Der Audi 80 B4 (auch als Typ 8C bezeichnet) wurde im September 1991 von der Audi AG als viertes und letztes Modell der seit 1972 angebotenen Baureihe Audi 80 vorgestellt. Es löste den Audi 80 B3 und das Schwestermodell Audi 90 ab (von dem es die Fünfzylinder-Ausführungen übernahm, und erstmals auch als Sechszylinder). Wenngleich auf dem B3 basierend, wurde es jedoch wesentlich überarbeitet und ist auch um 9 cm länger und entsprach der unter Ferdinand Piëch verfolgten Platzierung von Audi als Premiummarke. Mit mehr als 826.000 Exemplaren (davon etwas mehr als 177.000 Avant) war der Audi 80 B4 erfolgreich. Die beliebtesten Motorisierungen waren der 2.0 E mit 115 PS (456.861 Exemplare) und der TDI (182.777 Exemplare).
Im November 1994 erschien als Nachfolger der Audi A4, zunächst nur als Limousine. Der Audi 80 Avant lief noch bis Dezember 1995 vom Band, das Audi Coupé noch bis Ende 1996 und das Audi Cabriolet sogar noch bis September 2000.
Modellgeschichte Allgemeines mini|Heckansicht Die grundsätzliche Konzeption der vierten Generation des Audi 80 (B4) orientierte sich an der der dritten Generation (B3). Der B4 stellte damit eine Weiterentwicklung des Vorgängermodells dar, von der er sich äußerlich zunächst durch ein verändertes „Audi-Gesicht“ unterscheidet, das sich durch eine neugestaltete Motorhaube mit integriertem Grill, wie sie zuvor schon beim Audi V8 und Audi 100 C4 verbaut wurde, sowie den in Wagenfarbe lackierten Stoßfängern ergab. Auch ist die Heckscheibe des B4 gegenüber der seines Vorgängers im oberen Bereich weniger stark gewölbt. Unverändert gegenüber dem B3 blieb ein Großteil der Dachpartie inklusive Form und Position der Frontscheibe.
So behielt der B4 die längs eingebaute Motoranordnung sowie die Option auf Vorderrad- oder Allradantrieb bei. Beim Fahrwerk setzte der B4 vorne weiterhin auf das bewährte MacPherson-System mit Einzelradaufhängung. Hinten jedoch wurde das bisherige starre Torsionskurbelachssystem durch eine Verbundlenkerachse ersetzt, die mit Schraubenfedern und hydraulischen Teleskopstoßdämpfern an beiden Rädern ausgestattet war.
Der Kofferraum des Vorgängermodells B3 hat der hinteren Torsionskurbelachse wegen, die einen relativ großen Einbauraum erforderte, eine vielfach kritisierte ungünstige Formgebung. Ein größerer Kofferraum mit ebenem Laderaumboden wurde im Nachfolger B4 erst durch die Verwendung der Verbundlenkerachse ermöglicht. Dies erforderte jedoch einen größeren Radstand, weswegen der Wagen knapp 8 cm länger wurde. Durch die größeren Räder wurde dies geschickt kaschiert, so dass die Hinterkante der hinteren Tür an der gleichen Stelle stand wie zuvor.
Dank der geänderten Hinterachse konnte zudem ein liegender Tank verbaut werden, der einen glattflächigen, tiefen Kofferraum sowie umlegbare Rücklehnen und damit auch eine Kombivariante ermöglichte, die im Sommer 1992 als Audi 80 Avant vorgestellt wurde. An der Karosserieform des Hecks ist zu erkennen, dass die Kombivariante schon zu Zeiten des Audi 80 B3 entwickelt wurde. Die Heckleuchten des B3 sind identisch mit denen des Avant.
Nahezu die gesamte Modellreihe verfügte über eine Bremsanlage mit vier Scheibenbremsen, die in den meisten Varianten serienmäßig mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet war. Eine Ausnahme bildete die Basisversion mit dem 2,0-Liter-Vergasermotor, die hinten Trommelbremsen verwendete. Die Zahnstangenlenkung war serienmäßig mit Servounterstützung versehen, und auch das Sicherheitssystem Procon-Ten gehörte zur Standardausstattung der B4.
Mit der Einführung des Audi 80 B4 wurden die Modellreihen Audi 80 und 90 wieder zusammengefasst. Neben den zuvor dem Audi 90 vorbehaltenen Fünfzylinder-Motoren war der Audi 80 B4 erstmals auch mit V6-Motoren erhältlich.
