Als Partikelverb (auch: trennbares Verb oder Präverbgefüge; nach der englischen Bezeichnung phrasal verb auch phrasales VerbSynonym laut: Andrew McIntyre: Phrasales Verb. In: Peter O. Müller, Susan Olsen (Hrsg.): Wortbildung. (= Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK), 2.2). Walter de Gruyter, Berlin 2022, e-ISBN 978-3-11-070899-8, S. 548.) wird in der Grammatik ein Typ von zusammengesetztem Verb bezeichnet, wie zum Beispiel im Deutschen „vorgehen“, gebildet aus vor + gehen. Definierend für den Begriff Partikelverb ist vor allem, dass es sich um sogenannte trennbare Verben handelt. Partikelverben wirken zwar in vieler Hinsicht wie ein einziges Wort, trotzdem erscheinen sie im Deutschen als zwei getrennte Wörter, wenn das finite Verb im Hauptsatz in der Erst- oder Zweitposition steht. Beispiel: vorgehen → „Er geht entschlossen dagegen vor.“

Partikelverben unterscheiden sich hierdurch von Präfixverben wie z. B. „ergehen“, wo der Wortteil er- nicht abtrennbar ist; zum Vergleich den grammatikalisch nicht korrekten Satz: „Es geht ihm er wie allen anderen“. (In einer traditionell verbreiteten Redeweise werden unter Präfix in einem weiten Sinn Partikeln mit eingeschlossen; in neuerer Literatur werden hingegen die Begriffe Präfix und (Verbal-)Partikel eher als Gegenteile behandelt, so auch in diesem Artikel. In diesem engeren Sinn sind Präfixe also nie abtrennbar.) Fragen der Abgrenzung zwischen den beiden Typen werden im Artikel Präfix- und Partikelverben im Deutschen genauer behandelt.

Der in der Bezeichnung enthaltene Begriff der „verbalen Partikel / Verb(al)partikel“ ist ein anderer Begriff als die Partikel im Sinne einer Wortart. Im Fall der deutschen Partikelverben werden auch Wortteile in einem komplexen Verb als „Verbalpartikeln“ gezählt, die für sich genommen eindeutig Adjektiven oder Substantiven gleichen, neben den typischen Fällen wie bei vorgehen, wo sie einer Präposition gleichen. Definierend für den Begriff des Partikelverbs ist also nicht der übliche Begriff der Partikel, sondern der besondere Typ des Wortaufbaus und des grammatischen Verhaltens. Daher werden statt „Partikel“ teils auch andere Bezeichnungen benutzt, z. B. Präverb oder Verbzusatz.

Die Trennbarkeit ist ein Phänomen, das die Partikelverben zu einem Grenzfall zwischen Wort- und Satzgrammatik macht (zwischen Morphologie und Syntax).

Partikelverben sind in der gesamten Gruppe der germanischen Sprachen anzutreffen, ihre grammatischen Eigenschaften unterscheiden sich aber in einigen Hinsichten.

Abgrenzung Zum Begriff des Partikelverbs bzw. der Verbalpartikel existieren engere und weitere Definitionen. Die Definition, die in sprachvergleichender Sicht gegeben wird, ist enger als die fürs Deutsche übliche; sie erfasst aber die Fälle, die auch im Deutschen als die typischsten erscheinen.

Engerer Begriff des Partikelverbs Eine eng gefasste Definition, die sprachübergreifend gelten soll, charakterisiert Partikelverben als „Kombinationen von Verben mit präpositions-artigen Elementen“.Übereinstimmend Dehé (2015), S. 611ff.; McIntyre (2015), S. 435. Dies erfasst z. B. die englischen Fälle put on, put up, put out, put in und deckt sich mit der Angabe, dass es im Deutschen eine Gruppe von „präpositionalen Verbpartikeln“ gibt, etwa an- / auf- / aus- / ein-setzen und andere.Fleischer & Barz (2012), Kapitel 5.3.1, S. 396ff. Verbpartikeln verbinden sich als Einzelelement mit dem Verb; was als Ergänzung der jeweiligen Präposition erwartet würde, kann sich dann als Objekt des abgeleiteten Verbs im Satz finden, kann aber auch wegfallen (siehe den Abschnitt #Partikeln und Verbergänzungen).

Die Partikeln verhalten sich hierbei anders als Präfixe, da sie zumindest in manchen Konstruktionen syntaktisch vom Verb getrennt werden können. Von der deutschen Rechtschreibung werden jedoch Präfixverben und Partikelverben in Kontaktstellung gleich behandelt, etwa: verstehen und aufstehen (nur aufstehen ist aber trennbar: „Er stand auf“). Diese Rechtschreibregel sorgt für Mehrdeutigkeiten, da manche äußerlich gleichen Elemente in beiden Funktionen möglich sind: „umfahren“ (Partikel „um“) gegenüber „umfahren“ (Präfix „um-“). – Im Englischen besteht keine Verwechslungsmöglichkeit mit Präfixen, da Partikeln nach dem Verb folgen: Ein Partikelverb ist stand up, eine Präfigierung understand.

