Als vermittlungstechnische Leistungsmerkmale oder auch kurz Dienstmerkmale genannt () bezeichnet man bei einem öffentlichen Telekommunikationsnetz zusätzlich durch das Netz zur Verfügung gestellte teilnehmerbezogene Dienste, die über den einfachen Verbindungsauf- und -abbau vom Anrufenden, dem sogenannten A-Teilnehmer, zum gerufenen Teilnehmer (B-Teilnehmer) hinausgehen.
Innerhalb von ISDN stellen die Ortsvermittlungsstellen zahlreiche Dienste bereit, die beispielsweise über ein ISDN-Telefon genutzt werden können. Das Aufrufen und die Verwaltung der Dienste erfolgt über Tastatur, Display und Hörtöne, die Steuerungsinformation wird über ein Zeichengabeverfahren (zum Beispiel DSS1) zwischen Endgerät und Vermittlungsstelle ausgetauscht. Solche Dienste werden auch Teilnehmern mit anderen Endgeräten (z. B. analogen) bereitgestellt. Das Aufrufen und die Verwaltung der Dienste erfolgt dann über die entsprechenden Signalisierungsprotokolle für diese Anschlüsse.
Vermittlungstechnische Leistungsmerkmale der öffentlichen Netze lassen sich nach ITU-T I.250 gemäß ihrer Funktionalität untergliedern.ITU-T I.250 Integrated Services Digital Network (ISDN) Service Capabilities - Definition of Supplementary Services Abgerufen am 1. April 2023 Obwohl damit eine Gliederung nur für ISDN-Dienstmerkmale standardisiert wurde, werden heute auch Leistungsmerkmale für analoge und mobile Anschlüsse sowie IP-Telefonie entsprechend eingeordnet. Dabei wird aber oft nur eine Untermenge der verfügbaren Dienstmerkmale unterstützt.
Unterteilung der Leistungsmerkmale
Folgende Unterteilung gilt nach ITU-T I.250:
Rufnummern-Identifikation z. B.: MSN DDI CLIP CLIR COLP COLR MCID SUB Anruf-Zustellung z. B.: CT CFB CFNR CFU CD LH Anruf-Vervollständigung z. B.: CW HOLD CCBS CCNR Multi-Teilnehmer z. B.: 3PTY CONF Benutzergruppen z. B.: CUG PNP Erweiterte Abrechnung z. B.: AOC REV Informationsdienstmerkmale z. B.: UUS
Weitergehende Dienste
Weitergehende Dienste außerhalb vermittlungstechnischer Leistungsmerkmale sind Teil des übergeordneten intelligenten Netzes.
Neue Dienste außerhalb der ITU-T-I.250-Spezifikation ergeben sich heute zunehmend für die IP-Telefonie und können unterteilt werden in: Multimediadienste personalisierte Leistungsmerkmale
Einige Dienstmerkmale können bei entsprechender Gerätetechnik auch im Endgerät realisiert werden (z. B. Kurzwahl oder Rufumleitung im ISDN-Endgerät), so dass eine Beteiligung der Vermittlungseinrichtung nicht erforderlich ist. In diesem Fall spricht man von gerätetechnischen Leistungsmerkmalen.
Leistungsmerkmale und ihre Beschreibung
Die im Folgenden erwähnten Leistungsmerkmale beziehen sich auf das Vorkommen im deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich und der Schweiz). Ihre Verwendung und Bereitstellung ist abhängig von dem jeweiligen Netzbetreiber.
Übermittlung der Rufnummer des Anrufers (CLIP) CLIP (Abkürzung für ) ist ein Leistungsmerkmal für ankommende Rufe und kann nur für diese aktiviert oder deaktiviert werden.ITU-T I.251.3 Number identification supplementary services: Calling Line Identification Presentation (CLIP) Abgerufen am 1. April 2023 Bei CLIP wird die Rufnummer des rufenden Teilnehmers dem gerufenen Teilnehmer übermittelt, sofern das nicht bereits auf der rufenden Seite eingeschränkt wurde (CLIR). Besitzt dann der Angerufene ein CLIP-fähiges Endgerät, wird die Rufnummer des Anrufers angezeigt. Verfügt dieses Endgerät über ein Adressbuch mit der Möglichkeit, Namen zu speichern, kann auch der entsprechende Name angezeigt werden.
