Die Ostseestraße ist eine rund 1,1 Kilometer lange Straße im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow.Karte von Berlin 1:5000 (K5 – Farbausgabe): Straßenzug Ostseestraße Sie ist eine Hauptstraße im Verlauf des nördlichen Teils der C-Ringtrasse in Verlängerung des Berliner Stadtringes und der Seestraße. Dieser Straßenring liegt etwas außerhalb des S-Bahn-Ringes.
Entsprechend der städtebaulichen Struktur werden zur Ostseestraße auch die Gebiete zwischen dem S-Bahn-Ring und der Grenze zum Ortsteil Weißensee betrachtet. Dieser Artikel zur Ostseestraße beschreibt den Pankower Planungsraum 12-PB Nord (Lebensweltlich orientierter Raum LOR 28 – Erich-Weinert-Straße).(PDF) statistik-berlin-brandenburg.de; abgerufen am 2. November 2010.
Geschichte Die Bebauung der Ostseestraße erfolgte im Laufe des 20. Jahrhunderts in mehreren zeitbedingt unterbrochenen Schüben. An der Straße stehen vorrangig Wohnbauten. Diese Bebauungsfortschritte entlang der Straße und in den benachbarten Stadträumen sind auf der Karte „Gebäudealter 1992/93“ des Landeskartenwerks übersichtlich dargestellt.fbinter.stadt-berlin.de: gebaeudealter. Dazu Legende: blau bis 1869 / violett: 1870–1899 / rot: 1900–1918 / blaugrün: 1919–1932 / gelbgrün: 1933–1945 / dunkelbraun: 1946–1961 / hellbraun: 1962–1974 / gelb: nach 1975 Ergänzt werden Kriegsschäden der Umgebung auf der Karte Gebäudeschäden 1945.Landeskartenwerk: Gebäudeschäden 1945 Außerdem wurde mit „HistoMapBerlin“ das amtliche Kartenwerk „Stadtplan von Berlin“ (ab ca. 1950 „Karte von Berlin“) beginnend mit dem Straubeplan von 1910 in einzelnen Jahresausgaben bis zur Gegenwart in deckenden Ausschnitten zusammengefügt. Für die Ostseestraße sind dies Straubeplan IL und IM, sowie die Stadtkarten 4228, 4235, 4324 und 4331.
Anlage und Einweihung im 19. Jahrhundert Ostseestraße Ihren Ursprung hat die Ostseestraße in den Erweiterungsplänen James Hobrechts. Im nach ihm benannten Plan wurde sie als Straße 31a bezeichnet. Hier ist sie als Straße auf Berliner Territorium, allerdings noch fernab der Zentrumsbebauung, bereits Teil einer Ringstraße um die preußische Hauptstadt. Die Planungen wurden wegen der Anlage eines Berliner Kanalisationssystems ab 1862 gefertigt. Den heutigen Namen erhielt sie am 23. Januar 1913. Die Namensgebung nach der Ostsee folgte dem westlich der Prenzlauer Allee bereits errichteten Nordischen Viertel mit Straßennamen skandinavischer Städte.
mini|Ostseestraße und Straße 40a auf dem Silva-Plan, 1925
Auf den Stadtplänen von 1893 und 1897 sind die Straßenzüge Grellstraße und die heutige Erich-Weinert-Straße eingetragen, die Gemeinde Neu-Weißensee ist bis zur Stadtgrenze Berlins bereits besiedelt, der heutige Straßenzug erscheint erst auf dem Stadtplan von 1906. auf alt-berlin.info Der Straßenzug war seit 1905 bei der Revision des ursprünglichen Planes (von 1862) mit Mittelpromenade vorgesehen. Zwischen Prenzlauer Promenade und Greifswalder Straße sind die Straßenzüge nördlich der Ringbahn als Planstraßen aufgenommen, wie sie später auch angelegt wurden.Kartenwerk K4 : aus den 1920er und 1930er Jahren die Pläne 4228, 4235, 4324, 4331, sowie der Strapeplan I M von 1910 1906 ist die Trassierung im Stadtplan mit dem Ostseeplatz zur Greifswalder Straße, weitergehende über die Kniprodestraße – an deren Ostseite ein weiterer Platz – und nach Lichtenberg über die Hohenschönhauser Straße bis an die Landsberger Chaussee, jedoch als unbenannt enthalten.Stadtplan 1907 Großer Verkehrsplan von Berlin und seinen Vororten, entworfen und gezeichnet von Alfred Mende in Berlin Für 1921 ist die Ostseestraße nach Osten bis zur Greifswalder Straße aufgenommen und setzt sich als angelegte Straße 135 zur Kniprodestraße fort, der weitere Verlauf als Platz CII und Straße 40a ist nur als Trasse über die Oderbruch- bis an die Hohenschönhauser Straße eingezeichnet. 1926 ist die Verlängerung nach Osten als angelegte Straße bis zur Oderbruchstraße eingezeichnet, sie kreuzt dabei zwei unbenannte Straßen sowie die Kniprodestraße (die durch den Jüdischen Friedhof gelegt ist) und eine Beeskower Straße mit dem Verlauf zur Metzer Straße über die Bahnstrecke kommend. Ab der Karte von 1932 ist der weitere Straßenverlauf lediglich durch die Hochspannungsleitung markiert, die auf dem Mittelstreifen der Ostseestraßevergleiche dazu den Silva-Plan von 1925 von der Wisbyer Straße zum Weißenseer Weg und weiter in die Landsberger Chaussee führt.
