hochkant=1.4|mini|Globaler Temperaturindex Oberflächentemperaturen Land und See 1880–2021 mini|Kritik an der Klimawandelleugnung von Banksy

Die Kontroverse um die globale Erwärmung ist eine vorwiegend in der Öffentlichkeit ausgetragene politische Debatte über die Existenz und Ursachen der aktuellen globalen Erwärmung, deren Ausmaß, Möglichkeiten zu ihrer Bekämpfung durch Klimaschutz und die Folgen der globalen Erwärmung.

Teilweise wird die Existenz der globalen Erwärmung vollständig bestritten. Diskussionen zu Existenz, Ursachen und Ausmaß der globalen Erwärmung finden vor allem in der Öffentlichkeit und Politik statt, während in der Wissenschaft spätestens seit den frühen 1990er JahrenJames Lawrence Powell: The Inquisition of Climate Science. New York 2012, S. 178. ein sehr breiter Konsens herrscht, dass eine globale Erwärmung stattfindet und der Mensch der maßgebliche Faktor hierfür ist. Wiedergegeben wird der wissenschaftliche Kenntnisstand zu den Ursachen der Erderwärmung in den alle fünf bis sieben Jahre erscheinenden Sachstandsberichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).Climate Change 2013: The Physical Science Basis IPCC Working Group I Contribution to AR5 oder IPCC Fourth Assessment Report: Summary for Policymakers. (PDF; 3,9 MB) auf ipcc.ch (englisch) Dieser Sachstand wird von fast allen relevanten wissenschaftlichen Fachorganisationen mitgetragen und von nur wenigen Fachwissenschaftlern abgelehnt. Die möglichen Vermeidungs- und Anpassungsstrategien werden demgegenüber kontroverser diskutiert. Dies findet sowohl als Teil des wissenschaftlichen Diskurses innerhalb der anerkannten wissenschaftlichen Disziplinen statt, jedoch vor allem als mediale Kontroverse zwischen dem Gros der Fachwissenschaftler auf der einen und die Erderwärmung bestreitenden Organisationen, Blogautoren oder Journalisten auf der anderen Seite. In diesem Kontext spielt die sogenannte Falsche Ausgewogenheit (false balance) eine relevante Rolle.

Die sogenannte Kontroverse um die globale Erwärmung gilt als Paradebeispiel für eine von Interessengruppen aus Wirtschaft und Politik künstlich erzeugte und geschürte „Kontroverse“ ohne reale Entsprechung innerhalb der Wissenschaft. Ziel ist es hierbei, in der Öffentlichkeit Verwirrung über die Einigkeit innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu stiften und somit politische Klimaschutzbemühungen zu verhindern oder zu verzögern.Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press 2015, 300–332, S. 308f. Die Erzeugung künstlicher „Kontroversen“, bei denen wissenschaftlich unstrittige Themen für die Öffentlichkeit als große und vermeintlich offene wissenschaftliche Kontroversen dargestellt werden, ist eine Kernstrategie von Wissenschaftsleugnern, die oft dann eingesetzt wird, wenn es Denialisten zuvor nicht gelungen ist, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass nur ihr Standpunkt der richtige ist. Wissenschaftshistorische Forschungen zeigen, dass solche vermeintlichen Kontroversen vor der Klimawandelleugnung bereits von anderen Industriebranchen eingesetzt wurden, um die Bevölkerung unter anderem über die Gefahren des Tabakkonsums, die Ursachen des Sauren Regens und die Rolle von Fluorchlorkohlenwasserstoffen bei der Zerstörung der Ozonschicht zu desinformieren und diese Themen somit wahrheitswidrig als wissenschaftlich umstritten darzustellen. Tatsächlich weiß nicht einmal die Hälfte der US-amerikanischen Erwachsenen von dem wissenschaftlichen Konsens zur menschengemachten globalen Erwärmung. 2016 glaubten 28 % fälschlich, dass diesbezüglich noch eine große Unsicherheit herrsche.

