Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Fläche: km² Gliederung: 39 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 35.400 (2005) Adresse desDekanatamtes: Altburger Str. 375365 Calw Dekan: Erich Hartmann Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Calw innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Calw war bis zum 1. Januar 2019 einer von damals 48 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Calw. Zum genannten Stichtag wurde er mit dem seinerzeitigen Kirchenbezirk Nagold zum neuen Kirchenbezirk Calw-Nagold fusioniert.Website des Evangelischen Kirchenbezirks Calw-Nagold

Geografie Der Kirchenbezirk Calw lag im Westen der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste die Mitte und teilweise den Norden des Landkreises Calw, also die Städte und Gemeinden Althengstett, Bad Liebenzell, Bad Teinach-Zavelstein, Bad Wildbad (nur Stadtteil Aichelberg), Calw, Gechingen, Neubulach, Neuweiler, Oberreichenbach, Ostelsheim, Simmersfeld (nur Ortsteil Aichhalden), Simmozheim und Unterreichenbach (ohne Ortsteil Kapfenhardt).

Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Calw grenzte an folgende Kirchenbezirke der Prälatur Reutlingen beginnend im Nordosten: Leonberg, Böblingen, Nagold und Neuenbürg. Im äußersten Westen sowie im Nordosten hatte er jeweils eine kurze Grenze mit der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Geschichte Das Gebiet des heutigen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Calw gehörte zum alten Kernland Württembergs, das ab 1534 die Reformation einführte, so dass das Gebiet ganz evangelisch geprägt ist. Calw wurde 1555 Sitz eines Dekanats, damals als Specialsuperintendenz bezeichnet, das zum Generalat Maulbronn gehörte. Zum Dekan wurde der Stadtpfarrer von Calw ernannt. Mit diesem Amt ist es bis heute verbunden. Ab 1823 gehörte das Dekanat Calw zum Generalat Tübingen, seit 1913 zum Generalat Reutlingen, aus dem die heutige Prälatur Reutlingen hervorging.

Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurde mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinde Dachtel in den Kirchenbezirk Böblingen umgegliedert.

Bis 1981 gehörte auch die Kirchengemeinde Deckenpfronn zum Kirchenbezirk Calw. Mit Wirkung vom 1. Januar 1982 wurde sie in den Kirchenbezirk Herrenberg umgegliedert. Gleiches gilt für die Kirchengemeinde Aichelberg, die im Zusammenhang mit der Fusion der beiden Kirchenbezirke Calw und Nagold zum neuen Kirchenbezirk Calw-Nagold mit Wirkung vom 1. Januar 2019 in den Kirchenbezirk Neuenbürg umgegliedert wurde.

Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Letzter Dekan ist seit 2004 Erich Hartmann (* 1960), der zugleich einer der Pfarrer an der Stadtkirche in Calw ist.

Dekane des Kirchenbezirks Calw 1797–1814 Johann Ferdinand Gaum 1815–1818 Christian Martin Plieninger 1818–1824 Christian Karl August von Haas 1824–1857 Ludwig Friedrich Fischer 1857–1864 Urban Heberle 1865–1871 Karl Johann Friedrich von Lechler (1820–1903) 1871–1880 Karl Albert Friedrich Mezger (1818–1886) 1880–1887 Karl von Berg 1887–1896 Paulus von Braun 1896–1915 Hermann Friedrich Roos 1915–1927 Paul Wolfgang Zeller (1859–1932) 1928–1933 Friedrich Roos 1933–1942 Johannes Hermann 1943–1945 Alfred Brecht 1946–1951 Friedrich Höltzel (1898–1990) 1951–1961 Hansulrich Esche (1905–1974) 1961–1977 Karl Frey (* 1909) 1977–1991 Gerhard Wirth (* 1929) 1991–2003 Eberhard Dieterich (* 1938) Seit 2004 Erich Hartmann (* 1960)

Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Calw gibt es insgesamt 37 Kirchengemeinden. Dabei haben sich 19 Kirchengemeinden zu insgesamt sechs Gesamtkirchengemeinden zusammengeschlossen, bleiben aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.

Das Gebiet des Kirchenbezirks Calw ist überwiegend evangelisch geprägt. Es gibt daher fast in jedem Dorf auch eine evangelische Kirchengemeinde und eine meist alte Kirche. In den meisten Orten zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu.

