Der Berg Kriváň (deutsch Kriwan, Krummhorn oder Ochsenhorn, polnisch Krywań, ungarisch Kriván)Hauptachse des Gebirgszuges des Ochsenhorn/Krummhorns befindet sich im Tatra-Nationalpark (Gebirge Hohe Tatra) und ist ein inoffizielles Nationalsymbol der Slowakei. Mit seiner Höhe von gehört der Kriváň zu den höchsten Erhebungen in der Slowakei und in den Karpaten. Wegen seiner besonders auffallenden Form ist der Berg Thema in verschiedenen slowakischen Mythen und Sagen und ist in dieser Hinsicht z. B. mit dem tschechischen Berg Říp vergleichbar.
Geographie mini|links|Der Kriváň vom Norden her, mit dem Berg Krátka weiter links Der Kriváň liegt nahe dem Ende eines vom Hauptkamm der Tatra am polnisch-slowakischen Grenzberg Čubrina verlaufenden Seitengrats, dem nordöstlich liegenden Nachbarberg Rameno Kriváňa () folgend. Er befindet sich an der südwestlichen Ecke der Hohen Tatra und bebildert deren erste bedeutsame Erhebung vom Westen. Weiter westlich liegt bereits die Westtatra. Der Berg erhebt sich oberhalb der Täler Nefcerka (im Norden), Kôprová dolina (im Westen), Belianska dolina (im Südwesten) und Važecká dolina (im Südosten) und reicht mit seinen südlichen und südwestlichen Ausläufern weit in den Liptauer Talkessel (slowakisch Liptovská kotlina) im Unter-Tatra-Kessel hinein. Am Berg teilt sich der Grat in westnordwestliche, südwestliche und südliche Rücken. Der letztgenannte Rücken trägt den slowakischen Namen Pavlov chrbát (deutsch Pavlovarücken, historisch im 19. und 20. Jh. auch Csorbergrat).
Am Südhang des Bergs entspringt der Biely Váh, einer der Quellflüsse des längsten slowakischen Flusses Waag. Am Südwesthang folgt der Bach Beliansky potok als Nebenfluss von Biely Váh, weiter im Westen und Nordwesten werden die Hänge durch Škaredý potok beziehungsweise Nefcerský potok entwässert, deren Wässer die Waag bei Liptovský Hrádok, über den östlichen Quellfluss der Belá, Kôprovský potok, erreichen.
Die exakte Höhe des Bergs wird mit angegeben.Ivan Bohuš: Mení sa výška štítov In: Časopis TATRY 3/2007 Der Berg gehört überwiegend zur Katastralgemeinde Štrbské Pleso der Stadt Vysoké Tatry im Okres Poprad, nur der südwestliche, dem Tal Belianska dolina zugewandte Teil liegt im Gemeindegebiet von Východná im Okres Liptovský Mikuláš.
Name mini|links|Patriarchenkreuz am Gipfel Seinen Namen erhielt der Kriváň (vom slowakischen Adjektiv krivý (m.) abgeleitet) von der Bergspitze, die sich gegen Nordosten neigt und somit „gekrümmt“ erscheint. Diese Gegebenheit wird in verschiedenen slowakischen Sagen erzählt (siehe auch unten).
Einige der ältesten schriftlichen Belege sind die Werke Medulla (1639) und Bibliotheca seu Cynosura Viatorum (1644) des Kesmarker Gelehrten David Frölich, dort wird der Berg als cauda bubula (lateinisch für Rinderschwanz, ungenau als gekrümmtes Horn wiedergegeben) charakterisiert. Die besondere Bedeutung wird dadurch unterstrichen, dass in Frölichs Werken der Kriwan einer von nur 21 benannten geographischen Objekten in der Tatra ist, auch wenn er nur die östliche, der Stadt Kesmark nahen liegenden Teil der Tatra kannte. Die Polen übernahmen weitgehend die dem Slowakischen nahestehende Bezeichnung Krywań, lediglich in der Landschaft Podhale sagen die Goralen gelegentlich Krzywań (polnisch krzywy = krumm).
Im Zuge der Magyarisierung nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 erschienen Formen wie Görbehegy (= gekrümmter Berg). Görbeszarv (= Krummhorn). Görbefi (= krummer Mann) oder Marhafark und deren deutsche Entsprechung Rindschweif (vgl. cauda bubula oben). Keine von dieser Formen hat sich aber durchgesetzt und im Ungarischen heißt der Berg auch heute Kriván. Der deutsche Name Krummhorn ist an die Namen der Alpenberge wie Matterhorn, Weisshorn u. ä. angelehnt.