Unterschiede zum Audi 80 B3 bis zur serienmäßigen Einführung der Airbags war das von Audi entwickelte Sicherheits-System Procon-ten serienmäßig Fahrerairbag ab Modelljahr 1994 serienmäßig, optionaler Beifahrer-Airbag (Serie ab Modelljahr 1995) Antiblockiersystem (Serie ab Januar 1993) Geänderte Stoßfänger und Leuchteinheiten; das Coupé, Cabrio und der RS2 erhielten zudem eine besondere Frontpartie mit anderen Scheinwerfern. Bis auf die normalen Vier- und Fünfzylindermodelle hatten alle Fahrzeuge serienmäßig in den Stoßfänger eingebaute Blinker und Nebelscheinwerfer, welche mit Ausnahme des RS2 unverändert vom vorangegangenen Audi 90 übernommen wurden. Geänderte Motorhaube mit integriertem Kühlergrill, breitere, größere Radhäuser, längerer Kofferraum und neu geformtes Heck Leicht vergrößerter Radstand Serienmäßig 15-Zoll-Räder, in Grundausstattung Reifenmaße 195/65/15 (Audi 80 B3: 14-Zoll-Räder) Neu konstruierte Hinterachse, damit notwendigerweise einhergehend eine neue Konstruktion des Fahrzeugtanks sowie eine Veränderung der Form des Kofferraumbodens (die zerklüftete Form des Kofferraums wurde beim Vorgängermodell oft kritisiert) Geänderte Klimaanlage Asymmetrisch umklappbare Rücksitzlehnen lieferbar; nur wenige Exemplare mit starren Lehnen wurden gebaut. Ab Modellvariante 2.3E waren die Rücksitzlehnen bei der Limousine über die Zentralverriegelung abschließbar. Verbesserte Dämmung Hochwertigere Materialien im Innenraum (insbes. Sitzbezüge und Verkleidungen) Geänderte Türverkleidungen Warnblinkerschalter in der Mittelkonsole statt Lenkstockschalter Geänderte Motorenpalette
Motorisierungen Zum Marktstart wurde der Audi 80 B4 ausschließlich mit Benzinmotoren angeboten. Die Motorenpalette wurde nach oben verschoben, indem die bisherigen Einstiegsmotoren der Vorgängerbaureihe B3 mit 1,6 und 1,8 Litern Hubraum gestrichen wurden. Der B4 startete somit mit Motoren ab 2,0 Litern Hubraum. Folgende Motorisierungen standen zur Verfügung:
2.0: Basismotor mit 1984 cm³ Hubraum, Singlepoint-Einspritzung und einer Leistung von 90 PS. 2.0 E: Gleicher Motor wie der 2.0, jedoch mit elektronischer Einspritzung und 115 PS. 2.3 E: Fünfzylinder-Reihenmotor mit 2306 cm³ Hubraum, elektronisch unterstützte mechanische Einspritzung (KEIII-Jetronic) und einer Maximalleistung von 133 PS. 2.8 E: Eine Neuheit in der B4-Baureihe war der V6-Motor mit 2771 cm³ Hubraum und 174 PS.
Alle Motoren waren mit einem Katalysator ausgestattet. Mit Ausnahme des 2,0-Liter-Vergasermotors konnten alle Motoren optional mit Allradantrieb kombiniert werden. Das Getriebe war standardmäßig ein manuelles Fünfganggetriebe, wobei auf Wunsch auch ein Viergang-Automatikgetriebe erhältlich war.
Modellvarianten Die Sechszylindermodelle unterschieden sich optisch geringfügig von den anderen Varianten. Die vorderen Blinkleuchten wurden in die Stoßstange integriert und es wurden Doppel-Hauptscheinwerfer verbaut, die eine Weiterentwicklung der Doppelscheinwerfer des Audi 90 und der Coupés bis Modelljahr 1991 waren. Diese bestanden aus einem H4-Reflektor für Abblendlicht und Lichthupe sowie einem H1-Reflektor für Lichthupe und Fernlicht. Gegenüber den standardmäßigen Vier- und Fünfzylinder-Modellen ergab sich dadurch ein wesentlich verbessertes Leuchtbild. Diese Scheinwerfer hatten zuvor schon Verwendung beim Audi Coupé gefunden und wurden bis Modelljahr 1997 ebenfalls im Audi Cabriolet verbaut. Die späten S2, der RS2 und das Cabrio ab Modelljahr 1998 hatten ähnlich konstruierte Halogen-DE-Scheinwerfer. Diese hatten ein H1-Abblendlicht mit Projektionslinse sowie einen H1-Reflektor für Fernlicht mit größerem Reflektor als bei der H4/H1-Lösung. Da das Abblendlicht bei eingeschaltetem Fernlicht eingeschaltet blieb, wurde das Lichtbild gerade bei der Vorfeldausleuchtung noch verbessert. Die DE-Scheinwerfer sind durch das Umlegen eines Schalters im Scheinwerfergehäuse einfach auf Linksverkehr umstellbar.
