mini|Die Lage von Mauritius zu Afrika mini|Die wichtigsten historischen Orte auf Mauritius
Die Geschichte von Mauritius umfasst die Geschichte des modernen Staates Mauritius sowie der vorangegangenen europäischen Kolonisation der afrikanischen Insel, die östlich von Madagaskar gelegen ist. Nachdem die Portugiesen die Insel nur als Stützpunkt nutzten, aber nicht als Kolonie, begann die Besiedlung von Mauritius erst 1598 mit Inbesitznahme durch die Niederlande, die die Insel nach dem Prinzen Moritz von Oranien (lat. Mauritius) benannten. Als die Niederländer die Insel 1710 verließen, wurde sie von den Franzosen besetzt, allerdings eroberten 1810 die Briten die Insel. Seine Unabhängigkeit erreichte Mauritius am 12. März 1968 und wurde am 12. März 1992 nach Einführung einer neuen Verfassung eine Republik.
Vorkoloniale Zeit Vor etwa acht Millionen Jahren entstand die Inselgruppe der Maskarenen, zu denen Mauritius, Rodrigues und Réunion gehören, aufgrund von vulkanischen Aktivitäten im südwestlichen Teil des Indischen Ozeans.
Ob die Insel schon Phöniziern und Malaien bekannt war, ist unbekannt. Erzählungen zufolge sollen letztere auf ihren Reisen von Madagaskar nach Indonesien die Insel entdeckt haben. Beweise dafür gibt es allerdings nicht. Die Insel ist auf einigen alten arabischen Seekarten verzeichnet und war den Arabern schon im 10. Jahrhundert bekannt. Arabische Seefahrer nannten die Insel Dina Harobi, was so viel heißt wie „verlassene Insel“.Alain Proust, Alain Mountain: Mauritius. Faszination Ferne Länder. New Holland 1995, S. 15 Später soll daraus Dina Robin geworden sein, was „Silberinsel“ bedeutet. Die Araber ließen sich aber nicht auf der Insel nieder, da sie vorwiegend Händler waren und die Insel nur zur Erholung, Nahrungsmittel- und Trinkwasseraufnahme nutzten. Aus diesem Grund sind auch keine Spuren oder Überreste von ihnen zu finden.Ulrich Fleischmann, Eberhard B. Freise: Mauritius. Bucher’s Fernreisen. München und Berlin 1991, S. 8
Portugiesische Zeit (1507–1598) mini|300px|Cantino Planisphere, 1502 mini|150px|Karte von Pietro Coppo, Venedig, veröffentlicht 1520
Ob Vasco da Gama, der 1498 als erster Europäer den Seeweg nach Indien entdeckte, auch der Erste war, der die Maskarenen entdeckte, ist nicht bekannt. Auf der portugiesischen Cantino-Karte von 1502 sind sie jedenfalls eingezeichnet. Dies kann aber auch daher kommen, dass die Lage der Inseln von einer arabischen Karte übernommen wurde.
Offiziell von Europäern entdeckt wurde die Insel 1507 (andere Quellen nennen 1505 oder auch 1510) durch den Portugiesen Diego Fernandez Pereira. Er nannte die Insel Ilha do Cerne, was so viel heißt wie Schwaneninsel. Einige Quellen besagen, dass das eine Anspielung auf die Dodos sei. Andere Quellen besagen, Cerne sei „der Name des Schiffes von Pareira gewesen“. Pedro Mascarenhas sichtete die Inselgruppe etwa zehn Jahre später. Nach ihm wurden die drei Inseln seit 1620 in Karten als Islas Mascarenhas bezeichnet. Noch heute heißt die Inselgruppe nach ihm Maskarenen.
Die Portugiesen sahen in der Insel aber keinen nützlichen Anlaufhafen, da sie relativ isoliert liegt und zu jener Zeit keine Handelsgüter bot. Der portugiesische Hauptstützpunkt in Afrika war Mosambik; daher nutzten die portugiesischen Segelschiffe den Kanal von Mosambik, um nach Indien zu gelangen. Hinzu kommt, dass die weiter nördlich gelegenen Komoren auf der Route nach Süd- und Ostasien günstiger gelegen sind und daher vorwiegend als Anlaufhafen verwendet wurden. Aus diesem Grund wurden die Maskarenen von den Portugiesen nicht als dauerhaft besetzte Kolonie genutzt. Sie landeten dort nur gelegentlich, um sich auf dem Seeweg durch den Indischen Ozean mit frischem Wasser und Verpflegung einzudecken. Hierzu brachten sie zusätzlich zu den heimischen Tierarten Rinder, Schweine und Affen auf die Insel.
