Autonepiophilie, auch als adultes Babysyndrom bezeichnet, ist eine Sexualpraktik aus dem Bereich des erotischen Ageplay. Die Praktik wird auch Babyspiel (von ) genannt. Betroffene haben hierbei kein Interesse an kleinen Kindern, sondern entweder einen sogenannten Windelfetisch (, Abk. DL) oder nehmen im Rahmen von Rollenspielen selbst die Rolle eines Säuglings oder Baby (, Abk. AB) bzw. Kleinkind oder Kind (Adult Child, Abk. AC) an.
Erste Beschreibungen Dass dies kein neues Phänomen ist, schildern Alphonse Boudard und Romi in dem Buch Das goldene Zeitalter des Bordells, das das Bordellwesen Frankreichs Anfang des 20. Jahrhunderts zum Thema hat:
Eine andere Beschreibung findet sich in dem 1886 erstmals erschienenen Werk Psychopathia sexualis (folgendes Zitat: 11. Auflage von 1937, Albert Müller Verlag, Zürich – mit in die deutsche Umgangssprache geändertem Titel Verirrungen des Geschlechtslebens) von Richard von Krafft-Ebing:
Weitere ältere Beschreibungen finden sich beispielsweise in der 1966 erschienenen Ausgabe des American Journal of Psychiatry am Beispiel eines 29-jährigen Milchmannes. Dieser lebte seine Vorliebe aus, bis er schließlich mit Windeln und Gummihosen von seiner Frau entdeckt wurde. Der Mann wurde, auch weil er seine Töchter belästigt haben soll, in die Gefängnispsychiatrie eingewiesen.
Fetischhandlung Bei der Autonepiophilie wird eine Form des sexuellen Infantilismus ausgelebt. Dazu gehört in erster Linie das freiwillige Tragen von Windeln ohne medizinische Notwendigkeit sowie das Benutzen der Windeln für die entsprechenden Ausscheidungen. Dazu kann nachrangig entsprechendes Kleinkind-Verhalten wie das Trinken aus Babyfläschchen, das Krabbeln und/oder der Wunsch nach einer Umsorgung durch „Mami“ oder „Papi“ kommen. Herkömmliche Sexualbefriedigung im Sinne von Sex kann in dieser Spielart vorkommen, muss aber nicht. Die Befriedigung kann der Betroffene auch aus der Fetischhandlung selbst ziehen. Entsprechende Internetforen bieten Möglichkeiten zum Interessenaustausch, und entsprechende Kleinkind-Ausstattung in Erwachsenengrößen kann bei spezialisierten Onlinehändlern erworben werden. Betroffene berichten mit sehr großer Mehrheit, dass ihre Handlung weder Probleme mit sich bringt noch dass es diesbezüglich zu Unwohlsein gekommen ist.
Männer Bei betroffenen Männern stehen oft die sexuelle Stimulation und die unmittelbare Lustbefriedigung im Vordergrund. Die entsprechende Neigung und die dadurch verbundene sexuelle Erregung im Zusammenhang mit Kleinkind-Ausstattung entdecken Jungen an sich bereits durchschnittlich im Alter von elf Jahren. Zu ersten Ausübungen kommt es um das 13. Lebensjahr.
Frauen Betroffenen Frauen ist im Unterschied zu Männern nicht die Lustbefriedigung, sondern vielmehr ein besonders intensives Beziehungserlebnis zu ihrem Partner wichtig. Aus diesem Grund wollen Frauen auch viel häufiger als Männer ihren Partner in die Fetischhandlung einbeziehen. In dieser Handlung wollen Frauen das Baby sein und vom Partner, in der Rolle des dominanten Vaters, das Gefühl, gehorsam zu sein und beschützt zu werden, vermittelt bekommen. Ein entsprechendes Gefühl für diese Vorliebe stellt sich bei Mädchen im durchschnittlichen Alter von zwölf Jahren ein. Die ersten Ausübungen erfolgen um das 16. Lebensjahr.
Windelfetischismus Betroffene mit sexuellem Fetisch in Bezug auf das alleinige Tragen von Windeln und/oder Gummihosen, deren Neigung keine rollenspielerische oder sadomasochistische Komponenten beinhaltet, werden als Windelfetischisten (Diaper Lovers) bezeichnet. Der Fetisch kann unabhängig von anderen Paraphilien auftreten.
Kombinationsformen Ebenso können Komponenten aus dem Bereich der sexuellen Dominanz und Unterwerfung oder der erotischen Laktation Teil des Szenarios sein. Grundsätzlich werden häufige Überlappungen zwischen den einzelnen Formen, in denen diese Präferenz auftritt, vermutet.
Andere Formen Darüber hinaus werden neben dem reinen Windelfetisch und dem Babyspiel noch andere Formen, die jedoch kaum erforscht sind, vermutet.
Siehe auch Paraphilie Infantilismus Fetischismus
Literatur
Weblinks
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Kategorie:Sexualpraktik