mini|Der Mirabellgarten mit der Festung Hohensalzburg im Hintergrund mini|Luftbild des Schlosses Mirabell und des Mirabellgartens Der Mirabellgarten ist die Gartenanlage des Schlosses Mirabell in der Stadt Salzburg in Österreich, in der Rechten Altstadt. Er gehört zu den bekanntesten Touristenzielen der Stadt. Zu ihm gehören das Große Gartenparterre mit dem südlich angrenzenden Lindenhain das Kleine Gartenparterre mit dem südlich angrenzenden Boskett der Theatergarten (Heckentheater) der Bastionsgarten (Wasserbastei) mit dem Zwerglgarten die Orangerie und der Rosengarten (ehemals Kleine und Große Orangerie)

sowie einige randliche nunmehr verbaute Teile. Im Norden grenzt an den Mirabellgarten heute anstelle des abgetragenen Bollwerkes St. Vitalis der alten Stadtbefestigung der Kurgarten an.

Die Gesamtanlage mit allen Nebengebäuden und Gartenbaudenkmalen und gehört zum UNESCO-Welterbe Historisches Zentrum der Stadt Salzburg.

Geschichte Die Neugestaltung des Mirabellgartens erfolgte in ihrer heutigen Form im Auftrag des Fürsterzbischofs Johann Ernst von Thun ab 1687Lit. Berger 2003, S. 246., wobei der Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach die Leitung und die Gesamtgestaltung der Arbeiten innehatte. Die Anlage wurde in kleinen Teilen vor 1720 von Matthias Diesel und nach 1730 in größeren Teilen vom Architekten und Hofgarteninspektor Franz Anton Danreiter teilweise verändert. Die barocken Skulpturen blieben dabei (ausgenommen im Zwerglgarten) im Wesentlichen stets erhalten. Änderungen wurden auch in der Ausgestaltung der Gartenornamente vorgenommen, die Gestalt der Brunnen wurde z. T. verändert, die Sala terrena wurde ebenfalls mehrfach umgestaltet, Anlage und Gestalt der Orangerie wurden ebenfalls verändert. In Notzeiten wurde der Garten kurzzeitig auch zur Gemüsezucht verwendet.

Großes Gartenparterre mit Lindenhain Die Marmorbalustraden um das Große Gartenparterre mit ihren kunstvollen Vasen wurden nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach entworfen. Die Anordnung der Balustraden und der Statuen wurde im Detail nach 1730 durch Anton Danreiter geändert. Auch die später leicht veränderte Anordnung der Statuen erfolgte nach Plänen Fischer von Erlachs.

Vier Elemente Um das zentrale Springbrunnenbecken des Großen Gartenparterres („Große Fontäne“) südlich des Schlosses gruppieren sich am ursprünglichen Standort bis heute auf hohen Sockeln vier Figurenpaare, die um 1690 von Ottavio Mosto geschaffen wurden. Sie symbolisieren vorrangig die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde. Die Symbolik ist auch anhand Sockel-Ausgestaltung unschwer zu erkennen. Die Statuen variieren das Thema eines Menschen, der einen zweiten trägt, um ihn zu retten, zu rauben, zu entführen oder zu besiegen. Die weiterführende Symbolik der Statuen ist bewusst vielschichtig. Die Skulpturen – jeweils gemäß dem Tageslauf von Ost nach West betrachtet – sind:

Paris raubt die in ihn verliebte Helena aus Sparta über das Meer nach Troja, wodurch der Trojanische Krieg ausgelöst wurde; Aeneas rettet am bitteren Ende des zehnjährigen trojanischen Krieges seinen Vater Anchises und seinen Sohn Ascanius aus dem brennenden Troja; Herkules besiegt den erdverbundenen Halbgott Anthaeus, dem hochgehoben seine aus der Erde stammenden unüberwindlichen Kräfte ausgingen. Hades entführt Persephone in die Unterwelt;

Als weitere Deutung im Sinn einer bewusst vielschichtigen Symbolik können die Figurengruppen auch den vier Jahreszeiten zugezählt werden. Eine Generalsanierung der Figuren wurde 1997 eingeleitet, ausgeführt vom Bildhauer und Restaurator Klaus Wedenig.Stadt Salzburg Presseaussendung 29. September 1997.