Niederländische Zeit (1598–1710) Niederländische Segelschiffe (1598–1637) mini|Moritz von Oranien
1598 startete eine niederländische Expedition, bestehend aus acht Schiffen von Texel (Niederlande) aus, unter dem Kommando von Admiral Jacques Cornelius van Neck und Wybrandt van Warwyck in Richtung des indischen Subkontinents. Die acht Schiffe gerieten in stürmische See, nachdem sie das Kap der Guten Hoffnung passiert hatten, und wurden getrennt. Drei Schiffe fanden ihren Weg zur Nordostküste von Madagaskar, während die übrigen fünf eine südöstlichere Route einschlugen. Am 17. September 1598 kamen die Schiffe unter dem Kommando von Admiral van Warwyck in Sichtweite der Insel. Am 20. September landeten sie in einer geschützten Bucht und gaben ihr den Namen „Port de Warwyck“ (der heutige Name ist Grand Port), im Südosten der Insel. Sie entschieden sich, die Insel „Prins Maurits van Nassaueiland“ zu nennen, in Anlehnung an den Prinzen Moritz von Oranien (ndl. Maurits, lat. Mauritius) aus dem Haus Nassau, den Statthalter von Holland.Alain Proust, Alain Mountain: Mauritius. Faszination Ferne Länder. New Holland 1995, S. 16 Aus dieser Zeit ist heute nur noch der Name Mauritius erhalten. Am 2. Oktober brachen die Schiffe nach Bantam auf.
Seit dieser Zeit wurde der „Port de Warwyck“ häufig als Anlaufhafen für Zwischenstopps nach langen Monaten auf See verwendet. 1606 landete eine Expedition dort, wo heute Port Louis liegt, im Nordwesten der Insel. Die Expedition, bestehend aus elf Schiffen und 1.357 Mann unter dem Kommando von Admiral Corneille, landete an einem Strand, den sie aufgrund der vielen Landschildkröten dort „Rade des Tortues“ (Hafen der Schildkröten) nannten.Auguste Toussaint, Histoire des îles Mascareignes. Paris 1972, S. 24
Seit dieser Zeit wählten niederländische Schiffe „Rade des Tortues“ regelmäßig als Anlaufhafen auf der Route nach Indien. Nach dem Schiffbruch und dem damit verbundenen Tod des Gouverneurs Pieter Both, der mit vier beladenen Schiffen auf dem Rückweg von Niederländisch-Indien war, verbreitete sich ab 1615 das Gerücht, dass die Route über Mauritius verflucht sei. Daraufhin versuchten niederländische Segler diese Route weitestgehend zu meiden und stattdessen den Weg über Madagaskar einzuschlagen.
In der gleichen Zeit drangen Engländer und Dänen immer weiter in den Indischen Ozean vor. Diejenigen von ihnen, die auf der Insel landeten, fällten die Ebenholzbäume, die es damals noch im Übermaß gab, und nahmen die wertvolle Rinde mit.
Niederländische Kolonialisierung (1638–1710) Die niederländische Kolonialisierung begann 1638 und endete 1710 mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung zwischen 1658 und 1666. Das Eiland war während der ersten 40 Jahre seit der Entdeckung durch die Niederländer nicht durchgehend besiedelt, aber 1638 gründete Cornelius Gooyer die erste feste Siedlung auf Mauritius als eine Garnison von 25 Einwohnern, mit dem Namen Fort Frederik Hendrik. Damit wurde er auch erster Gouverneur der Insel. Frankreich nahm im selben Jahr die benachbarten Inseln Rodrigues und Réunion in Besitz. 1639 kamen weitere 30 Siedler, um die niederländische Kolonie zu verstärken. Gooyer wurde beauftragt, das Handelspotential der Insel auszuweiten, aber schließlich wegen Erfolglosigkeit abberufen. Sein Nachfolger wurde Adriann van der Stel, der begann, Ebenholzrinde zu exportieren. Für diesen Zweck kaufte Van der Stel 105 madagassische Sklaven. Innerhalb der ersten Woche gelang es 60 Sklaven, in die Wälder zu flüchten, und nur etwa 20 von ihnen konnten schließlich wieder zurückgeholt werden.Dr A. Satteeanund Peerthum: Resistance Against Slavery. In: Slavery in the South West Indian Ocean, MGI, 1989 S. 25
1644 mussten die Einwohner einige Schicksalsschläge wie Zyklone, schlechte Ernten und Verspätungen von Versorgungsschiffen überwinden. In diesen Monaten lebten die Kolonisten lediglich vom Fischen und Jagen. Nichtsdestoweniger sicherte sich van der Stel die Zusendung von 95 weiteren Sklaven aus Madagaskar, bevor er nach Sri Lanka versetzt wurde. Sein Nachfolger wurde Jacob van der Meersh. 1645 ließ dieser sich 108 weitere Sklaven aus Madagaskar bringen. Van der Meersh verließ Mauritius 1648 und wurde durch Reinier Por ersetzt.
