Das Kloster Preetz wurde 1211 oder 1212Ulrich Knapp: Die Klosterkirche Preetz. Beobachtungen zur Baugeschichte (= Forschungen zu Kloster und Stift Preetz. Band 1). Ludwig, Kiel 2023, S. 38. unter dänischer Herrschaft in Holstein als ein Benediktinerinnenkloster gegründet. In den ersten Jahren nach der Gründung erlebte der Konvent mehrfach einen Ortswechsel, bis er 1261 in Preetz seinen endgültigen Sitz fand.
mini|hochkant=1.3|Klosterhof Preetz mini|hochkant=1.3|Klosterkirche Der Klosterbereich war von den Bächen Mühlenau und Schwentine sowie von einem künstlich angelegten Graben umschlossen und dadurch gesichert. Neben den Wohngebäuden und der Klosterkirche verfügte das Kloster über einen Wirtschaftshof mit Scheunen, Kuh-, Pferde- und Schafställen, einer Wassermühle und zahlreichen Nebengebäuden. Diese Wirtschaftseinrichtungen bestanden bis zur Vernichtung des Wirtschaftshofes durch Brandstiftung im Jahr 1959.Stocks 2012.
Im Zuge der Reformation wurde 1542 das Kloster in ein adliges Damenstift der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft umgewandelt, das seitdem in dieser Form besteht. Für die Nonnen, die das Kloster verließen, wie auch die adligen Damen, die in das Stift eintraten, wurden mehrere Häuser auf dem Klostergelände in lockerer Bebauung errichtet. Bis ins 20. Jahrhundert kamen weitere Häuser hinzu. Zum Kloster gehört ein ausgedehntes Waldgebiet in Pohnsdorf nahe Kiel, der Klosterforst Preetz.Klosterregister Preetz ∙ campus beatae mariae Augustinerinnen Klosterprojekt der Universität Kiel.Grüne Stationen in Kiel, Klosterforst Preetz Webseite der Landeshauptstadt Kiel. Die gesamte Region zwischen Ostsee, Passader See und Selenter See wird bis heute Probstei genannt, weil sie jahrhundertelang vom Preetzer Klosterprobst verwaltet wurde und bis heute vom Amt Probstei.
Die Gesamtanlage des Klosters sowie sämtliche Klostergebäude stehen unter Denkmalschutz., Landesregierung Schleswig-Holstein.Adeliges Kloster Preetz, Deutsche Stiftung Denkmalschutz.
Geschichte Gründung Die Erstgründung des Benediktinerinnenklosters zu Preetz in der Diözese Lübeck wird um 1210 unter dem dänischen Statthalter in Holstein Graf Albrecht von Orlamünde, Sohn der Schwester Königs Waldemar II. angenommen. Die Zeit der Gründung geht aus den Aufzeichnungen des von Propst Bockholt veranlassten Registers aus dem Jahr 1286 hervor (siehe Abschnitt Bockholtsches Register). Demnach übergab Herdericus, der Pfarrer der Stadtkirche Preetz, die Pfarrkirche der Ortschaft Graf Albrecht, um dort ein Nonnenkloster einzurichten. Herdericus wurde der erste Klosterprobst. Eine Stiftungsurkunde ist jedoch nicht vorhanden, die erste urkundliche Erwähnung eines Nonnenklosters in Preetz stammt vom 4. April 1220. Graf Albrecht erteilte dem Kloster 1221/22 zahlreiche Privilegien wie die Gerichtsbarkeit über die Hörigen und stattete es mit Einkünften und einem großen, unbesiedelten Waldgebiet aus, das sich vom Honigsee westlich von Preetz bis zur Kieler Förde erstreckte.Kloster Preetz ∙ Benediktinerinnen, Ordo S. Benedicti (OSB), Klosterprojekt der Universität Kiel. Der Lübecker Bischof Bertold übertrug dem Kloster Rechte an der Pfarrkirche und den Zehnt aus dem Kirchspiel Preetz und aller künftig auf dem überlassenen Gebiet entstehenden Kirchspielen und räumte ihm die Archidiakonatsgewalt ein.Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden (SHRU) 1, 237. 1224 wurde das Kloster Campus beate Marie (= Marienfeld) genannt. Es war also der Gottesmutter Jungfrau Maria geweiht.Johannes Rosenplätner, Katja Hillebrand: Preetz. Benediktinerinnen. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 342 f. 1223 begannen die Schauenburger Grafen mit Unterstützung der Truppen der Städte Lübeck und Hamburg gegen den dänischen König ihre im Jahr 1203 an die Dänen verlorenen Gebiete wieder zurückzuerobern. 