mini|Kloster Hilandar
Das Kloster Hilandar [] (, gelegentlich auch Chilandar transkribiert; griechisch Μονή Χιλανδαρίου [] Moní Chilandaríou) ist ein Kloster in Griechenland. Der Klosterbau erfolgte auf Initiative des Heiligen Sava, der 1191 auf dem Berg Athos Mönch wurde.Gerhard Podskalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien. 865 – 1459. C. H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45024-5, S. 87. Es ist neben dem Kloster Studenica eines der bekanntesten serbisch-orthodoxen Klöster.Gerhard Podskalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien. 865 – 1459. C. H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45024-5, S. 87.
Hilandar beherbergt die bedeutendste serbische historische Bibliothek des Mittelalters, in dessen Archiv sich neben zahlreichen kaiserlichen Edikten historisch bedeutende Dokumente, Handschriften und Evangelien byzantinischer, serbischer, walachischer, russischer und osmanischer Redaktion sowie Korrespondenz befinden. Bis zum Besuch von Aleksandar Obrenović 1896 befand sich in Hilandar auch das älteste serbische Evangelium (Miroslav-Evangelium).
In der Schatzkammer finden sich neben liturgischen Geräten insbesondere Ikonen vom 11. bis 15. Jahrhundert, unter denen eine Mosaikikone aus dem 11. Jahrhundert sowie vier Deesis-Ikonen aus dem 14. Jahrhundert herausstehen. Von den Werken des Mittelalters finden sich auch zwei der Nonne Jefimija, deren Familie im Kloster beerdigt wurde, ein Gedicht in einem Holzdiptychon sowie der lyrische Text auf der Stickerei für die Altarschranke der Ikonostase.Svetlana Smolčić-Mkuljević: Iconostasis curtain (KATAΠETAΣMA) of the nun Jefimija in Hilandar. In: Vojislav Korać (Hrsg.): Međunarodni Naučni Skup Osam Vekova Hilandara. Istorija, Duhovni Život, Književnost, Umetnost i Arhitektura, Oktobar 1998. = Colloque Scientifique International Huit Siècles du Monastère de Chilandar (= Srpska Akademija Nauka i Umetnosti. Naučni skupovi. Odeljenje Istorijskih Nauka. Vol. 95, 27). Srpska Akademija Nauka i Umetnosti, Belgrad 2000, ISBN 86-7025-299-6, S. 693–701.
Hilandar befindet sich in der autonomen griechischen Mönchsrepublik Athos und genießt weitgehende Selbstverwaltung. Der gesamte 336 km² große Klosterstaat auf der Halbinsel Chalkidiki wurde 1988 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Geschichte Gründung durch Sava und Stefan Nemanja mini|Muttergottes Hodegetria, ein Hauptwerk der Tafelmalerei des Hochmittelalters, 13. Jahrhundert Das erste Vorgängerkloster stammte vom Beginn des 11. Jahrhunderts. Ab dem 12. Jahrhundert kamen immer mehr serbische Mönche auf den Athos, so auch Sava von Serbien und sein Vater Stefan Nemanja. Sava besuchte den Kaiser Alexios III. und bat um eine Stätte für Mönche aus Serbien, wie „sie auch andere Völker auf dem Athos haben“. Diese Bitte wurde 1198 erfüllt und den serbischen Mönchen das verlassene Kloster Chilandaríou zugewiesen, damit es „zur Aufnahme der Menschen aus dem serbischen Volke diene“ (ἀπὸ τοῦ γένους τῶν Σέρβων).
Ursprünglich war von Sava gedacht, dass Hilandar eine Skite des Klosters Vatopedi sein sollte, da sich Sava weiterhin der Bruderschaft von Vatopedi zugehörig fühlte. Weil jedoch die anderen Athos-Klöster eine zu große Machtstellung Vatopedis befürchteten, wurde beschlossen, in Hilandar eine eigene, unabhängige Klostergemeinschaft zu gründen. Sava und sein Vater Nemanja, als Mönch mit dem Namen Symeon, erneuerten Hilandar vollständig und alsbald wurde es zum bedeutendsten serbischen Kloster. Viele bedeutende Kirchenmänner des mittelalterlichen Serbiens waren zuvor Mönche in Hilandar. Der Legende nach befand sich in Hilandar die erste serbische Universität.
