Die Schlacht bei Hjørungavåg fand etwa 986 oder um 994 zwischen dem Jarl Håkon und einer dänischen Flotte statt, die angeblich von den Jomswikingern unterstützt wurde. Zeit, Ort, Verlauf und Teilnehmer der Schlacht lassen sich aus den Quellen nicht mehr eindeutig ermitteln.
mini|Nach heutiger Kenntnis fand die Schlacht hier statt. mini|hochkant|Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht. Eingeweiht durch König Olav V. am 14. August 1986
Die Quellen Texte Folgende Quellen werden heute als für die Untersuchung der Vorgänge maßgeblich erachtet: Zehn bis elf Strophen des isländischen Skalden Tindr Hallkelsson, die in späteren Texten wiedergegeben sind. Eine zeitgenössische Quelle. Þórður Kolbeinsson dichtete um 1015 seine Eiríksdrápa zur Ehre von Erik Jarl, dem Sohn Håkon Jarls und Mitkämpfer in der Schlacht. Ebenfalls eine zeitgenössische Quelle. Um 1200 dichteten der Isländer Þorkell Gíslason seine Búadrápa (12 Strophen sind erhalten) und der Bischof von Orkney Bjarni Kolbeinsson die Jómsvíkingadrápa (Verse 1–40 in der Snorra-Edda überliefert; (GkS 2367 4to); Verse 41–45 in der Heimskringla, Saga über Olav Tryggvason) über diesen Zug der Jomswikinger. Aus der gleichen Zeit stammt eine norröne Übersetzung eines von dem Mönch Oddr Snorrason auf Latein verfassten Werkes über Olav Tryggvason, in dem ebenfalls der Kriegszug geschildert wird. Um die gleiche Zeit berichtete Saxo Grammaticus in seinem Werk Gesta Danorum den Kriegszug. um 1220 wurde auch das Sammelwerk Fagrskinna zusammengestellt. Der isländische Verfasser schrieb wahrscheinlich in Norwegen. Er berichtet mehr Einzelheiten als die vorigen. Um 1230 schrieb Snorri Sturluson seine Geschichte über die norwegischen Könige. Er schildert vieles genauso, wie die Fagrskinna, schöpfte wohl aus der gleichen Quelle, bietet aber weitere Einzelheiten. Um 1230 entstand die Jómsvíkinga saga, die den späteren unterschiedlichen Überlieferungen zu Grunde liegt. Deren älteste und wohl auch etwas anderslautende Fassung lag wohl dem Text der Fagrskinna ebenso wie Snorris Königsgeschichte zugrunde.
Inhalt In Folgendem stimmen die genannten Quellen überein: Es gab während der Regierungszeit Jarl Håkons eine große Schlacht in Møre. Die Angreifer kamen mit ihrer Flotte von Süden. Beide Skalden nennen sie „Dänen“. Tindr nennt sie auch „Wikinger“, oder eine Schar von Wenden. Die Anführer des Angriffs waren Sigvalde und Búi. Es kam rechtzeitig eine Warnung vor dem Überfall. Håkon Jarl und sein Sohn Erik organisierten die Abwehr und riefen den Leidang aus. Das ist die früheste Erwähnung dieser norwegischen Küstenverteidigung. Die norwegische Verteidigungsflotte bestand aus verschiedenen Schiffstypen: Snekkja, Skeide und Knorr. Erik errichtete auf diesen besonders hohe Steven gegen Sigvald. Während des Kampfes wurde die Brünne von Håkon Jarl so beschädigt, dass er sie von sich warf. Am Ende siegte er und 25 feindliche Kriegsschiffe wurden von Dänen „gesäubert“, und Búi ging über Bord.
Kritik weiterer Überlieferungen In einer sehr späten Version der Jómsvíkinga saga heißt es, die Dänen seien mit 60 Langschiffen nach Norwegen gefahren und nennt als Gewährsmann Sæmundur fróði. Bischof Bjarni Kolbeinsson schreibt sehr distanziert über die Ereignisse und flicht immer wieder Formulierungen ein, wie „Es wird erzählt …“, „Man hört …“, „Das Volk erinnert sich …“ und gibt zu erkennen, dass er über Hörensagen berichtet, dem er kritisch gegenübersteht. Saxo Grammaticus beruft sich in seinem Vorwort auf isländische Gewährsleute. Man darf davon ausgehen, dass sein Bericht die mündliche Tradition in Island um 1200 widerspiegelt, wobei seine dänischfreundliche und moralisierende Gesinnung den Inhalt verändert haben kann. Der Mönch Oddr Snorrason schöpft in seiner Darstellung Olav Tryggvasons aus der mündlichen Tradition Islands, aber übernimmt nicht die kritische Sichtweise Sæmundur fróðis, sondern flicht legendarische Züge nach dem Geschmack des Volkes ein. Er möchte gute Unterhaltung bieten. Vieles deutet darauf hin, dass Fagrskinna die älteste Fassung der Jómsvíkinga saga zu Grunde liegt. Aber die Berichte über die Jómswikinger aus der Zeit um 1200 schöpften überwiegend aus der mündlichen Überlieferung. Deutlich wird dies an der Dichtung Bischof Bjarni Kolbeinssons, der die mündlichen Berichte ausdrücklich erwähnt.