Zur Unterscheidung vom südlich liegenden Vorberg Malý Kriváň hieß der Berg gelegentlich auch Veľký Kriváň (deutsch Großer Kriwan, ungarisch Nagy-Kriván).
Auch anderswo in der Slowakei erscheint der Name Kriváň, wie zum Beispiel in den Namen der Berge Malý Kriváň und Veľký Kriváň in der weiter westlich liegenden Kleinen Fatra. Eine Gemeinde im mittelslowakischen Okres Detva trägt den Namen Kriváň.
Geschichte mini|Ansicht des Kriváň von der Bela-Brücke bei Hrádek – Gemälde von Jakob Alt, 1839 mini|Eingang in einen der Goldstollen mini|Rastender Bergführer unterhalb des Kriváň in einer historischen Abbildung, frühes 20. Jahrhundert Die Gegend von Kriváň hat eine lange Geschichte von Hirten, die auf die Hänge ihre Herde hinauftrieben. 1953, als diese Tradition endete, weideten 1760 Schafe und 200 Rinder unterhalb des Kriváň. Seit dem 15. Jahrhundert sind Flößer aus den Orten Kráľova Lehota und Važec, die das Holz aus den Wäldern unter dem Berg auf der Waag transportierten, bekannt. Der Berg selbst ist jedoch eng mit Bergbau verbunden. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts suchten deutsche Bergleute aus Hybe (deutsch Geib) Gold an den Hängen des Kriváň.Miroslav Kropilák u. a.: Vlastivedný slovník obcí na Slovensku – I. VEDA, Bratislava 1977, S. 477 (Stichwort Hybe) Liptauer Bergleute suchten im 15. Jahrhundert, möglicherweise schon während der Regierungszeit von Sigismund von Luxemburg, sicherlich aber unter der Herrschaft von Matthias Corvinus in der zweiten Jahrhunderthälfte auf den westlichen Hängen, in den Seitentälern Škaredý žľab und Kotlina, Goldvorkommen, waren aber nicht sehr erfolgreich. Die Familie Fugger nannte ihr Bergbaurevier „Glücksrad“, verlieren aber bald Interesse. Die schlechte Lage der Staatskasse veranlasste Ferdinand I., hier weiter nach Bodenschätzen zu suchen und unterstellte 1546 die verstaatlichten Fugger-Bergwerke der Kammerverwaltung im nahen Liptovský Hrádok (deutsch Neuhäusel in der Liptau) und lud erfahrene Bergbauleute aus Banská Bystrica (deutsch Neusohl) und Špania Dolina (deutsch Herrengrund) ein. Sein Nachfolger, Maximilian II., ließ hier 1564–1576 einen intensiven Bergbau betreiben, mit Stollen bei Vyšná Priehyba und Veľký žľab, Pochwerken und einem guten Fuhrweg vom Weiler Belanskô (nordöstlich von Východná) bis zu den Hängen von Kriváň zwischen den Bergen Grúnik und Kopa. Nachdem auch das Ärar keinen langfristigen Gewinn erzielen konnte, pachteten die Habsburger die Bergwerke an die Gutsherren von Smrečany, die ihrerseits den Bergbaubetrieb den Familien Prokopovič, Kyseľ, Demko und Szentiványi überließen. Keiner von diesen Montanunternehmern war bis zur Stilllegung gegen Mitte des 18. Jahrhunderts besonders erfolgreich, nachdem fast kein Gold gefunden wurde. Bis zum späten 18. Jahrhundert wurde dann Antimonit abgebaut, der aber nicht den Aufwand bedeckte. Der höchste Stollen (Theresia) lag sogar nur 50 Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Ein späterer Versuch von Jozef Fornet, einem Pastor aus Štrba (deutsch Tschirm), aus der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts, den Bergbau wieder zu reaktivieren änderte, blieb ohne Folge.
Die ersten Bergsteiger auf dem Gipfel waren örtliche Raubschütze oder möglicherweise Bergleute, die erste schriftliche Erwähnung hinterließ aber erst Andreas Jonas Czirbes, ein evangelischer Pfarrer und Montanunternehmer aus Spišská Nová Ves (deutsch Zipser Neudorf), als er am 4. August 1773 (nach einigen Quellen 1772) während einer Kontrolle der Bergwerke auf dem Gipfel stand. Dieser Bericht ist im Artikel Beschreibung einer Karpathischen Bergreise, auf den so genannten Kriwan, samt den dabey gemachten Beobachtungen in den Allergnädigst-privilegirten Anzeigen sämmtlich-kaiserlich-königlichen Erbländern 1773, Bd. 4, zu lesen.Ako skúmať kultúrne si prisvojovanie horstiev? Cesty do Tatier Der nächste bekannte Besucher war Karl Brixen, Oberleutnant der österreichischen kartographischen Abteilung, der am 17. Juli 1788 zusammen mit einer Gruppe den Berg bezwang. Zu dieser Zeit waren die Bergwerke gänzlich verlassen, auf dem Gipfel fanden sie lediglich ein Lehmgefäß mit Namen von mehreren Gämsenjägern.