1225 konnten sie Graf Albrecht gefangen nehmen und 1227 in der Schlacht von Bornhöved den dänischen König besiegen. Noch vor der entscheidenden Schlacht übertrug der Schauenburger Adolf IV. bereits 1226 dem Kloster ein nahezu 4000 Hektar großes Wald- und Wiesengebiet sowie Siedlungsland nordöstlich der Kieler Förde. Mit dieser Stiftung stellte er sich selbst als Gründer dar.Johannes Rosenplätner, Katja Hillebrand: Preetz. Benediktinerinnen. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 343. Die ersten Konventsgebäude standen vermutlich direkt neben der Pfarrkirche. Doch bereits 1232 wurde das Kloster zum ersten Mal verlegt. Um 1230 zogen die Nonnen nach Erpesvelde, etwa 4 km westlich von Preetz. Am 26. August 1236 bestätigte Papst Gregor IX. den Preetzer Frauenkonvent und schrieb erstmalig davon, dass die Nonnen der Regel des heiligen Benedikt folgen.Adam Jessin: Diplomatarium des Klosters Preetz (= Urkundensammlung der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte. Band 1). Kiel 1839, S. 206, Nr. XIV. Um 1240 siedelte der Konvent für einige Jahre in die Probstei nach Lutterbek um, wo in der Nähe vom Lübecker Bischof in Karcenhagen (Probsteierhagen) eine Kirche errichtet wurde. Unter Propst Fredericus (amt. 1246–1251) kehrten die Nonnen nach Preetz an die Stadtkirche zurück, von wo aus sie um 1260 an den heutigen Standort umzogen,Die Chronik des Adeligen Klosters Preetz, Preetzer Schützengilde. wo sofort mit dem Bau einer Klosterkirche begonnen wurde. mini|Eiche auf dem Klosterhof um 1895 mini|Eiche auf dem Klosterhof, Mai 2013
Gründungssage Der Sage nach erschien Graf Albrecht von Orlamünde, als er bei der Jagd unter einer großen Eiche einem Hirsch gegenüberstand, ein Zeichen, das er deutete, dass der Ort heilig sei. An diesem Ort ließ er das Kloster errichten. Die Eiche auf dem Klosterhof soll noch aus der Zeit der Gründung des Preetzer Klosters stammen, als rundherum noch Wald war. Untersuchungen im Jahr 1999 zufolge beträgt das Alter dieses Baumes allerdings etwa 450–500 Jahre, was nicht ganz mit dem Gründungsjahr zusammenpasst.Adeliges Kloster Preetz, Schleswig-Holsteinische Ritterschaft, 2010.
Entwicklung Im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts erfreute sich das Kloster dank seiner reichen Ausstattung großen Zuspruchs. In einem Kontrakt vom 21. Januar 1286, der die Einkünfte zwischen Propst, Konvent und Priorissa (Priorin) regelt, wurde die Anzahl der Nonnen unter Verweis auf eine Anordnung von Bischof Burchard von Serken auf 70 beschränkt. Erstmals ist von einer Priorin (bei den vier ritterschaftlichen Damenstiften in Schleswig-Holstein traditionell Priörin genannt) die Rede.Hein 1984, S. 501. Aus dem Jahr 1286 datiert auch das Register des Propstes Conradus Bockholdt, das Registrum praepositorum et conventus in Porez. Es belegt als exakte Fleißarbeit kluge und umsichtige Amtsführung und ist zumal im Blick auf die Anfänge des Klosters als Quelle von hohem geschichtlichen Wert anzusehen. Mit Zusätzen versehen, wurde das Registrum bis ins 16. Jahrhundert fortgeschrieben.
1306/07 wurde die Klosterkirche durch einen Brand schwer beschädigt und anschließend bis in die 1330er Jahre neu aufgebaut. 1307 stiftete Johann II. von Holstein-Kiel eine Vikarie für seine verstorbene Mutter Elisabeth, sich selbst und seine Familie und ließ sie ausstatten.Adam Jessin: Diplomatarium des Klosters Preetz (= Urkundensammlung der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte. Band 1). Kiel 1839, S. 224–226, Nr. XXXV. Im Jahr 1316 schlossen die Nonnen eine Gebetsverbrüderung mit dem Zisterzienserkloster Rüde.Adam Jessin: Diplomatarium des Klosters Preetz (= Urkundensammlung der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte. Band 1). Kiel 1839, S. 228 f., Nr. XL.
