Eine Umweltzone (auch Niedrig-Emissions-Gebiet genannt) ist ein geographisch definiertes Gebiet – meist in städtischen Ballungsräumen –, in dem der Betrieb nicht als schadstoffarm gekennzeichneter Kraftfahrzeuge verboten ist, was der Verbesserung der lokalen Luftqualität dienen soll. Daneben gibt es den Begriff der Null-Emissions-Zone (NEZ), in der zum Beispiel nur Elektrofahrzeuge erlaubt sind.
Europa Die Städte und Gemeinden in elf Ländern in ganz Europa haben über 300 Umweltzonen eingerichtet oder bereiten diese vor, um die geltenden Grenzwerte für die Luftqualität einzuhalten (siehe auch Luftreinhalteplan und die europäischen Richtlinien 96/62/EG, 1999/30/EG und 2008/50/EG). Die meisten Umweltzonen umfassen den Teil einer Stadt oder betreffen besonders belastete Straßenabschnitte.Mehrsprachige Übersicht im Internet, www.urbanaccessregulations.eu
Nach einer Untersuchung der Europäischen Umweltagentur sind mehrere Emittenten für die Schadstoffbelastung verantwortlich. So wurde festgestellt, dass – unter Einbeziehung der Gebiete ohne Grenzwertüberschreitung – im EU-weiten Durchschnitt der Hausbrand 27 % und der Straßenverkehr 11 % Anteil an den PM2.5-Emissionen und bei den PM10-Emissionen der Hausbrand 19 % und der des Straßenverkehrs unter 9 % Anteil habe.European Environment Agency: European Community emission inventory report 1990–2007 under the UNECE Convention on Long-range Transboundary Air Pollution (LRTAP). Office for Official Publications of the European Communities, Luxembourg 2009. ISBN 978-92-9213-005-3. . EEA Technical report series: . doi:10.2800/12414, Seite 41 und 44.
Deutschland
Gesetzliche Grundlagen
Gesetzliche Grundlagen in Deutschland sind seit 2007 die Verordnung zur Kennzeichnung der Kraftfahrzeuge mit geringem Beitrag zur Schadstoffbelastung (35. BImSchV) und die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Gemäß StVOAnlage 2 (zu § 41 Absatz 1) – einzelne Erläuterungen der StVO zu Vorschriftzeichen. wurde hierfür ein neues Vorschriftzeichen mit der Nummer 270.1 (Beginn eines Verkehrsverbots zur Verminderung schädlicher Luftverunreinigungen in einer Zone) in den amtlichen Verkehrszeichenkatalog (VzKat) aufgenommen. Das bisherige Zeichen 270 (Verkehrsverbot bei Smog) wurde durch die neuen Zeichen 270.1 und 270.2 ersetzt, die den Beginn und das Ende einer Umweltzone anzeigen. Hier gilt ein Fahrverbot für alle Kraftfahrzeuge, sofern nicht bestimmte Ausnahmekriterien erfüllt werden. Das Zeichen 270.1 kann durch ein Zusatzzeichen ergänzt werden, das Fahrzeuge mit einer entsprechend angezeigten Plakette von dem Fahrverbot ausnimmt.
Umsetzung
Umweltzonen wurden in Deutschland bisher (September 2025) in 58 Städten und Regionen in 11 Bundesländern eingeführt. 23 dieser Umweltzonen wurden wieder aufgehoben. Die größte Umweltzone besteht im Ruhrgebiet; sie ist ein zusammenhängendes Gebiet mit Anteilen von 13 Städten. Die Umweltzone Stuttgart grenzt im Norden und Osten an die regionalen Umweltzonen Ludwigsburg und Umgebung sowie Leonberg/Hemmingen und Umgebung, so dass hier insgesamt 16 benachbarte Städte und eine Gemeinde in Umweltzonen liegen. Die ersten Umweltzonen wurden am 1. Januar 2008 in Berlin, Hannover und Köln geschaffen, es folgten am 1. März 2008 sechs baden-württembergische Städte und am 1. Oktober 2008 Frankfurt am Main und München. Nach der Einführung einer Umweltzone werden in den meisten Regionen die Beschränkungen stufenweise verschärft: so wurde in der Kölner Zone ab 1. Januar 2013 die gelbe Plakette notwendig, und seit 1. Juli 2014 wird die grüne benötigt., 27. Dezember 2012
Die größte Stadt ohne Umweltzone ist Hamburg. Keine Umweltzonen gibt es in den Bundesländern Schleswig-Holstein, dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, seit Juni 2021 in Thüringen und seit Oktober 2025 in Rheinland-Pfalz.Übersicht des Umweltbundesamtes, abgerufen am 26. Februar 2012.
siehe Übersicht der Umweltzonen in Deutschland
Die Kraftfahrzeuge, die die Umweltzonen befahren und nicht unter die Ausnahmebestimmungen fallen, müssen eine Plakette der entsprechenden Schadstoffklasse aufweisen.