Bis zum späten 18. Jahrhundert wurde der Kriváň als höchster Berg in der Tatra angesehen und „konkurrierte“ in diesem Sinne mit dem Lomnický štít (deutsch Lomnitzer Spitze) und dem Ľadový štít (deutsch Eistaler Spitze) an der östlichen Seite der Hohen Tatra. In den älteren Literatur lassen sich übertriebene Angaben finden, die die Höhe des Bergs nach Umrechnung mit 3800 bis 4000 m geschätzt hatten. Auch die hier um 1770 tätigen österreichische Militärkartographen waren von der Höhendominanz des Kriváň überzeugt, wenngleich mit realistischen Schätzungen. Erst der englische Naturwissenschaftler und Reisende Robert Townson, der den Berg 1793 während seiner Reise im Königreich Ungarn bezwang, beendete diesen Streit, indem er den Lomnický štít als höheren Berg bezeichnete (aber fälschlicherweise als den höchsten der Hohen Tatra, ein Fehler, den erst 1837 und 1838 der Forstmann Ludwig Greiner berichtigte). Er äußerte sich im 1797 herausgegebenen Buch Travels in Hungary: With a Short Account of Vienna in the Year 1793 wie folgend, zusammen mit einem Kommentar zur Schönheit des Bergs:
In der Folgezeit standen neben Townson auch weitere zeitgenössische Forscher, wie der französische Naturwissenschaftler Belsazar Hacquet (1794), der polnische Geologe Stanisław Staszic (1805) oder der schwedische Botaniker Göran Wahlenberg (1813) auf dem Gipfel. Während einer Inspektionsreise von Joseph von Österreich (1776–1847), Palatin von Ungarn, entlang der damaligen Nordgrenze des Königreichs Ungarn im Jahr 1806, wollte der Erzherzog den Kriváň besteigen. Das Vorhaben wurde nicht vollbracht, die dafür gebaute Almhütte und verbesserter Weg kamen aber dem aufkommenden Tourismus zugute. Die erste Winterbesteigung führte 1884 der deutsche Bergsteiger Theodor Wundt mit dem Bergführer J. Horvay durch.Kriváň (dt.Krummhorn), In: vysoketatry.com, abgerufen am 22. Februar 2022.
Im Jahre 1840 ließen kaisertreue ungarische Monarchisten auf der Spitze des Kriváň einen Obelisken errichten, welcher der Erinnerung an den Aufstieg des sächsischen Königs Friedrich August II. im selben Jahr dienen sollte. Der 850 kg schwere Obelisk in der Form einer vierseitigen gusseisernen Pyramide beinhaltete einen Text auf Deutsch, Lateinisch und Ungarisch, das sächsische Wappen und eine 40 kg schwere vergoldete Krone. Die Kosten dafür (4600 Gulden) übernahm Georg Münster, Vorsteher des Forstärars in Liptovský Hrádok. Dieser Obelisk wurde in Teilen durch Lastenträger aus Východná auf den Gipfel hinaufgetragen, für die Krone war der Bergführer Michal Húska aus Štrba zuständig. Das neue Denkmal war für slowakische Patrioten ein „Dorn im Auge“, weil sie den Kriváň für ein Symbol slowakischer Freiheit hielten und zudem mit dem Text nicht einverstanden waren. Der Obelisk wurde 1856 durch einen Blitzschlag teilweise beschädigt, es verschwand das sächsische Wappen. Kurz darauf warfen Unbekannte – laut einem Polizeibericht „Panslawen aus der Umgebung“ – die Krone dem Hang hinunter, dazu erschien auf der ungarischen Tafel die Inschrift Sláva Slovenom, peklo zradcom! (frei: Ruhm den Slawen, Hölle den Verrätern!). Die noch bestehenden Teile wurden beim slowakischen „Volksausflug“ 1861 zerstört, die Überreste gelingen in die Museen in Ružomberok (deutsch Rosenberg) und Veľká (deutsch Felka), wo es auch ein Kartonmodell des Obelisken gab.