Kirchengemeinde Altburg & Oberreichenbach mini|Martinskirche Altburg Die Kirchengemeinde Altburg & OberreichenbachWebsite der Kirchengemeinde Altburg & Oberreichenbach umfasst den Stadtteil Altburg der Stadt Calw sowie den Hauptort der Gemeinde Oberreichenbach. Die Oberreichenbacher Ortsteile Würzbach, Oberkollbach (seit 1951) und Igelsloch bilden eigenständige Kirchengemeinden.

Kirchlich gehörte Altburg als Filiale zu Althengstett, ab 1515 zu Calw. 1573 wurde Altburg eigene Pfarrei, zu der bis ins 20. Jahrhundert auch Oberkollbach gehörte, bevor dort 1975 eine eigene Pfarrei errichtet wurde. Der älteste Teil der als Wehrkirche erbauten Martinskirche ist der Turm aus dem 12. Jahrhundert. Der netzgewölbte Chor und die Südwand sind mit spätgotischen Wandmalereien versehen. Im Jahr 1534 wurde das Kirchspiel Altburg durch die Reformation in Württemberg evangelisch. Danach, wohl noch Ende des 16. Jahrhunderts, wurde die Kirche ohne Raumerweiterung durch Einbau einer dreiseitigen Umlaufempore im Schiff und einer Nord- und Ost-Empore im Chor einschließlich ebenerdiger Chorbestuhlung mit zahlreichen Sitzplätzen ausgestattet, die alle auf die Kanzel südlich innen am Chorbogen ausgerichtet waren; der Altar stand frei. Diese bis 1954 gültige Einrichtung entsprach den Erfordernissen der württembergischen Kirchen- und Gottesdienstordnung ab der Reformation, wonach im Zentrum des Gottesdienstes die Wortverkündigung stehen sollte – ein Beispiel für die Einrichtung einer Querkirche im vorhandenen Baubestand. Bei der Renovierung 1954 wurden die Choremporen und die Südempore entfernt und eine neue, zum Schiff gerichtete Kanzel sowie im Chorscheitel-Fenster ein Glasgemälde von Adolf Valentin Saile mit dem Motiv des Gnadenstuhls eingebaut. Auch eine Chororgel wurde aufgestellt.

Im zugehörigen Oberreichenbach gibt es seit 1970 die Lukaskirche in Zeltform mit später angebautem Gemeindehaus. Ebenfalls Adolf Valentin Saile schuf für den Neubau das Tauffenster mit dem Motiv des Tauf- und Missionsauftrags Christi sowie ein Wandmosaik zum Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Die Altburger Ortsteile Weltenschwann und Speßhardt wurden erst durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 12. April 1956 der Kirchengemeinde Altburg zugeordnet. Bis dahin gehörten sie zur Kirchengemeinde Zavelstein. Im Gegenzug wurde der Ort Alzenberg von der Kirchengemeinde Altburg gelöst und der Bergkirchengemeinde Calw zugeordnet.

Kirchengemeinde Althengstett mini|hochkant|Kirche Althengstett Die Kirchengemeinde AlthengstettWebsite der Kirchengemeinde Althengstett umfasst den Hauptort der Gemeinde Althengstett. Die Kirche in Althengstett, ab 1310 als Marien und Markuskirche bekannt, war Mutterkirche für Calw und Altburg. Sie wurde 1049 neu erbaut. Das Patronat hatten zunächst die Grafen von Calw, dann die Grafen von Eberstein-Zweibrücken, die es an Württemberg verkauften. 1342 wurde es an das Kloster Hirsau abgegeben. Die Markuskirche war ursprünglich von einem Kirchhof umgeben. Im Mittelalter war sie eine Wehrkirche. An der Westseite war eine kleine Burg angebaut, die von einem Wassergraben umgeben war. Die Burg wurde aber 1595 abgetragen. Der Turm der Kirche ist noch hochmittelalterlich, der netzgewölbte Chor wurde in spätgotischer Zeit angebaut. Das Langhaus wurde mehrfach umgestaltet. Die letzte große Renovierung und Umgestaltung war 1956/57. Damals wurde die im Chor befindliche Orgelempore entfernt, die neue Orgel tiefer eingebaut, so dass die von Professor Rudolf Yelin d. J. gestalteten Farbfenster besser zur Geltung kommen (links: Christus als Gärtner, ungläubiger Thomas; Mitte: Himmelfahrt, himmlisches Jerusalem; rechts: Emmaus, Pfingsten).

Die Kirchengemeinde Althengstett hat seit 1974 auch ein Gemeindehaus, das 1999 erweitert wurde. Es dient den zahlreichen Gruppen und Kreisen, darunter Posaunenchor, Kirchenchor und Begräbnischor als Treffpunkt und Probenraum.

