mini|Joseph II. um 1775 (Gemälde von Anton von Maron) rechts|rahmenlos|Josephs Unterschrift, 1787 Joseph II.Französisch Joseph II, italienisch Giuseppe II, kroatisch Josip II., lateinisch Josephus II, niederländisch Jozef II, polnisch Józef II, rumänisch Iosif al II-lea, serbisch-kyrillisch Јозеф II, slowakisch Jozef II., slowenisch Jožef II, tschechisch Josef II., ukrainisch Йосиф II, ungarisch II. József. (* 13. März 1741 in Wien, Hofburg; † 20. Februar 1790 in Wien) war von 1765 bis 1790 als erster Angehöriger des Hauses Habsburg-Lothringen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.In Frankreich wurde Joseph als , in Deutschland zunehmend als bezeichnet, was nicht der offiziellen Titulatur entsprach und den Niedergang der Reichsidee dokumentiert.
Von 1765 bis 1780 amtierte Joseph, den die römisch-deutsche Kaiserwürde allein titularisch aufwertete, als Mitregent seiner Mutter Maria Theresia in den Ländern der Habsburgermonarchie, ab 1780 war er Alleinherrscher. Joseph gilt als ein Exponent des aufgeklärten Absolutismus und setzte ein ehrgeiziges Reformprogramm in Gang (Josephinismus, Toleranzpatent, Aufhebung der Leibeigenschaft). Kurz vor Ende seines Lebens sah er sich gezwungen, zahlreiche seiner Reformvorhaben wieder zurückzunehmen.
Sein Wahlspruch lautete: Virtute et exemplo („Mit Tugend und Beispiel“).
Leben Herkunft und frühe Jahre mini|hochkant=2.|Stammbaum von Joseph II. mini|hochkant|Maria Theresia mit Franz Stephan und Joseph (Franz Xaver Karl Palko, 1747) mini|hochkant|Erzherzog Joseph um 1749 (Gemälde von Martin van Meytens)
Erzherzog Joseph von Österreich-Lothringen wurde am 13. März 1741 als ältester Sohn der österreichischen Regentin Maria Theresia und deren Gemahl Großherzog Franz Stephan von Lothringen in der Wiener Hofburg geboren. Nach drei Töchtern war Joseph der ersehnte männliche Thronfolger und wurde noch am Tag seiner Geburt auf die Namen Josephus Benedictus Joannes Antonius Michael Adamus getauft. Als Taufpaten dienten Papst Benedikt XIV., stellvertreten durch den Wiener Fürstbischof Kardinal Sigismund von Kollonitz, sowie der polnische König August III., der durch Reichsgeneralfeldmarschall Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen vertreten wurde. Der zweite und der dritte Vorname wurden zu Ehren der beiden Taufpaten gewählt.Karl Gutkas: Joseph II. Eine Biographie. Wien / Darmstadt 1989, S. 16.
Zum Zeitpunkt von Josephs Geburt stand Maria Theresia unter großem politischen und militärischen Druck, der den Fortbestand der Habsburgermonarchie gefährdete. Ihr Herrschaftsanspruch, begründet durch die Pragmatische Sanktion, wurde von Bayern, Sachsen, Spanien und Preußen nicht anerkannt, was aufgrund territorialer Ansprüche zum Ausbruch des Ersten Schlesischen Krieges (1740–1742) und schließlich des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) führte. Mit dem Wittelsbacher Karl VII. wurde 1742 erstmals seit über 300 Jahren kein Angehöriger des Hauses Habsburg zum römisch-deutschen König gewählt. Die Geburt eines männlichen Erben war somit für Maria Theresia von enormer politischer Bedeutung, da sie sich nun als Regentin ihres minderjährigen Sohnes präsentieren und ihren eigenen Thronanspruch festigen konnte. Nach dem überraschenden Tod Karls VII. (1745) gelang es ihr, durch den Frieden von Füssen die Wahl ihres Ehemannes Franz Stephan (als Franz I. Stephan) zum römisch-deutschen König durchzusetzen und damit den Suprematsanspruch ihrer Dynastie wiederherzustellen.
