit ihrer Schwester Wilhelmine eine enge, lebenslange Beziehung verband, geriet sie mit ihren Brüdern aufgrund ihrer modernen Ansichten und Lebensweise in Konflikt.Klaus/Wischermann 2013: 32 Ihre Eltern, Josephine von Appeltauer und Otto Ritter von Troll, ein höherer Staatsbeamter, ermöglichten ihrer Tochter eine ausgezeichnete Erziehung. Einerseits wurde sie von der gebildeten Mutter unterrichtet, andererseits eignete sie sich viel Wissen durch ein diszipliniertes Selbststudium an. Sie liebte die Musik und wollte Pianistin werden. Als die Mutter an einem schweren Herz- und Nervenleiden erkrankte, konnte der Unterricht zu Hause nicht fortgeführt werden. Gymnasien und Universitäten waren zu dieser Zeit für Mädchen nicht zugänglich. Die einzige Möglichkeit für Mädchen in Salzburg, zu einer höheren Bildung zu kommen, bestand in der Internats-Klosterschule im Stift Nonnberg. Von 1862 bis 1864 besuchte Maria von Troll die Klosterschule der Benediktinerinnen. Die Enge des Klosterlebens konnte sie jedoch nur schwer ertragen. Sie wurde schwer krank und bekam ein so starkes nervöses Fieber, dass sie nach zwei Jahren wieder nach Hause zurückkehrte. Dort schnitt sie als äußeres Zeichen ihrer Befreiung den Zopf ab und trug fortan ihr welliges Haar kurz. Der Wechsel ihres Vornamens von Maria zu Irma kann ebenfalls als Zeichen ihrer frühen Rebellion gegen die Konventionen ihrer Zeit angesehen werden.Gürtler 1994: 9ff; 232

Wien 1864 verließ die geliebte Schwester Wilhelmine Salzburg, um in Ungarn eine Stelle als Erzieherin anzunehmen. Auch Irma von Troll zog es aus Salzburg vermutlich weg, da sie sich in der kleinbürgerlichen Provinzstadt nicht wohlfühlte. Als der Vater im Jahr 1866 verstarb, hinterließ er seiner Familie keinerlei Vermögen und die Schriftstellerin musste ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. In dieser Situation gab es im Sinne der traditionellen Rollenvorstellung nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine Heirat oder eine Anstellung als Gouvernante. Irma von Troll jedoch wählte ihren eigenen Weg. So ging sie im Jahre 1870 nach Wien, um die Konzertlaufbahn als Pianistin einzuschlagen. Sie nahm auch Schauspielunterricht und fand Anschluss an literarische Kreise. Zunehmend entwickelte sich ihr schriftstellerisches Talent und erste Veröffentlichungen in verschiedenen Tagesblättern erschienen unter dem Pseudonym Leo Bergen, später auch Veritas.Gürtler 1994: 12ff

Ungarn Familiäre Begleitumstände zwangen sie, den Gedanken an eine Laufbahn als Konzertpianistin aufzugeben und sie ging als Musiklehrerin nach Ungarn. 1874 heiratete sie den ungarischen Journalisten und Schriftsteller Ferdinand von Borostyáni, wobei ihr Eheglück von kurzer Dauer war. Bald wandte sie sich ganz der Schriftstellerei zu, wobei sie zunehmend durch in ihrer kritischen Haltung anerkannt. Immer mehr entwickelte sie sich immer zu einer unbeirrbaren Streiterin gegen soziales Unrecht und als mutige Kämpferin für Frauenrechte. 1878 gab sie ihr erstes Werk heraus: „Die Mission unseres Jahrhunderts – eine Studie über Frauenfragen“

Sie erntete dafür in sozialkritischen Kreisen europaweit hohe Anerkennung. Neue Schicksalsschläge kamen nun auf die mutige Frau zu: In Wien starb ihre dreijährige Tochter, sie selbst hatte durch die Geburt ein schweres Leiden davongetragen. Ihr Ehemann lebte bald beruflich bedingt in Paris, die Ehe blieb in der Folge nicht viel mehr als ein freundlicher Briefwechsel.