Definierend ist aber nicht nur die Trennbarkeit, sondern ebenso, dass Partikeln mit dem Verb in anderen Hinsichten ein einziges Wort bilden: Sie ziehen die Betonung des Gesamtprädikats an sich: „ankommen“ gegenüber „bekommen“. Partikeln können stets in Wortableitungen des Verbs eingehen. Deutsch: „umleiten“ – „Umleitung“, „annehmen“ – „Annahme“; Englisch (mit Schwierigkeiten): „pass by“ – „passer-by“, „take out“ – „taker-outer“ (sic).McIntyre (2015), S. 435, 442. Sie bilden, ebenso wie Präfixe, oft eine Bedeutungseinheit mit dem Verbstamm. Die Gesamtbedeutung lässt sich manchmal nicht aus den Teilen herleiten; hierdurch erscheint ein Partikelverb zwar als Verbindung mehrerer Wörter im Sinne der Syntax, aber als ein einziges Wort im Sinne der Wortbedeutung: „aufgeben“ (im Sinne von „kapitulieren“ anstatt „geben“), „beibringen“ (im Sinne von „lehren“ anstatt „herbeitragen“).

Der weiter gefasste Begriff in der deutschen Grammatik

In der deutschsprachigen Grammatikliteratur wird eine verbale Partikel oft definiert als ein Wortbildungselement bei Verben, das abtrennbar istDudengrammatik (2009), Randnr. 1062 / s. 697. sowie anderweitig auch als eigenständiges Wort vorkommt.Motsch (2004), S. 46.

Verbpartikeln können damit verschiedenen Wortkategorien angehören. Folgende Typen werden in der Fachliteratur ausdrücklich unterschieden:Fleischer & Barz (2012), Kap. 5.3. Präpositionale Verbpartikeln: z. B. an, auf, aus, bei, ein, ... Adverbielle Verbpartikeln: z. B. da, her, hin, los, weg... Viele sind auch mehrsilbig: darauf, dabei, hinunter, vorbei, zurück, zusammen... Adjektivische Verbpartikeln: z. B. fest, gerade, gut, kurz, ... Substantivische Verbpartikeln: z. B. kopf(-stehen), rad(-fahren), stand(-halten), teil(-haben),... Bildungen mit verbalem Erstglied werden teilweise auch hinzugerechnet:Eisenberg (2020), S. 277. Nicht aufgeführt werden sie in der Dudengrammatik (2009), Randnr. 1067. kennenlernen, stehenbleiben...

Diese Klassen haben unterschiedliche Eigenschaften: Die Bildungen mit präpositionalen und adverbiellen Partikeln bilden einen Kernbestand (die Partikelnliste der Rechtschreibreform von 1996 beschränkt sich großenteils hierauf). Sie sind sehr regelmäßig und produktiv und stellen die zahlenmäßig bedeutendsten Typen dar. Adjektivische Verbpartikeln sind teilweise Einzelfälle, die durch Zusammenrückung einer syntaktischen Verbindung erklärbar sind („krankfeiern, leichtfallen“), teilweise entsprechen sie Konstruktionen mit resultativem Adjektiv (siehe Prädikativum #Resultative Prädikativa), die als ein Wort aufgefasst wurden. Letzteres scheint regelmäßig möglich („den Teller leer essen / leeressen“).Dudengrammatik (2009), Randnr. 1067 / S. 700. Substantivische Verbpartikeln bilden eine kleinere und uneinheitliche Klasse. Die obigen Beispiele zeigen Bildungen, die im heutigen Deutsch problemlos trennbare Verben bilden und sich so in die Partikelverben einreihen; auch sie sind überwiegend Zusammenrückungen.

In manchen anderen Fällen sind Bildungen, die genauso aussehen wie substantivische Partikeln, nicht trennbar, oft auch in ungetrennter Form nur eingeschränkt verwendbar. Solche Fälle werden vor allem als Rückbildungen von zusammengesetzten Substantiven erklärt, zum Beispiel: „zwangsversteigern“ aus dem Kompositum Zwang-s + Versteigerung durch Rückbildung der Substantivierung -ung im zweiten Teil, nicht bildbar auf Basis des Verbs „versteigern“. Diese Fälle sind also keine Partikelverben.Fleischer & Barz (2012), S. 427. Siehe hierzu im Artikel Präfix- und Partikelverben im Deutschen #Abgrenzung von Verben mit irregulärer Wortbildung.

