Die Dürrwurz (Pentanema squarrosum , Syn.: Inula conyzae ), auch Dürrwurz-Alant genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Pentanema innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Beschreibung mini|links|Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen, 1887 mini|links|Ausschnitt eines Blütenstandes mit Blütenkörbchen im Detail mini|Fruchtstand mit Achänen mit Pappus mini|Habitus Die Dürrwurz unterscheidet sich durch die fehlenden Zungenblüten und die zurückgekrümmten Hüllblätter des Blütenkörbchen von anderen Arten dieser Gattung.
Vegetative Merkmale Bei der Dürrwurz handelt es sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 40 bis 80, selten bis zu 120 Zentimetern erreicht. Ihr „Wurzelstock“ ist verholzt, kurz und dick. Der Stängel wächst aufrecht und ist meist erst im Bereich des Blütenstandes verzweigt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind dünn und weich filzig behaart, allerdings nicht oder nur wenig drüsig.
Die Laubblätter sind eiförmig bis lanzettlich, wobei sie nach oben am Stängel immer kleiner werden. Die unteren und mittleren Laubblätter sind gestielt und stumpf, die oberen Laubblätter sind in den Blattgrund verschmälert und kurz gestielt oder sitzend. Bei der Blattunterseite tritt des Nervennetz deutlich hervor.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis September. In einem doldig ausgebreiteten rispigen Gesamtblütenstand stehen die körbchenförmigen Teilblütenstände zusammen. Die Blütenkörbchen haben einen Durchmesser von 5 bis 10 Millimetern und sind ungefähr doppelt so hoch. Die Hüllblätter, insbesondere die äußeren, sind zurückgekrümmt und stehen vom Blütenkörbchen ab. Die äußeren Hüllblätter sind grün, die inneren oft rötlich überlaufen. Zungenblüten fehlen oder sind kürzer als die Hüllblätter. Die Röhrenblüten sind hell bräunlich bis gelb.
Es werden Achänen mit Pappus gebildet.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.
Vorkommen Die Dürrwurz kommt in Mittel- und Südeuropa vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Norden bis nach Dänemark, im Süden und Osten bis zum Kaukasusraum, das Gebiet von Syrien und Libanon und in den Iran. In Europa kommt sie in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Irland, Island, Norwegen, Finnland, im Baltikum und in Belarus. In Algerien ist die Dürrwurz sehr selten. In Deutschland fehlt sie im Norden fast völlig, in den Mittelgebirgen ist sie zwar weit verbreitet, kommt aber nur recht zerstreut vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil nahe dem Bernhardseck bei Elbigenalp bis in eine Höhenlage von 1800 Meter auf.
Die Dürrwurz wächst an trockenen Waldrändern und Kahlschlägen oder an Trockenhängen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Origanetalia, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Ordnungen Prunetalia, Quercetalia pubescentis oder des Verbands Erico-Pinion vor.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
Taxonomie Die Erstbeschreibung der Dürrwurz erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 861 als Conyza squarrosa. Eine spätere Beschreibung entstand 1836 durch Ludwig Griesselich unter dem Namen Aster conyzae in Kleine Botanische Schriften ... Erster Theil, Seite 122. Nach Gutiérrez-Larruscain et al. 2018 sind einige Arten aus der Gattung Inula in die Gattung Pentanema zu stellen. Es erfolgte eine Neukombination zu Pentanema conyzae in David Gutiérrez-Larruscain, Maria Santos-Vicente, Arne A. Anderberg, Enrique Rico, María Montserrat Martínez-Ortega: Phylogeny of the Inula group (Asteraceae: Inuleae): evidence from nuclear and plastid genomes and a recircumscription of Pentanema. In: Taxon, Volume 67, Issue 1, März 2018 auf Seite 159. Später erfolgte eine weitere Neukombination im Jahr 2019 zu Pentanema squarrosum in Phytotaxa Band 395 Seite 18 (2019). Synonyme für Pentanema squarrosa sind: Conyza squarrosa non Aster squarrosus , Conyza vulgaris nom. illeg., Inula squarrosa non , Inula vulgaris nom. illeg., Jacobaea conzyae , Aster conyzae und Pentanema conyzae .
Nach Gutiérrez-Larruscain et al. 2018 ist diese Art besser in die Gattung Pentanema zu stellen. Dieser Ansicht folgen nicht alle Arbeitsgruppen und erörtern stattdessen einen noch größeren Umfang der Gattung Inula.
Literatur Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4. Werner Rothmaler: Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen, 14. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-060-12539-2. Otto Schmeil, Jost Fitschen, Werner Rauh: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Datenblatt mit Beschreibung nach Hermann Wagner (1882) von Dürrwurziger Alant bei flogaus-faust mit Links zu Fotos.
Einzelnachweise Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 922. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 587. Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae.: Datenblatt Inula conyzae, In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. David Gutiérrez-Larruscain, Maria Santos-Vicente, Arne A. Anderberg, Enrique Rico, María Montserrat Martínez-Ortega: Phylogeny of the Inula group (Asteraceae: Inuleae): evidence from nuclear and plastid genomes and a recircumscription of Pentanema. In: Taxon, Volume 67, Issue 1, März 2018, S. 149–164.
Ralf Hand, Karl Peter Buttler: Beiträge zur Fortschreibung der Florenliste Deutschlands (Pteridophyta, Spermatophyta) – Elfte Folge. In Kochia, Volume 12, Februar 2019, S. 139–148. hier S. 143. Gerhard Wagenitz: Inula conyza. In: .
Kategorie:Inuleae (Tribus)