Suspiria (lat. Seufzer) ist ein italienischer Horrorfilm mit surrealistischen Elementen von Dario Argento aus dem Jahre 1977, der teilweise auf Thomas De Quinceys Essay-Sammlung Suspiria de Profundis aus dem Jahre 1845 beruht. Er wurde zum ersten Teil von Argentos „Muttertrilogie“ (Teil zwei ist Horror Infernal von 1980, Teil drei The Mother of Tears von 2007). Die Trilogie handelt von drei mächtigen Hexen, deren langfristiges Ziel es ist, die Herrschaft über die Erde zu übernehmen.

Handlung Die US-Amerikanerin Suzy Banyon kommt nach Freiburg im Breisgau in Deutschland, um in einer Ballettschule zu studieren. Bereits bei der nächtlichen Ankunft trifft sie auf ein verstört wirkendes Mädchen, das panisch aus dem Haupteingang der Tanzakademie flüchtet, unzusammenhängende Dinge spricht, deren Sinn sich erst im Laufe der Handlung erschließen, und noch in derselben Nacht von einer geheimnisvollen Gestalt niedergestochen und an einem Strick aufgehängt wird. In den folgenden Tagen muss Suzy Banyon feststellen, dass sich die mysteriösen Ereignisse häufen: Zum Beispiel erweist sich der Dachboden als von weißen Maden befallen, durch verdorbene Lebensmittel, woraufhin ein Kammerjäger das Gebäude desinfizieren muss. Überdies mischt die Schulleitung heimtückisch Schlafmittel unter die Mahlzeiten der neuen Tanzschülerin Suzy. Immer mehr ihrer Kameradinnen werden nachts von einem Mörder heimgesucht. Als es ihre Freundin Sandra trifft, stellt sie Nachforschungen über Hexen und schwarze Magie an und macht sich auf die Suche nach den rätselhaften Ursachen der Morde. Allmählich kommt die amerikanische Tanzschülerin einer satanischen Sekte auf die Spur. Sie erinnert sich an das Mädchen, das ihr in ihrer Ankunftsnacht über den Weg lief, und an dessen vordergründig wirre Worte, die sie zu einer Geheimtür führen, hinter der sie der 140 Jahre alten griechischen Hexe Helena Markos begegnet, die 1895 die Tanzakademie gründete und hinter einem weißen Vorhang in einem Bett aus dem Schlaf erwacht. Suzy sticht ihr mit einem Messer in den Hals und flüchtet aus der Tanzakademie, als diese in Flammen aufgeht.

Entstehung

Idee Der Film basiert lose auf einem autobiografischen Buch des englischen Schriftstellers Thomas De Quincey (1785–1859) Bekenntnisse eines englischen Opiumessers und dessen Essay-Sammlung Suspiria de Profundis. Daraus entwickelten Dario Argento und seine damalige Lebensgefährtin Daria Nicolodi die Grundidee und schrieben zusammen das Drehbuch. Demnach sind es die drei Mütter Mater Suspiriorum, Mater Tenebrarum sowie Mater Lachrymarum (Mutter der Seufzer, Mutter der Finsternis, Mutter der Tränen), die jeweils ihr eigenes Herrschaftsgebiet besitzen (Freiburg, New York, Rom).

Casting Der Stab ist eine Mischung aus damals eher frischen, unbekannten Gesichtern und erfahrenen Weltstars, wie Joan Bennett, die eine Tanzlehrerin mimt. Bennett war ein großer (Film-noir-)Star der 1940er Jahre und wurde vor allem unter dem österreichisch-deutschen Regisseur Fritz Lang bekannt.

Jessica Harper wurde von Argento in Brian De Palmas Phantom of the Paradise entdeckt und lehnte für Suspiria eine Rolle in Woody Allens Komödie Der Stadtneurotiker ab. Sie hatte bereits zuvor mit Allen in Die letzte Nacht des Boris Gruschenko gedreht und stand auch drei Jahre später für Stardust Memories wieder zu seiner Verfügung.

An ihrer Seite spielt die ebenfalls sehr junge Stefania Casini (Andy Warhols Dracula). Des Weiteren ist der Deutsche Udo Kier zu sehen, allerdings nur in einer Szene. Mit Rudolf Schündler (bekannt aus den Lümmel-Filmen, der Edgar-Wallace-Reihe und Der Exorzist) ist ein weiterer deutscher Schauspieler dabei, hier in der Rolle als Psychiater. Für die Rolle der Hexe Helena Markos wollte Argento „die älteste Person, die er je gesehen hatte“ und fand schließlich eine geeignete Darstellerin, die zu diesem Zeitpunkt 102 Jahre alt war. Der stumme Diener sollte ursprünglich von einem tatsächlich psychisch Kranken gespielt werden, weshalb Argento zahlreiche psychiatrische Kliniken besuchte, fand die Idealbesetzung (Giuseppe Transocchi) jedoch schließlich in einem Postgebäude.

