mini|hochkant|James Jesus Angleton James Jesus Angleton (* 9. Dezember 1917 in Boise, Idaho; † 12. Mai 1987 in Washington) war von 1951 bis 1974 Leiter der Spionageabwehrabteilung des US-Auslandsnachrichtendienstes CIA.
Leben Jugend Angleton wurde als Sohn des Kavallerieoffiziers James Hugh Angleton und dessen mexikanischer Frau Carmen Mercedes Moreno geboren. In den 1930er Jahren übersiedelte die Familie nach Mailand, wo Angletons Vater die italienische Filiale der NCR Corporation leitete. Angleton besuchte das reine Jungeninternat Malvern College in England und studierte an der Yale University und in Harvard in den USA, schloss sein Studium jedoch nicht ab.
Nachrichtendienstliche Tätigkeit Während des Zweiten Weltkriegs wurde Angleton vom Office of Strategic Services (OSS) angeworben, dem auch sein Vater angehörte, und diente 1941 bis 1942 im X2-Büro in London. 1943 wurde er nach Italien versetzt und wurde zu Kriegsende Chef der Gegenspionageeinheit in Rom. Nach einem Aufenthalt in Washington D. C. wurde Angleton Ende der 1940er Jahre Chef des OSS und X2 für Italien. Zurück in Washington war er in verschiedenen Nachfolge-Organisationen der OSS beschäftigt und einer der Gründungsoffiziere der Auslandsnachrichtendienstes CIA. 1949 wurde Angleton Chef Staff A des Office of Special Operations, einer Abteilung, die für den Nachrichtengewinn aus dem Ausland verantwortlich war und in Verbindung mit den Gegenspionage-Abteilungen stand. Angleton pflegte bis zum Ende seiner Karriere gute Beziehungen zu Israels Mossad und dem Schin Bet.
Er entwickelte in seiner Position aufgrund der Erfahrungen mit Donald Maclean, Kim Philby (den Angleton persönlich kannte, aber nicht zu enttarnen vermochte) und Jack Dunlap eine fast obsessive Tendenz, nach Verrätern in den eigenen Reihen zu suchen. Der Absprung der KGB-Offiziere Anatoli Michailowitsch Golizyn und Juri Iwanowitsch Nossenko und ihre – zum Teil fragwürdigen – Informationen bestärkten Angleton in seiner Sorge vor Maulwürfen in der eigenen Organisation.
1967 bis 1974 leitete Angleton die klandestine „Operation CHAOS“, bei der verfassungswidrig – und am eigentlich zuständigen FBI vorbei – Bürgerrechtler und Kriegsgegner (Vietnamkrieg) überwacht wurden. Die Aktivitäten wurden am 22. Dezember 1974 durch den Investigativjournalisten Seymour Hersh aufgedeckt und führten zur Einrichtung des Church Committee durch den Senator Frank Church.
Angletons Rücktritt wurde Weihnachten 1974 bekanntgegeben. Drei von Angletons höheren Angestellten in der Spionageabwehr, sein Stellvertreter Raymond Rocca, William J. Hood und Angletons Chief of Operations, Newton S. Miller, wurden in den Ruhestand gedrängt. Die Spionageabwehr wurde von 300 Mitarbeitern auf 80 reduziert.
1985, zwei Jahre vor seinem Tod, sagte Angleton dem Journalisten Joseph Trento zufolge über seine Zeit bei der CIA:
Privates Angleton heiratete am 17. Juli 1943 in Battle Creek, Michigan Cicely Harriet d’Autremont (8. April 1922 in Duluth, Minnesota – 23. September 2011 in Great Falls, Virginia).Spartacus Educational Er liebte Poesie, vor allem Ezra Pound, mit dem er korrespondierte, sowie T. S. Eliot. Er befasste sich mit Gemmen und mit Orchideenzucht.