Die Möglichkeit der Rufnummernanzeige beim gerufenen Teilnehmer stand ursprünglich nur für ISDN zur Verfügung und ist seit Januar 1998 in Deutschland auch für analoge Telefonanschlüsse verfügbar; in der Schweiz seit 2005. Während die Rufnummer bei ISDN-Anschlüssen als digitale Information im D-Kanal übertragen wird, wird bei analogen Anschlüssen die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Rufsignal zur Übertragung der Daten genutzt. Dafür wird ein digitales FSK-Signal in der MDMF- oder SDMF-Codierung nach V.23-Norm verwendet. Das analoge Endgerät muss jedoch zur Auswertung dieses Signals geeignet (CLIP-fähig) sein.
CLIP wird von manchen Geräteherstellern auch als CLID () bezeichnet.
Unterdrückung der Rufnummer des Anrufers (CLIR) CLIR (Abkürzung für ) ist ein Leistungsmerkmal für abgehende Rufe und kann nur für diese aktiviert oder deaktiviert werden.ITU-T I.251.4 Number identification supplementary services: Calling Line Identification Restriction (CLIR) Abgerufen am 1. April 2023 Mit CLIR ist es möglich, die Übermittlung der eigenen Rufnummer zum gerufenen Teilnehmer zu unterdrücken bzw. einzuschränken. Es wird deshalb auch als Rufnummernunterdrückung bezeichnet. Sie ist nur eingeschränkt möglich, da Notrufzentralen der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste davon ausgenommen sind (CLIRO).
Die Rufnummern werden im Telefonnetz generell übertragen. Möchte ein Teilnehmer nicht, dass seine Rufnummer dem Angerufenen mitgeteilt wird, so besteht die Möglichkeit der Rufnummernunterdrückung (CLIR). Der gerufene B-Teilnehmer kann dadurch den rufenden A-Teilnehmer nicht anhand seiner Rufnummer identifizieren, auch wenn er CLIP aktiviert hat. Bei aktiviertem CLIR wird die Rufnummer zwar netzseitig bis zur Teilnehmervermittlungsstelle des Angerufenen übertragen, dem gerufenen Teilnehmer aber nicht übermittelt. Weiterhin ist es möglich, die Rufnummernunterdrückung fallweise (an analogen Telefonen durch Tonwahl einer der Rufnummer vorangestellten Tastenfolge; an ISDN-Telefonen mittels Keypad-Funktion) zu aktivieren.
Bei der Rufnummernunterdrückung werden folgende Ausprägungen unterschieden: Ständige Übermittlung der eigenen Rufnummer Fallweise Übermittlung bei ständiger Unterdrückung Fallweise Unterdrückung bei ständiger Übermittlung Ständige Unterdrückung der Rufnummernübermittlung Je nach Dienstanbieter sind alle oder ein Teil dieser Ausprägungen verfügbar.
Ignorieren der Rufnummernunterdrückung (CLIRO) CLIRO (Abkürzung für ), teilweise auch als CLIRIGN (für ) bezeichnet, ist ein Leistungsmerkmal für ankommende Rufe und steht grundsätzlich nur bestimmten Teilnehmeranschlüssen zur Verfügung. Es muss in der Endvermittlungsstelle des Gerufenen freigeschaltet werden. Mit CLIRO wird ein aktivierter CLIR-Dienst des Anrufenden ignoriert und seine Rufnummer immer zum Angerufenen übermittelt. Dieses Dienstmerkmal steht Notrufzentralen der Polizei, Feuerwehr, medizinischen Notfalldiensten und besonderen sicherheitsrelevanten staatlichen Anschlüssen zur Verfügung.
Anzeige der Rufnummer des Angerufenen (COLP) COLP (Abkürzung für ) ist ein Leistungsmerkmal für abgehende Rufe und kann nur für diese aktiviert oder deaktiviert werden.ITU-T I.251.5 Number identification supplementary services: Connected Line Identification Presentation (COLP) Abgerufen am 1. April 2023 Bei COLP wird die Rufnummer des rufannehmenden Teilnehmers vom Anrufer eingefordert und infolgedessen rückwärts zum Anrufer (A-Teilnehmer) übermittelt. Das Leistungsmerkmal ist zum Beispiel bei Rufumleitung sinnvoll: Der Anrufer wird informiert, dass er nicht den Anschluss erreicht hat, den er gewählt hat, sondern zu einem anderen umgeleitet wurde. Der Angerufene kann jedoch durch das Leistungsmerkmal COLR die Funktion von COLP unterdrücken oder zumindest einschränken und somit die Ermittlung der eigenen Rufnummer verhindern.
