Die Division Großdeutschland war ein Großverband der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Geschichte Kurzgeschichte April 1939 – Namensgebung Infanterie-Regiment „Großdeutschland“ danach – Umgliederung in Infanterie-Regiment „Großdeutschland“ (mot.) April bis Mai 1942 – Aufwuchs zur Infanterie-Division „Großdeutschland“ (mot.) Juni 1943 – Umbenennung in Panzergrenadier-Division „Großdeutschland“
Entstehung Die Wurzeln der Großdeutschland-Verbände liegen beim Wachregiment Berlin und Teilen des Infanterie-Lehr-Regimentes der Heeresschule Döberitz. Am 1. Juli 1939 wurde dem Wachregiment Berlin der Name Infanterie-Regiment „Großdeutschland“ verliehen.Ludger Tewes, Die Panzergrenadierdivision Grossdeutschland, S. 35–37: Heeresverordnungsblatt 1939 Teil A Blatt 7. Aus diesem und dem Infanterie-Lehr-Regiment Dallgow-Döberitz wurde das Infanterie-Regiment Großdeutschland (mot.) aufgestellt, das aus vier Bataillonen bestand. Im August musste der neu aufgestellte Verband ein „Führer-Begleitkommando“ abgeben, zu dessen und seinen Nachfolgeverbänden als Aufgabe die Bewachung des Führerhauptquartiers gehörte. Nachdem im Oktober 1939 die Einheit auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr zur weiteren Zusammenführung und Abschluss der Umgliederung verlegt worden war, wurde das neue Regiment wiederum im November 1939 in den Westerwald nach Montabaur und Westerburg zur Reserve der Heeresgruppe A verlegt, wo es zeitgleich dem XIX. Armeekorps unter General Heinz Guderian unterstellt wurde.
Kriegseinsatz Frankreich- und Balkanfeldzug
mini|Kriegsfreiwillige für das II. A. u. E. Btl. Pz. Gren. Ers. Rgt. Großdeutschland (Foto angefertigt ab Juni 1943) Das Infanterie-Regiment „Großdeutschland“ wurde 1940 erstmals im Kampf eingesetzt. Das Regiment nahm am Frankreichfeldzug unter wechselnden Unterstellungen verschiedener Panzer-Divisionen teil, zunächst im Rahmen des XIX. Armeekorps von General der Panzertruppe Guderian. Das Regiment rückte bis Sedan und Dünkirchen vor und war Anfang Juni 1940 beim Durchbruch der Weygand-Linie und kurz darauf als Teil der Panzergruppe von Kleist an der Einnahme von Lyon beteiligt.
Im Jahr 1941 wurde die Einheit von Frankreich per Bahn nach Wien transportiert, im April des Jahres im Balkanfeldzug eingesetzt, nachher südlich von Warschau verlegt und im Raum Żelechów als Armeereserve der Panzergruppe 2 bereitgestellt. Von hier aus erlebte das Regiment den Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion.
Feldzug gegen die Sowjetunion mini|Kesselschlacht bei Brjansk – Herbst 1941. Inf. Rgt. (mot.) Grossdeutschland mit 3. Panzerdivision im Rahmen des XXIV. PzK. der 2. Panzerarmee mit Befehl vom 28. Oktober 1941 zur starken Aufklärung auf Tula.Helmuth Spaeter, Die Geschichte des Panzerkorps Großdeutschland, Bd. 1, S. 337 mini|Rasputiza – Die Schlammperiode ab dem 13. Oktober 1941 brachte den deutschen Vormarsch auf Moskau bis zum Frostbeginn am 6. November 1941 zum Erliegen. Foto von November 1941. mini|Nicht alle Soldaten waren für den Winter so gut ausgerüstet: Foto vom 9. März 1944, Störungssucher der 1./Nachrichtenabteilung GroßdeutschlandTewes, Die Panzergrenadierdivision Grossdeutschland, S. 508, mit den Leistungen der Na Abt. GD im 2. Quartal 1944. Die von Generaloberst Heinz Guderian geführte Panzergruppe 2 war der südliche Panzerkeil der Heeresgruppe Mitte, deren Hauptstoßrichtung auf Moskau zielte.
Als Armeereserve überschritt das Regiment Großdeutschland erst am 25. Juni, drei Tage nach Feldzugsbeginn, die Grenze bei Brest-Litowsk. Erste Stationen auf dem Vormarsch waren Pruschany, Ružany, Slonim, Baranowitschi, Stoubzy und Kamienka. Die Einheiten des Regiments erreichten am 2. Juli Minsk, danach überquerten sie bei Berasino den Fluss Beresina. Am 9. Juli wurde bei Mogilew der Dnepr überschritten, anschließend kam es zu Kämpfen bei Schklou, Augustowo und Bely. Im berühmt-berüchtigten Jelnja-Bogen bei Kruglowka, Woroschilo und Ushakovo hatte das Regiment ab Ende Juli schwerste Abwehrkämpfe zu bestehen. Diese Offensive von Jelnja war der Versuch der Roten Armee, den Kessel bei Smolensk aufzubrechen und die dort eingeschlossenen eigenen Verbände zu entsetzen.Peter Schmitz und Klaus-Jürgen Thies: Die Truppenkennzeichen der Verbände und Einheiten der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS und ihre Einsätze im Zweiten Weltkrieg 1939–1945., S. 855, ISBN 3-7648-1498-5.