Neubau des Katholikons durch Stefan Uroš II. Milutin Unter König Milutin wurde das Katholikon, die Hauptkirche, neu erbaut sowie die Freskengestaltung der Kirche 1321/22 vollendet. Die neue Hauptkirche wurde zum Vorbild vieler neuer Kirchen auf dem Athos und darüber hinaus, insbesondere in Serbien. Nachdem das Kloster der Belagerung durch die katalanische Kompanie widerstand, trotzdem schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, wurden neue Befestigungen erbaut, so u. a. der Turm des König Milutins im Hafen des Klosters. Unter Stefan Uroš IV. Dušan, der seinen Machtbereich auch auf den Athos ausweitete, wurden dem Kloster zahlreiche Zuwendungen gemacht und die Rolle Hilandars als spirituelles Zentrum der serbisch-orthodoxen Kirche ausgebaut.
Anbau des Exonarthex durch Stefan Dušan mini|Wappen des serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanovic am Exonarthex des Katholikons, 14. Jahrhundert Während der Pestepidemie 1347/48 weilte Zar Dušan im Kloster Hilandar. Die doppelseitige Ikone der Muttergottes Abramiotis, die als Wunderikone gilt, kam damals als Geschenk des Zaren nach Hilandar.Бојан Миљковиђ: Хипарска Икона Срлског Цара Стєфана. In: Zbornik Radova Vizantološkog Instituta. Vol. 43, 2006, , S. 319–349, online (PDF; 1,77 MB). Ihre endgültige Gestalt bekam die Hauptkirche durch den Anbau des einkuppeligen offenen Exonarthex unter Stefan Dušan, der sich harmonisch in den Gesamtbau einfügt. Ein Wappen des Fürsten Lazar auf einem Fries der Arkaden nährte die gängige Vermutung, der Exonarthex sei auch von diesem gestiftet gewesen. Jedoch stammt das Fries aus einer späteren Phase und nicht aus der Zeit der Errichtung um die Mitte des 14. Jahrhunderts.Slobodan Čurčić: The Exonarthex of Hilandar. 2000.
Unter den serbischen Adligen im ausgehenden 14. Jahrhundert, die sich als weitere Stifter des Klosters engagierten, fanden sich die Despoten Jovan Uglješa und Toma Preljubović. Während des Ansturms der Osmanen, die die Serben erstmals 1371 in der Schlacht an der Mariza besiegten, diente das Kloster als Zufluchtsort zahlreicher Vertriebener. Nachdem das Kloster erstmals zwischen 1387 und 1403 vorübergehend unter osmanische Herrschaft gekommen war, blieb es von 1430 bis 1912 wie der gesamte Athos ein Bestandteil des Osmanischen Reiches.
Osmanische Herrschaft Während der osmanischen Herrschaft bestand noch bis ins 17. Jahrhundert ein privilegierter Status von Hilandar, der durch seine Verbindungen zu den ehemaligen orthodoxen Zentren in Bulgarien, Serbien, der Walachei sowie den Handelsstädten in Dalmatien wirtschaftlich unterstützt wurde, auch nachdem der Grundbesitz durch die Konfiszierung der ehemaligen Metohijen in Griechenland, Makedonien, Kosovo und Metochien sowie Serbien stark eingeschränkt wurde. Auch stammten regelmäßige Zuwendungen noch aus alten Verpflichtungen mit der Republik Ragusa (Dubrovnik). Hilandar sicherte sich auch im Großfürstentum Moskau sowie der Walachei wichtige Patrone.
Vom 17. Jahrhundert bildeten bulgarische Mönche die Mehrheit der Mönche im Kloster. So wurde Hilandar ein wichtiges Zentrum der bulgarischen nationalen Wiedererweckung im 18. und 19. Jahrhundert. Hier schrieb der bulgarische Mönch Païssi von Hilandar seine Slavo-bulgarischen Geschichte in der Zeit, als sein älterer Bruder Lawrenti Abt des Klosters war. 1848 verstarb Neofit Bosweli im Kloster. 1860 wurden nach der sogenannten Osteraktion Ilarion Makariopolski, Paisij von Plowdiw und weitere Bischöfe hierher verbannt, nachdem mehrere bulgarische Metropoliten während des Ostergottesdienstes die liturgisch vorgeschriebene Namensnennung des Konstantinopeler Patriarchen unterlassen und stattdessen im Gebet „des Ganzen orthodoxen Episkopats“ gedacht hatten. Das Kloster blieb bis 1889 bulgarisch. In jenem Jahr erwirkte der serbische König Aleksandar Obrenović, dass es wieder an serbische Mönche übergeben wurde, während die bulgarischen Mönche ins Kloster Zografou übersiedelten.
Während der nationalistischen Diktatur der griechischen Militärjunta 1967–1974, als diese auch eine Gräzisierung des Athos anstrebte, wurde einzig Hilandar unter den nichtgriechischen Klöstern des Athos toleriert.