Alida Valli (bekannt aus Carol Reeds Klassiker Der dritte Mann sowie aus Der Fall Paradin von Alfred Hitchcock) und Fulvio Mingozzi in der Rolle des unfreundlichen Taxifahrers spielen sowohl in Suspiria als auch in der Fortsetzung Inferno (Horror Infernal, 1980) mit. Udo Kier dagegen übernahm eine weitere Hauptrolle im dritten Teil Mother of Tears: The Third Mother (La terza madre, 2007).

Argento wollte die Rolle der Suzanne Banyon ursprünglich von seiner Partnerin und Co-Drehbuchautorin Daria Nicolodi spielen lassen, wurde auf Druck der Produktionsfirma 20th Century Fox jedoch dazu gebracht, die Rolle mit einer US-amerikanischen Schauspielerin umzubesetzen, so dass sie lediglich in einer kurzen Einstellung am Flughafen zu sehen ist. Nicolodi dürfte darüber sehr ungehalten gewesen sein, war sie es doch, die mit Argento die Idee entwickelte, basierend auf einer Geschichte ihrer Mutter. Nicolodi erzählt hatte. Sie spielte seit Profondo Rosso, bei dessen Dreharbeiten sie Argento kennenlernte, in jedem Argento-Film eine größere Rolle.

Drehort Die Fassade des gotischen Palais mit der blutroten Front, in der die Ballettschule als Tarnung des Hexenkonvents residiert, ist zwar im Studio in Italien gebaut worden,Detlef Klewer: Inferno-Die Welt des Dario Argento. Medien P&W, 1999, ISBN 978-3-931608-27-9, S. 54. entspricht aber seinem Vorbild, dem „Haus Zum Walfisch“ in Freiburg in allen Details. Obwohl die Handlung des Films in Freiburg angesiedelt ist, sind viele Außenszenen an einschlägigen Schauplätzen in München entstanden, wie beispielsweise auf dem Königsplatz, im Hofbräuhaus, am BMW-Hochhaus, im Flughafen München-Riem und im Müllerschen Volksbad.Asli Serbest, Mona Mahall: Junk Jet n°3. igmade.edition, 2010, ISBN 978-3-00-030127-8, S. 78 f. (). Außerdem fährt die Hauptfigur Suzy Banyon in einer Szene zu Beginn des Films in einem Taxi mit Münchner Kennzeichen am Haus der Kunst vorbei, in dem gerade eine Sonderausstellung über den Maler Oskar Kokoschka stattfindet, wie man anhand eines weißen Werbetransparents an der Außenfassade des Museums erkennen kann.

Kamera Für die Filmaufnahmen wurde Eastman-Color-5254-Negativfilm verwendet, der zu diesem Zeitpunkt bereits kaum noch erhältlich war und von dem Argento Restbestände aufkaufte. Positivkopien wurden bei Technicolor Rome im Dye-Transfer-Prozess hergestellt, auf dem letzten dort noch verfügbaren Drei-Streifen-Drucker. Dieses Verfahren ermöglichte es, nach Belieben einzelne Farben zu intensivieren oder aber ganz herauszufiltern, was für den von grün, gelb und rot dominierten, fast „poppigen“ Stil des Films sorgt, der sehr unwirklich wirkt und an Märchen erinnert. Tatsächlich erzählte Argento, dass er diese Farben benutze, weil es die Farben der alten Disney-Filme wie Schneewittchen seien. Auch Alice im Wunderland ist als Einfluss zu nennen. Zusätzlich zu der Farbgestaltung setzt Argento die Fahrten der Kamera (für ihn typisch) sehr bewegungsfreudig ein.

Soundtrack Der Soundtrack stammt von der italienischen Progressive-Rock-Band Goblin. Diese arbeitete hierfür nach Profondo Rosso bereits zum zweiten Mal mit Argento zusammen. Darin verwoben sie ihren ohnehin experimentellen Stil zu einem eigenwilligen eingespielten Klangteppich mit allerhand exotischen Instrumenten. Für viele Fans der Band gilt der Soundtrack als ihr Höhepunkt. Argento war an der Entstehung maßgeblich beteiligt und ließ sie während der Dreharbeiten zur Bildung der Atmosphäre laufen.