Zurück nach Salzburg mini|Wohnhaus von Troll-Borostyáni in der Bayernstraße 8, Salzburg 1882 kehrte Troll-Borostyáni nach Salzburg zurück, um das Grab ihrer kürzlich verstorbenen Mutter zu besuchen. Ihr geschwächter Körper war den vorangegangenen Aufregungen nicht gewachsen. Viele Monate lang musste sie nun schwerkrank im Hause einer Jugendfreundin verbringen und sie blieb fortan in Salzburg.

Eine Übersiedelung an den Wohnsitz ihres Mannes in Budapest schien zu problematisch, ihre Pflege dort zu schwierig. In Salzburg konnten ihre Freundinnen sie dagegen in allen Jahren weiter ausreichend betreuen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Wilhelmine und den Schwestern Helene und Johanna Baumgartner (ihrer Lebensgefährtin) lebte sie in dem Haus in der Riedenburger Straße 7 (heute Bayernstr. 8).Irma von Troll-Borostyáni (1847–1912). In: Christa Gürtler; Sabine Veits-Falk: Frauenspuren in der Stadt Salzburg. Leben - Werke -Erinnerung (S. 102–105). Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg, Salzburg 2022, ISBN 978-3-900213-54-1.

Irma Troll-Borostyáni sollte nie mehr wirklich gesunden. Sie kämpfte in Salzburg trotz ihrer Krankheit aber weiter gegen Verlogenheit und Schein, setzte sich kritisch mit überkommenen Moralbegriffen auseinander und referierte über die nötige Reform der Jugenderziehung. Tatkräftig half sie auch bei der Gründung von Frauenvereinen mit und hielt Vorträge. In der damaligen spießigen Kleinstadt Salzburg sorgte Irma Troll-Borostyáni aber allein in ihrem maskulinen Auftreten und oft Zigarre rauchend für manche Aufregung. Sie schrieb hier folgende sozialkritische Werke:

Gleichstellung der Geschlechter (1888) Die Prostitution vor dem Gesetz – ein Appell an das deutsche Volk und seine Vertreter (1893) Das Weib und seine Kleidung (1897) Verbrechen der Liebe (1900) und So erziehen wir unsere Kinder zu Vollmenschen (1912).

1893 wurde sie zur Mitbegründerin des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins, welcher ihr 1908 als Anerkennung für ihr Wirken die Ehrenmitgliedschaft verlieh. Neben diversen Schriftstellervereinen war sie auch Mitglied im Deutschen Bund für Mutterschutz und Sexualreform.Klaus/Wischermann 2013: 33

Irma von Troll-Borostyáni hatte engen Kontakt mit anderen Schriftstellerinnen und Frauenrechtlerinnen ihrer Zeit. So war sie mit Bertha von Suttner und Auguste Fickert befreundet. Auch mit Helene Stöcker, Rosa Mayreder und Adelheid Popp stand sie in Verbindung.Klaus/Wischermann 2013: 33 Aufgrund ihrer Ansichten kann sie dem bürgerlich-radikalen Flügel der Frauenbewegung zugeordnet werden.

In Salzburg widmete sich aber auch vermehrt ihrer frühen Leidenschaft, der Musik. Irma von Troll-Borostyáni schrieb neben den genannten Werken mit betont sozialkritischem Inhalt Romane, Novellen, Erzählungen und Gedichte, die ihre Liebe für die Entrechteten und ihr Mitleid gegenüber den Enterbten und Zurückgesetzten widerspiegeln. Bekannt wurde vor allem ihr Roman Aus der Tiefe (1892). Irmas Schwester Wilhelmine stellt zu diesen Werken treffend fest: „Sie besaß ein zartestes Verständnis in die Gefühle der Verachteten, Kleinen, namentlich der Kinder“. Aber auch die Liebe zum Tier, zur Schöpfung und zur großartigen Bergwelt wird in ihren Werken zum Ausdruck gebracht.