Fagrskinna berichtet weiter, die Jómswikinger seien unverzüglich aufgebrochen, damit die Norweger nicht vorher gewarnt werden könnten, und seien in der Weihnachtsnacht in Jæren angekommen und hätten sofort mit Plünderung und Brandschatzung begonnen. Auch Þorkell Gíslason und Oddr Snorrason gehen von einer Winterfahrt aus. Dabei ist es ganz unwahrscheinlich, zur damaligen Zeit mit einer Flotte im Winter über den Skagerrak zu fahren und dann noch Raubzüge an Land zu vollführen. Ein umfassendes Leidang-Aufgebot zur Verteidigung war im Winter völlig unmöglich. Das wusste wohl auch Snorri, obgleich er auch keine anderen Informationen hatte, als die Tradition. Er verschweigt das Begräbnisbier, nennt keinen Zeitpunkt für den Aufbruch und geht von einer ausreichenden Vorwarnzeit aus, die ein Leidang-Aufgebot möglich macht. Dabei ging er von der festorganisierten Leidangsordnung seiner eigenen Gegenwart aus und projizierte sie in die Zeit Jarl Håkons. Es darf bezweifelt werden, dass zur Zeit Jarl Håkons der Leidang bereits eine solche fest durchorganisierte Organisation war. Die verschiedenen Schiffstypen deuten eher darauf hin, dass es sich auch um viele Privatschiffe handelte und nicht um die Leidangsschiffe, die zu bauen und auszurüsten die Küstenbewohner später verpflichtet waren.
Die Rolle der Jómsvikinger erhielt in den Sagas allmählich märchenhafte Züge. Sie sollten auf dänischer Seite kämpfend mit 120 Schiffen gekommen sein. Die norwegische Flotte soll sogar 360 Schiffe gehabt haben. Nach der Fagrskinna soll es die größte Schlacht gewesen sein, die zwischen Dänen und Norwegern stattgefunden habe. Dagegen spricht aber, dass die kleineren Geschichtswerke aus dem 12. Jahrhundert, Historia Norwegiæ, Ágrip und das Werk von Theodoricus Monachus die Schlacht überhaupt nicht erwähnen. Aber die zeitgenössischen Skaldengedichte belegen, dass die Schlacht tatsächlich stattgefunden hat.
Bjarni Kolbeinsson berichtet von drei Heerführern auf jeder Seite. Gegen die Jómswikinger Sigvald, Búi und Vagn lagen Jarl Håkon, Erik Håkonsson und Årmod. In der Fagrskinna ist der dritte Heerführer Svein Håkonsson. Die zeitgenössischen Skalden kennen nur zwei Heerführer der Dänen: Sigvald und Búi, aber nicht Vagn. Er kam erst in der isländischen Erzähltradition hinzu.
Der norwegische Archäologe Per Fett (1909–1996) bezweifelte überhaupt, dass es in Wirklichkeit damals einen Ortsnamen Hjørungavåg gegeben habe und hielt ihn für eine Erfindung der Sagaverfasser. Es habe in Norwegen ein Geschlecht „Hjorr“ gegeben. Die Mitglieder dieses Geschlechts habe man „Hjorungar“ genannt. Einer der Mitglieder war im 9. Jahrhundert der Skalde Fleinn Hjörsson. „Fleinn“ ist ein norrönes Wort und bedeutet Wurfspieß. „hjǫrr“ (Schwert) und „Fleinn“ (Wurfspieß) seien Verwandte, Fleinn ein Hjørungar. Das Unwetter, das Þorgerð gegen die Jómswikinger losbrechen ließ, sei ein Regen aus Wurfspießen, eine Welle der Schwertverwandten, ein Hjørungavåg gewesen. Er glaubte nicht daran, dass die Schlacht ein historisches Ereignis gewesen sei. Ähnlich äußerte sich Halldór Laxness. Bei der Jómsvikinga saga handele es sich um reine Heldendichtung. Die Opferung des siebenjährigen Sohnes durch seinen Vater Jarl Håkon auf einer Insel mit dem seltsamen Namen „Primsigd“ sei eine böse Verdrehung des biblischen Sohnesopfer-Motivs. Die Skaldenverse müssten gar nicht von den Männern stammen, denen sie zugeschrieben würden. Auch er bezweifelte, dass die Jómsvíkinga saga auf realen Ereignissen beruhe.