Architektur Katholikon Das Katholikon des Klosters Hilandar setzt sich aus drei Bauteilen zusammen: dem einkuppeligen Naos mit drei Konchen, dem doppelkuppeligen Narthex sowie dem zum gleich großen Narthex einkuppelig ausgeführten Exonarthex.
Im Stil der hauptstädtischen komnenischen Architektur wurde das Katholikon 1300–1303 (oder 1306–1309) in den Ausmaßen 13 × 28 m (36 m mit dem später angefügten Exonarthex) fertiggestellt.Slobodan Ćurčić: Architecture in the Balkans. 2010, S. 652–656. Den Anbau des ursprünglich offenen Exonarthex ließ Zar Stefan Uroš IV. Dušan nach 1346/47 anbringen. Dieser wurde für die weitere Entwicklung der serbischen Kloster-Architektur stilbildend und fand sich danach noch im Kloster Gračanica, Ravanica und Manasija.Slobodan Ćurčić: The Exonarthex of Hilandar. 2000.
Das Katholikon ist innerhalb der großen Anlage des Klosters auch das bedeutendste Gebäude, das durch sein komplexe Struktur und hohe Kunstfertigkeit der architektonischen Ausführung zu den bedeutendsten mittelalterlichen Kirchengebäuden der Balkanhalbinsel gehört. Das Gebäude, in der Kontinuität der mittelbyzantinischen Kreuzkuppelkirchen erbaut, steht den komnenischen Werken der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel nahe.Slobodan Ćurčić: Religious Settings of the Late Byzantine Sphere. In: Helen C. Evans (Hrsg.): Byzantium. Faith and Power (1261 – 1557). Yale University Press, New Haven CT u. a. 2004, ISBN 0-300-10278-X, S. 66–77; Slobodan Ćurčić: The Role of Byzantine Thessalonike in Church Architecture in the Balkans. In: Dumbarton Oaks Papers. Vol. 57, 2003, , S. 65–84, . Neben dem dreikonchonalen Grundriss wurde auch die Ausführung des Exonarthex zum Vorbild für die Kirchen- und Klosterbauten der serbisch-orthodoxen Kirche zwischen 1350 und 1450.
In seiner künstlerischen Gesamtheit ist Hilandar durch den Mosaikfußboden, die Voll- und Flachrelief-Dekoration der Portale und Fenster als Mischung byzantinischer und serbischer Künstler erkennbar.
In der klassischen und heute anachronistischen Historiografie der serbischen Kunst wurden die Bauwerke der Epoche zwischen dem Ende des 13. und Ende des 14. Jahrhunderts als „Mazedonische Schule“ (allgemein serbisch-byzantinischer Stil) bezeichnet. Daher wurde auch das erste Gebäude, das diesem „Stil“ angehörte, der Neubau des Katholikons von Hilandar unter Stefan Uroš II. Milutin 1303, dieser Baugruppe zugeordnet. Heute versucht man die Sichtweise der nationalen Schulen weitestgehend zu vermeiden und erklärt die Einflüsse auf die Architektur der Balkanhalbinsel durch Wirken von bestimmten Kunstzentren, neben denen auch der Athos sowie die nahegelegene Großstadt Thessaloniki als bedeutende Impulsgeber und Herkunft zahlreicher Architekten der spätbyzantinischen Kunst fungierten.
Klosterbauten mini|Klosteraußenmauer mit dem Pyrgos des Hl. Sava, Anfang 13. Jahrhundert Das Kloster entspricht in der Gesamtanlage den typischen athonitischen Großklöstern und setzt sich aus über 20 Gebäuden zusammen. Sie bilden mit der geschlossenen Architektur den Eindruck einer kleinen Stadt. Zur Anlage gehören auch drei Wehrtürme, sogenannte Pyrgoi, die in der von Wohn-, Wirtschafts- und Andachtsräumen gebildeten Umfassung des Katholikons eine wehrhafte Kulisse bilden. Der Pyrgos des Hl. Sava stammt noch aus der ältesten Bauphase des Klosters um das 12. Jahrhundert und erreicht mit fünf Stockwerken eine Höhe von 35 Metern. Zum Klosterhof führt ein wehrhafter Durchgang. Im Klosterhof liegen neben dem Katholikon zwei Brunnen sowie das Taufbecken.
Ikonen mini|Die Dreihändige Muttergottes-Ikone Die Ikonen Hilandars stellen eine der wichtigsten mittelalterlichen Ikonensammlungen überhaupt dar.Projekat Rastko. Najlepše ikone manastira Hilandara. So gehört auch eine der drei erhaltenen athonitischen Mosaikikonen, ursprünglich in Besitz von Stefan Nemanja, zum Bestand, wie mehrere überragende Marien- und Christusikonen des 13.–14. Jahrhunderts.