Der Crawford-Feldzug, Sandusky-Feldzug oder auch Crawfords Niederlage war eine militärische Operation, die kurz vor dem Ende des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs stattfand. Im Mai 1782 führte Colonel William Crawford eine rund 500 MannNach den Journals von John Rose waren es genau 488 (Journal of a Volunteer Expedition to Sandusky from May 24 to June 13, 1782. In: The Pennsylvania Magazine of History and Biography 18 (1894) 129–328, S. 139). starke Freiwilligentruppe aus Pennsylvania zum Sandusky River, um die dortigen Indianerdörfer zu zerstören.

Die Indianer und ihre britischen Verbündeten aus Detroit hatten jedoch die anrückenden Amerikaner entdeckt und sammelten ihre Kräfte zur Verteidigung. In der Nähe der Dörfer kam es zu einem Gefecht, in dessen Verlauf die Amerikaner eingekesselt wurden. Crawfords Truppe brach im Schutz der Nacht aus und trat den Rückzug an, der alsbald in eine wilde Flucht überging. Einige Amerikaner gerieten in Gefangenschaft. Die anderen kehrten nach Pennsylvania zurück. Etwa 70 Amerikaner jedoch, darunter auch die Gefangenen, fanden den Tod.

Im März desselben Jahres waren fast 100 christliche Indianer im Dorf Gnadenhütten von der Pennsylvania-Miliz getötet worden. Crawford hatte persönlich nichts mit diesem Vorfall zu tun. Die Indianer, unter ihnen viele Lenni Lenape, töteten die meisten Gefangenen als Vergeltung für das Massaker an ihren Angehörigen. Crawford wurde fast zwei Stunden lang am Marterpfahl gequält, bevor er lebendig verbrannt wurde. Sein Tod fand ein großes Echo in der amerikanischen Presse und sorgte für eine weitere Belastung der ohnehin schlechten Beziehungen zwischen Indianern und Weißen.Crawford’s Expedition against Sandusky

Geschichtlicher Hintergrund Der Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs 1775 erwies sich nach anfänglichen Hoffnungen für die im Ohiogebiet lebenden Indianerstämme, die Shawnee, Mingo, Lenni Lenape und Wyandot, als Desaster, denn sie lebten zwischen den Fronten. Auf der einen Seite gab es den amerikanischen Außenposten Fort Pitt, auf der anderen Seite befand sich das britische Fort Detroit mit seinen alliierten Indianern. Einige Mitglieder der Ohio-Stämme wollten gegen die Amerikaner kämpfen, zogen in die Nähe von Detroit und schlugen ihr Lager am Scioto und Sandusky River auf. Eine zweite Gruppe blieb in Cocoshton und sympathisierte mit den Amerikanern. Sie unterzeichnete 1778 mit den Vereinigten Staaten einen Vertrag in der Hoffnung, in Ohio einen indianischen Staat errichten zu können.Alvin M. Josephy jr.: Die Welt der Indianer. Frederking & Thaler GmbH, München 1994, ISBN 3-89405-331-3.

Der Krieg an der Grenze eskalierte 1777, als die britische Armee mit der Anwerbung und Bewaffnung von Indianern begann, die daraufhin amerikanische Siedlungen überfielen. Eine unbekannte Zahl an Siedlern in den heutigen Bundesstaaten Kentucky, West Virginia und Pennsylvania fiel diesen Überfällen zum Opfer. mini|Das Ohiogebiet und Gefechte zwischen Indianern und US-Amerikanern zwischen 1775 und 1811

mini|General William Irvine (Gemälde von Robert Edgar Pine 1789) Im September 1781 wurde General William Irvine zum Oberkommandierenden des westlichen Frontabschnitts der Kontinentalarmee ernannt, dessen Hauptquartier in Fort Pitt lag. Die an der Siedlungsgrenze lebenden Amerikaner forderten die Regierung auf, die Armee solle einen Feldzug gegen die Briten in Detroit führen, um die Versorgung der Indianer mit Waffen zu beenden. Irvine ließ die Sachlage prüfen und schrieb am 2. Dezember 1781 an den Oberbefehlshaber General George Washington, dass die Indianer in ihren Wohngebieten angegriffen und vernichtet werden müssten. Außerdem sollten die Briten aus dem Land verjagt und Detroit zerstört werden, um die Lage zu verbessern.