Maria Theresia hatte ein umfassendes, detailliertes Erziehungsprogramm für ihren Sohn ausarbeiten lassen. Zwar bildeten Glaube und Religion einen Schwerpunkt des Programms, doch im Sinne des Leitbildes eines christlichen Herrschers wurde Joseph nicht erzogen. Vielmehr waren Erziehung und Ausbildung in erster Linie darauf ausgerichtet, den Kronprinzen möglichst optimal auf seine künftigen Herrscheraufgaben vorzubereiten. In den frühen Jahren stand weniger die Wissensvermittlung im Vordergrund als die Erhaltung der Gesundheit durch Reit- und Fechtunterricht. 1748 wurde der Offizier Karl Josef Batthyány zum Prinzenerzieher (Ajo) ernannt, der Josephs Vorliebe für das Militär förderte. Im selben Jahr wurde der junge Erzherzog Oberst-Inhaber eines dann nach ihm benannten Dragoner-Regiments (seit 1765/71 Chevaux-legers), dessen grünen Uniformrock er, später auch als Kaiser, häufig anstelle der weißen Generalsuniform trug. Ein Jesuit erteilte ihm Religionsunterricht, der durch Lerneinheiten in Ethik, Morallehre und Philosophie vervollständigt wurde. Besondere Begabung zeigte Joseph beim Erlernen von Fremdsprachen wie Latein, Französisch, Italienisch, Ungarisch und Tschechisch. Daneben fanden auch naturwissenschaftliche Fächer, Mathematik und künstlerische Elemente wie Tanz- und Theaterunterricht Einzug in den Lehrplan. Mit fortschreitendem Alter verlagerte sich der Schwerpunkt auf den Geschichtsunterricht, das Natur-, Staats-, Kirchen- und Völkerrecht, in dessen Zentrum die rationale Naturrechtslehre nach Samuel von Pufendorf stand, die sich wesentlich von der traditionellen Staatsauffassung einer göttlichen Weltregierung unterschied. Johann Christoph von Bartenstein, einem Berater seines Vaters, oblag die Einführung Josephs in die inneren Verhältnisse der Monarchie, die Militärausbildung vervollständigte der lothringische Genie-Offizier Jean-Baptiste Brequin de Demenge.
Durchdrungen von seiner privilegierten Stellung als Thronerbe und mit großem Selbstbewusstsein ausgestattet zeichnete sich Joseph innerhalb seiner dreizehn überlebenden Geschwister durch ein Gefühl der Überlegenheit und des Sendungsbewusstseins aus.Karl Gutkas: Joseph II. Eine Biographie. Wien/Darmstadt 1989, S. 24. Otto Christoph von Podewils, der preußische Gesandte am Hofe in Wien, äußerte sich später sehr kritisch über die Erziehung des Knaben, den er als hochmütig, unnachgiebig und faul bezeichnete. Es gelänge nur mit Mühe, ihn zum Lernen zu bewegen und ihm die elementarsten Kenntnisse beizubringen.Helmut Reinalter: Joseph II. Reformer auf dem Kaiserthron. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62152-9, S. 15.
Ab 1760 erhielt Joseph die Möglichkeit, an den Sitzungen der obersten kollegial organisierten Verwaltungsbehörden und des Staatsrates teilzunehmen. Bereits in dieser Zeit trat er als Verfasser kritischer Denkschriften hervor, die entscheidende Punkte seines späteren Reformprogramms vorwegnahmen. Unter dem Einfluss der Schriften der Aufklärung (vor allem Voltaire), der französischen Enzyklopädisten und der Theorie der Physiokratie formulierte Joseph seine Grundüberzeugung, dass das für einen funktionierenden Staat notwendige „Gute“ nur durch uneingeschränkte fürstliche Vollmachten verwirklicht werden könne.
Heirat und Nachkommen mini|Trauungszeremonie in der Augustinerkirche zwischen Joseph und Isabella (Martin van Meytens, um 1760/65) Im Zuge der Neuorientierung der habsburgischen Bündnis- und Außenpolitik (Renversement des alliances), die den traditionellen Gegensatz zum Erbfeind Frankreich (habsburgisch-französischer Gegensatz) beenden sollte, beschlossen Maria Theresia und Ludwig XV. die dynastische Verbindung der Habsburger mit den Bourbonen. Zur Stärkung des Bündnisses und als äußeres Zeichen der Eintracht arrangierten sie die Vermählung Josephs mit Isabella von Bourbon-Parma, einer Enkelin des französischen Königs. Die 18-jährige Isabella war die älteste Tochter des Herzogs Philipp von Parma und dessen Gemahlin Marie Louise Élisabeth de Bourbon.
