mini|Das Schwimmdock III der Lloyd Werft Die Lloyd Werft Bremerhaven GmbH ist eine Schiffswerft in Bremerhaven. Sie wurde 1857 als Werkstatt der Reederei Norddeutscher Lloyd (NDL) gegründet, kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken und führte insbesondere Reparatur, Umbau sowie Verlängerungen von großen Schiffen durch. Nach dem Strategiewechsel von 2017 konzentriert sich die Lloyd-Werft auf den Bau von Megayachten und Prototypen.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 340 eigene Mitarbeiter auf einem Gelände von 260.000 m² zwischen Verbindungshafen und Kaiserhafen III. Schiffe mit einem Tiefgang von maximal 11,5 m können gedockt werden.

2015 wurde die Lloyd Werft Bremerhaven GmbH von Genting Hong Kong übernommen. Anfang März 2022 wurde die Werft an die Rönner-Zech-Gruppe verkauft. Im Mai 2023 beteiligte sich die Fr. Lürssen Werft mit 25 % an der Lloyd Werft.

Geschichte Gründung Schon im Gründungsjahr der Reederei „Norddeutscher Lloyd“ wurde in Bremen und kurz darauf in Bremerhaven eine Reparaturwerkstatt eröffnet. Der Bremer Betrieb kümmerte sich anfangs vorwiegend um die lloydeigenen Binnenschiffe der Schleppschifffahrt. Aus diesem Betrieb und der alten Werft der AG Weser ging auf Initiative des Norddeutschen Lloyds im Januar 1902 die Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik hervor, aus denen 1911 die Atlaswerke AG entstanden.

Der Bremerhavener Betrieb war für die Reparatur und Ausrüstung der Seeschiffe zuständig, und mit der schnell wachsenden Flotte wurde 1862 eine weitere, größere Werkstatt eröffnet. Diese Werkstätten, lange als „Werkstattschuppen“ bezeichnet, befanden sich an der westlichen Seite des Alten Hafens bzw. am südlichen Ende des „Neuen Hafens“ und waren der eigentliche Ursprung des „Technischen Betriebes“. Größere Reparaturen und Arbeiten am Unterwasserschiff wurden in den an der Geestemündung liegenden Trockendocks von Lange, Ulrichs, Wencke und Tecklenborg durchgeführt. Da das Verholen vom Liegeplatz im Neuen Hafen, in dem sich damals auch die erste Lloydhalle von 1870 zur Passagierabfertigung befand, in die Geestemündung nur bei Hochwasser und mit aufwendigen Manövern und Schlepperassistenz möglich war, wurde 1869 ein eigenes Trockendock im Neuen Hafen geplant.

1871: Bau des 1. Trockendocks mini|Das erste Trockendock der Werft war ein Doppeldock und entstand 1871 an der Weser neben dem Leuchtturm

Im Dezember 1871 war das erste Dock, ein Doppeldock nach Plänen des Leiters der Hafenbaudirektion Carl Friedrich Hanckes, an der Westseite des Neuen Hafens fertig. Die Eröffnung erfolgt im Januar 1872 mit der Dockung des Dampfseglers Deutschland. Damit die zwölf Schnelldampfer der Flüsse-Klasse gedockt werden konnten, wurde die östliche Hälfte 1891 um 19 auf 139 Meter verlängert. Die westliche Hälfte blieb mit der Länge von 120 Meter unverändert. Zu dieser Zeit waren rund 1000 Mitarbeiter in dem „Technischen Betrieb“ beschäftigt. Bisher hatte jede Werkstatt ihre eigene Kesselanlage mit Betriebsdampfmaschine zum Antrieb der Arbeitsmaschinen. Ab 1903 wurde eine große Kraft- und Lichtzentrale gebaut und die elektrische Versorgung für Kraft- und Lichtverbraucher eingeführt.

Nachdem der Schiffbauingenieur Johann Schütte 1899 nachgewiesen hatte, warum der gerade gelieferte Schnelldampfer Kaiser Friedrich die vereinbarte Geschwindigkeit nicht erreichen konnte, beauftragte ihn der Lloyd mit der Errichtung einer Schleppversuchsstation in Bremerhaven. Sie wurde an der Westseite des Neuen Hafens errichtet. Aufgrund der hier durchgeführten Versuche und dabei gewonnenen Ergebnisse zu Fragen des Widerstandes und der Geschwindigkeit bei Schiffen mit Mehrschrauben-Antrieb wurde Schütte schnell zur international anerkannten wissenschaftlichen Autorität und erhielt bald darauf einen Ruf als Professor an die Technische Hochschule Danzig.