Washington teilte Irvines Beurteilung, dass Detroit angegriffen und zerstört werden müsste, um den Krieg im Westen zu beenden. Im Februar 1782 unterbreitete Irvine seinem Vorgesetzten einen detaillierten Angriffsplan. Irvine schätzte, dass zur Eroberung Detroits etwa 2000 Soldaten, fünf Kanonen und eine Nachschubkolonne notwendig wären. Washington war bekannt, dass eine derartige Kampagne vom Kongress aus finanziellen Gründen nicht genehmigt würde, und schrieb zurück: Zur Zeit können wir keine großangelegten Offensiven in Erwägung ziehen, sondern nur kleinere Operationen.

Anfang März 1782 suchten 160 Pennsylvania-Milizionäre unter Oberstleutnant David Williamson in Ohio nach Indianern, die zuvor Siedler in Pennsylvania überfallen hatten. Williamsons Leute nahmen eine Gruppe von etwa 100 christlichen Lenape – zumeist Frauen und Kinder – im Dorf Gnadenhütten gefangen und ließ sie als Vergeltung mit einem BöttcherschlägelEin großer Hammer aus hartem Holz, der zum Bearbeiten von Fässern benutzt wurde. töten. Das Gnadenhütten-Massaker hatte verhängnisvolle Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Indianern und Weißen an der Siedlungsgrenze.

Vorbereitung des Feldzugs General Irvine unterstützte die Bildung einer Truppe, die nur aus freiwilligen Milizionären bestand. Die Ausrüstung eines freiwilligen Milizionärs war im Vergleich zu einem regulären Soldaten nicht allzu kostspielig, denn er benötigte nur ein Pferd, ein GewehrPferd und Gewehr stammten überwiegend aus dem Privatbesitz des Milizionärs. sowie ausreichend Munition, Verpflegung und einige weitere Ausrüstungsgegenstände. Als einzige Vergütung bekamen sie eine zweimonatige Freistellung vom Kriegsdienst und die Erlaubnis, die Indianerdörfer zu plündern – für viele ein verlockendes Angebot, denn diese Dörfer waren wohlhabender als die Siedlungen der Weißen. Detroit war zu mächtig für eine kleinere Operation, ein Feldzug gegen die Indianerdörfer am Sandusky River schien jedoch durchführbar zu sein.

Irvines Instruktionen für das Unternehmen lauteten:

mini|Colonel William Crawford, nach einer Lithographie aus der Sutro Library, San Franzisko, USA Am 20. Mai 1782 trafen die ersten Freiwilligen am Treffpunkt bei Mingo Bottom, dem heutigen Mingo Junction, auf der indianischen Seite des Ohio ein. Die jungen Männer waren zumeist irischer oder schottischer Abstammung und kamen überwiegend aus den Countys Washington und Westmoreland in Pennsylvania; viele von ihnen hatten zuvor in der Kontinentalarmee der Vereinigten Staaten gedient. Die Zahl der Teilnehmer erhöhte sich schließlich auf über 500. Die Risiken des Unternehmens waren allen bekannt und es wurde ihnen empfohlen, vor dem Abmarsch ihr Testament zu machen.

Da die Teilnehmer des Feldzugs Freiwillige waren, durften sie ihre Offiziere im Gegensatz zur regulären Armee selbst auswählen. Die beiden Kandidaten für den Oberbefehl waren David Williamson – der Kommandant beim Gnadenhütten-Massaker – und William Crawford, ein Oberst der Kontinentalarmee im Ruhestand, der kurzfristig reaktiviert worden war. Er war ein langjähriger Freund George Washingtons und ein erfahrener Soldat und Grenzkämpfer.Grenzkämpfer (Frontiersman auf Englisch) waren Männer, die an der damaligen Siedlungsgrenze in Nordamerika lebten. Der 50 Jahre alte Crawford schloss sich nur zögernd der Miliz an, er folgte jedoch dem Ruf von General Irvine. Williamson hatte zwar schon Erfahrung bei der Miliz gesammelt, war jedoch bei den Armee-Offizieren nach dem Gnadenhütten-Massaker in Ungnade gefallen. Irvine wollte auf keinen Fall ein zweites Massaker erleben und favorisierte deshalb die Wahl Crawfords zum Kommandeur. Die Wahl brachte ein sehr knappes Ergebnis: Crawford erhielt 235 gegenüber 230 Stimmen für Williamson. Crawford übernahm das Kommando und Williamson wurde sein Stellvertreter im Rang eines Majors.