Synchronisation 1977 kam nur eine um sieben Minuten gekürzte Fassung von Suspiria in die bundesdeutschen Kinos,Technical Specifications für Suspiria auf imdb.com. deren Synchronisation bei der FFS Film- & Fernseh-Synchron unter der Regie von Hartmut Neugebauer entstand. In Deutschland war der Film von 1983 bis 2014 indiziert und nur in geschnittenen Versionen (FSK 18) erhältlich.Suspiria – FSK prüft ungekürzte Fassung auf schnittberichte.com, abgerufen am 15. Juni 2017. 2003 erfolgte aber bereits eine deutsche Neusynchro der fehlenden Szenen. In den Synchronfassungen von 1977 und 2003 wurde der Standort der Tanzakademie nach München verlegt, was anhand der Tatsache, dass Suzy am Anfang des Films laut Voice-over-Einleitung am Münchner Flughafen ankommt und das Taxi, mit dem sie fährt, auch ein Münchner Kennzeichen hat, nachvollziehbarer als das im Original genannte Freiburg ist.

2017 wurde die ungekürzte Fassung des Films von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. Anlässlich der Indexstreichung wurde eine zweite Nachsynchro der 1977 fehlenden Szenen für die BD-Veröffentlichung erstellt, die bei der Synch! Synch! Kino- & TV-Synchronisation unter der Regie von Angelika Scherf aufgenommen wurde. Dabei wurde der Schauplatz der Handlung, dem Original entsprechend, nun erstmals auch im Deutschen nach Freiburg verlegt.

DarstellerIn Rolle Deutsche/r SprecherIn 1977 Nachsynchro 2003 Nachsynchro 2017Jessica HarperSuzy BanyonConstanze Engelbrecht -Katharina von KellerStefania CasiniSandra (OV: Sara)Angelika Bender - -Alida ValliMarie TannerEmely Reuer - -Joan BennettMadame BlankCorny Collins - -Udo KierPsychiater Frank Mender (OV: Mandel)Berno von CrammOliver BöttcherMark SeidenbergRudolf SchündlerProfessor Milius -Jörg GillnerManfred LiptowFlavio BucciDaniel, der blinde PianistFred Klaus -Johannes SemmBarbra MagnolfiOlgaHelga AndersTanja DohseMerete BrettschneiderEva AxénPatricia „Pat“Uschi Wolff - -Susanna JavicoliSoniaMarion HartmannRenato ScarpaProfessor VerdegastManfred Lichtenfeld - -?KammerjägerHartmut Neugebauer - -Lela SvastaHelena MarkosCorny Collins - -?FlughafenansageHartmut Neugebauer - -

Rezeption

Kritiken

Das Lexikon des internationalen Films lobte: "Auf nervenzerrenden Effekten aufgebauter Horrorfilm des italienischen Genre-Spezialisten Dario Argento, dem es bei seiner eher dünnen Story nicht auf Logik, sondern auf eine farblich, musikalisch und atmosphärisch ausgefeilte Ausmalung der drastischen Schockmomente ankommt."

Frank Trebbin würdigte 1991 in seinem Buch Die Angst sitzt neben Dir: "Dario Argento, der zwei Jahre vorher mit 'Rosso – Die Farbe des Todes' bereits einen Höhepunkt seines Schaffens hatte, zieht auch bei 'Suspiria' sämtliche filmischen Register, um dem Zuschauer das Fürchten zu lehren."

Jonas Reinartz lobte auf filmzentrale.com: "Die Form ist ausschlaggebend und diese ist bei 'Suspiria' von bizarrer hyperstilisierter Schönheit."

Argentos (für ihn typisch) sehr bewegungsfreudige Kamerafahrten wurden von der Kritik genauso euphorisch wie kritisch aufgenommen. „Lewis Carroll trifft auf Caligari“, bemerkte ein Kritiker, genauso waren aber auch viele begeisterte Stimmen zu vernehmen.

Einspielergebnis

Für Argento, schon vorher durch seine Tier-Trilogie und vor allem Profondo Rosso ein bekannter und geschätzter Regisseur, war der Film ein gigantischer Erfolg, der ihn auch in Deutschland berühmt machte. In Italien übertraf er gar die Einnahmen von Spielbergs Der weiße Hai.

Entwicklung zum Kultfilm Der Film gehört bis heute weltweit zu den bekanntesten Filmen des von Fans als „Giallo-Papst“ verehrten Regisseurs Dario Argento.

In vielen Kreisen erlangte er durch diesen Film Kultstatus, der bis heute ungebrochen ist. Manch einer wurde sogar geradezu besessen von dem Film, so terrorisierte ein engagierter Cineast Argento mit Telefonanrufen und der Bitte, er möge mit ihm über die drei Mütter diskutieren, was Argento zwar ablehnte, ihn jedoch für die Geschichte seines späteren Films Tenebre inspirierte. Selbst Stephen King erklärte ihm, wie begeistert er von dem Film sei, und bat ihn inständig, The Stand zu verfilmen, wozu sich Argento jedoch nicht bereit erklärte. Im Gegenzug revanchierte sich King damit, indem der Schriftsteller es Jahre später ablehnte, ein Drehbuch für Argentos Episodenfilm über Edgar Allan Poe mit dem Titel Two Evil Eyes zu schreiben.