mini|Lage von Gdańsk/Danzig an der südlichen Ostseeküste mini|Lage der Freien Stadt Danzig in Europa um 1930

Die Postgeschichte und Briefmarken von Danzig umfassen die Entwicklung des Postwesens in der Stadt Danzig (polnisch Gdańsk) unter wechselnden politischen und postalischen Zuständigkeiten.

Die postalische Entwicklung der Stadt folgte weitgehend den politischen Zäsuren ihrer Geschichte: Bis 1793 stand Danzig unter dem Schutz der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik, danach gehörte die Stadt zu Preußen, war während der napoleonischen Zeit als Freie Stadt Danzig organisiert, kam anschließend wieder zu Preußen und wurde später Teil des Norddeutschen Bundes sowie des Deutschen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Danzig als Freie Stadt Danzig unter den Schutz des Völkerbundes gestellt; 1939 wurde die Stadt in das Deutsche Reich eingegliedert, 1945 ging die weitere Entwicklung in die Geschichte der polnischen Post in Gdańsk über.

Besondere philatelistische Bedeutung besitzt die Zeit der Freien Stadt Danzig von 1920 bis 1939. In dieser Phase bestand ein eigenes Postgebiet mit eigener Postverwaltung und eigenen Briefmarkenausgaben; daneben spielte die polnische Post im Danziger Hafen eine eigene Rolle. Danzig wird deshalb sowohl in der deutschen als auch in der polnischen Philatelie als eigenständiges Spezialgebiet behandelt.

Frühe Postgeschichte (bis 1815)

mini|Karte von Danzig aus dem Jahr 1792, kurz vor der Eingliederung in Preußen

Bereits im späten 16. Jahrhundert bestanden regelmäßige Post- und Botenverbindungen von Danzig in andere Handelszentren. Nach der Encyklopedia Gdańska ist seit 1573 ein regelmäßiger Postweg von Danzig über Thorn und Posen nach Breslau belegt; 1590 ist zudem ein Danziger Postmeister nachweisbar.

Bis 1793 war Danzig eine freie Stadt unter dem Schutz der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik. Mit der zweiten Teilung Polens fiel die Stadt 1793 an Preußen und wurde Teil der Provinz Westpreußen; damit wurde auch das Danziger Postwesen in die preußische Postverwaltung eingegliedert.

Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon musste Preußen Danzig gemäß dem Frieden von Tilsit vom 9. Juli 1807 abtreten. Am 21. Juli 1807 wurde die Stadt als Freie Stadt Danzig unter faktisch französischer Kontrolle neu organisiert; das Postwesen der Stadt unterlag in dieser Zeit eigenen Regelungen, wie eine für die Jahre 1808 bis 1812 überlieferte Archivakte Postwesen der Stadt Danzig und Abschluss einer Postkonvention belegt. Der Briefverkehr zwischen Danzig und Frankreich verlief auch in dieser Zeit weiterhin über etablierte Transitwege durch deutsche Staaten und die Thurn-und-Taxis-Post.

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft kehrte Danzig bereits am 2. Januar 1814 unter preußische Verwaltung zurück; der Wiener Kongress (1814–1815) bestätigte diese Zugehörigkeit völkerrechtlich. Ab Mai 1818 regelte ein direkter Postvertrag zwischen Preußen und Frankreich den beiderseitigen Briefaustausch.

Danzig im preußischen und deutschen Postwesen (1815–1920)

Nach 1815 war das Danziger Postwesen vollständig in die preußische Postverwaltung eingegliedert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Barfrankatur mit handschriftlichen oder gestempelten Porto- und Franco-Vermerken üblich. Mit der Einführung der ersten preußischen Briefmarken am 15. November 1850 begann auch in Danzig die Verwendung von Postwertzeichen.

Ein erstes größeres Postgebäude entstand 1831–1834 an der Langgasse; Ende des 19. Jahrhunderts wurde es durch einen Neubau der Hauptpost ersetzt, der 1896–1899 errichtet wurde.

Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes wurde Danzig ab dem 1. Januar 1868 Teil des Norddeutschen Postbezirks, dessen Briefmarken im gesamten Bundesgebiet galten. Nach der Reichsgründung übernahm die Reichspost ab 1. Januar 1872 den Postdienst mit eigenen Briefmarken. Kurz nach der Reichsgründung wurde in Danzig eine Oberpostdirektion eingerichtet, die für Westpreußen zuständig war. Danzig entwickelte sich zu einem wichtigen Post- und Telegrafenstandort im Deutschen Reich.

mini|Oberpostdirektion Danzig am Winterplatz, Ansichtskarte von 1903

1906 wurde in Danzig ein Telegrafenamt eröffnet, 1909 folgte ein Postscheckamt an der Postgasse. Während des Ersten Weltkriegs unterlag der Danziger Postverkehr verschiedenen Zensurmaßnahmen; nach Gedanopedia arbeitete eine Kontrollstelle im Postamt Danzig 5 und verwendete mehrere Zensurstempel.