Eine sehr wichtige Rolle bei der Erzeugung der sog. Kontroverse um die globale Erwärmung kommt der organisierten Klimaleugnerbewegung zu, deren Rolle in der öffentlichen und politischen Klimadebatte mittlerweile immer stärker in den Fokus der Forschung rückt. Insbesondere in den USA wurde mit großem finanziellen Einsatz durch Unternehmen, v. a. aus der Branche der fossilen Energien, eine einflussreiche Kontrabewegung geschaffen, deren Ziel es ist, die Existenz des wissenschaftlichen Konsenses durch bewusstes Säen von Zweifeln zu untergraben. Eine wichtige Rolle bei der Verschleierung des Standes der Wissenschaft spielen konservative Denkfabriken;Vgl. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial. In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160. in den USA stammen z. B. mehr als 90 % der Fachartikel, die klimaskeptische Positionen äußern, von diesen Organisationen. Zu den bedeutendsten Think Tanks der organisierten Klimaleugnerbewegung, die die Existenz der menschengemachten Globalen Erwärmung durch gezielte Attacken auf die Klimaforschung abstreiten, zählen das Cato Institute, das Competitive Enterprise Institute, das George C. Marshall Institute sowie das Heartland Institute. Ihr Ziel war und ist es, mittels der Fear-Uncertainty-and-Doubt-Strategie in der Bevölkerung Unsicherheit und Zweifel an der Existenz der globalen Erwärmung zu schaffen, um anschließend zu argumentieren, dass es nicht genügend Belege dafür gebe, konkrete Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen.Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft (Original: Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming). Weinheim 2014.

Akteure Klimaforschung

hochkant=1.5|mini|In der Wissenschaft herrscht Konsens, dass die globale Erwärmung menschengemacht ist: Untersuchungen ergaben wiederholt weitgehende Übereinstimmung in Fachkreisen, dass der Mensch die Hauptursache ist. Wahrscheinlich ist die Erwärmung vollständig auf menschliche Aktivität zurückzuführen. Positionen wissenschaftlicher Fachorganisationen, Befragungen von Wissenschaftlern und Auswertungen von Fachpublikationen zeigen, dass es einen breiten wissenschaftlichen Konsens zur globalen Erwärmung gibt. Es besteht unter Experten weitgehend Einigkeit, dass sich die Erde gegenwärtig erwärmt und dass Treibhausgasemissionen des Menschen die Hauptursache hierfür sind.

Position wissenschaftlicher Fachorganisationen Die Sachstands- und Sonderberichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) repräsentieren die Hauptlinien des aktuellen Forschungsstands und weisen auf politische Ansätze zum Klimaschutz hin. Der im IPCC erarbeitete Konsens und dessen Methodik werden von wenigstens dreißig wissenschaftlichen Gesellschaften und den wichtigsten nationalen Wissenschaftsakademien, unter anderem aller G8-Länder, ausdrücklich unterstützt.Royal Society (2001): The Science of Climate Change The Royal Society (Hrsg.) (2005): Joint science academies’ statement: Global response to climate change, Ref 08/05 (PDF; 406 kB)The National Academies (2007): Joint science academies’ statement on growth and responsibility: sustainability, energy efficiency and climate protection The National Academies (2008): Joint Science Academies’ Statement: Climate Change Adaptation and the Transition to a Low Carbon Society (PDF; 198 kB)

Naomi Oreskes nennt in einem Essay in der Zeitschrift Science als Beleg dafür Stellungnahmen von einschlägigen Wissenschaftsorganisationen und ihre Untersuchung einer Sammlung von Zusammenfassungen (Abstracts) aus Fachzeitschriften. Sie fand 928 Abstracts, die das Stichwort „global climate change“ enthielten. Keiner der Artikel widersprach ihren Angaben zufolge dem in den Berichten des IPCC dargestellten „wissenschaftlichen Konsens“.

