Die lutherische Paulskirche in Kirchheimbolanden ist eine Schlosskirche und nach dem Schloss das bedeutendste Bauwerk der Stadt. Nach außen wirkt sie eher unscheinbar.

Kirchenbau Mit dem Bau wurde im Jahr 1739 begonnen, also ein Jahr nach Einleitung des Schlossneubaus. 1744 war die Kirche in der Bauform einer QuerkircheKathrin Ellwardt: Kirchenbau zwischen evangelischen Idealen und absolutistischer Herrschaft. Die Querkirchen im hessischen Raum vom Reformationsjahrhundert bis zum Siebenjährigen Krieg. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, ISBN 3-937251-34-0 fertiggestellt.

Der nassauische Landesbaumeister Julius Ludwig Rothweil, der von 1707 bis 1713 die Hof- und Schlosskirche in Weilburg erbaut hatte, nutzte für den Bau denselben Plan wie 30 Jahre zuvor in Weilburg. Eine Besonderheit weist die Paulskirche in Kirchheimbolanden insofern auf, als sie keinen Kirchturm und keine Glocken besitzt. Für das Glockenspiel ist eine andere Kirche in der Nähe zuständig, die Peterskirche. Während die Paulskirche äußerlich eher schlicht erscheint, wurde sie innen jedoch aufwändiger ausgestattet.

Ausstattung mini|Prospekt der Mozartorgel In der Neupfarrkirche befindet sich eine der wenigen in Rheinland-Pfalz erhaltenen Kanzeluhren.Peter Wasem: „… bis zwei Stunden auf der Kanzel bleiben“. Die Sanduhr in der Kirchheimbolander Paulskirche. In: Donnersberg-Jahrbuch, Jg. 31 (2008), S. 113–115.

Orgel Johann Michael Stumm erbaute 1745 für die Schlosskirche seine größte Orgel mit 36 Registern auf drei Manualen und Pedal. 1748 ergänzte er ein Glockenspiel.Franz Bösken: Die Orgelbauerfamilie Stumm aus Rhaunen-Sulzbach und ihr Werk. Mainz, 1981. S. 155. Auf einer Durchreise spielte Wolfgang Amadeus Mozart 1778 auf dem Instrument. Heute wird sie daher liebevoll Mozartorgel genannt.

1936 wurde durch G. F. Steinmeyer & Co. die originale mechanische Spieltraktur durch eine elektrische ersetzt und ein zweiter Spieltisch in der Fürstenloge installiert. Das Pedalwerk wurde um sieben Register ergänzt.Bernhard H. Bonkhoff: Historische Orgeln in der Pfalz. München, 1984. S. 60. Zwischen 1963 und 1966 Jahren fanden u. a. eine Erweiterung der Klaviaturumfänge, Änderungen an Windladen, Stimmung und Temperierung sowie eine teilweise Remechanisierung der Trakturen durch Firma Oberlinger statt. Dadurch verlor die Orgel erneut viel von ihrem originalen Charakter und es entstand ein „technisch und auch klanglich auf fatale Weise entstelltes Instrument, das nicht ansatzweise an das Original anknüpfen“ kann.Hans-Wolfgang Theobald u. a.: Erträge einer Reise zu Stumm-Orgeln. In: Ars Organi. 71. Jhg., Heft 2, Juni 2023. S. 106f. Der zweite Spieltisch wurde dabei in den Kirchenraum gegenüber dem Altar umgesetzt. In den 2020er Jahren soll die in die Jahre gekommene Orgel grundlegend instand gesetzt und unpassende Eingriffe in die Originalsubstanz rückgängig gemacht werden. Heute hat die Orgel 46 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Disposition lautet:

I Unterwerk C–g3 1. Gedackt 8′ 2. Flaut travers D 8′ 3. Principal 4′ 4. Rohrflöt 4′ 5. Octave 2′ 6. Solicinal 2′-4′ 7. Quint ′ 8. Mixtur III 1′ 9. Krummhorn 8′ 10. Vox humana 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 11. Großgedackt 16′ 12. Principal 8′ 13. Viol di Gamba 8′ 14. Quintatön 8′ 15. Groß Hohlpfeiff 8′ 16. Octav 4′ 17. Solicinal 4′ 18. Groß Flöte 4′ 19. Quint 3′ 20. Superoctav 2′ 21. Terz ′ 22. Cornett IV D 4′ 23. Mixtur IV 24. Cymbel V 25. Trompet 8′ Tremulant III Echowerk C–g3 26. Hohlpfeiff 8′ 27. Solicinal D 8′ 28. Rohrflöt 4′ 29. Octav 2′ 30. Solicinal 2′-4′ 31. Quint ′ 32. Cymbel IV 33. Krummhorn B 8′ und Trompet D 8′ 34. Vox humana 8′ Tremulant Glockenspiel Pedal C–f1 35. Untersatz 32′ 36. Principal 16′ 37. Subbass 16′ 38. Principal 8′ 39. Octav 8′ 40. Quint 6′ 41. Octav 4′ 42. Mixtur IV 2′ 43. Posaune 16′ 44. Trompet 8′ 45. Clairon 4′ 46. Vox angelica 2′ Tremulant Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P Spielhilfen: drei freie Kombinationen, eine freie Pedalkombination, drei feste Kombinationen

Fußnoten

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