Laysan (traditioneller Name: Kauō) ist eine kleine, unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean, die geographisch zur Inselkette der Nordwestlichen Hawaii-Inseln und politisch zum US-Bundesstaat Hawaii (Hawaiʻi) gehört.

Geographie

miniatur|left|Schrägluftbild von Laysan mit Lagune Die Insel Laysan gehört geografisch zu den nordwestlichen Hawaii-Inseln und liegt etwa in der Mitte der langgezogenen Gruppe. Die nächste Insel ist das 215 km nordwestlich gelegene, ebenfalls unbewohnte Lisianski. Die nächste bewohnte Insel ist Kauaʻi rund 1300 km im Südosten.

Die ungefähr ellipsenförmige, nord-süd-orientierte Insel ist rund 2,7 km lang und 1,7 km breit mit einer Landfläche von 3,7 km².John Stephen Athens, James V. Ward, Dean W. Blinn: Vegetation history of Laysan Island, northwestern Hawaiian islands. In: Pacific Science, Band 61 (1), 2007, S. 17–37 Laysan ist ein gehobenes Atoll dessen Basis aus 20,2 Millionen Jahre altem, vulkanischem Gestein besteht.Alan C. Ziegler: Hawaiian natural history, ecology, and evolution. University of Hawaii Press, Honolulu 2002, ISBN 978-0-8248-2190-6 Die Insel gehört somit zu den ältesten des Hawaii-Archipels. Die dem untermeerischen Sockel aufsitzende, über den Ozeanspiegel hinausragende Landmasse besteht aus Korallensand und -trümmern und ist nicht mehr als 12 m hoch. Das Profil zeigt, dass die Strandzone vom Uferrand steil ansteigt, bis auf eine Höhe von vier bis fünf Metern, dann in eine flache Ebene mit einer Höhe von neun bis zwölf Metern übergeht, um sich dann zur zentralen Lagune ungefähr auf Meereshöhe abzusenken. Laysan ist von einem Saumriff mit einer Fläche von rund 4,1 km² umgeben, das nur einen Durchbruch im Nordwesten für die Durchfahrt mit kleinen Booten aufweist.

Große Teile des Inselinnern bedeckt eine Lagune, die, verursacht von der tektonischen Hebung im frühen Holozän, heute keine Verbindung mehr zum Meer hat. Der Wasserspiegel der relativ flachen Lagune – und damit die Seetiefe – schwankt jedoch je nach Regenmenge und Verdunstungsrate. Infolgedessen verändert sich auch die Fläche, die der See einnimmt zwischen 0,4 und 0,8 Quadratkilometern. Es gibt keinen Hinweis, dass die Lagune jemals völlig ausgetrocknet war, doch Stürme tragen Sand von der Küste ein, sodass sie mit der Zeit verlanden wird. Der Salzgehalt des Wassers ist wesentlich höher als der des umgebenden Ozeans. Bei hoher Verdunstungsrate kann er bis auf 14 % ansteigen, nach mehreren heftigen Regenfällen auf 6 % absinken.

Das Klima Laysans ist subtropisch, ähnlich dem der Hauptinseln des Hawaii-Archipels mit geringeren Niederschlägen in den Sommermonaten und häufigeren, gelegentlich unwetterartigen Regenfällen im Winter. Der trockenste Monat ist der Juni. Auch Laysan wurde, wie die übrigen Hawaii-Inseln, gelegentlich von Starkwinden heimgesucht, so zum Beispiel vom Hurrikan „Neki“ am 24. Oktober 2009. Eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich damals auf der Insel aufhielt, musste vorsorglich evakuiert werden.

