mini|Tempelarbeit der deutschen Feldloge Zum aufgehenden Licht an der Somme in Saint-Quentin (Erster Weltkrieg). mini|rechts|Denkmal zur Erinnerung an die Feldloge Liberté chérie. Eine von KZ-Gefangenen gegründete Feldloge im KZ Esterwegen von 1943–1944
Eine Feldloge (auch: Armeeloge oder Regimentsloge) ist eine „ambulante“ Freimaurerloge, die also nicht an einen festen Ort gebunden ist und im Gegensatz zu einer Militärloge nur im Krieg besteht und sich nach dessen Ende auflöst oder zu einer feststehenden Loge wird. Die freimaurerischen Zeremonien und Treffen fanden meist in Zelten statt, die mit Ritualgegenständen der Freimaurer ausgestattet waren. Eigene Bijoux, Logenabzeichen, wurden aus militärischen Orden gefertigt. In den Feldlogen trafen sich auch Brüder der verfeindeten Kriegsparteien.
Der französische Historiker Jean-Luc Quoy-Bodin verweist darauf, dass das 18. Jahrhundert von einem militärischen Humanismus geprägt worden sei, in dem das Dilemma zwischen freimaurerischer Moral und militärischer Pflicht in einen größeren Prozess der Umformulierung militärischer Selbstauffassung gedeutet werden muss.Jean-Luc Quoy-Bodin: Le militaire en Maçonnerie (XVIIIème-XIXème siècles). In: Histoire, économie et société. 4, 1983, S. 549–576.Andreas Önnerfors: Freimaurerei und Offiziertum im 18. Jahrhundert. Universität Potsdam, 2010. Nationale Kriegskonflikte und die Gründung von Feldlogen, speziell in der Periode 1790–1820, eröffneten eine neue Möglichkeit zu einer Fraternisierung über die Grenzen der Kriegsparteien hinweg.Andreas Önnerfors: Freimaurerei und Offiziertum im 18. Jahrhundert. Artikel der Universität Potsdam (2010).
Diese internationale Freundschaft und Fraternisierung wurde in der Zeit des Nationalsozialismus den Freimaurern als Verrat angelastet.Friedrich Hasselbacher: Hoch- und Landesverrat der Feldlogen im Weltkriege. Nordland-Verlag, Magdeburg 1935.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg gründeten sich Logen aus den Reihen von Kriegsgefangenen oder Widerstandskämpfern (siehe Liberté chérie).
Geschichte 1732 wurde die erste Stiftungsurkunde einer Feldloge von der Großloge von Irland ausgestellt. In England (seit 1750) und Schottland (seit 1743) machte das irische Beispiel bald Schule und es kam zu Nachahmungen innerhalb der englischen Großlogen. Besonders bei den sog. Antients die 1789 fast fünfzig Army Warrants ausgestellt hatten. Einige Logen wurden speziell in Eliteregimentern wie der Queen Dragoon Guard gegründet. Weniger Logengründungen lassen sich innerhalb der Marine nachweisen. Es war nicht ungewöhnlich, dass in einem Regiment mehrere Logen gleichzeitig gegründet wurden.Andreas Önnerfors: Freimaurerei und Offiziertum im 18. Jahrhundert. Universität Potsdam, 2010.
In Amerika wurde 1738 im Rahmen einer Expedition auf kanadischen Gebiet eine Feldloge gegründet. In Großbritannien gründeten sich im 18. Jahrhundert die ersten Regimentslogen, um eine maurerische Tempelarbeit abhalten zu können, wurden die Ritualgegenstände meistens in transportablen Truhen mitgeführt. Zwischen 1732 und 1755 wurden von den drei britischen Großlogen bereits 29 Militärlogen gestiftet. In der Verfassung der irischen Großloge von 1768, dem Irish Code, wurde den Brüdern garantiert, an jedem Ort arbeiten zu können, Einheimische durften diese Logen nur aufnehmen, wenn sich an dem Ort keine andere Loge befand. Der Irish Code war somit die früheste Regelung für eine Feldloge von einer Großloge. Seit 1850 nahmen britische Feldlogen keine Zivilisten mehr in ihre Reihen auf.
Feldlogen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg Großer Beliebtheit erfreuten sich Feldlogen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die bekannteste war die American Union Nr.1. Ihr Siegel zeigte eine Kette aus dreizehn Ringen, entsprechend den im Kampf stehenden dreizehn Staaten. In der Schlacht von Long Island wurde ein großer Teil ihrer Mitglieder getötet oder gerieten in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen Mitglieder retteten die Truhen mit den Ritualgegenständen und nahmen diese auf ihren Feldzügen mit. Im Zuge der Schlacht von Cooch's Bridge bei Delaware hielt die Loge erstmals wieder eine Weihnachtsfeier ab. Georg Washington nahm öfters bei den Zusammenkünften der American Union Nr.1 im Winterlager bei Valley Forge teil. Als die englische Feldloge Nr.227 auf einem Rückzug ihre Konstitution und die Logenembleme zurücklassen musste, ließ Washington diese durch einen Offizier mit Ehrenwache zurückbringen.
