mini|Mirza Ghulam Ahmad, Begründer der Ahmadiyya Die Ahmadiyya () ist eine islamische Gemeinschaft, die von Mirza Ghulam Ahmad in den 1880er Jahren in Britisch-Indien gegründet wurde. Ab 1889 leisteten ihm die Anhänger den Treueid. Sie ließen sich 1901 unter dem Namen Ahmadiyya Musalmans in die offiziellen Zensuslisten der britisch-indischen Verwaltung eintragen.

Die sich als Reformbewegung des Islams verstehende Religionsgemeinschaft hält an den islamischen Rechtsquellen – Koran, Sunna und Hadith – fest, wobei zusätzlich die Schriften und Offenbarungen von Mirza Ghulam Ahmad eine erhebliche Bedeutung haben. Die Gemeinde sieht sich dem Islam zugehörig. Vonseiten der meisten anderen Muslime wird die Ahmadiyya-Lehre dagegen als Häresie betrachtet und abgelehnt.Thomas Gandow: Fundamantalismus im Islam: Die Ahmadiyya-Bewegung: Zwischen muslimischer Missionssekte und Führerkult. In: sektenwatch.de Abgerufen am 16. Mai 2025 (PDF; 80 kB). In islamischen Ländern werden die religiösen Gemeinden und deren Aktivitäten entsprechend bekämpft, was zu Beschränkungen und Verfolgung in diesen Ländern führt.

Die von Mirza Ghulam Ahmad gegründete Gemeinschaft spaltete sich in der Nachfolgefrage nach dem Tod seines Nachfolgers Nuur ud-Din in zwei Gruppen, die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) und in die Ahmadiyya Andschuman Ischat-i-Islam Lahore (AAIIL), wobei die AMJ die AAIIL weitgehend verdrängt hat. Die derzeitige Hauptverwaltung der AMJ befindet sich in London (Großbritannien), die AAIIL hat ihre internationale Zentrale in Lahore. Die Nachfolger Ghulam Ahmads werden von der AMJ als Khalifat ul-Massih (Nachfolger des Messias) bezeichnet.

Entstehung und Namensgebung mini|Mirza Ghulam Ahmad (Mitte) und seine frühen Anhänger. Zu seiner Rechten sitzt sein späterer Nachfolger Nuur ud-Din Mirza Ghulam Ahmad entstammte einer aristokratischen Familie persischer Abstammung. 1882 brachte er die ersten zwei Bände seines Hauptwerks Barāhīn-i Ahmadiyya („Beweise des Ahmad-tums“) heraus, das anfangs unter den Muslimen als ein Werk voller Kraft und Originalität galt. Mirza Ghulam Ahmad trat als islamischer Erneuerer (Mudschaddid) auf und lud Ende 1888 in einer öffentlichen Bekanntmachung alle Menschen, „die Sucher der Wahrheit sind, (ein) ihm den Treueid zu leisten, um so den wahren Glauben, die wahre Reinheit der Religion und den Weg der Gottesliebe zu lernen.“Vgl. Friedmann 1989, 5. Die Zeremonie des Treueids fand dann am 23. März 1889 in Ludhiana statt. Dieses Ereignis wird als das eigentliche Gründungsdatum der Ahmadiyya-Bewegung betrachtet.

Im Dezember 1891 kündigte Ghulam Ahmad an, dass seine Bewegung jährliche Versammlungen in Qadian abhalten werde. Ahmad bezeichnete sich ab diesem Jahr als der vom Propheten Mohammed angekündigte Mahdi und verstand sich als die prophezeite Wiederkunft Jesu Christi, Krishnas und Buddhas in einer Person. Sein gottgegebener Auftrag sei die Vereinigung aller Religionen unter dem Banner des Islam.

Ghulam Ahmads Anhänger stammten vor allem aus der literarisch gebildeten Mittelschicht, die seine komplexe Sprache zu verstehen wussten. Ihren Namen erhielt die Glaubensgemeinschaft offiziell erst anlässlich einer Volkszählung im Jahr 1901, als Ahmad seinen Anhängern empfahl, sich als „Ahmadiyya Musalmans“ registrieren zu lassen. Volkstümlich wurden sie bis dahin als „Qadiani“ oder „Mirzai“ bezeichnet.

Mirza Ghulam Ahmad leitete den Namen „Ahmadiyya“ vom zweiten Namen des Propheten Mohammed ab,Sahih Bukhari Band 6, Buch 60, Nummer 419Muhammad, Encyclopædia Britannica Online, abgerufen am 23. März 2014. der im Koranvers 61:6 von Isa ibn Maryam als Ahmad bezeichnet wird.