Mit dem Versailler Vertrag schied Danzig 1920 aus dem Deutschen Reich aus. Die Stadt wurde als Freie Stadt Danzig dem Schutz des Völkerbundes unterstellt und erhielt eine eigenständige Postverwaltung.

Postgeschichte der Freien Stadt Danzig (1920–1939) Die Post der Freien Stadt Danzig

Die Stadt Danzig und deren Umgebung wurden nach dem Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag aus dem deutschen Staatsverband herausgelöst und als Freie Stadt Danzig unter den Schutz des Völkerbundes gestellt. Der Post-, Telegraphen- und Fernsprechdienst wurde nach Inkrafttreten des Vertrages am 10. Januar 1920 zunächst für Rechnung des künftigen Freistaates weitergeführt. Am 16. Juni 1920 wurde für das Gebiet der Freien Stadt eine eigene Oberpostdirektion eingerichtet; nach der alliierten Entscheidung vom 27. Oktober 1920 wurde Danzig in Ausführung von Artikel 102 des Versailler Vertrages zur Freien Stadt erklärt.

mini|Administrative Gliederung der Freien Stadt Danzig

Postalisch blieb Danzig in den ersten Monaten des Jahres 1920 eng mit dem bisherigen deutschen Postwesen verbunden. Nach Gedanopedia übernahmen die Behörden der Freien Stadt ein gut organisiertes Postsystem mit den städtischen Postämtern 1 bis 5 sowie weiteren Postagenturen und postalisch-telegrafischen Hilfsstellen. Es gab zunächst keine neuen Briefmarken und auch die Portoerhöhung im Deutschen Reich wurde am 6. Mai 1920 übernommen. Erst am 14. Juni 1920, dem Tag der Eröffnung der Verfassunggebenden Versammlung, die am 16. Mai 1920 gewählt worden war, wurden durch die Reichspostdirektion Danzig erste eigene Marken verausgabt. Ab dem 16. Juni 1920 regelte die Post- und Telegraphenverwaltung Danzig die Herausgabe von Briefmarken. Bis einschließlich 19. Juli 1920 war die Verwendung der deutschen Marken als „Mitläufer“ noch gestattet; ab dem 20. Juli 1920 galten im Staatsgebiet grundsätzlich nur noch Danziger Briefmarken. Auswärtige Marken von Mitgliedern des Weltpostvereins konnten nur in Sonderfällen, etwa als Zusatzfrankatur auf Antwortkarten, vorkommen.

Am 24. Dezember 1920 wurde der Ort Pröbbernau auf der Frischen Nehrung wieder dem Deutschen Reich übergeben. Die Danziger Briefmarken wurden dort nicht sofort postungültig, sondern durften nach Angaben der Arge Danzig bis zum 31. März 1921 aufgebraucht werden. Stempelabschläge aus Pröbbernau aus dieser kurzen Übergangszeit gelten deshalb als besonders beachtete Stücke der Danzig-Philatelie.

Die neue Grenzziehung wirkte sich auch auf einzelne Orte im Umland aus. Die Stadt Marienburg wurde durch die Nogat und seit 1920 auch staatsrechtlich geteilt. Der Stadtteil Kalthof gehörte nun zum Gebiet der Freien Stadt, während andere Stadtteile beim Deutschen Reich verblieben. Der dort verwendete Stempel „MARIENBURG (WESTPR.) 3“ wurde im Herbst 1920 durch Stempel mit dem Zusatz „FREISTADT DANZIG“ beziehungsweise „FREIE STADT DANZIG“ ersetzt. In der Danziger Philatelie werden solche Übergangs- und Grenzstempel als eigenes Spezialgebiet behandelt; bereits eine Danziger Briefmarkenausstellung von 1929 hob Postanstalten und Agenturen der Freien Stadt als Sammelgebiet hervor.

Auch in Ließau und anderen kleineren Orten wurden vorhandene Stempel zunächst weiterverwendet und später durch Stempel mit Bezug auf die Freie Stadt ersetzt. In den folgenden Jahren wurde das Postnetz angepasst: kleinere Postagenturen wurden geschlossen, verlegt oder herabgestuft, während städtische Postämter und Spezialdienste ausgebaut wurden. Zum Danziger Postsystem gehörten neben dem gewöhnlichen Brief- und Paketverkehr auch Postscheckverkehr, Auslandsdienst, Luftpost sowie besondere Einrichtungen wie das Wanderlager auf dem Troyl.