In den Jahren 1652 bis 1657 mussten die Bewohner weitere Nöte überstehen. Die Bevölkerung zu dieser Zeit betrug etwa 100 Siedler. 1657 bat die Bevölkerung aufgrund der anhaltenden Belastungen endlich um Evakuierung von der Insel. Am 16. Juli 1658 verließen nahezu alle Einwohner das Eiland. Ausnahmen bildeten lediglich ein Junge und zwei Sklaven, die im Wald einen Unterschlupf gefunden hatten.Albert Pitot: T’Eyland Mauritius, Esquisses Historiques (1598–1710). 1905, S. 116 Auf diese Weise schlug der erste Versuch der Niederländer, die Insel zu kolonialisieren, fehl.
Ein zweiter Versuch wurde 1664 unternommen. Allerdings überließen die dafür ausgewählten Männer den kranken Kommandanten van Niewland seinem Schicksal, worauf dieser starb.
mini|Niederländische Schiffskarte eines Küstenabschnitts von Mauritius von Van Keulen, 1753
Von 1666 bis 1669 baute Dirk Jansz Smiet eine neue Kolonie am Grand Harbor auf, mit der Hauptaufgabe des Abholzens und Exportes von Ebenholz. Als Dirk Jansz Smiet die Insel verließ, wurde er von Georg Friedrich Wreede ersetzt. Der ertrank 1672 zusammen mit fünf anderen Kolonisten bei einer Aufklärungsexpedition. Sein Nachfolger wurde Hubert Hugo. Er war ein Mann mit Visionen, der die Insel in eine landwirtschaftliche Kolonie verwandeln wollte. Seine Vision wurde von seinen Vorgesetzten aber nicht unterstützt und er konnte seine Ideen daher nicht voll umsetzen. Isaac Johannes Lamotius wurde neuer Gouverneur, als Hugo 1677 die Insel verließ. Lamotius regierte bis 1692, bis er nach Batavia (heute Jakarta) versetzt wurde. So wurde 1692 Roelof Deodati zum neuen Gouverneur ernannt. Obwohl er versuchte die Insel weiterzuentwickeln, musste er wiederholt große Probleme meistern. Diese waren – wie in den 1650ern – Zyklone, Dürren, Schädlingsplagen, aber auch Rinderseuchen. Deodati gab schließlich entmutigt auf und wurde von Abraham Momber van de Velde ersetzt. Diesem erging es nicht besser und er war schließlich der letzte niederländische Gouverneur auf Mauritius. 1710 verließen die Niederländer die Insel endgültig. Mauritius war fast vollständig abgeholzt und die Tierbestände (wie beispielsweise die der Dodos) ausgerottet bzw. stark dezimiert.
Das Erbe der Niederländer Ein Überbleibsel der ehemaligen Herrschaft der Niederländer ist die Namensgebung der Insel und vieler Regionen auf der ganzen Insel. So ist beispielsweise der zweithöchste Berg von Mauritius nach Pieter Both benannt. Die Niederländer führten zudem Zuckerrohr aus Java ein und bauten es auf Plantagen intensiv an. So entwickelte sich mit der Zeit die Zuckerindustrie zu einem der wichtigsten Wirtschaftsgüter der Insel und die Zuckerrohrplantagen bestimmen bis heute das Erscheinungsbild des Landes. Die Siedler führten neue Tierarten ein, die aber in Konkurrenz zu den bereits vorhandenen Arten traten. Mit den Tieren wurden auch Schädlinge auf die Insel gebracht. Neben diesen beiden Faktoren hatte auch die Jagd der Kolonisten zur Nahrungsbeschaffung zur Folge, dass es zur Ausrottung bzw. Dezimierung des Dodo- und des Riesenschildkrötenbestandes kam. Auch wurden zur Gewinnung von Ebenholz und zur Platzgewinnung für den Zuckerrohranbau große Teile der Wälder zerstört und abgeholzt.
Zeit der Piraterie (1710–1715)