Als 1783 die Irische Freiwilligenbewegung einsetzte, um einen französischen Einfall in Irland zu verhindern, und sich Regimenter von Freiwilligen bildeten, entstand die First Volunteer Lodge No.620. Ein Großteil der Logen wurde unter der Jurisdiktion der Irischen Großloge konstituiert. Infanterieregimenter bildeten die Majorität.
Französische Feldlogen im napoleonischen Zeitalter In Frankreich etablierten sich in den 1740er Jahren die ersten französischen Militärlogen, bis 1789 stieg ihre Anzahl auf 105 in allen Einheiten der Armee und Marine an.Das französische Standardwerk über die Verbindungen zwischen Militär und Freimaurerei ist Jean-Luc Quoy-Bodin: L’armée et la franc-maçonnerie au déclin de la monarchie sous la révolution et l’Empire. Paris 1987. Vorstudie: Quoy-Bodin: Le militaire en Maçonnerie. Zunächst bestanden diese nur aus Offizieren, so dass sich um 1785 auch aus Unteroffizierslogen bildeten, wie beispielsweise die Parfaite amitié im Regiment Royal Italien, deren Logenmeister der Marschall André Masséna war. In einigen Regimentern lag der Anteil der Freimaurer am Offizierskorps zwischen 23 und 30 Prozent, in den insgesamt 18 Dragonerregimentern bei 43 Prozent.Andreas Önnerfors: Freimaurerei und Offiziertum im 18. Jahrhundert. Universität Potsdam, 2010. Die französische Großloge Grand Orient de France verzeichnete im Jahre 1789 rund 69 Feldlogen, darunter auch eine Anzahl in fremden Regimentern wie bsp. Hessen-Darmstadt, Bayern und der Schweiz. In den Napoleonischen Kriegen bestanden Feldlogen in allen beteiligten Armeen außer der von Österreich.
Insgesamt wird im Zeitraum von der Ersten Französischen Republik bis zu Napoleons Herrschaft von der Gründung von 132 Militärlogen ausgegangen. Um 1805 betrug der Anteil aller Offiziere in Infanterieregimentern zwischen 24 und 29 Prozent. Zwischen 1792 und 1814 waren rund 400 französische Generale Mitglieder in Feldlogen.Pierre-François Pinaud: Armée. In: Encyclopédie de la Franc-Maçonnerie. Paris 2008, S. 45–47.
Preußische Feldlogen Siebenjähriger Krieg Die erste wirkliche preußische Feldloge kam mit den schwedischen Truppen im Siebenjährigen Krieg, woran zwei seltene Gedenkmünzen erinnern. Aus dieser Loge ging die Loge Karl zu den drei Greife in Greifswald hervor. Diese arbeitet bis heute unter dem Schwedischen Lehrsystem.
Schwedische Feldlogen in Preußen Das Königreich Schweden trat als Bündnispartner an der Seite von Frankreich in den Siebenjährigen Krieg ein. Die Strategie der beiden Bündnisparteien sah vor, preußische Truppen von Norden aus zu binden oder bestenfalls Berlin einzunehmen. Zudem plante Schweden die Rückgewinnung der 1720 an Preußen abgetretenen Teile Vorpommerns durch die Niederlage beim Großen Nordischen Krieg. mini|Hugo Herman von Saltza
Freimaurerische Offiziere aus der schwedischen Armee importierten ihre Feldlogen in preußisches Gebiet um auf dem Schlachtfeld oder im Winterquartier Tempelarbeiten abhalten zu können. Regelmäßige Versammlungsprotokolle wurden ab März 1761 geführt. Initiator für diese Tätigkeit war der schwedische Artilleriehauptmann Hugo Hermann von Saltza, der Mitglied der Göteborger Loge Salomon a trois Serrures (gegründet 1754 als Salomoniska logen af trenne lås) war.Die Freimaurerei in Schwedisch-Pommern – aufgeklärte Avantgarde und Kontaktzone zwischen Pommern und Schweden in Asmus, Ivo – Droste, Heiko – Olesen, Jens Erik: Gemeinsame Bekannte. Schweden und Deutschland in der frühen Neuzeit, Münster 2003, S. 107–120. Mit den Versammlungen der schwedischen Feldloge nahm die Freimaurerei in Schwedisch-Pommern ihren Anfang. Aus den ab März 1761 geführten Protokollen lässt sich eine rege Tätigkeit der Militärloge ablesen. Schon im April nahm sie Johann Carl Dähnert als ihr erstes ziviles Mitglied auf. Hugo Herman von Saltza, wurde der erste Logenmeister dieser schwedischen Armeeloge. Er besorgte sich bei seiner Mutterloge in Göteborg ein Patent für die Loge. Die neu gegründete Armeeloge nannte sich Svenska Arméens Loge. Sie gaben sich eigene Gesetze und ein Wappen. Die Loge gründete kurzerhand eigene Tochterlogen, die Loge La Charité in Stralsund und die Loge Zu den drei Greifen in Greifswald, die bis heute existiert.Claes Ludwig Henning Thulstrup: Anteckningar till Svenska Frimureriets historia, Stockholm 1892, S. 41–43.