Nachdem Adolf Hitler Mitte August entgegen dem Widerstand seiner Generäle vorerst das strategische Ziel Moskau aufgegeben hatte, wurde das Regiment Großdeutschland durch nachrückende Infanterieverbände der Panzergruppe 2 abgelöst. Zusammen mit anderen Verbänden der Panzergruppe 2 erfolgte dann ein Stoß nach Süden, aus dem sich Anfang September im Gebiet der Heeresgruppe Süd die Kesselschlacht von Kiew entwickelte. Das Regiment rückte dabei über den Desna-Brückenkopf bei Nowgorod-Sewerski vor und nahm Gluchow ein. Auf dem weiteren Vormarsch wurde es bei Konotop in der zweiten Septemberwoche in heftige Kämpfe verwickelt.
Nach Beendigung der Kesselschlacht um Kiew verlagerte sich der Schwerpunkt der Kampfhandlungen zur Heeresgruppe Mitte, die nun wieder den Auftrag erhielt, das alte Ziel Moskau noch vor dem Wintereinbruch zu erreichen (Unternehmen Taifun). Die Speerspitze des südlichsten Zangenarms bildete wieder die 2. Panzerarmee (vorherige Panzergruppe 2). Während sich in den ersten Tagen des Unternehmens die erfolgreiche Doppelschlacht bei Wjasma und Brjansk entwickelte, führten starke Regenfälle zur gefürchteten Rasputiza, welche den Vormarsch für mehrere Wochen weitgehend lahmlegte. Das Regiment Großdeutschland gelangte in dieser Zeit über Mzensk, Tschern und Plawsk in den Raum Tula. Im Umkreis dieser belagerten Stadt übernahm es bis Ende November Sicherungsaufgaben.Hans Heinz Rehfeldt: Mit dem Eliteverband des Heeres „Großdeutschland“ tief in den Weiten Russlands. Würzburg 4. Auflage 2013, S. 21–29. Anfang Dezember wurde es dann für einen Stoß nach Nordosten über Wenew herausgezogen. Es sollte der ostwärtigste Punkt sein, welche die Großdeutschland-Einheiten in diesem Krieg erreichten. Diese Kämpfe fanden bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt statt. Ausfälle aufgrund von Erfrierungen häuften sich.Hans Heinz Rehfeldt: Mit dem Eliteverband des Heeres „Großdeutschland“ tief in den Weiten Russlands. Würzburg 4. Auflage 2013, S. 30–50.
Die endgültige Wende in der Schlacht um Moskau brachte die sowjetische Gegenoffensive ab dem 5. Dezember, welche auch das Regiment Großdeutschland traf. In der Nacht auf den 7. Dezember gab es die ersten Gefechte mit den frischen sibirischen Truppen, die hervorragend für den Winterkampf ausgebildet und ausgerüstet waren. Nachdem Generaloberst Guderian eigenmächtig für seine Panzerarmee den Rückzug befohlen hatte, begann dieser für die Einheiten des Infanterie-Regiments Großdeutschland in den Morgenstunden des 8. Dezembers.Hans Heinz Rehfeldt: Mit dem Eliteverband des Heeres „Großdeutschland“ tief in den Weiten Russlands. Würzburg 4. Auflage 2013, S. 51.
In den nächsten Wochen zogen sich die Einheiten des Regiments immer weiter nach Westen zurück. Die Gefechtsstärke der Kompanien sanken dabei auf jene von Zügen, sodass Einheiten zusammengelegt werden mussten. Die vom Vormarsch her bekannte Stadt Mzensk passierten die dezimierten Großdeutschland-Verbände am Morgen des 22. Dezembers westwärts. In der Nähe von Bolchow wurden die Reste des Regiments in den Oka-Brückenkopf eingegliedert. Nach einigen Tagen der Ruhe griff die Rote Armee den Brückenkopf immer wieder an und fügte den dezimierten Verbänden noch weitere Verluste zu.Hans Heinz Rehfeldt: Mit dem Eliteverband des Heeres „Großdeutschland“ tief in den Weiten Russlands. Würzburg 4. Auflage 2013, S. 52–102. Am 20. Januar wurden diese aus der Verteidigungsstellung herausgelöst und bis 21. Februar für lokale Angriffsunternehmen in Dörfern wie Jagodnaja oder Gorodok, die sich im Großraum Belew befanden, eingesetzt. Durch diese verlustreichen Kämpfe sank die Kampfstärke des einstmals so großen Verbandes auf drei Offiziere und 30 Unteroffiziere und Mannschaften, fast 1.000 Mann waren in den vergangenen Monaten gefallen und etwa 3.000 verwundet worden.Hans Heinz Rehfeldt: Mit dem Eliteverband des Heeres „Großdeutschland“ tief in den Weiten Russlands. Würzburg 4. Auflage 2013, S. 103–117.