Der Hintergrund Für die Ursachen dieser Schlacht ist auf die Auseinandersetzung zwischen Erik Blutaxt und Håkon dem Guten zurückzugehen. Erik Blutaxt wurde von Håkon vertrieben und seine Söhne suchten Schutz und Unterstützung gegen Håkon beim dänischen König Harald Blauzahn, der die Oberhoheit über Norwegen gewinnen wollte. König Håkon führte das Leidangswesen (Allgemeine bezirksweise Gestellungspflicht für Kriegsschiffe) zur Landesverteidigung ein.
Nach seinem Tode kamen die Erikssöhne zum Zuge. König Harald zog 960 von Dänemark nach Tønsberg und ließ sich dort als König huldigen. Damit gewann er das Oberkönigtum über ganz Norwegen. Er setzte Harald Graumantel und die übrigen Erikssöhne als Unterkönige ein und verlangte als symbolischen Tribut einen Jagdfalken jährlich. Die Unterkönige bekämpften rücksichtslos alle Gegner und töteten dabei auch Sigurd Ladejarl. So kam es zur Feindschaft zwischen dem Geschlecht Harald Hårfagres und den Ladejarlen. Als die Erikssöhne die Tributleistung einstellten und das Oberkönigtum des dänischen Königs ablehnten, verbündete sich König Harald mit dem Sohn des getöteten Sigurd Ladejarl, Håkon Ladejarl Sigurdsson, lockte Harald Graumantel in eine Verhandlung am Limfjord und tötete ihn dort (siehe dazu Norwegische Jarle unter dänischer Oberhoheit). Anschließend setzte er Håkon Ladejarl zum Jarl über Norwegen ein.
Harald Blauzahn war Christ, Håkon Ladejarl war überzeugter Heide und widersetzte sich dem königlichen Auftrag, Missionare nach Norwegen mitzunehmen. Damit kam es zum Bruch zwischen ihnen. 974 musste Harald Blauzahn trotz Unterstützung durch Truppen Håkon Ladejarls eine schwere Niederlage gegen Kaiser Otto II. hinnehmen. Diese Schwächung nutzte Jarl Håkon, die Oberherrschaft des dänischen Königs aufzukündigen. Hierbei spielte nicht nur der religiöse Gegensatz eine Rolle, sondern das steigende Bewusstsein in Norwegen, dass die Dänen „Ausländer“ seien, die das Land besetzten. Es kamen die ersten Ansätze eines Nationalbewusstseins auf.
Die Überlieferung nennt zwei unmittelbare Gründe für den Heereszug nach Norwegen: Saxo Grammaticus meint, es handele sich um eine Strafexpedition gegen Håkon Jarl, den er fälschlich für den Sohn Harald Gråfell hält, weil dieser sich weigerte, dem dänischen König Tribut zu zahlen. Auch der Mönch Oddr ist dieser Ansicht. Die isländische Erzähltradition und ihr folgend die Fagrskinna, Snorris Heimskringla und die jüngeren Versionen der Jómsvikinga saga schildern, dass der König bei einem Begräbnisbier die Jómsvikinger überlistet habe, zu versprechen, Håkon Jarl zu vertreiben oder zu töten.
Der Zeitpunkt Der Zeitpunkt der Schlacht ist nicht klar den Quellen zu entnehmen, auch nicht, wer eigentlich hinter der Schlacht stand, Harald Blauzahn oder sein Sohn Sven Gabelbart. Die isländischen Annalen nennen übereinstimmend das Jahr 994. Gustav Storm hat allerdings nachgewiesen, dass alle isländischen Annalen eine gemeinsame Grundquelle verwendet haben, entweder die Heimskringla von Snorri oder eine auch von Snorri verwendete ältere gemeinsame Quelle. Es gibt also keine von Snorri unabhängige Quellen. Nach den isländisch-norwegischen Sagas setzte Sven Gabelbart, König von Dänemark, die Politik seines Vaters fort. Es ging ihm nicht nur darum, einen unbotmäßigen Jarl zu bekämpfen, sondern es ging auch um die dänische Reichseinigung unter christlichem Vorzeichen.