Der Konflikt zwischen Preußen und Schweden endete mit dem Separatfrieden von Hamburg von (22. Mai 1762). Die Friedensverhandlungen wurden unter der Vermittlung der schwedischen Königin und Schwester Friedrich II., Luise Ulrike von Preußen mit den Vertretern Johann Julius von Hecht für Preußen und Adolf Friedrich von Olthof für Schweden geführt.Teofron Säve: Sveriges deltagande i sjuåriga kriget åren 1757- 1762, Stockholm 1915, (S. 1–45 s). Olthof war in den 1750er Jahren in Stockholm wurde 1761 in die französischsprachige Loge L’Union aufgenommen.Jonas Anderson, Andreas Önnerfors: Förteckning över svenska 1700-tals frimurare. In: Önnerfors, Mystiskt brödraskap. (Anm. 11), S. 157–285.
Im Herbst 1762 erteilte die schwedische Große Landesloge einer dritten Loge in Schwedisch-Pommern, Zur Eintracht, die Konstitution. Als Logenmeister wurde ein Verwandter von Olthofs ernannt, er selbst agierte als Stellvertreter. Die schwedische Armee – und damit auch die gegründeten Armeeloge Svenska Arméens Loge – wurden nach dem Hamburger Friedensabkommen in Marsch gesetzt, um den Rückzug nach Schweden anzutreten. Zurück blieben die auf preußischen Gebiet gegründeten Logen.
Die schwedischen Logen etablierten den Brauch freimaurerische Passdokumente und Zertifikate beim Besuchen fremder Logen vorzulegen. Auch ein umfangreiches Gesetzeswerk regelte wichtige Verhaltensregeln zwischen den kriegsführenden Nationen. Anstößige Gespräche über die verschiedene Nationen waren unter Strafe verboten. Der 16. Paragraph lautete:
„Es gibt Freimaurer aller Völker, alle sollen gleichermaßen liebe Freunde sein und nichts in der Welt kann so mächtig sein, dass es ihr Vereinigungsband zerreißen kann“.Andreas Önnerfors: Freimaurerei und Offiziertum im 18. Jahrhundert. Universität Potsdam, 2010, S. 244.
Die Tochterlogen der Svenska Arméens Loge nach dem Frieden von Hamburg
Die Tochterloge La Charité hielt am Johannistag 1762 eine öffentliche Veranstaltung ab. Die Stralsunder Zeitung Auszug aus den Neuesten Weltbegebenheiten berichtete auf ihrer ersten Seite:
„Die Königlich-Schwedische Armee-Freymäurer-Loge feierte hieselbst Stralsund das gestrige St. Johannisfest öffentlich“.
Die Mitglieder der Loge versammelten sich bei dem Logenmeister von Saltza und führten eine Prozession zur Kirche St. Jacobi durch, wo der Ordensbruder und Prediger bei der Königlichen Leibgarde Backmann die Predigt hielt. Auch wurde eine eigene freimaurerische Medaille vorgestellt, die an verwundete Soldaten verliehen werden sollte. Die Verleihung dieser Medaille beinhaltete ein Anrecht auf eine lebenslange Pension. Es war das erste Mal in der Geschichte der schwedischen Streitkräfte, dass eine Medaille an Mannschaftsdienstgrade verliehen wurde, was ein sehr öffentliches Interesse hervorrief. Auch Soldatenwitwen und verwaiste Soldatenkinder erhielten ein Anrecht auf finanzielle Unterstützung, die von der Beerdigungshilfe bis zur Beihilfe für den Lebensunterhalt reichte.Referat in Auszug Neuester Weltbegebenheiten, Stralsund 1762, Nr. 50.