Die im Lindenhain auf den Balustraden stehenden antiken Statuen sind wie – die anderen barocken Skulpturen im Mirabellgarten – ebenfalls 1689–1695 geschaffen worden. Sie stellen acht antike männliche und acht weibliche Gottheiten dar: Gleichzeitig verbergen sich in diesem weltlichen Garten unter den acht männlichen und acht weiblichen Göttern jeweils vier Götter als Zeichen der vier Jahreszeiten und damit – gemeinsam mit den Gartenzwergen – als Zeichen der Vergänglichkeit nicht nur der Gartenblumen, sondern auch des Lebens. Die Symbolik der Statuen ist darüber hinaus vielschichtig und soll zum beschaulichen Nachdenken anregen.

Acht antike Götter Als Symbol des Frühlings steht im Osten Apollo mit dem Lorbeer und als Symbol des Sommers Merkur mit Flügelhelm und Heroldsstab. Zum südlichen Garteneingang hin folgen als Schützer des Gartens mächtige Götter; Vulcanus mit seinem Amboss und Herkules mit seiner Keule und dem Fell des Nemeischen Löwen. Herkules steht auch für die herkulanischen Aufgaben des Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun. Westlich des Zugangsweges folgen als mächtige Gartenbeschützer Mars in voller Rüstung und Jupiter mit Krone und Adler. Im Westen schließen gegen Sonnenuntergang wieder Symbole der Jahreszeiten an: als Herbstallegorie Bacchus mit Weintraube und Thyrsosstab (?), der auch für die Festesfreuden steht und als Zeichen des Winters Saturnus, eines seiner Kinder verschlingend. Die männlichen Figuren stammen von Bartholomäus van Opstal (Bacchus, Jupiter, Hermes, Merkur) und Johannes Frölich (Apoll).

Acht antike Göttinnen Zum Garten hin blicken wieder von Ost nach West betrachtet die acht antiken Göttinnen: Diana mit einer Mondsichel im Haar und von einem treuen Hund begleitet, die wohl für die Jagdfreuden des sonst bescheidenen Lebenswandels des Erzbischofs Johann Ernst Thun steht und Flora, die mit vielfältigen Blumen ein sichtbares Zeichen des Frühlings darstellt. Minerva mit Schild und Medusenhaupt darf als Göttin der Weisheit und der Künste unter den Göttinnen nicht fehlen. Ceres steht mit ihrer Getreidegarbe unverkennbar für den Sommer. Westlich des Zugangsweges folgt Pomona die mit ihrem Früchte-Reichtum den Herbst darstellt. Die nackte Venus einem geflügelten kleinen Amor an der Hand ist Zeichen der weltlichen Schönheiten und der Liebe. Die mit einem dicken Fell bekleidete Vesta stellt mit einem Feuertopf den Winter dar, Juno, Frau des Jupiter mit einer Weintraube und einem Pfau steht für hier für die Beständigkeit. Die weiblichen Figuren stammen von Gregor Götzinger möglicherweise stammen die vier Jahreszeiten auch von Ottavio Mosto.

Die Kopien der berühmten antiken Skulptur des „Borghesischen Fechters“ werden hier als zusätzliche symbolische Wächter des Gartens aufgestellt. Das äußere, künstlerisch wertvollere Paar wird Bernhard Michael Mandl zugeschrieben, das innere Paar, im Ausdruck deutlich „braver“ gestaltet stammt von Andreas Götzinger. An den beiden Postamenten findet sich das Wappen des Salzburger Erzbischofs Johann Ernst von Thun. Der Apoll wurde von Johann Fröhlich, Bacchus, Jupiter, Herkules und Merkur von Bartholomäus von Opstal geschaffen, die weiteren werden Bernhard Michael Mandl zugeschrieben.

Insgesamt hat Fischer von Erlach im Mirabellgarten 28 Götter- und Helden-Statuen (als heiteres Gegenstück stehen auch im Zwerglgarten 28 Zwerge) vorgesehen. Die heute verschollenen kleinen Tritone und andere Kleinfiguren werden dabei nicht berücksichtigt. Erlach folgt damit einer barocken Gestaltungsidee die auch im französischen Versailles zur Ausführung kam. Von den ursprünglich 14 „Wasserstücken“ (d. h. Brunnen) im Mirabellgarten (davon 7 im Großen und kleinen Gartenparterre) sind heute nur noch 3 erhalten. Die Zahl 28 ist eng mit der zeitgemäßen Zahlenmystik verwoben (28 = die „heilige“ Zahl 7 × 4).