Kirchengemeinde Bad Liebenzell mini|hochkant|St. Blasiuskirche Bad Liebenzell Die Kirchengemeinde Bad LiebenzellWebsite der Kirchengemeinde Bad Liebenzell umfasst die Kernstadt und den Ortsteil Monbachtal der Stadt Bad Liebenzell. Kirchlich gehörte Liebenzell evtl. zu Möttlingen, doch wurde Liebenzell sehr früh eine eigene Pfarrei, zu der mehrere Dörfer des Umlandes gehörten. Eine Kirche wurde in einer Schenkung Utas an Hirsau bereits erwähnt. 1423 wird sie als St. Blasiuskirche bezeichnet. Hirsau trat das Patronat nach der Reformation 1556 an Baden, dieses 1603 an Württemberg ab. Die Kirche hat noch einen frühgotischen Chor und einen spätromanischen Turm, ansonsten wurde die Kirche von 1891 bis 1893 von Oberbaurat Karl von Sauter neu erbaut und von der Münchner Hofglasmalerei Gustav van Treeck mit ornamentaler und figürlicher Glasmalerei ausgestattet (im Chor: Kreuzigungsgruppe). Die ursprünglich zugehörigen Dörfer wurden meist nach der Reformation zu eigenen Pfarreien erhoben. Mit Wirkung vom 6. Dezember 1993 wurde die Kirchengemeinde Liebenzell in „Kirchengemeinde Bad Liebenzell“ umbenannt.

Monbachtal wurde erst durch Gesetz vom 5. September 1989 von der Evangelischen Landeskirche in Baden in die württembergische Landeskirche umgegliedert und wurde der Kirchengemeinde Bad Liebenzell angegliedert.

Bis 1969 gehörten auch Maisenbach und Beinberg als Filialkirchengemeinden zur Gesamtkirchengemeinde Bad Liebenzell. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 23. April 1969 wurden sie aus dem Verband der Gesamtkirchengemeinde Bad Liebenzell gelöst und zu selbständigen Kirchengemeinden erhoben. Unterlengenhardt gehörte noch bis 1974 als Filialkirchengemeinde zu Bad Liebenzell. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 30. Juni 1975 wurde die Filialkirchengemeinde Unterlengenhardt ebenfalls von der Gesamtkirchengemeinde Bad Liebenzell gelöst und der neu gebildeten Gesamtkirchengemeinde Maisenbach angegliedert. Damit war die bisherige Gesamtkirchengemeinde Bad Liebenzell gegenstandslos geworden.

1902 ließ sich in Bad Liebenzell der 1899 in Hamburg gegründete deutsche Zweig der China-Inland-Mission nieder. Dieser wurde 1906 als Liebenzeller Mission eine selbständige Einrichtung. Aus der Liebenzeller Mission entstand 1933 der Liebenzeller Gemeinschaftsverband (LGV), ein Verband innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland, der über ein Netz von Gemeinschaften im südlichen Deutschland verfügt.

Bis 1920 gehörte auch die Filialkirchengemeinde Ernstmühl zur Gesamtkirchengemeinde Liebenzell. Durch Bekanntmachung des Konsistoriums vom 19. Juli 1920 wurde Ernstmühl vom Verband der Kirchengemeinde Liebenzell losgelöst und der Gesamtkirchengemeinde Hirsau zugeordnet, durch weitere Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 7. April 1927 aber mit der Kirchengemeinde Hirsau vereinigt.

Kirchengemeinde Bad Teinach mini|Dreifaltigkeitskirche Bad Teinach Die Kirchengemeinde Bad TeinachWebsite der Kirchengemeinde Bad Teinach umfasst die Stadtteile Bad Teinach, Emberg und Schmieh der Stadt Bad Teinach-Zavelstein. Mit Wirkung vom 7. April 1992 wurde die Kirchengemeinde Teinach in „Kirchengemeinde Bad Teinach“ umbenannt. Bis 2001 bildete die Kirchengemeinde Bad Teinach dann mit den Kirchengemeinden Emberg und Schmieh die Gesamtkirchengemeinde Bad Teinach. Am 27. Juni 2001 wurden die Kirchengemeinden Emberg und Schmieh aufgelöst und mit der Kirchengemeinde Bad Teinach vereinigt. Gleichzeitig wurde die bisherige Gesamtkirchengemeinde Bad Teinach aufgelöst.