Unterdrückung der Rufnummer des Angerufenen (COLR) COLR (Abkürzung für ) ist ein Leistungsmerkmal für ankommende Rufe und kann nur für diese aktiviert oder deaktiviert werden.ITU-T I.251.6 Number identification supplementary services: Connected Line Identification Restriction (COLR) Abgerufen am 1. April 2023 Ist COLR aktiviert, wird unabhängig von COLP auf der rufenden Seite die Rufnummer des rufannehmenden Teilnehmers zwar im Telefonnetz rückwärts übertragen, es kommt jedoch nicht zur Übermittlung dieser zum Anrufer (A-Teilnehmer). Dieses Leistungsmerkmal ist zum Beispiel bei Rufumleitung sinnvoll: Der Anrufer wird trotz aktiviertem COLP nicht informiert, wohin der Angerufene sein Telefon umgeleitet hat. Damit hat der Angerufene die Möglichkeit, einen eventuell aktivierten COLP-Dienst des Rufenden eingeschränkt zu unterdrücken und damit seine Privatsphäre zu schützen.
Übermittlung des Namens des Anrufers (CNIP) CNIP (Abkürzung für ) ist ein Leistungsmerkmal für abgehende Rufe und kann nur für diese aktiviert oder deaktiviert werden.ITU-T I.251.9 Number identification supplementary services: Calling name identification presentation Abgerufen am 1. April 2023 Mit aktiviertem CNIP wird der beim Telekommunikationsdiensteanbieter registrierte Name des rufenden Teilnehmers sowie der Ort in alphanumerischer Form an den gerufenen Teilnehmer übertragen. Im Display des gerufenen Teilnehmers mit CNIP-fähigem Telefon wird beispielsweise Max Mustermann, Berlin angezeigt.
CNIP wird in Deutschland nur sehr selten (2014) von speziellen Telekommunikationsdiensteanbietern angeboten.
Unterdrückung des Namens des Anrufers (CNIR) CNIR (Abkürzung für ) ist ein Leistungsmerkmal für abgehende Rufe und kann nur für diese aktiviert oder deaktiviert werden.ITU-T I.251.10 Number identification supplementary services: Calling name identification restriction Abgerufen am 1. April 2023 Mit aktiviertem CNIR wird der beim Telekommunikationsdiensteanbieter registrierte Name des rufenden Teilnehmers nicht an den gerufenen Teilnehmer übertragen.
Übermittlung kundeneigener Rufnummerinformation des Anrufers (CLIP -no screening-) CLIP -no screening- ist ein Leistungsmerkmal für abgehende Rufe und kann nur für diese aktiviert oder deaktiviert werden. Zusätzlich zur netzseitigen Rufnummer () des Anrufers kann hier noch eine vom Anrufer selbst festgelegte kundenspezifische Rufnummer () dem Angerufenen gesendet werden. bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die übermittelte Rufnummer nicht von dem vermittelnden Telefonnetz auf Richtigkeit überprüft werden muss. Sie unterliegt teilweise Einschränkungen, beispielsweise darf sie nach TKG nur eine andere im Nutzungsrecht des Anrufers befindliche Rufnummer sein. Zur Sicherstellung ist der Dienstanbieter nicht verpflichtet, die Verantwortung zur Beachtung der Einschränkungen obliegt ausschließlich dem Nutzer, da er diese Nummer übermittelt ().
Dieses Leistungsmerkmal ist für ISDN-Anlagenanschlüsse und IP-basierende Anlagenanschlüsse auf der rufenden Seite möglich und kommt nur für solche auf ankommender Seite auch zum Tragen (zumindest bei deutschen Mobilfunkanschlüssen). Bei analogen Anschlüssen wird – vorausgesetzt CLIR wurde auf der rufenden Seite nicht aktiviert – nur die netzseitige Rufnummer dem Anrufer übermittelt, andernfalls keine.
Zum Beispiel kann der Anrufer seine netzseitige Rufnummer mittels CLIR unterdrücken und die Rufnummer eines Mehrwertdienstes zum Angerufenen senden.
Generell werden beide Rufnummern des Anrufers, die netzseitige und die kundenspezifische (falls CLIP -no screening- aktiviert), im öffentlichen Telefonnetz übertragen. Aktivierte Dienste wie CLIP/CLIR/COLP auf der jeweiligen Teilnehmerseite und Art des Anschlusses entscheiden aber darüber, welche Rufnummer zum Teilnehmer selbst übermittelt wird. Gerätespezifische Einstellungen auf der Empfängerseite entscheiden letztendlich, welche Rufnummer (oder ob beide) zur Anzeige kommen. Sind allerdings gerätespezifische Einstellungen durch die Art des Anschlusses nicht möglich (z. B. bei einem Analoganschluss oder weil ein Netzanbieter diese Optionen nicht unterstützt), ist die Anzeige auch bei diesem Leistungsmerkmal klar definiert.
Anzeige kundeneigener Rufnummerinformation des Angerufenen (COLP -no screening-)