Flora Die heutige Flora der Insel unterscheidet sich grundlegend von der ursprünglichen, die einst erstaunlich vielfältig war und die variantenreichste aller nordwestlichen Hawaii-Inseln.Charles A. Ely, Roger B. Clapp: The Natural History of Laysan Island, Northwestern Hawaiian Islands. Atoll Research Bulletin 171, Smithsonian Institution, Washington D.C. 1973 Umfassende Eingriffe in die Natur während der mehrjährigen Periode des Guano-Abbaus sowie verheerende Fraßschäden, verursacht von später eingeführten Kaninchen, haben die altheimischen Pflanzen auf der kleinen Insel fast völlig vernichtet. In der Folge haben Sandstürme die letzten Reste weggefegt und damit die Nahrungsgrundlage der Landvögel zerstört. Die Mitglieder der Tanager-Expedition von 1923 beschrieben Laysan als so gut wie verödet („virtual desert island“). Fotos aus dieser Zeit dokumentieren die wüstenhafte Beschaffenheit der Landschaft, nahezu bar jeder Vegetation.

Der deutsche Zoologe und Gründungsdirektor des Bremer Überseemuseums, Hugo Schauinsland, kam am 23. Juni 1896 – in der Frühzeit des Guano-Abbaus – mit der deutschen Dreimast-Bark H. Hackfeld, dem Versorgungsschiff der Guano-Gesellschaft, auf Laysan an und blieb für drei Monate. Die ursprüngliche Fauna und Flora war stellenweise noch erhalten. Schauinsland schreibt, das Landschaftsbild zeige „nur geringes Erheben der Pflanzen über dem Erdboden und hier wie dort das Fehlen von Bäumen sowie das Ueberwiegen der Gräser“.Hugo Schauinsland: Drei Monate auf einer Koralleninsel (Laysan). M. Nössler, Bremen 1899 Zu den häufigsten Pflanzen gehörte das Gras Eragrostis grandis, das auf den meisten Inseln des Hawaii-Archipels vorkommt, sowie Chenopodium oahuense (syn. Chenopodium sandwicheum), dessen stark verzweigte Sträucher ein dichtes, nahezu undurchdringliches Gestrüpp bildeten. Weiterhin kamen vor: der Strauch Capparis sandwichiana mit prächtigen weißen Blüten und der Portulak (Portulaca oleracea). Schauinsland sammelte zudem Herbarbelege von Sesuvium portulacastrum, Tribulus cistoides, der Ziegenfuß-Prunkwinde (Ipomoea pes-caprae) und Sicyos maximowiczii. Farne, Moose und Flechten fehlten völlig.

mini|Das Inselinnere mit Scaevola Taccata im Vordergrund und dem Gras Eragrostis im Hintergrund Neuere Untersuchungen von Sedimentproben aus der Lagune ließen noch andere altheimische, auf der Insel ausgestorbene Pflanzen vermuten, darunter zwei weitere Gräser (die Süßgräser Lepturus repens und Sporobolus virginicus), der Nachtschatten Solanum nelsonii, Achyranthes atollensis sowie der Endemit Lipochaeta integrifolia (syn. Wollastonia integrifolia). Nachgewiesen wurde auch eine Palme, eine endemische Art der Gattung Pritchardia. Deren letzte drei noch lebende, aber stark geschädigte Exemplare wurden 1891 fotografiert. Hugo Schauinsland hat fünf Jahre später nur noch Stümpfe davon vorgefunden. Die Fotos lieferten jedoch keine ausreichenden Merkmale, um die Art genauer zu bestimmen. Auch der Sandelholzbaum war in der Variation Santalum cuneatum var. laysanicum einst im Norden von Laysan heimisch. Schauinsland hat 1886 noch letzte Exemplare in der Uferzone im Nordwesten der Insel gesehen.Joseph F. Rock: The Sandalwoods of Hawaii. Territory of Hawaii – Board of Agriculture and Forestry, Botanical Bulletin No. 3, Honolulu 1916, S. 37 Die in der Lagune entnommenen Sedimentproben enthielten außerdem – für die Botaniker völlig überraschend – Pollen von Kokospalmen, die schon vor über 5000 Jahren auf Laysan verbreitet waren. Bis dahin war man der Meinung gewesen, dass erst die polynesischen Siedler Kokospalmen auf den Hawaii-Inseln eingeführt hätten.Jan TenBruggencate: Coconut pollen found on Laysan. In: Honolulu Advertiser vom 23. Mai 2005