Die Verlängerte Ostseestraße im Plan XIII als Straße 40a geführt (nach Bebauungsplan zeitweise als Straße 135 projektiert) wurde zu Ehren des 400. Todestages des italienischen Bildhauers, Malers und Architekten Michelangelo am 18. Februar 1964 in Michelangelostraße umbenannt.Umbenennung in Michelangelostraße im Bundesarchiv Die Michelangelostraße hatte bis in die 1980er Jahre nur die nördliche Fahrbahn mit der Komplikation des Fahrbahnwechsels an der Kreuzung Greifswalder Straße. Bis 1960 endete der Straßenzug (als Ostseestraße) an der Greifswalder Straße.
Ostseeplatz mini|Wohnpalast am Ostseeplatz
In der Trassierung von 1910 (Straubeplan I M) ist im Verlauf der Planstraße 31 AXII der Platz F II vorgesehen, der mit der Einweihung im Jahre 1913 seine Form erhielt. Bei der Einweihung des Straßenzuges wurde der im Südosten auf einer Weitung der beidseitigen Straßenverläufe angelegte Platz zeitgleich benannt und erhielt seine Bepflanzung, die größtenteils aus Kastanien bestand. Er ist rund 10.000 Quadratmeter groß und besitzt eine rechteckige Form.
Erster Weltkrieg und Notzeit Die „Baugesellschaft Bellevue“ plante 1913 die Bebauung fortschreitend nach Osten. Doch zwischen 1914 und 1925 stockten weitere Arbeiten auf Grund des Ersten Weltkriegs und der Inflation von 1920/1923. 1920 mit der Bildung von Groß-Berlin war die Ostseestraße zum Innenstadtbereich geworden. Im Norden wurde die Gemeinde Weißensee eingegliedert, die bereits mit ihrem Gründerviertel bis an Berlin herangewachsen war. Von Berliner Seite war der Stadtrandcharakter Berlins mit Feldern und Gärten noch erhalten. Westlich war das Nordische Viertel seit 1900 entlang des Ringes (Bornholmer Straße) schon entstanden, ebenfalls außerhalb des Bahnringes. Bauinvestitionen in der noch leeren Ostseestraße und ihrer Umgebung kamen mit dem Boom der „Goldenen Zwanziger Jahre“.
Bauboom der „Goldenen Zwanziger Jahre“ mini|Die Ostseestraße nimmt ihren Beginn an der Kreuzung mit der Prenzlauer Allee
Insbesondere durch die Inflation war der Wohnungsbau allgemein fast zum Stillstand gekommen. Es wurden sozial verträglichere Wohnbauten als im inneren Prenzlauer Berg nötig. Die Flächen entlang der Ostseestraße waren noch unbebaut und daher für eine Neubebauung geeignet.
In den 1920er Jahren war die Carmen-Sylva-Straße (seit 1954: Erich-Weinert-Straße) als zentrale Boulevard-Straße des neuen Viertels vorgesehen, benannt nach dem Pseudonym der Königin Rumäniens, Elisabeth zu Wied. Durch den Ersten Weltkrieg und die darauffolgende Inflation war die Bebauungskontinuität unterbrochen. Nördlich der Ostseestraße bestanden weiterhin Kleingärten und Ackerflächen bis zum Gründerviertel in Weißensee, das 1920 eben erst zu Groß-Berlin eingemeindet worden war. Die Fläche von der Ringbahn um die Ostseestraße war Berliner Randlage, die anschließende Fläche zur Langhansstraße war Weißenseer Randlage mit Gewerbeansiedlung. Der Bezug zum westlicher anliegenden Wohnviertel wurde mit den über die Prenzlauer Allee geführten Straßennamen der Kugler- und Zelterstraße und der durchgehenden Carmen-Sylva- und Grellstraße hergestellt.