Forschung zu gesundheitlichen Auswirkungen Mit Einführung der Umweltzonen ab den späten 2000er und 2010er Jahren wurde das Thema Umweltzone in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Neben Aufwand für die Kommunen und wirtschaftlichen Argumenten standen vor allem die tatsächlichen Auswirkungen auf die Luftsauberkeit zur Debatte und inwiefern die menschliche Gesundheit von den Umweltzonen profitiere. Mittlerweile geben Studien Rückschlüsse auf die kurzfristigen und längerfristigen positiven gesundheitlichen Auswirkungen.
Indem Umweltzonen die Luftverschmutzung verringern, verbessern sie auch die mentale Gesundheit. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kommt zum Schluss, dass die Verringerung von Feinstaub und Stickstoffdioxid in Umweltzonen das Risiko für Depressionen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen signifikant senkt – vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Studie leitet aus ihren Ergebnissen ab, dass Umweltzonen in Deutschland jährlich 230.000 diagnostizierte Depressionen verhindern und sie so jährlich bis zu 200 Millionen Euro öffentliche Gesundheitskosten einsparen. Eine Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change hat erstmals den langfristigen, ökonomischen Nutzen von städtischen Umweltzonen für die Gesundheit von Kindern auf epidemiologisch fundierter Basis untersucht. Ein zentrales Ergebnis: Kinder, die im Mutterleib und im ersten Lebensjahr in einer städtischen Umweltzone leben, benötigen bis zum 5. Geburtstag durchschnittlich 13 Prozent weniger Anti-Asthmatika als Kinder in Vierteln ohne Umweltzone.
Öffentliche Diskussion nach Einführung von Umweltzonen in Deutschland Das Thema wurde vor allem in den Jahren nach Einführung der Umweltzonen in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Eine Reihe von Fürsprechern und Gegnern bringt teilweise widersprüchliche Argumente hervor: Während von einer Seite der Automobilindustrie vorgeworfen wird, auf die gesetzlichen Regelungen Einfluss genommen zu haben, um die Verkäufe anzukurbeln und Arbeitsplätze zu sichern,„Merkel fordert sparsamere Autos“, Tagesspiegel, 11. Februar 2007. argumentierte die Automobilindustrie 2007, dass Fahrzeuge mit höheren Umweltstandards schwer verkäuflich seien.Die sparsamsten Autos sind Ladenhüter. In: Süddeutsche Zeitung, 29. Januar 2007.
Einzelne lokalen Bürgerschaftsfraktionen forderten die Abschaffung von Umweltzonen. In der CDU gab es hierzu lokal unterschiedliche Haltungen.
Eine Kritik lautete, dass Grenzwerte für Feinstaub massenbezogen und nicht stoffspezifisch sind. Überschreitungen der Feinstaub-Grenzwerte würden regelmäßig auf den Langstreckentransport von Partikeln zurückgehen. Einen Grenzwert für Rußpartikel gebe es hingegen nicht.Detlev Möller: (PDF; 815 kB), UWSF – Z Umweltchem Ökotox 20 (2) 2008.
Ab 2011 wurde bemängelt, dass die Einstufung der Fahrzeuge auf dem unrealistischen Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) beruht.K. Borgeest: „Technische Zusammenhänge zur Bewertung rechtlicher Folgen der Einrichtung plakettenpflichtiger Verkehrszonen“, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht NVwZ, Ausgabe 16/2011 vom 30. August 2011.