Begleitet wurde die Truppe außerdem vom Arzt und Armeeoffizier John Knight. Ein weiterer Teilnehmer war ein junger Leutnant, der sich John Rose nannte und als Adjutant diente. Selbst dem gut mit ihm befreundeten Irvine war nicht bekannt, dass er in Wirklichkeit Baron Gustave Rosenthal oder Gustavus Heinrich de Rosenthal hieß (1753–1829Nach Angaben von J. G. Rosengarten: Rosenthal, John Rose, Baron de. Journal of a Volunteer Expedition to Sandusky. Philadelphia 1890, S. 102 starb er erst 1830.). Er stammte aus dem russischen Reich und hatte nach Amerika fliehen müssen, weil er im Duell einen Gegner getötet hatte.Journal of a Volunteer Expedition to Sandusky from May 24 to June 13, 1782. In: The Pennsylvania Magazine of History and Biography 18. (1894) 129–328, S. 129 Er ging mittellos nach Baltimore und lernte bei dem deutschen Arzt Wisendorf. 1780 fiel er als Schiffsarzt in britische Gefangenschaft, doch sorgte General Irvine dafür, dass er ausgetauscht wurde.Consul Wilshire Butterfield, S. 129f. Er überlebte den Feldzug und kehrte 1784 nach Livland zurück, wo er später Großmarschall seines Landes wurde.

Feldzug zum Sandusky River Am 25. Mai 1782 verließen Crawfords Milizionäre das Lager bei Mingo Bottom mit Proviant für dreißig Tage. General Irvine hatte den Zeitbedarf für die 280 km bis zum Sandusky auf sieben Tage geschätzt. Crawford vermied bekannte Pfade durch die Wildnis, um nicht frühzeitig von indianischen Scouts entdeckt zu werden. Bei den Freiwilligen, die nicht bei der Armee gedient hatten, war militärische Disziplin weitgehend unbekannt. Die Männer verschwendeten ihre Rationen und schossen trotz Verbots mit ihren Musketen auf wilde Tiere. Offenbar besaß Crawford unzureichende Führungsqualitäten. So schrieb Rose später, dass Crawford bei Beratungen zusammenhanglos redete, Tatsachen verwechselte und unfähig war, Leute von seiner Meinung zu überzeugen … Der Marsch wurde einige Male unterbrochen, weil die Kommandeure Meinungsverschiedenheiten über die weitere Vorgehensweise hatten. Mehrere Freiwillige desertierten auf dem Marsch.

Der Weg durch das Ohiogebiet führte überwiegend durch dichte Wälder. Zunächst wurde in Viererreihen geritten, das dichte Unterholz zwang die Truppe jedoch bald, Zweierreihen zu bilden. Am 3. Juni erreichten die Milizionäre offenes Gelände südlich des Sandusky Rivers und durchquerten eine Prärieregion namens Sandusky Plains. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie keinen einzigen Indianer entdeckt. Früh am nächsten Tag erreichten sie den Sandusky, das in der Nähe liegende Wyandot-Dorf war jedoch verlassen. Unbemerkt von den Amerikanern hatten die Wyandot erst kurz vorher ihr Dorf etwa 12 km weiter nach Norden verlegt.Sandusky Expedition

Crawford diskutierte mit seinen Offizieren und Scouts die neu entstandene Situation. Man war sich bald darüber einig, dass die Indianerdörfer einige Kilometer weiter flussabwärts zu finden seien, und die Kommandeure entschieden sich für die Fortsetzung des Marsches um einen Tag. Mittags wurde eine Pause eingelegt und Crawford schickte John Rose mit einem Erkundungstrupp nach Norden. Schon nach kurzer Zeit kehrten zwei der Scouts mit der Nachricht zurück, dass sie auf eine größere Anzahl indianischer Krieger gestoßen seien, die sich den Amerikanern näherten.

Briten und Indianer Die Briten und ihre verbündeten Indianer hatten schon von dem Feldzug erfahren, noch bevor Crawfords Truppe Mingo Bottom verlassen hatte. Diese Information stammte von einem am 8. April gefangenen amerikanischen Soldaten, über den der britische Agent Simon Girty die Nachricht von Crawfords Mission erfuhr und an seine Vorgesetzten in Detroit meldete.