Als Marine-Lenhart-Syndrom wird das gleichzeitige Auftreten einer Knotenstruma mit Autonomie und einer immunogenen Hyperthyreose (Morbus Basedow) bezeichnet.Frank Grünwald und Karl-Michael Derwahl: Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen. Frankfurt, Berlin 2014, ISBN 978-3-86541-538-7, S. 33, S. 58, S. 84 und S. 111
Erstbeschreiber waren die in Cleveland tätigen Chirurgen David Marine und Carl H. Lenhart im Jahr 1911.D. N. Charkes: In: JOURNAL OF NUCLEAR MEDICINE. Volume 13, Number 12, S. 885–892. In der entsprechenden ArbeitD. Marine, C. H. Lenhart: Pathological anatomy of exophthalmic goiter. In: Arch Intern Med (Chicago). 1911; 8, S. 265–316. hatten sie ihre Beobachtungen bezüglich Histopathologie und Jodgehalt von Strumen dargestellt. Darunter hatten sich auch acht Fälle befunden, in denen sie das gleichzeitige Auftreten einer Struma und eines Adenoms als zufällig gewertet hatten.
Das gleichzeitige Auftreten beider Ursachen der Überfunktion ist selten und kann die Diagnostik erschweren.A. Schuler, C. Schreck, G. Becker, V. Herzau: Marine-Lenhart Syndrom: seltene Differenzialdiagnose bei Hyperthyreose und endokriner Orbitopathie. In: Ultraschall in der Medizin - European Journal of Ultrasound. 25, 2004, .P.-M Schumm-Draeger, O.-A Müller: Hyperthyreose - Der konkrete Fall. In: DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift. 128, 2003, S. 495, . Die Häufigkeit des Marine-Lenhart-Syndroms wird für Patienten mit Morbus Basedow mit 1 % angegeben.K. Mann, R. Hörmann: Antithyreoidale und TSH-suppressive Behandlung bei Morbus Basedow? In: Der Internist. Springer Verlag, 1998; (39) 6: 600-612. (online)
Die Behandlung erfolgt entweder durch operative Entfernung der Schilddrüse oder durch Radiojodtherapie. Eine Therapie mit Thyreostatika kann jedoch zur Herstellung der Euthyreose zeitlich begrenzt notwendig sein.
Auch die seltene Nebenwirkung des zusätzlichen Auftretens einer immunogenen Hyperthyreose wenige Wochen nach einer Radiojodtherapie wegen einer Schilddrüsenautonomie (zum Beispiel Autonomes Adenom) wird Marine-Lenhart-Syndrom genannt. Diese Form der Überfunktion limitiert sich meistens selbst, ihre Häufigkeit wird mit 0,5 bis 1 % angegeben.F. Grünwald, C. Menzel. Radioiodtherapie. In: T. Kuwert, F. Grünwald, U. Haberkorn, T. Krause: Nuklearmedizin. Stuttgart, New York 2008, ISBN 978-3-13-118504-4. In einem Teil der Fälle muss aber wegen der neu aufgetretenen Schilddrüsenüberfunktion eine zweite Radiojodtherapie durchgeführt werden.
Einzelnachweise
Kategorie:Krankheitsbild in der Endokrinologie Kategorie:Krankheitsbild in der Nuklearmedizin Kategorie:Schilddrüse