Umweltzonen sollen zum Beispiel die Feinstaubbelastung an Orten, wo sie besonders hoch ist, lokal senken. Die gesundheitlichen Fragen werden beim Thema Feinstaub diskutiert. Laut Angaben des Sachverständigenrats für Umweltfragen sei der Hauptverursacher für die Belastungen mit Stickstoffdioxid und Feinstaub in den städtischen Ballungsgebieten nach wie vor der Straßenverkehr. Umweltzonen hätten unter den lokalen, verkehrsbezogenen Maßnahmen das größte Minderungspotential bei PM10- und NO2-Immissionen.Rat von Sachverständigen für Umweltfragen: Umweltgutachten 2008. Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels (PDF; 5,2 MB), März 2008, Bundestagsdrucksache 16/9990, S. 161, 226.
Für die Umweltzone München hat eine Studie des Helmholtz Zentrums München anhand der PM10-Werte von Oktober 2008 bis Januar 2009 im Vergleich zu den Vorjahreswerten eine Erhöhung der Feinstaubbelastung an den zwei verkehrsnahen Messstandorten festgestellt. Dies führen die Autoren auf Inversionswetterlagen mit niedriger Windgeschwindigkeit zurück, die im Winter 2008/2009 fast doppelt so häufig auftraten wie im Vorjahreszeitraum (300/560 Stunden über 4 Monate). Durch Vergleich mit einer Messstation am Stadtrand von München, die vor allem die Hintergrundbelastung ermittelt, wurde unmittelbar an den stark belasteten Standorten Stachus und Prinzregentenstraße mittels entsprechender Annahmen eine lokale Verminderung der Feinstaubbelastung um etwa 10 % berechnet.Josef Cyrys, Anette Peters, H.-Erich Wichmann: Umweltzone München – Eine erste Bilanz. In: Umweltmedizin in Forschung und Praxis, 14 (3) 2009, Seite 127–132. Hüthig Jehle Rehm, Landsberg 2009. Abgerufen am 23. Dezember 2009. Eine weitere Auswertung derselben Münchener Messdaten, unter anderem durch Forschungsbeiratsmitglieder der Lobbyorganisation EUGT, kritisierte die Auswertung dieser Arbeit als fehlerhaft und kam mit einem anderen Ansatz 2013 zu dem Schluss, „dass sich keine Wirkung der Umweltzone auf die Staubkonzentration statistisch sichern lässt.“P. Morfeld, R. Stern, P. Builtjes, D. A. Groneberg, M. Spallek: Einrichtung einer Umweltzone und ihre Wirksamkeit auf die PM10-Feinstaubkonzentration – eine Pilotanalyse am Beispiel München (PDF; 5,1 MB), Zbl Arbeitsmed 63 (2013) 104–115.
Laut einem Erfahrungsbericht 2011 von Joachim Lorenz, dem Referenten für Gesundheit und Umwelt der Stadt München, wirkt sich die Umweltzone positiv auf die Luftqualität in der Stadt aus. Aufgrund der Einflüsse von Witterungsbedingungen sowie weiterer Störparameter sei eine zuverlässige Quantifizierung der Effekte allerdings nicht möglich.Joachim Lorenz: Feinstaub: Beim Immissionsschutz sind alle in der Pflicht, Erfahrungen mit der Umweltzone in München (PDF; 2,7 MB), UMID. Umwelt und Mensch – Informationsdienst, Nr. 4/2011, S. 23.
Nach Aussage der Berliner Umweltsenatorin Katrin Lompscher sei in ihrer Stadt durch die Umweltzone im Jahr 2008 an Hauptverkehrsstraßen die Konzentration von Feinstaub um etwa 3 % und von Stickstoffdioxid um etwa 10 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der Dieselrußausstoß des Straßenverkehrs sei um 28 %, der Stickoxidausstoß um 18 %, der Fahrzeugbestand ohne Plakette bei Pkw um 58 % und bei Nutzfahrzeugen um 29 % zurückgegangen. Anhand der Luftgüte-Messdaten lasse sich ein Rückgang der durch den Verkehr verursachten Rußpartikel um 14 % bis 22 % nachweisen.Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin (Hrsg.): Senatorin Lompscher: Die Umweltzone wirkt. Pressemitteilung vom 15. April 2009. Abgerufen am 27. Mai 2011.Martin Lutz, Annette Rauterberg-Wulff: , Stand Mai 2009 (PDF; 810 kB). Laut Angaben des ADAC seien bei der Feinstaubkonzentration in Berlin im Jahresvergleich 2008 zu 2007, je nach Messstation, ein Rückgang von bis zu 4,7 % und eine Zunahme von bis zu 5 % zu verzeichnen gewesen.