Agra (in einheimischer Mundart: [])Barbara Meroni: Agra TI (Lugano) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 78. ist eine Ortschaft der Gemeinde Collina d’Oro im Kreis Paradiso, im Bezirk Lugano im Süden des Schweizer Kantons Tessin. 2004 fusionierte die bis anhin eigenständige Gemeinde mit Gentilino und Montagnola zur neuen Gemeinde Collina d’Oro.
Geographie Das Dorf liegt auf 570 m ü. M. am Fusse des Monte Croce auf der Collina d’Oro. Der Ortsname entspricht wahrscheinlich dem in der Tessiner Mundart verbreiteten Wort agra/agru (Berg-Ahorn).
Geschichte mini|links|Luftbild von Walter Mittelholzer (1919) mini|links|Pfarrkirche Sankt Tommaso Der zu Agra gehörige Weiler Bigogno (Bigonio) wird 1270 in einem Inventar erwähnt, das den Besitz des Klosters Sant’Abbondio von Como im Valle di Lugano aufführt. Agra ist seit dem späten 13. Jahrhundert urkundlich belegt. Das Inventar des Domkapitels von Como (1298) nennt in Agra Allodialgüter, bischöfliche Lehen sowie Besitztümer des Klosters Disentis. Im selben Dokument erscheint auch die Kirche San Tommaso in Agra, die zuerst zur Pfarrei San Pietro in Pambio gehörte und 1591 Unterpfarrei wurde. Die Kapelle Sant'Assunta in Bigogno wurde 1609 fertiggestellt. In den Statuten von Como 1335 wird das concilium (Nachbarschaft) von Agra und Premona (alter Name von Barbengo) aufgeführt.
Im Mittelalter bildete Agra mit Barbengo die Vicinìa Concilium de Agra et de Premona, die später Concilium de Agra et Barbencho geheissen wurde.Celestino Trezzini: Premona. In Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 8, Supplement, Attinger, Neuenburg, S. 138 (PDF Digitalisat), abgerufen am 9. Oktober 2017
Das landwirtschaftlich geprägte Dorf war einst geprägt für die Auswanderung von Kunsthandwerkern nach Russland. Das 1912 eröffnete, 1969 wieder geschlossene örtliche Sanatorium war Aufenthaltsort vieler, vor allem deutschsprachiger Persönlichkeiten und Intellektueller, die hier die Monatszeitschrift Die Terrasse publizierten.
Bevölkerung Die Einwohnerzahl wuchs bis zum einstweiligen Höchststand um das Jahr 1836 kontinuierlich an. Im anschliessenden Jahrzehnt war eine starke Abnahme zu verzeichnen. Ab 1870 stieg die Zahl der Einwohner bis 1910 leicht an, um sich dann bis 1941 mehr als zu verdoppeln. In den darauffolgenden 50 Jahren nahm die Einwohnerzahl stetig ab, um ab 1990 wieder auf den Wert von 1941 anzusteigen.
mini|Gemeindestand vor der Fusion am 4. April 2004 mini|Agra Resort Collina d’Oro mini|Ehemaliges Sanatorium, Deutsches Haus
Verkehr Das Dorf liegt an der Strasse Lugano–Agra–Barbengo. Im öffentlichen Verkehr wird Agra von der Postautolinie 62.436 Lugano–Sorengo–Montagnola–Agra und in der Nacht von Samstag auf Sonntag von der Nachtbuslinie 62.473 (Collina d'Oro) erschlossen.Offizielles Kursbuch, Fahrplanjahr 2025. In: öv-info.ch
Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche San TommasoSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 339–340. Ehemaliges Sanatorium, Architekt: Edwin Wipf, 1912–1915 für Tuberkulosepatienten erbaut, das durch den Aufenthalt vieler deutschsprachiger Berühmtheiten als Deutsches Haus bekannt wurde; es wurde 1969 geschlossen und 2009 nach Abbruch der Ruine in der alten Form wieder aufgebauteinestages.spiegel.de: Unheilbar deutsch – einestages, Zugriff am 15. April 2010. Inzwischen erfolgte ein Umbau, und das Haus wird unter dem neuen Namen «Resort Collina d’Oro» als Hotel geführt Oratorium della Beata Vergine im Ortsteil Bigogno
Bilder
Persönlichkeiten
Literatur Enrico Fuselli (Hrsg.): Agra 1914–1918. Il respiro del sanatorio. Fondazione culturale della Collina d’Oro-Lugano, Giampiero Casagrande, Montagnola 2009. Virgilio Gilardoni: Agra. In: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 175, 202, 474.
Simona Martinoli u. a.: Agra. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 336–339. A.Mario Redaelli: Agra. In: Storia e storie della Collina d’Oro. Editori Gaggini-Bizzozero S.A., Lugano 1977, Band 1, S. 22, 149–169; Band 2, 1978, 432–503, 590 f. Celestino Trezzini: Agra In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 1, Affo – Alther, Attinger, Neuenburg 1921, S. 175 (Digitalisat), (abgerufen am 3. Juli 2017). Monatszeitschrift Die Terrasse. Nr. 10, 1931.
Weblinks
Webauftritt der Gemeinde Collina d’Oro Amt für Statistik des Kantons Tessin: Collina d’Oro Collina d’Oro-Agra: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin Bundesinventar ISOS: Agra. In: gisos.bak.admin.ch.
Einzelnachweise
Kategorie:Collina d’Oro Kategorie:Ort im Kanton Tessin Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Collina dOro Kategorie:Ersterwähnung im 13. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 2004