Die S2-Modelle sowie Cabriolet, Coupé und das Sondermodell quattro competition hatten zudem veränderte Stoßfänger mit einer nach unten gezogenen Frontschürze. Der RS2 hatte wiederum einen anderen Frontstoßfänger mit sehr betonten Lufteinlässen. Die letzte Ausbaustufe des B4-Designs waren stärker abgerundete Stoßfänger beim Cabriolet zwischen Ende 1997 und 2000.
Die Außenspiegelgehäuse und die Türgriffe wurden serienmäßig in Wagenfarbe lackiert (mit Ausnahme von 4-Zylinder-Limousine und Avant). Bereits ab dem Modell 2.3E war zudem die Miteinbeziehung der hinteren klappbaren Rückenlehnen in die Zentralverriegelungsschaltung serienmäßig. Am Heck sind Sechszylindermodelle und quattro-Fahrzeuge am Doppel-Endrohr der Auspuffanlage zu erkennen. Die TD- und TDI-Modelle hatten ebenfalls ein Doppel-Endrohr, das wegen der besseren Rußableitung nach unten gebogen war. Des Weiteren hat der B4 quattro auch einen um 1 cm kürzeren Radstand. Die Hinterräder erschienen dadurch etwas mittiger im Radkasten als beim Fronttriebler. Ein weiterer Unterschied des Quattro zum Fronttriebler ist die geringfügig breitere Hinterachse.
Nordamerika Der Audi 80 B4 in der Version für Nordamerika, obwohl ebenfalls in den deutschen Audi-Werken gebaut, wies einige Besonderheiten auf. Während in Deutschland und Europa mit der Einführung des B4 die Modellreihe Audi 90 wegfiel und alle Fahrzeuge nur noch als Audi 80 verkauft wurden, ging man in den USA und Kanada den genau umgekehrten Weg, und der B4 wurde dort unter dem Namen Audi 90 geführt. mini|Audi 90 (1993; US-Version des B4)
Aus produktpolitischen Erwägungen wurden nur der 2.6E und 2.8E angeboten, und das auch nur als Limousine und später als Cabriolet. Aufgrund spezieller Anforderungen an Crashsicherheit und Lichtanlage mussten andere als die in Europa gebräuchlichen Stoßfänger entwickelt werden, die an einem deutlich hervorstehenden quer verlaufenden Wulst erkennbar sind. Dadurch war auch der Einsatz der herkömmlichen Beleuchtung der V6-Modelle nicht möglich, weshalb nordamerikanische Fahrzeuge ähnlich den europäischen Vier- und Fünfzylindermodellen die Blinker neben den Hauptscheinwerfern hatten. Letztere waren von der Bauweise her den europäischen sehr ähnlich, erzeugten aber ein anderes Leuchtbild. Außerdem wurden andere Nebelscheinwerfer verbaut, welche deutlich tiefer im Frontstoßfänger saßen. Vollständig weiße Blinkergläser waren zudem nicht zulässig und es kamen die bereits vom Vorgänger B3/Typ 89 bekannten orangefarbenen Blinker zum Einsatz. Als weiteres Detail hatten die Fahrzeuge eine veränderte, breitere hintere Nummernschildaufnahme im Design der Heckleuchten. Zudem waren die Blinker der Rückleuchten rot. Die Blinker wurden hinten als zweites Rücklicht, vorne als Standlicht (gelb) und alle vier als Seitenmarkierungsleuchten mitbenutzt.
Nordamerikanische Fahrzeuge verfügten zudem meist über eine reichhaltigere Ausstattung; Extras wie Automatikgetriebe, Tempomat, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Sitzheizung, Lederausstattung und Doppel-Airbag waren sehr viel weiter verbreitet als in Europa.
Weiterentwicklung mini|Audi RS2 (1994–1995)