Auf dem Troyl wurde 1920 ein „Wanderlager“ für Auswanderungswillige eingerichtet. Dort bestand zeitweise eine Postagentur mit dem Stempel „DANZIG – WANDERLAGER TROYL“. Die Arge Danzig nennt für diesen Stempel eine Verwendungszeit vom 6. Juni 1920 bis zum 31. August 1921 und weist zugleich auf rückdatierte Gefälligkeitsentwertungen hin.

Neben der Postverwaltung der Freien Stadt bestand aufgrund des Versailler Vertrages und der polnisch-danzigischen Vereinbarungen ein eigener polnischer Post- und Telegraphendienst im Hafengebiet. Dieser entwickelte sich ab 1920/1921 parallel zur Danziger Postverwaltung und führte später zum Streit um polnische Briefkästen und Zustellrechte in der Stadt.

Die Briefmarken der Freien Stadt Danzig

Die ersten Danziger Briefmarken waren Briefmarken des Deutschen Reiches, bei denen der Schriftzug „Deutsches Reich“ mit dem Aufdruck „DANZIG“ überdruckt wurde. Diese sogenannte Berliner Ausgabe erschien am 14. Juni 1920 und wurde in der Reichsdruckerei hergestellt. Sie bestand aus Germania- und Markwerten des Deutschen Reiches mit Wasserzeichen Rauten; ab dem 20. Juli 1920 waren im Gebiet der Freien Stadt nur noch Danziger Briefmarken zur Frankatur zugelassen. Etwas später wurden im Freistaatgebiet bei den Poststellen vorgefundene Germania-Marken des Deutschen Reiches mit schrägem blauschwarzem oder bordeauxrotem Aufdruck „Danzig“ überdruckt.

Sternprovisorien

Die starke Nachfrage nach bestimmten Wertstufen führte bereits im Sommer 1920 zu provisorischen Aufdrucken auf vorhandenen Danziger Marken. Bei den sogenannten Sternprovisorien wurde die ursprüngliche Wertangabe durch einen sechsstrahligen Stern überdeckt und das Markenbild mit einer neuen Wertziffer überdruckt. Die Aufdrucke wurden bei Julius Sauer in Danzig hergestellt. Zu den frühen Werten gehörten unter anderem 25 Pfennig auf 30 Pfennig, 10 Pfennig auf 20 Pfennig und später 5 Pfennig auf 30 Pfennig; weitere Aufdruckwerte folgten im Herbst 1920.

Die Sternprovisorien bilden wegen ihrer zahlreichen Aufdruckvarianten und Abarten ein eigenes Spezialgebiet. In der Arge-Danzig-Katalogisierung werden unter anderem unregelmäßig ausgedruckte Sterne, farbige Klischeenagelspuren sowie Fehldrucke erwähnt, bei denen der Aufdruck „Danzig“ ganz oder teilweise fehlt.

Schrägaufdrucke

Da die Reichspost die ab 20. Juli 1920 im Gebiet der Freien Stadt ungültigen Marken nicht zurücknahm, wurden weitere Aufdruckausgaben auf vorhandenen Germania-Marken hergestellt. Am 20. August 1920 erschienen neue Werte mit schrägem Schreibschrift-Aufdruck „Danzig“ und überbalkter Inschrift „Deutsches Reich“; dazu kamen nennwerterhöhende Aufdrucke auf Marken des Deutschen Reiches. Vor den neuen Wertaufdrucken wurde teilweise ein grauer beziehungsweise grüngrauer Netzunterdruck angebracht, der in unterschiedlichen Stellungen vorkommt.

Die Schrägaufdrucke wurden im Postverkehr vor allem für höhere Frankaturen verwendet, etwa auf Paketkarten. Wegen der Herstellung auf vorhandenem Druckmaterial und der mehreren Druckgänge treten bei diesen Ausgaben zahlreiche Abweichungen auf, darunter verschobene Aufdrucke, Plattenfehler und ungleichmäßige Unterdrucke.

Innendienstwerte und Aufdruckfälschungen

Zu den besonders umstrittenen Ausgaben des Jahres 1920 gehören die sogenannten Innendienstwerte. Damit werden in der Danzig-Philatelie Aufdruckmarken bezeichnet, die ursprünglich für den Dienstverkehr beziehungsweise den inneren Gebrauch von Behörden vorgesehen waren und nur in sehr kleinen Auflagen erschienen. Die am 30. August 1920 ausgegebenen Werte zu 60 Pfennig, 1 Mark und 2 Mark werden in Katalogen gesondert geführt und gehören wegen ihrer geringen Auflagen zu den auffälligen Spezialausgaben des Sammelgebiets.