Syntax der Partikelverben im Deutschen Trennung im Satz Die Abtrennbarkeit von Partikeln bezieht sich größtenteils darauf, dass im Verbzweit- und Verberst-Satz das finite Verb ohne seine Partikel in die linke Satzklammer gestellt wird. Dies ist als Voranstellung des finiten Verbs und Zurücklassung der Partikel zu beschreiben (nicht als Verschiebung der Partikel ans Satzende; siehe die Diskussion unter Prädikat (Grammatik) #Mehrteilige Prädikate aus mehreren Verben).

Vorfeld linke Klammer Mittelfeld rechte KlammerWie rücksichtslos -- er vorgeht! (Verb-End-Satz, Exklamativsatz) Er geht1 rücksichtslos vor --1 (Verb-Zweit-Satz, Aussagesatz)

Eine selbständige Versetzung der Partikel findet sich vereinzelt aber auch. Manchmal ist es möglich, eine Partikel ins Vorfeld des Aussagesatzes zu stellen:Das dritte der folgenden Beispiele aus Müller (2003), S. 11 der Manuskriptversion. Dort wird auch vermerkt, dass die Existenz solcher Konstruktionen oft bestritten werde, das Beispiel ist aber aus einem Zeitungstext belegt. – Die Variante des vierten Beispiels wurde ergänzt nach einem Internetbeleg (S. 5), abgerufen am 16. Mai 2023. Vorfeld linke Klammer Mittelfeld rechte Klammer ...dass es schon in dieser Woche losging (Verb-End-Satz) Es ging1 schon in dieser Woche los --1 (Verb-Zweit-Satz) Los2 ging1 es schon in dieser Woche --2 --1 (alternativer Verb-Zweit-Satz) Los2 ist1 es schon da --2 gegangen --1 (nur Partikel bewegt)

Bei Vorfeldstellung eines infiniten Partikelverbs kann nicht getrennt werden, z. B. nicht: *„Wickeln wird er es nicht ein,“ sondern nur „Einwickeln wird er es nicht.“Haider (2010), S. 16, Beispiel (8d) vs. (8b).

Am Satzende die Partikel vom Verb zu trennen, ist nur sehr marginal möglich. Solche Beispiele sind im Standarddeutschen allenfalls aus dichterischer Sprache belegt, zusätzlich aber auch aus Dialekten:Müller (2003), Ms. S. 14f. Laut Quellenangabe dort stammt das erste Beispiel, auf das zuerst G. Grewendorf hinwies, aus dem Gedicht Erinnerung in Gedichte [Ausgabe 1841], Eichendorff-W. Vol. 1, p. 77. – Das zweite Beispiel aus dem Thüringischen gehe letztlich zurück auf eine Arbeit von Sperschneider (1959) (siehe auch im Literaturverzeichnis des Artikels Itzgründisch). „ Heut im Traum sah ich sie wieder / Und von allen Bergen ging / Solches Grüßen zu mir nieder / Daß ich an zu weinen fing.“ (Joseph von Eichendorff) „Ham sa groud aa mit assn gfanga?“ (Itzgründisch, Sonneberg/Thüringen: „Haben sie gerade an mit essen gefangen?“) Im Niederländischen sind ähnliche Konstruktionen regelmäßig möglich, siehe unten im Abschnitt #Richtungsparameter.

Partikeln und Verbergänzungen Verbale Partikeln verhalten sich oft wie ein intransitiver Gebrauch der entsprechenden Präposition (dann oft auch als Adverb bezeichnet), z. B. ist in den deutschen Bildungen „an+rufen“ „(den Brief) ab+schicken“ „(den Hut) auf+setzen“ sinngemäß noch erschließbar, dass man sich „an jemanden wendet“, einen Brief „von irgendwo ab schickt“ oder den Hut „auf etwas (den Kopf) setzt“, jedoch sind solche Ergänzungen syntaktisch nicht mehr notwendig, anders als beim eigenständigen Gebrauch dieser Präpositionen im Satz.Vgl. McIntyre (2015), S. 439, englische Beispiele (7)

Einige Verbalpartikeln sind auch völlig neutral bezüglich der Objekte des Verbs, d. h. (in)transitive Verben bleiben (in)transitiv:Vgl. McIntyre (2015), S. 438, hier teilw. nach englischen Beispielen ins Deutsche übertragen Aktionsart (Beginn bzw. vollständiger Abschluss): „laufen“ (intr.) – „loslaufen“ (intr.); „essen“ (tr./intr.) – „aufessen“ (tr./intr.) Komitativ: „ein Bier trinken“ – „ein Bier mittrinken“

Im Zusammenspiel mit den Verbergänzungen ist es eine charakteristische Erscheinung, dass eine Präposition durch eine Partikel am Verb gedoppelt wird: „aus der Kirche austreten“ „in den Hafen einfahren“