Auch in wissenschaftlichen Organisationen findet sich eine sehr breite Unterstützung der grundlegenden Schlussfolgerungen des IPCC. Hierzu zählen unter anderem die Nationalen Wissenschaftsakademien aller G8-Länder sowie zahlreicher Schwellen- und Entwicklungsländer, die 2001, 2005, 2007 und 2008 entsprechende Konsens-Papiere herausgegeben haben. Wenigstens weitere dreißig nationale und internationale wissenschaftliche Gesellschaften teilen ebenfalls prinzipiell die IPCC-Positionen, darunter die European Science FoundationEuropean Science Foundation Position Paper Impacts of Climate Change on the European Marine and Coastal Environment – Ecosystems Approach, S. 7–10 und die European Geosciences Union, die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die American Meteorological SocietyClimate Change Research: Issues for the Atmospheric and Related Sciences from www.ametsoc.org und die britische Royal Meteorological Society, die Australian und die Canadian Meteorological and Oceanographic Society,Position Statement on Global Warming – Canadian Meteorological and Oceanographic Society (Updated, 2007) die American Physical SocietyAmerican Physical Society: National Policy – 07.1: Climate Change und das Network of African Science Academies.Network of African Science Academies (2007): Joint statement by the Network of African Science Academies (NASAC) to the G8 on sustainability, energy efficiency and climate change

Konsens von Experten Eine Reihe von Umfragen und Auswertungen zeigte einen weitgehenden Konsens von Experten, dass sich die Erde erwärmt und menschliche Aktivität die Hauptursache ist. So stimmten in einer Umfrage aus dem Jahr 2009 unter Klimaforschern, die auch aktiv in ihrem Fachgebiet publizieren, 97 % der Aussage zu: „Menschliche Aktivität ist ein signifikant beitragender Faktor bei der Veränderung der mittleren globalen Temperatur“. Im Original: “Human activity is a significant contributing factor in changing mean global temperatures.”

Eine im Jahr 2007 durchgeführte Befragung von 998 zufällig ausgewählten Mitgliedern der American Meteorological Society und der American Geophysical Union ergab ebenfalls einen weitgehenden Konsens. Etwa 97 % der befragten Wissenschaftler stimmten der Aussage zu, dass die globalen Durchschnittstemperaturen in den letzten hundert Jahren gestiegen seien, 84 % stimmten zu, dass die gegenwärtige Erwärmung durch den Menschen verursacht sei. 85 % der Befragten sahen in der Erwärmung eine große oder mittelgradige Gefahr.

Auf eine Kleine Anfrage antwortete die Bundesregierung im August 2019, dass aktuell davon auszugehen ist, „dass rund 99 Prozent der Wissenschaftler, die Fachaufsätze zum Klimaschutz veröffentlichen, der Überzeugung sind, dass der Klimawandel durch den Menschen verursacht ist“.

Anlässlich einer Befragung durch Dennis Bray und Hans von Storch im September 2008, die sie nicht in Form eines wissenschaftlichen Artikels veröffentlicht hatten, kritisierte Gavin Schmidt vom Goddard Institute for Space Studies die Vorgehensweisen und Sinnhaftigkeit von Umfragen in einem Blog-Artikel und rief dazu auf, Fragenkataloge besser zu konzipieren und öffentlich zu diskutieren.Autorisierte deutsche Übersetzung auf KlimaLounge: Neue Umfrage unter Klimaforschern Von Storch und Bray veröffentlichten eine Auswertung ihrer Befragungsergebnisse aus den Jahren 1993, 2003, 2008, 2013 und 2015 schließlich 2017. Hinsichtlich der Frage, ob es einen Klimawandel gibt, wandelte sich die im Jahr 1993 überwiegend vorsichtige Zustimmung zu schließlich nahezu einhelliger und deutlicher Zustimmung im Jahr 2015. Zu der Frage, ob menschliche Aktivität die Hauptursache ist, zeigten viele der Antwortenden 1993 noch einige Skepsis, seit 2007 waren mehr als 90 % überzeugt davon.

Auswertungen von Fachartikeln