Das LWL-Preußenmuseum Minden ist ein historisches Museum in der ostwestfälischen Stadt Minden in Nordrhein-Westfalen. Seit 2016 gehört es zum Verbund der LWL-Museen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Als Museumsgebäude dient die ehemalige Defensionskaserne der Festung Minden am Simeonsplatz. Die ehemalige Kaserne war Teil der nach 1815 entstandenen Militärvorstadt der Stadt Minden mit zahlreichen, auch heute noch existierenden Gebäuden zu militärischen Zwecken, darunter Ställe, Offizierskasinos oder Versorgungslagern. Der Simeonsplatz vor dem Museum ist umgeben vom heutigen Mindener Glacis.

Aktuell Seit August 2019 leitet die Historikerin und Ausstellungsmacherin Sylvia Necker das LWL-Preußenmuseum Minden. Das LWL-Preußenmuseums versteht sich als Ort der historisch-politischen Bild. Laut seinem Leitbild erzählt das Museum die Geschichte Preußens mit einem Fokus auf Kultur- und Alltagsgeschichte und möchte Klischees zu und über Preußen dekonstruieren. Aspekte preußischer Migrations- und Kolonialgeschichte spielen ebenso eine Rolle wie die Sichtbarmachung weiblicher Protagonistinnen. Das LWL-Preußenmuseum setzt auf partizipative Zusammenarbeit mit lokalen und überregionalen Kooperationspartnern. Einmal im Jahr findet das Kulturfestival „Platz da!“ mit wechselnden Partnern auf dem Simeonsplatz statt. Das Museumsteam betreut außerdem fachlich das LWL-Besucherzentrum am Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica. Das LWL-Preußenmuseum bietet Rundgänge am Denkmal, Workshops oder Aktionstage vor Ort an.

Im Herbst 2026 eröffnet das LWL-Preußenmuseum seine neu konzipierte Dauerausstellung „Potzblitz Preußen!“. Die ursprünglich früher geplante Eröffnung verzögerte sich aufgrund der Pandemie und einer angespannten Marktlage im Bauhandwerk.

Aktuell zu sehen ist die Sonderausstellung „Europa in Harmonie. Preußen in Dur und Moll“. Sie wirft einen Blick auf Preußens Verhältnis zu seinen europäischen Nachbarn in Krieg und Frieden. Die Ausstellung präsentiert 225 Jahre Musikgeschichte als eine Zeitreise unter anderem mit klassischer Musik, Soldaten- und Freiheitsliedern sowie mit zeitgenössischen Kompositionen. Die Exponate der Ausstellung zeigen, wie Kultur und Musik Menschen über Konflikte hinweg verbinden. Ob in Beethovens Zeit um 1800, im bürgerlich demokratischen Aufbruch in den 1840er Jahren, im Ersten Weltkrieg bis hin zur Gegenwart. Teil der Ausstellung sind interaktive Angebote für Besucher. Sie entstanden in Zusammenarbeit mit Schülern des Ratsgymnasiums Minden.

Von November 2023 bis Mai 2025 zeigte das Museum die Sonderausstellung „Preußen auf See. Auf schwankenden Planken“. Sie rief die oft vergessene, aber durchaus lange maritime Geschichte Preußens seit dem 17. Jahrhundert mit ihren vielfältigen internationalen, wirtschaftlichen, sozialen und technischen Aspekten in Erinnerung.

Geschichte des Museums Das klassizistische Gebäude aus dem Jahr 1829 wurde 1995 saniert und umgebaut. 1999 eröffnete im Haus der westfälische Standort des Preußen-Museums Nordrhein-Westfalen. Der zweite Standort war das Preußen-Museum Wesel (heute LVR-Museum für den Niederrhein). Auf über 1.500 m² präsentierte der Museumsstandort in Minden schwerpunktmäßig die Geschichte Preußens in Westfalen mit einem Fokus auf die Garnisonsstadt Minden in ihrer Funktion als Scharnierelement zwischen den westlichen Gebieten und den Stammlanden Preußens in Berlin-Brandenburg. Zu sehen waren Gemälde, Porzellan, Textilobjekte, Uniformen, Orden und Objekte unterschiedlicher Themen- und Alltagsbereiche. Neben der Dauerausstellung gab es jährlich mehrere Wechselausstellungen zur Kunst- und Kulturgeschichte.