Der Name Mohammed bedeutet auf Arabisch „Gepriesener“ bzw. „Gelobter“. Mirza Ghulam Ahmad verstand hierunter das Wirken von Mohammed in der medinensischen Periode der Prophetie, das von ihm als „triumphal“ charakterisiert wird. Ahmad bedeutet „der Preisende“ bzw. „der Lobende“. Dieser habe laut Mirza Ghulam Ahmad sich in der mekkanischen Periode der Prophetie manifestiert, die Mirza Ghulam Ahmad mit der Lobpreisung Gottes verbindet.

Mirza Ghulam Ahmad begründete die Namensgebung damit, dass Mohammed für die Herrlichkeit und Erhabenheit („Jalali“) stehe, während Ahmad die Schönheit („Jamali“) betone. Dadurch knüpft Ahmad an die frühe Zeit in Mohammeds Verkündung an.

Die Herleitung des Begriffs „Ahmadiyya“ ist umstritten: „Die Aḥmadīs geben vor, ihren Namen nicht von dem des Sektengründers abzuleiten, sondern von der Verheißung über ihn im Koran.“ In Abgrenzung zu diesem Anspruch findet auch der Begriff „Qādiyānīya“ bzw. „Mirzaiyya“ Verwendung; entsprechend werden Anhänger „Qādiyānī“ bzw. „Mirzai“ genannt.

Spaltung Nach dem Ableben Ahmads wurde der Arzt und Theologe Nuur ud-Din zum Oberhaupt der Ahmadiyya-Bewegung gewählt. Mit seiner Wahl am 27. Mai 1908 wurde das Khalifat nach dem verheißenen Messias errichtet.

Schon bald kam Kritik am Kalifatsystem auf, das von den Gegnern als autokratisch empfunden wurde und wird.Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa, S. 270f. Nach Nuur ud-Dins Tod 1914 brach der Dissens darüber offen aus. Vor allem das exekutive Organ wurde von „Kalifatsgegnern“ kontrolliert.

Etwa 1.500–2.000 Befürworter des Kalifats wählten Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad zum zweiten Kalifen und damit zum neuen geistigen Führer. Das Komitee (Anjuman) ist den Anweisungen des Kalifen unterworfen. Die in Qadian verbleibende Gruppe nannte sich später Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ). Die Kalifen der AMJ werden von einem Wahlkomitee auf Lebenszeit gewählt. Seit 2003 ist Mirza Masroor Ahmad als Khalifat ul-Massih V. das geistliche Oberhaupt der AMJ. Rund 50 Ahmadis – angeführt von Muhammad Ali und Khwaja Kamal ud-Din – verweigerten Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad die Gefolgschaft und errichteten in Lahore ein von einem Emir geführtes Präsidium. Auf das Baiat und eine spirituelle Leitung sollte verzichtet werden. Die nach Lahore ausziehende Gruppe nannte sich später Ahmadiyya Andschuman Ischat-i-Islam Lahore (AAIIL).

Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad konnte zwar die Mehrzahl der Anhänger für sich gewinnen, doch war die Qadian-Gruppe (AMJ) unter dem 25-jährigen, unerfahrenen Führer und ohne eine intellektuelle, exekutive und administrative Elite empfindlich geschwächt. Die Lahore-Gruppe (AAIIL) war zugleich finanzstärker und konnte bald Missionsstationen in Woking und Berlin eröffnen. Später kamen Missionsstationen in Suriname und den Niederlanden hinzu.

mini|Fahne der Ahmadiyya Muslim Jamaat Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad konnte jedoch die Qadian-Gruppe (AMJ) während seiner Amtszeit festigen und zu einer schlagkräftigen Organisation ausbauen. In der Folge konnte die AMJ kräftig Mitglieder hinzugewinnen, während die AAIIL stagnierte. Die AAIIL ist bis heute mit Publikationen und Missionsarbeit aktiv, spielt jedoch zahlenmäßig keine Rolle mehr und ist in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. Seit der Spaltung sind beide Gruppen ebenfalls unter den Bezeichnungen Qadiani (für AMJ) und Lahori (für AAIIL) vor allem in Indien und Pakistan bekannt. Diese Bezeichnungen werden von Ahmadiyya-Gegnern abwertend verwendet.