Einsatz als Division Im April und Mai 1942 wurde das Regiment zur Infanterie-Division Großdeutschland (mot.) erweitert, und der bisherige Regimentskommandeur Oberst Hoernlein wurde der erste Divisionskommandeur und gleichzeitig zum Generalmajor befördert.
Am 20. Juni 1942 erhielt die Division eine Zuteilung neuer Ausrüstung für die eigene Panzerjäger-Abteilung. Es wurden achtzehn Sd.Kfz. 132, also Panzerjäger-Selbstfahrlafette I für 7,62-cm-Pak 36 „Marder II“, vom Heereszeugamt übernommen.Baschin: Pz.Kpfw. II Ausf. D/E and Variants 2009 S. 94
Die neue Division wurde sogleich im Rahmen der deutschen Sommeroffensive beim XXXXVIII. Panzerkorps eingesetzt. Der Angriff erfolgte am 28. Juni aus dem Raum Schtschigry über den Tim-Abschnitt zum oberen Don, wo am 6. Juli ein östlicher Brückenkopf bei Woronesch gebildet werden konnte.Detaillierte Karte der Einsatzverläufe der Division bis November 1942 mit Don, Voronez, großer Donbogen, Michajlovka, Sachty, Stalino, Smolensk, Rzev, Zubcov, Cermasovo und Lucesa Tal, bei Tewes, Die Panzergrenadierdivision Grossdeutschland, Karte 2, S. 1274 Danach erfolgte der Vormarsch zum unteren Don, am 16. Juli wurde der Ort Tazinskaja genommen und am 18. Juli bei Bronitzkij ein Brückenkopf am Donez gebildet. Die Industriestadt Schachty wurde eingenommen und der Manytsch-Abschnitt erreicht. Der Spätsommer war von den Kämpfen um Rschew gezeichnet. Anfang August wurde die Division herausgezogen und als Reserve an den Mittelabschnitt zur 9. Armee verlegt. Am 9. September wurde sie von Hitler für einen Gegenstoß freigegeben und griff am 10. September an. Die Rote Armee antwortete mit dem verbundenen Einsatz von Artillerie, Werfern, Minen und besonders vielen Scharfschützen. Die Division Großdeutschland erlitt Verluste, die Panzerabteilung verlor 80 % ihrer Fahrzeuge.Tewes, S. 196 ff. Der Generalstabsoffizier Hans Meier-Welcker schrieb in einem Brief vom 3. Oktober 1942:
In diesem Raum sollte die Division im Bereich des XXIII. und XXVII. Armeekorps den Rest des Jahres 1942 verbringen und sich während der sowjetischen Operation Mars im Lutschessa-Tal und bei Olenino den Namen „Feuerwehr“ verdienen. Die Infanterie-Division Großdeutschland wurde von jetzt an immer an Brennpunkten der Front eingesetzt. mini|Zwei Offiziere in Rumänien (1944), links Oblt. Dr. Boll, Adj. Pz. Füs. Rgt. GD, Ärmelstreifen Sütterlinschrift. Das Jahr 1943 war zunächst für die Division mit dem Abschluss der Einsätze im Raum südlich von Rschew verbunden. Am 9. Januar traf der Befehl zum Abtransport nach Nowy Oskol ein. Durch die Niederlage in der Schlacht von Stalingrad und weitere Angriffe der russischen Truppen (Operation Ostrogoschsk-Rossosch) entstand im Januar 1943 eine 100–150 km lange Frontlücke. Mit dem Ziel, ab Ende Januar 1943 zusammen mit SS-Divisionen den Vormarsch der russischen Truppen und den Rückzug italienischer und ungarischer Truppen zu stoppen, zog sich die Division entlang der Rollbahn bis Mitte Februar 1943 in den Raum Charkow zurück.Hans Heinz Rehfeldt: Mit dem Eliteverband des Heeres „Großdeutschland“ tief in den Weiten Russlands. Würzburg 2. Auflage 2009, S. 257–267. Hier nahm die Division dann im Verlauf des Februar/März 1943 an der Schlacht bei Charkow teil.Tewes, Die Panzergrenadierdivision Grossdeutschland, S. 255–335, farbige Operations-Karte vom Zentrum für Militär- und Sozialgeschichte der Bundeswehr (ZMSBw) S. 1275.