Wenig bekannt ist hingegen bisher noch über ihr journalistisches Wirken für Zeitungen und Zeitschriften. Erwiesen ist, dass sie in den 1890er Jahren regelmäßig Essays für „Ethische Kultur: Wochenschrift zur Verbreitung ethischer Bestrebungen“ geschrieben hat sowie Beiträge für „Die Gesellschaft“, „Frankfurter Zeitung“, „Die Kritik“, „Neues Leben“, „Die Mutter“, „Neue Bahnen“ und „Der Salon“.Gürtler 1994: Anhang

Mit ihren zahlreichen Schriften hat Irma von Troll-Borostyáni viel dazu beigetragen, die Ideen der Frauenbewegung zu verbreiten und ein Stück weit zu verwirklichen. In einem von Rosa Mayreder verfassten Nachruf für die Zeitschrift Neues Frauenleben wird angemerkt, dass die Nachricht über den Tod der Schriftstellerin nur als flüchtige Notiz durch die Tagesblätter ging. Ihre Verdienste um die österreichische Frauenbewegung wurden damals weder erwähnt, noch gewürdigt. Rosa Mayreder schließt ihren Nachruf mit den Worten: „Mit ihr ist eine der hervorragendsten Vorkämpferinnen aus der alten Schule der Frauenbewegung dahingegangen. Aber in der Geschichte dieser Bewegung besitzt sie ein bleibendes Denkmal und wirkt fort durch ihre Werke.“

Sie wurde im Familiengrab auf dem Kommunalfriedhof in Salzburg begraben. Ihr Grabstein trug die Aufschrift „Die tapfere Bahnbrecherin der Frauenbewegung“ Das Grab der Trolls ist jedoch bereits seit Jahrzehnten neu belegt. Eine Marmortafel erinnert an ihrem Geburtshaus in der Griesgasse 4 an sie.

Ihr Wirken für die Frauenbewegung In Ungarn gab sie 1878 ihr erstes Werk heraus: „Die Mission unseres Jahrhunderts – eine Studie über Frauenfragen“. Nach Rosa Mayreder wurde dieses Werk zu einer Zeit veröffentlicht, „in der diese Bestrebungen ganz allgemein als eine Verirrung und jedes „Emanzipationsgelüst“ bei einer Frau als ein Symptom der Entartung betrachtet wurden. Man muss diese Zeit selbst mitgemacht haben, um ermessen zu können, wieviel Unbeugsamkeit, Charakterstärke, Unabhängigkeitssinn dazu gehörte, für die Ideen der Frauenbewegung in der bürgerlichen Welt einzutreten“. Interessant dabei ist, dass sie in ihrer kämpferischen Streitschrift sowohl Frauen als auch Männer dazu aufforderte, für gesellschaftliche Veränderungen einzutreten.Gürtler 1994: 22f

„Die Mission unseres Jahrhunderts“ enthält auch einen Appell an die Frauen. Sie ermunterte Frauen darin, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Um diese Ziele zu erreichen, sollten Frauen Vereine, wie es sie in England und Amerika bereits gab, sowie Blätter gründen, um die Idee der Emanzipation der Frau zu verbreiten. Anstatt darauf zu warten, dass der Staat Mädchenschulen gründet, sollten die Frauen dies selbst in die Hand nehmen und Stipendien für mittellose Studentinnen stiften. Schließlich forderte sie nach dem politischen Wahlrecht für Frauen. Sie schließt ihren Appell mit den pathetischen Worten: „Kämpft für Eure Rechte, für Eure Zukunft mit allen Waffen des Geistes und mit werktätiger Unterstützung Eurer Zwecke. Ja, Ihr werdet es tun! Ihr werdet wollen, Ihr werdet handeln!“

Bereits mit diesem ersten Werk erregte die Schriftstellerin viel Aufsehen. Das Buch erntete überwiegend negative Kritiken und so war es in der Folge für Irma von Troll-Borostyáni schwer, einen Verlag zu finden. So wurde zum Beispiel das Buch „Gleichstellung der Geschlechter“ im Zürcher Verlagsmagazin gedruckt werden, da sich kein österreichischer und auch kein deutscher Verlag dazu bereit erklärten.Klaus/Wischermann 2013: 33

Selbst Kritiker waren jedoch davon überzeugt, dass sie sich mittels ihres Selbststudiums ein ungeheures Wissen angeeignet hatte. In ihren Werken zitiert sie französische, englische und lateinische Literatur und übersetzt diese auch. Zudem zieht sie in ihren sozialkritischen Werken statistische Daten und ethnologischen Studien heran.Gürtler 1994: 15 Für ihr Buch „Die Prostitution vor dem Gesetz. Ein Appell an das deutsche Volk und seine Vertreter“ (1893) recherchierte sie direkt vor Ort im Wiener Prostituiertenmilieu.Klaus/Wischermann 2013: 33