Mit dem Betrieb in Bremerhaven und dem Doppeldock wurde die vorwiegend im Überseedienst fahrende Lloydflotte von rund 95 Seeschiffen und mehr als 50 Küstendampfer in Betrieb gehalten. Im Bremer Betrieb kümmerte man sich vorwiegend um die rund 180 Schleppschiffe und Leichter die Binnenschiffsflotte. Da das Trockendock nicht immer reichte, wurde 1895 in Bremerhaven ein Schwimmdock gebaut.

mini|1899, Bau des Kaiserdocks I der Lloyd Werft

Kaiserdock I 1892 wurde mit der Erweiterung des Kaiserhafens und dem Bau der Kaiserschleuse, die seinerzeit als die größte der Welt galt, begonnen. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde auch das 1. Kaiserdock mit 222 m Länge, 26 m Breite und 10,5 m Tiefe gebaut und dem Lloyd zur Pacht übergeben. Das Dock war so konstruiert, dass die Länge für kleinere Schiffe durch das Einsetzen des Dockschiffes auf 166 m verkleinert werden konnte. Im Bereich der Dockeinfahrt wurden zwei feststehende 50-t-Kräne installiert, die für Arbeiten am Propeller und Ruder genutzt wurden. Das Kaiserdock war in den Abmessungen auf die neuen Schnelldampfer der Kaiserklasse zugeschnitten und wurde 1897 fertig. Es konnte jedoch erst ab 1899 mit der Fertigstellung der großen Kaiserschleuse benutzt werden. Als erstes Schiff wurde der Reichspostdampfer Prinzregent Luitpold gedockt.

mini|1899 beauftragte der Lloyd den Schiffbauingenieur Johann Schütte mit dem Bau und Leitung einer eigenen Schiffbauversuchsanstalt in Bremerhaven

1911/12 bestand der Betrieb aus Büros, Magazinen, der Kraft- und Lichtzentrale, der Maschinenfabrik mit Modelltischlerei und Metallgießerei, der mechanischen Werkstatt, der Kessel- und Kupferschmiede, Klempnerei und galvanische Werkstatt, in der auch das Besteck und Geschirr für die Lloyd-Schiffe versilbert wurde. Außerdem gehörten eine Zimmerei, Tischlerei, Sattlerei, Segelmacherei und eine Malerwerkstatt mit zehn Farbmühlen zur Herstellung der Farben, die Feuerlöschabteilung und die Versuchsanstalt zum Werftbetrieb. 1911 wurden im Kaiserdock 107 Schiffe mit rund 950.000 BRT und im alten Doppeldock 57 Schiffe mit rund 80.000 BRT gedockt. Inzwischen betrug die Belegschaft des Betriebes fast 3000 Personen.

1908: Bau des Kaiserdocks II 1905 wurde mit dem Bau der Kaiserhäfen II und III begonnen. Im Rahmen dieser Arbeiten und durch die immer größer werdenden Passagierdampfer erfolgte von 1907 bis 1912 der Bau des Kaiserdocks II. Es hatte eine Länge von 263 m, Tiefe von 11,5 m und Einfahrtbreite von 40 m und reichte für die damals größten Schiffe. Die Stärke der aus Beton bestehenden Docksohle betrug 7,5–8,5 m, die Seitenwände hatten eine Dicke von 6 m. Die daneben liegende Zentrale enthielt die Kessel, Generatoren und Pumpen, außerdem die notwendigen Einrichtungen, um die Werkzeuge und Schiffe mit See- und Frischwasser, Dampf, Pressluft und Strom zu versorgen. Die rund 130.000 m³ Wasser im Dock konnten in etwa 2½ Stunden mit den Zentrifugalpumpen geleert werden. Am 31. Mai 1908 dockte die Neckar als erstes Schiff hier ein. 1913 begann der schrittweise Umzug der Technischen Betriebe (TB) vom ursprünglichen Betriebsgelände beim 1. Trockendock, das immer noch gut ausgelastet war, in den Kaiserhafen auf das Gelände der Kaiserdocks. 1931 wurde das Dock auf 335 m verlängert, damit die Neubauten Bremen und Europa gedockt werden konnten.

mini|Blick auf das Gebäude der ehemaligen Wäscherei der Reederei Norddeutscher Lloyd, das heute zur Lloyd Werft gehört und als Bürogebäude genutzt wird