Einschätzung und künstlerische Rezeption Der ehemalige Direktor der CIA Richard Helms äußerte sich zu Angleton wie folgt: „Seinerzeit wurde Jim als die dominierende Gegenspionage-Figur in der nichtkommunistischen Welt angesehen.“Richard Helms, A Look over My Shoulder: A Life in the Central Intelligence Agency. New York: Random House, 2003, S. 275. Im Original: „In his day, Jim was recognized as the dominant counterintelligence figure in the non-communist world.“ Der Journalist Edward Jay Epstein meint, Angleton habe das Vertrauen von sechs CIA-Direktoren, darunter Walter Bedell Smith, Allen W. Dulles und Richard Helms gewonnen, die Schlüsselpositionen mit ihm besetzt und seine Arbeit geschätzt hätten.
Der britische Spionageroman-Autor John le Carré ging in seinem 1991 neu geschriebenen Vorwort für den Roman Tinker Tailor Soldier Spy (der von der Jagd nach einem Maulwurf im britischen Geheimdienst handelt) auf ihn ein und schrieb über Angletons Paranoia, die Sowjetunion habe einen hochrangigen Agenten in der CIA platziert gehabt, der ihr ermöglicht hätte, diesen tatsächlich zu führen, dass diese Annahme zwar falsch gewesen sei, die Auswirkungen dieser Paranoia seien aber nicht weniger katastrophal gewesen, als hätte er recht gehabt. Le Carrés Einschätzung nach hat diese Paranoia die CIA ebenso paralysiert wie Philbys Verrat den britischen Geheimdienst.Dame, König, As, Spion, S. 9, Berlin 2012, List, ISBN 978-3-548-61077-1.
Seine mythenumrankte Persönlichkeit diente als Vorbild für zahlreiche Werke der Literatur.
Norman Mailer ließ sich für seine Gestalt Hugh Montague in Harlot’s Ghost von Angleton inspirieren. Auch der Superspion Eliot in David Morrells Roman The Brotherhood of the Rose basiert auf Angleton, desgleichen die Figur „Mother“ in Orchids for Mother von Aaron Latham. Der Film The Good Shepherd von 2006 (dt. Der gute Hirte) ist eine freie Variation von Angletons Lebensgeschichte. Angleton ist auch eine zentrale Figur in dem Roman Die Company von Robert Littell, das 2007 unter dem Namen The Company – Im Auftrag der CIA verfilmt wurde. In Vergebung (schwed. Luftslottet som sprängdes, 2007) von Stieg Larsson wird Angleton ebenfalls prominent erwähnt.
Literatur Tom Mangold: Cold Warrior: James Jesus Angleton. The CIA’s Master Spy Hunter. Simon & Schuster, New York 1991. David Wise: Molehunt, The Secret Search for Traitors that Shattered the CIA. Random House, New York 1992. Richard Helms: A Look Over my Shoulder: A Life in the Central Intelligence Agency. Random House, New York 2003. David C. Martin: Wilderness of Mirrors: Intrigue, Deception, and the Secrets that Destroyed Two of the Cold War’s Most Important Agents. The Lyons Press, Guilford 2003. Terence Hawkes: William Empson’s influence on the CIA. Times Literary Supplement, 12. Juni 2009, S. 3–5. Michael Holzman: James Jesus Angleton, the CIA and the Craft of Counterintelligence. University of Massachusetts Press 2008. Edward Jay Epstein: James Jesus Angleton: Was He Right? 2012 – 2. Aufl. CreateSpace Independent Publishing Platform, 2014, ISBN 978-1-4952-0347-3. Jefferson Morley: The Ghost: The Secret Life of CIA Spymaster James Jesus Angleton. Scribe Publications, Melbourne/London 2017. ISBN 978-1-911344-73-5. Ralph Thomas: Wall Of Secrecy – Inside The JFK Assassination: How James Angleton & William Harvey Set Up An Assassination Team Inside The CIA. 2018.
Weblinks
Rezension von Mangolds Buch (englisch) aus David Wise, Kapitel 12 (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Absolvent der Yale University Kategorie:Person (Office of Strategic Services) Kategorie:Person (Central Intelligence Agency) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1917 Kategorie:Gestorben 1987 Kategorie:Mann