Lehre

Die Lehre der Ahmadiyya basiert auf dem Koran, der Hadith und der Sunna. Zusätzlich haben die Schriften und Offenbarungen von Mirza Ghulam Ahmad eine erhebliche Bedeutung. Mirza Ghulam Ahmad sah sich als Prophet, Messias, Mahdi und die Endzeitverkörperung Krischnas. Die Lehrmeinung der Ahmadiyya weicht insbesondere in der Stellung Mirza Ghulam Ahmads, der Person Jesus von Nazareth (Isa ibn Maryam, Yuz Asaf), der Rolle des Mahdi, des Dschihad und in der Behandlung der Apostasie teilweise erheblich vom orthodoxen Islam ab. Die Ahmadiyya-Lehre wird daher von orthodoxen muslimischen Gelehrten als Häresie betrachtet und abgelehnt und der Gründer als Häretiker angesehen.

Glaubenssatz Islamische Orthodoxie Lahore Ahmadiyya-Bewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat Die Wiederkunft Isa bin Maryams In den „Letzten Tagen“ wird Jesus leibhaftig vom Himmel herabsteigen. Jesus wird nicht leibhaftig wiederkommen. Die Berichte über seine Wiederkunft sind allegorisch zu verstehen und beziehen sich auf Mirza Ghulam Ahmad. Er würde „östlich von Damaskus“, d. h. innerhalb von Damaskus, auf ein Minarett herabsteigen. Die Prophezeiungen des zweiten Auftretens Jesu wurde in der Person von Mirza Ghulam Ahmad erfüllt. Zur Erfüllung dieser Prophezeiung wurde das „Weiße Minarett“ in Qadian gebaut, das östlich von dem Ort Damaskus liegt. Der Abschluss des Prophetentums Mohammed ist „Siegel der Propheten“ Der Ausdruck im Koran „Siegel der Propheten“ bedeutet laut eigener Aussage Mohammeds, dass er der letzte Prophet ist.Sahih Muslim, Kapitel 7, Nr. 3211 Mohammed ist der letzte Prophet. Mohammed ist der „größte“ und „beste“, nicht aber der „letzte“ Prophet. Er brachte das Prophetentum zur Perfektion und schloss das „religiöse Gesetz“ (Koran) ab. Trotzdem schließt das nicht das Wiedererscheinen eines „alten“ Propheten aus, z. B. die Wiederkunft Jesu in den „Letzten Tagen“. Kein Prophet, weder ein neuer noch ein alter, kann nach ihm kommen. Propheten nach Mohammed müssen seiner Sunna (Beispiel) und Hadith (Botschaft) folgen. Sie müssen den Stempel Mohammeds (Siegel) tragen, dürfen kein neues Gesetz (Koran) bringen und können ihn nicht in Perfektion übertreffen. Mirza Ghulam Ahmad sei der Mudschaddid (Erneuerer) des 14. islamischen Jahrhunderts, jedoch kein Prophet. Mirza Ghulam Ahmad war der Mudschaddid (Erneuerer) des 14. islamischen Jahrhunderts und ein (Mohammed nachgeordneter) Prophet. Dschihad Der Dschihad im Sinne des bewaffneten Kampfes ist prinzipiell möglich. Befugnis zur Ausrufung des Dschihads obliegt dem Emir-al-Muminin, dem Führer der Gläubigen. Mit der Abschaffung des osmanischen Kalifats und der Errichtung der Nationalstaaten in der islamischen Welt ist dies in dieser Form nicht mehr möglich. Im orthodoxen Islam wird prophezeit, dass der Messias eine Periode des Friedens einläuten wird.Sahih Al-Bucharyy Nr. 3448 Dies wurde von Mirza Ghulam Ahmad aufgegriffen und der bewaffnete Kampf, insbesondere der Dschihad, verboten. Die Vorstellungen über die Voraussetzungen für den Dschihad variieren stark. Heute steht Muslimen, die verfolgt und unterdrückt werden, die Möglichkeit offen, auszuwandern und ein Gebiet zu finden, in dem sie in Frieden leben können. Der bewaffnete Dschihad wurde durch den Dschihad des Argumentes abgelöst. Nach einem Hadith ist „die Tinte des Gelehrten wertvoller als das Blut des Märtyrers“. Apostasie Apostasie gilt als strafbares Verbrechen. Die im Koran gewährte Religionsfreiheit bezieht sich auf das Recht der Anhänger der sogenannten Buchreligion ihren Glauben zu bewahren und zu praktizieren. Die im Koran gewährte Religionsfreiheit gilt uneingeschränkt. Aufgabe des islamischen Glaubens oder Übertritt zu einer anderen Religion unterliegt keiner (irdischen) Strafe.

Ausbreitungsgeschichte

Südasien