1914–1918: Erster Weltkrieg Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges änderte sich der Werftbetrieb vollständig und war in den folgenden Jahren nicht mehr mit der Überholung und Instandhaltung der NDL-Flotte beschäftigt. Diese war entweder vom Feind beschlagnahmt, lag in neutralen ausländischen Häfen oder lag ohne Beschäftigung in Weserhäfen. 600 Beschäftigte wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Bald darauf wurden Frauen eingestellt, die zum Granatendrehen beschäftigt wurden. Ein Teil der Seeleichter wurden mit Antrieben versehen, damit sie zur Bedienung von Minen- und Torpedonetzsperren in der Jade- und Wesermündung eingesetzt werden konnten. Auch die dafür notwendigen Stahlnetze wurden im Werftbetrieb hergestellt. Die Passagierschiffe Kaiser Wilhelm der Große und die Berlin wurden zu Hilfskreuzern umgebaut und mit Geschützen ausgestattet. Aus Fischdampfern entstanden beim Technischen Betrieb Vorpostenboote. Fünf Personenzüge wurden im Auftrag der Reichsbahn zu Lazarettzügen umgebaut. Die Dampfer Cassel, Chemnitz, Frankfurt, Hannover, Schleswig und Sierra Ventana wurden zu Lazarettschiffen umgebaut. Da im Laufe der Kriegsjahre die Reparaturen an den Kriegsschiffen ständig zunahm, wurden ehemalige Werftarbeiter aus dem Feld zurückgeholt, um den Anforderungen der Kaiserlichen Marine zu genügen. Das Kaiserdock wurde zum U-Boot-Stützpunkt ausgebaut und das Handels-U-Boot Deutschland wurde nach der Rückkehr im August 1916 beim TB des NDL gedockt und überholt.

Nachkriegszeit bis 1933 Die Soldaten wurden wieder eingestellt, denn das Demontagegesetz bestimmte, dass alle betroffenen Mitarbeiter weiter beschäftigt werden mussten. Aufgrund der starken Lohnkürzung im Krieg setzte die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von 0,80 auf 2,50 RM durch. Neben diversen Schleppern und Leichtern wurde an einem rund 800 BRT großen Tender gearbeitet, der zum Seebäderschiff Grüßgott umgebaut wurde und damit das größte Schiff vom NDL war. Von der Reichsbahn kam der Auftrag, die Lazarettzüge wieder in Personenzüge umzubauen. 1920 erfolgte die Umwandlung des TB zu einer selbstständigen GmbH.

1921 beteiligte sich der Betrieb an einer Abwrackgemeinschaft, der unter anderen die Stahlwerke Krupp, Hoesch, Stumm, Mannesmann sowie die Schrotthandelsgesellschaft Max Stern aus Gelsenkirchen angehörten. Ab 1922 wurden neben und im Kaiserdock I die Abwrackarbeiten durchgeführt. Frankreich und Russland lieferten ausgediente Kriegsschiffe. Der französische Panzerkreuzer La Justice wurde als erstes demontiert und verwertet. Die Abwrackgemeinschaft gehörte zu den größten des Landes und hatte in den kommenden Jahren, bis die Werft wieder ausstieg, 15 Schiffe abgewrackt. Die Gemeinschaft verlegte sich daraufhin auf die andere Seite des Docks.

Von den Siegermächten beschlagnahmte Schiffe wie die Seydlitz, Yorck und Hannover wurden zurückgegeben und von der Werft gründlich überholt. Es dockten auch ausländische Schiffe aus den USA, Norwegen und England, die in der Regel in wertvollen Devisen zahlten. Die Arbeiter erhielten aufgrund der seit 1921/22 zunehmenden Inflation weitgehend wertloses Papiergeld. Rund 2400 Beschäftigte arbeiteten auf der Werft. Ab 1922/23 durfte der NDL größere Schiffe bauen. Für 14 Schiffe fertigte die Werft viele Hilfsmaschinen. Einer der zwei seit 1913 bei Schichau auf der Werft Danzig (Schichau-Werke) in Bau befindlichen Schnelldampfer, die Hindenburg, wurde als Columbus 1923 zum TB geschleppt und hier fertiggestellt. Auch die Dampfer Derfflinger, Hannover und Princess Matoika ex Prinzess Irene wurden für den NDL wieder in Stand gesetzt. Die Inflation beschleunigte sich und die Druckerpressen konnten das Geld nicht so schnell drucken, wie es notwendig war. Daher erhielten die Unternehmen, auch der TB, die Erlaubnis, Notgeld in Form von gedruckten Schecks auszugeben. Mit der Beendigung der Inflation nahm die Arbeit ab und es erfolgten Entlassungen. Die Zahl der Beschäftigten sank auf rund 500.