Die beiden Löwen und die Einhörner nächst dem Pegasusbrunnen stammen höchstwahrscheinlich aus dem Schlossgarten von Schloss Kleßheim und sind wahrscheinlich ebenfalls von Bernhard Michael Mandl gefertigt. Erzbischof Leopold Anton von Firmian hat diese Figuren, Wappentiere Ernst von Thuns, in Kleßheim gegen seine eigenen Wappentiere, gesternte Hirsche, ausgetauscht.

mini|340px|links|Mirabellgarten mit den vier Raptusgruppen und Blick auf die Festung

1854 wurde der Mirabellgarten von Kaiser Franz Joseph der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und präsentiert sich bis heute als gartenarchitektonisches Kleinod. Die Treppenanlage vom Mirabellgarten in den Kurgarten wurde anstelle der (vor 1818 abgetragenen) Sala terrana 1894 von Franz Drobny gestaltet. Der Mirabellgarten wurde schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg zu einer besonderen Attraktion der Stadt Salzburg. Auch heute wird der Garten von unzähligen Touristen besucht.

Kleines Gartenparterre mit Pegasusbrunnen mini|hochkant|Pegasusbrunnen mit Wasserbecken am nördlichen Ende des Mirabellgartens. Im Hintergrund ist das Vogelhaus zu sehen. Der Brunnen ist vor allem als beliebtes Fotomotiv für Hochzeitspaare bekannt. Der Innsbrucker Metall-Kunstgießer Caspar Gras, ein „Erzfürstlich Österreichischer Possierer“, der auch das Denkmal von Erzherzog Leopold in Innsbruck gestaltet hatte, stellte das Werk 1661 im Auftrag von Erzbischof Guidobald von Thun für eine Pferdeschwemme am Kapitelplatz her.Monika Bruckmoser: Glücksorte in Salzburg. Droste Verlag, Düsseldorf, 2020, ISBN 978-3-7700-2513-8, S. 20. Der Kupferschmied Maximilian Röck könnte am Guss beteiligt gewesen sein, worauf eine Eingabe der Salzburger Hofkammer aus dem Jahr 1668 schließen lässt. Das zugehörige Wasserbecken diente einst dem praktischen Zweck, Pferde waschen und tränken zu können.

Auf dem Kapitelplatz blieb das geflügelte Ross bis um 1700, dann übersiedelte die Pegasus-Skulptur zur alten Pferdeschwemme auf den Mirabellplatz. Dieser Platz war damals im Westen von der barocken Fassade des Schlosses, gegenüber von einer schmucken Kaserne, der „Neuen Türnitz“ mit ihren langgestreckten Pferde-Marställen, und im Norden und Süden jeweils von mächtigen Torbögen begrenzt. Mit der Aufwertung der dortigen Pferdeschwemme wollte der jüngere Halbbruder von Erzbischof Johann Ernst von Thun und Hohenstein damals das Umfeld seiner Sommerresidenz Mirabell kunstvoller ausgestalten. 1732 wurde diese Pferdeschwemme von Franz Anton Danreiter neu gestaltet und vergrößert, wobei der Pegasus an seinem Platz blieb. Neu hinzu kamen aber die beiden Einhörner und die beiden Löwen (wohl aus Schloss Kleßheim stammend), die heute in der Nähe des Pegasusbrunnens im Mirabellgarten zu sehen sind.

Nach dem großen Brand in der Neustadt 1818, dem nicht nur der Turm über der Hauptfassade des Schlosses, sondern auch viele Häuser am rechten Salzachufer zum Opfer fielen, musste die Pferdeschwemme mit dem Pegasus erneut weichen. Die Bronzeskulptur wurde daraufhin eingelagert und geriet bald in Vergessenheit. 1836 wollte man sie beinahe versteigern, da man ihren künstlerischen Wert und die geschichtliche Bedeutung nicht erkannte.

1842 erhielt das Flügelross auf dem damaligen „Hannibalplatz“, dem heutigen Makartplatz, einen neuen Standort. Schon 1859 kam aber die Figur wieder ins Depot des neu gegründeten Städtischen Museums „Carolino Augusteum“ (Salzburg Museum). Erst 1913 erinnerte man sich wieder der alten Pferdeskulptur und stellte Pegasus nun auf die aus Konglomeratsteinen aufgebaute Felsenbrücke in der Mitte eines alten runden Brunnenbeckens im Mirabellgarten auf. Hier fügt sich die Pegasus-Statue gut in ihre Umgebung mit den weiteren Statuen und Skulpturen ein.