mini|links|Die Mittelpromenade der Ostseestraße
Von 1926 bis 1930 entstand auf dem Areal südlich der Ostseestraße bis zur Ringbahn die von Bruno Taut geplante Wohnstadt Carl Legien. Als vorrangiger Bauherr trat dafür die GEHAG auf. Das Wohnquartier wurde 1933 (nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten) bezogen auf die Kämpfe im Ersten Weltkrieg in Flandernsiedlung benannt. Einige südlich der Ostseestraße neu angelegte Straßen erhielten Namen nach belgischen Orten, die 1914 bis 1918 aus den Kämpfen der Flandernschlachten bekannt geworden waren. Das neue Regime diffamierte die bestehenden Ideen und Konzepte des Bauhauses mit offener Architektur als entartet. Jedoch vermittelten großzügige Innenhöfe den Bewohnern einen Eindruck von Naturnähe. Die Weiträumigkeit der Wohnungsschnitte und der Einrichtung unterschied sie von den Mietskasernen der Gründerzeit im Innenstadtbezirk. Im Juli 2008 wurde dieses Wohnquartier des Architekten Bruno Taut von der UNESCO gemeinsam mit fünf weiteren Siedlungen Berlins in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.
Der Straßenzug Ostseestraße endete 1928 von der Greifswalder Straße her mit der südlichen Fahrbahn im Ostseeplatz, der bereits die Viereckform mit der Bepflanzung auf der Mittelfläche besaß. Am Westrand des Ostseeplatzes – an der Hosemannstraße – begannen Schrebergärten. Die Nordseite des Platzes und die spätere nördliche Fahrbahn wurde von Kleingärten genutzt. Von der Kreuzung Greifswalder Ecke Ostseestraße führt eine (Plan-)Trasse schräg nach Weißensee zur Lehderstraße. Von der Prenzlauer Allee her ist die spätere Trassenführung geplant und erkennbar. Allerdings befinden sich auf dem späteren Straßenland innerhalb der Randwege noch Kleingärten.tagesspiegel.de: Interaktiver Luftbildvergleich 1928 zu 2015 Diese Kleingärten gewannen in den Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsjahren Bedeutung für die Selbstversorgung.
Von 1929 bis 1931 errichtete das Architektenduo Fedler & Kraffert zwischen Mandelstraße und Greifswalder Straße im Auftrag eines gewerkschaftsnahen Bauvereins eine Wohnanlage ohne Quergebäude und Seitenflügel. Mit der Anlage geräumiger begrünter Hofflächen wurden Bauideen umgesetzt, die die eng bebauten Hinterhofviertel der Vorkriegszeit überwanden. Die Anlage zieht sich um eine von Ludwig Hoffmann 1915–1923 an der Mandelstraße errichtete Schule in der Berliner Denkmaldatenbank von der Mandelstraße über die Ostsee- und die Greifswalder-, mit einer Unterbrechung, bis zur Schieritzstraße herum.
1930er Jahre Zwischen 1934 und 1937 errichtete man nach Planungen von Wilhelm Lindow das Wohnensemble an der Südseite des Ostseeplatzes zwischen Mandelstraße und Hosemannstraße. In Ziegelbauweise errichtet, besitzt es eine zum Ostseeplatz abnehmende Geschosshöhe. Südlich an die Erich-Weinert-Straße grenzend, die Bruno Taut als die Magistrale vorgesehen hatte, steigt die Geschosszahl zum Ostseeplatz auf sechs an. Mit der eingefügten grünen Innenfläche und zu den Kleingärten über den Ostseeplatz hinweg entstand eine angenehme Wohnanlage am Rande des Innenstadtbezirks.
Im Adressbuch 1936 ist die Ostseestraße auf der linken Seite von der Prenzlauer Allee lediglich mit Baustellen aufgeführt, auf der rechten Seite ebenfalls Baustellen bis Hosemannstraße, Ostseeplatz und Mandelstraße. Danach folgen zur Greifswalder Straße 116–124, deren Eigentümer die Volksfürsorge Stadt Berlin (Stadthaus Klosterstraße) ist. Für das Wohnhaus 126 mit 14 Mietern ist kein Eigentümer genannt.Die Adressbücher geben den Baubestand vor dem Vorjahr an, die Angaben beziehen sich immer auf Bewohner oder gewerbliche Nutzer. Parzellierte, jedoch noch unbebaute Grundstücke sind als Baustelle markiert, wenn Einträge im Grundbuch bestehen. Bauten, die gerade erst entstanden sind, aber bereits Bewohner haben, sind als Neubau bezeichnet.
mini|Die Plastik Lesender Knabe von Goettsche im Erich-Weinert-Park