Finanziert wurden beide Standorte des Preußen-Museums NRW in Minden und Wesel durch die Stiftung Preußen-Museum NRW. An der Stiftung beteiligt waren das Land Nordrhein-Westfalen, die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie die Städte Wesel und Minden und deren Kreise Wesel und Minden-Lübbecke.

Aufgrund finanzieller Engpässe der Stiftung durch geringere Zinserträge aus dem Stiftungsvermögen, ausbleibender Fördergelder des Landes NRW sowie Rückzahlungsforderungen eines der Landesverbände und der Kreise wurde seit 2010 darüber beraten, die Ausrichtung des Museums zu verändern und andere Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen.mt-online.de: , Mindener Tageblatt, 19. März 2011, abgerufen am 11. August 2013.mt-online.de: , Mindener Tageblatt, 2. März 2011, abgerufen am 11. August 2013. Zum 1. Januar 2016 wurde der Mindener Standort des Preußen-Museums Minden NRW durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe übernommen. Zeitgleich übernahm der Landschaftsverband Rheinland (LVR) den Standort in Wesel.Womit wird das Obergeschoss gefüllt? In: Mindener Tageblatt vom 27. März 2015.

Konzeptionelle Neuausrichtung Mit der Übernahme durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe wurde ein Konzept für eine neue Dauerausstellung erarbeitet, das preußische Geschichte in einer aktuellen Gestaltungssprache und Szenografie zeigen soll. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe stellte zur „Neuausrichtung“ des Museums in der Defensionskaserne Minden zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung. links|mini|Potzblitz Preußen! Keyvisual Seit dem 1. August 2019 leitet die Historikerin Sylvia Necker das LWL-Preußenmuseum Minden. Im Rahmen der Neuausrichtung des Museums entwickelten die neue Leitung und ihr Team frische Formate für die Geschichtsvermittlung, die auf Interaktion mit dem Publikum setzen. Darunter Formate wie ein wandernder Kultur-Container, eine Litfaßsäule als Außenausstellung und das seit 2020 jährlich stattfindenden Kulturfestival „Platz da, das Museum kommt“. Die neue Dauerausstellung „Potzblitz Preußen“ wird ab 19. September 2026 im Erdgeschoss des Gebäudes gezeigt. Im ersten Stock sind jeweils wechselnde Sonderausstellungen zu sehen.

Das LWL-Preußenmuseum Minden koordiniert auch das 2017 auf Initiative des LWL gegründete Netzwerkes „Preußen in Westfalen“. Zu dieser partnerschaftlichen Initiative gehören über 60 Museen, Heimatvereine, Archive und touristische Partner. Das Netzwerk macht die Spuren der mehr als 200-jährigen preußischen Prägung Westfalens durch vielfältige Angebot der Geschichtsvermittlung wie Podcasts, Comics und interaktive Medienangebote erfahrbar. Die Mitglieder des Netzwerks kommen jährlich zu einem Netzwerktreffen zusammen, um sich auszutauschen und die weiteren Netzwerk-Aktivitäten zu planen.

Unterstützer des LWL-Preußenmuseums können Teil des gemeinnützig anerkannten Fördervereins werden. Die „Gesellschaft zur Förderung des LWL-Preußenmuseums in Minden e. V.“ steht allen Interessierten offen. Der Förderverein unterstützt die Projekte des Museums sowie den Sammlungsaufbau.