Während des 25-jährigen Krieges der Holsteiner mit dem dänischen König Erich von Pommern von 1415 bis 1440 unterstützte das Kloster genötigt die gräfliche Kriegsführung durch Einwilligung in die Heeresfolge der Hintersassen, die Gestellung von Pferden und Wagen sowie Getreidelieferungen. Die Kriegszeit zehrte auch an der Substanz des Klosters bis hin zur „Lockerung der Sitten“. 1437 verbot der Lübecker Bischofsvikar Johannes Berthold den Preetzer Nonnen unter Androhung der Exkommunikation „allen Umgang mit den Männern“.Klosterarchiv, Register S. 38, Nr. 15. Die Klosterschule muss trotzdem einen guten Ruf gehabt haben, überliefert sind von 1416 bis 1491 die Namen von Schülerinnen, die meist dem Adel oder Lübecker Patrizierfamilien entstammten.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sind Reformbemühungen im Preetzer Konvent greifbar, die denen der Bursfelder Kongregation nahestehen, die also vor allem die „Rückkehr zur Regel“ und zur ursprünglichen benediktinischen Spiritualität verfolgten. Der Lübecker Bischof Albert II. Krummendiek stattete dem Kloster Preetz 1488 seinen Besuch ab, um den damals neuen Altar im Nonnenchor der Kirche zu weihen. Bei Visitationen durch Abt Heinrich vom Benediktinerkloster Cismar, Primas Andreas vom Augustinerchorherrenstift Bordesholm und die beiden Adligen Benedikt Pogwisch und Ove Rantzau wurden 1491 einige Missstände aufgedeckt. Beschlossen wurde daraufhin die Vermeidung aller unnützen Ausgaben.
Für Klöster bestand auch die Verpflichtung, den Landesherren samt Gefolge zu beköstigen. Als 1490 die Landesteilung zwischen König Hans von Dänemark und Herzog Friedrich erfolgte, fiel das Kloster Preetz dem König zu, „daß es ihn bewirte“.Freytag 1977, S. 165. 1519 erwarb das Kloster das Dorf Barmissen und erlangte damit die größte Ausdehnung seines Grundbesitzes.Johannes Rosenplätner, Katja Hillebrand: Preetz. Benediktinerinnen. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 347. 1526 besuchte König Friedrich I. das Kloster. Es war die Zeit, als die Reformation in Dänemark und in den Herzogtümern Schleswig und Holstein an Boden gewann.
Säkularisation und Aufhebung des Klosters Im Zuge der Reformation predigte bereits 1526 ein evangelischer Prediger im Kloster. Seinen Status als Benediktinerinnenkonvent verlor das Kloster aber unter König Christian III., der nach Annahme der Kirchenordnung 1542 am 21. März 1542 die Rechte des Klosters mit der Auflage bestätigte, dass die Kirchenordnung ungekrencket bleibe. Die Klosterverfassung blieb weitgehend bestehen. Den Nonnen wurde freigestellt, das Kloster zu verlassen. Der erste eindeutig evangelische Propst war Wulf von Rantzau. Die erste Priorin, die das Kloster im Sinne der neuen Kirchenordnung leitete, hieß Dorothea von Rantzau. Schon zu katholischer Zeit waren die Nonnen überwiegend Angehörige des holsteinischen Adels, was nach der Reformation die Umwandlung in ein adliges Damenstift bis 1566 erleichterte.
Neben den Nonnenklöstern Itzehoe, Uetersen und St. Johannis vor Schleswig wurde auch das Preetzer Kloster eine Stiftung für Töchter des eingeborenen schleswig-holsteinischen Adels (Equites Originarii) sowie derjenigen Adelsfamilien, die in die schleswig-holsteinische Ritterschaft formell aufgenommen (rezipiert) worden waren. Die Ritterschaft konnte die Güter der vier Nonnenklöster im Wesentlichen zusammenhalten. Am Bestand der Jungfrauenklöster rüttelte Christian III. von Dänemark nicht. Der Bestand war schon mehrmals, 1533 durch Bestätigung der Privilegien, 1541 in einer Anweisung zur Visitation und 1542 in der Kirchenordnung garantiert worden. So blieb der Besitz der Klöster bei ihrer Umwandlung in evangelische Damenstifte unangetastet.
Für das Kloster in Preetz wurde die Höchstzahl der Konventualinnen einschließlich der Priorin auf 40 festgesetzt.
Fortbestand als Adliges Damenstift