Nachdem am 5. September 1760 zunächst die Trauung per procurationem in der Kathedrale von Padua vollzogen worden war, geleitete Josef Wenzel von Liechtenstein die Braut feierlich nach Wien. Dort wurden Joseph und Isabella am 6. Oktober 1760 in der Augustinerkirche durch den päpstlichen Nuntius Kardinal Vitaliano Borromeo getraut. Die sehr aufwendig gestalteten, prunkvollen Hochzeitsfeierlichkeiten sollten die ungeschmälerten Ressourcen der im Kriegszustand befindlichen Monarchie – die Hochzeit fiel in die Zeit des Siebenjährigen Krieges – publikumswirksam demonstrieren. Obwohl die Ehe aus Gründen der Staatsräson geschlossen worden war, zeigte sich Joseph von seiner Gattin entzückt, betete sie regelrecht an. Er bewunderte und verehrte Isabella, sah in ihr seine engste Vertraute. Die sensible Isabella hingegen verabscheute das Hofzeremoniell, zeigte sich ihrem Gatten gegenüber sehr zurückhaltend und schien sich vielmehr zu Josephs Schwester Marie Christine hingezogen zu fühlen, der sie schwärmerische Briefe schrieb. Als Folge einer Fehlgeburt im Jänner 1763 verschlimmerten sich Isabellas psychische Leiden, ehe sie nach dreijähriger Ehe am 27. November 1763 an den Pocken starb.
Aus der Verbindung gingen zwei Nachkommen hervor: Maria Theresia (* 20. März 1762; † 23. Jänner 1770) Maria Christine (*/† 22. November 1763)
Der Verlust Isabellas stürzte Joseph in tiefste Verzweiflung. Er schrieb seinem Schwiegervater: „Ich habe alles verloren. Meine anbetungswürdige Gattin, der Gegenstand all meiner Zärtlichkeit, meine einzige Freundin ist nicht mehr.“Hans Magenschab: Josef II. Österreichs Weg in die Moderne. Amalthea, Wien 2006, ISBN 3-85002-559-4, S. 237. Auch seinem Bruder Leopold offenbarte er in einem Brief seine Gefühle: „Ich bin nicht fähig, mehr zu sagen, ich habe alles verloren. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen eine so gute Frau wie meine verstorbene. Aber Gott möge Dich vor einem solchen Unglück bewahren.“Karl Gutkas: Joseph II. Eine Biographie. Wien/Darmstadt 1989, S. 50.
In der Folge war man von verschiedenen Seiten bemüht, Joseph erneut zu verheiraten. Nach erfolglosen Verhandlungen u. a. mit Spanien und Portugal drängte Maria Theresia ihren Sohn zur Heirat mit einer deutschen Prinzessin. Schließlich beugte sich Joseph dem Willen der Mutter und entschied sich für seine Cousine zweiten Grades Maria Josepha von Bayern, Tochter Karls VII. und dessen Gemahlin Maria Amalia von Österreich. Die Hochzeit fand am 23. Jänner 1765 in Schloss Schönbrunn statt. Die Ehe Josephs mit der zwei Jahre älteren Maria Josepha galt als unglücklich, wahrscheinlich wurde sie nie vollzogen. Joseph mied das gemeinsame Schlafzimmer und ließ sogar den gemeinsamen Balkon in Schönbrunn abteilen, um seine Frau nicht sehen zu müssen. Der Kaiser beschrieb seine Gemahlin als „kleine und dicke Gestalt“ mit „hässlichen Zähnen“. Allerdings gab er zu, dass Maria Josepha eine „vorwurfsfreie Frau“ sei, die ihn liebe und die er wegen ihrer guten Eigenschaften schätze, und dass er darunter leide, seine zweite Frau nicht lieben zu können. Maria Josepha starb am 28. Mai 1767 an den Pocken, Joseph blieb dem Begräbnis seiner Ehefrau fern.
Nach diesen negativen Erfahrungen weigerte sich Joseph in der Folge beharrlich, eine dritte Ehe einzugehen.
In zahlreichen Volkslegenden werden Joseph II. uneheliche Kinder angedichtet. Das prominenteste Beispiel für ein solches Gerücht ist Joseph Gottfried Pargfrieder, der dies auch selbst behauptete.Otto Stradal: Der andere Radetzky. Tatsachen und Gedanken um ein Phänomen. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1981, ISBN 3-215-04438-2. Pargfrieder belieferte die k.k. Armee noch unter Kaiser Franz Joseph mit Schuhen.
Mitregent der Mutter (1765 bis 1780) mini|Krönungszeremonie Josephs II. (Gemälde von Martin van Meytens), nach 1764 mini|hochkant|Joseph II. im Krönungsornat (Gemälde von Joseph Hickel)