Das historische Gebäude mini|Blick über den Simeonsplatz Das Gebäude, in dem sich heute das LWL-Preußenmuseum Minden befindet, hat eine lange und wechselvolle Vorgeschichte. Die Errichtung der Defensionskaserne steht im Zusammenhang mit dem Ausbau Mindens zur modernen preußischen Festung nach 1815. Das Haus ist Teil eines bedeutenden Gebäudeensembles am Simeonsplatz, das im 19. Jahrhundert eine militärische Vorstadt der eigentlichen Stadt Minden bildete.

Die Defensionskaserne, in der sich das heutige Museum befindet, zählt zu den markantesten Zeugnissen preußischer Militärarchitektur in der Region und gilt als beispielhaft für die durch Karl Friedrich Schinkel Anfang des 19. Jahrhunderts geprägte klassizistische Stilrichtung. Mit der aus Portasandstein verblendeten Außenfassade weist das Gebäude zudem eine regionale Prägung auf.

Erste Pläne für die Kaserne stammen aus der Zeit vor 1827. Der Zweck des Gebäudes war von Beginn der Planungen an doppelt ausgelegt: es sollte zur Verteidigung dienen und eine Unterkunft für etwa 400 Soldaten bieten. Auf der rückwärtigen Seite des Hauses waren 66 Gewehr- und 22 Kanonenschießscharten vorgesehen. Lediglich auf der Vorderseite, zum großen Parade- und Exerzierplatz hin, gab es richtige Fenster. Nach mehrfach überarbeiteten Planungen wurde das Gebäude 1829 fertiggestellt. Bis 1882 war statt des heute vorhandenen zweiten Obergeschosses noch eine Erdabdeckung gegen Artilleriebeschuss vorhanden.

Die Defensionskaserne wurde bis heute mehrfach in baulichen Details verändert, ohne aber ihre Grundstruktur und die Merkmale ihrer ursprünglich vorgesehenen Nutzungszwecke zu verlieren. Zwischen 1829 und 1919 diente das Gebäude der Königlich Preußischen Armee abwechselnd als Kaserne für das Infanterie-Regiment Nr. 15 und die Feldartillerie-Regimenter Nr. 22 und 58. Für letztere wurden im rückwärtigen Bereich nach 1867 umfangreiche Stallungen für die Pferde errichtet. Von 1919 bis 1945 nutzten Reichswehr und Wehrmacht die Kaserne als Unterkunft der Artillerie-Regimenter Nr. 6 und 42.

Zwischen 1945 und 1950 richteten die britischen Besatzungsstreitkräfte ihre Kommandantur in der Defensionskaserne ein. 1946/47 befanden sich hier auch Verwaltungsteile des Zentralamtes für Wirtschaft, das zuständig war für die Sicherung der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung, Wiederaufbaumaßnahmen und die Umsetzung von Reparationsforderungen der Alliierten. Bis 1994 nutzte die britische Armee die Kaserne am Simeonsplatz sowie einen Großteil der übrigen militärischen Gebäude im Umfeld durch die 627. Mobile Civilian Transport Group RCT und deren Vorläufereinheiten.

Durch anschließende umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, mit der Schaffung großflächiger Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, wurde seit 1999 die museale Nutzung durch die Stiftung Preußenmuseum NRW ermöglicht.

Die Sammlung des LWL-Preußenmuseums Minden Die Sammlung des LWL-Preußenmuseums besteht aus etwa 20.000 Objekten. Sie wurde seit den 1990er Jahren durch Ankäufe in Auktionen, im Handel und durch Schenkungen zusammengetragen. Die Sammlung soll die Vielfalt preußischer Geschichte widerspiegeln.

Die Stücke der Sammlung stammen aus einem historischen Zeitraum vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das LWL-Preußenmuseum verfügt über Textilien, Fahnen, Porzellan, Keramik, Glas, Skulpturen, Orden, Abzeichen, Militärgegenstände und variable andere Objekte. Teil der Sammlung sind außerdem größere Bestände an Ölgemälden, Druckgrafik und Fotografien, Bücher, Zeitungen und Schriftgut aller Art.

Ausstellungen seit 1999