Nach dem Ende des Guano-Abbaus und der Ausrottung der Kaninchen hat sich die Vegetation erholt, wie der Botaniker Charles H. Lamoureux von der University of Hawaiʻi at Mānoa feststellte, der Laysan 1961 aufsuchte. Er fand wieder 24 Pflanzenarten vor, davon 16 autochthone.Charles H. Lamoureux: The flora and vegetation of Laysan Island. Atoll Research Bulletin No. 97, National Academy of Sciences – National Research Council, Washington D. C. 1963

Die heutige Vegetation kann man im Wesentlichen in fünf Zonen einteilen:Dieter Mueller-Dombois, Francis Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer, New York 1998, ISBN 0-387-98313-9, S. 567–570

Die Strandbereiche oberhalb der Flutgrenze werden von Nama sandwicense (einheimischer Name: Hinahina kahakai) und der Ziegenfuß-Prunkwinde (Ipomoea pes-caprae) eingenommen. Weiter landeinwärts schließen sich Dickichte von niedrig wachsenden Scaevola taccata-Sträuchern an, die am Nordstrand einen fast lückenlosen Bestand bilden. Das Inselinnere wird dominiert von dem in Tussocks wachsenden Gras Eragrostis variabilis (einheimischer Name: Kawelu), das in großen Bereichen der Insel die einzige Pflanzenart ist. Das Gras war einst auf Laysan omnipräsent, ist dann aber nahezu ausgestorben. 1923 hat man Rhizome und Samen von anderen Hawaii-Inseln ausgebracht, die sich auf Laysan rasch vermehrten und nun wieder einen Großteil der Fläche einnehmen. Auf der zur Lagune hin sanft abfallenden Ebene findet sich an Stellen, die von Eragrostis nicht besetzt werden, die Ziegenfuß-Prunkwinde (Ipomoea pes-caprae), Boerhavia repens, Tribulus cistoides und das Riedgras Fimbristylis cymosa. Die Lagune wird umsäumt von einer Pflanzengemeinschaft aus Sesuvium portulacastrum mit Heliotropium curassavicum, dem Gras Cyperus laevigatus und Ipomoea pes-caprae.

Zur Wiederbelebung der Vegetationsdecke hat man nach dem Exterminieren der Kaninchen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Pflanzen von anderen hawaiischen Inseln eingeführt, darunter auch nichtheimische. Kasuarinen (Casuarina) und Pluchea indica konnten sich zwar vereinzelt behaupten, bildeten aber keine Gefahr für die heimische Pflanzengemeinschaft und wurden mittlerweile beseitigt. Das Gras Cenchrus echinatus, das absichtlich eingeführt oder unabsichtlich von Vögeln übertragen wurde, hatte sich seuchenartig ausgebreitet und altheimische Sorten fast verdrängt. Intensive und andauernde Bekämpfungsmaßnahmen seit den 1990er Jahren waren vorläufig erfolgreich.

Fauna Seevögel Auf Laysan hält sich eine große Zahl von Seevögeln auf, viele Arten können dort ungestört von Menschen und Prädatoren brüten, manche sind aber nur irreguläre Besucher. Laysan beherbergt den größten Bestand an Meeresvögeln von allen Hawaii-Inseln. Darunter sind:

der Laysanalbatros (Phoebastria immutabilis) – 1996 wurden 14 000 Exemplare gezählt – und der Schwarzfußalbatros (Phoebastria nigripes)

der Boninsturmvogel (Pterodroma hypoleuca)

der Keilschwanz-Sturmtaucher (Ardenna pacifica)

die Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscatus)

der Braunnoddi (Anous stolidus) und der Weißkappennoddi (Anous minutus)

die Feenseeschwalbe (Gygis alba) sowie weitere Arten.

Landvögel In der Lagune kommen die endemische Laysanente (Anas laysanensis) und der auf vielen pazifischen Inseln häufige Borstenbrachvogel (Numenius tahitiensis) vor. Die Laysan-Ralle (Porzana palmeri, syn. Zapornia palmeri) wurde 1911 noch nachgewiesen, ist aber inzwischen ausgestorben. Zwei weitere Vogelarten sind ebenfalls ausgestorben: der Laysan-Rohrsänger (Acrocephalus familiaris familiaris) und die Laysan-Apapane (Himatione sanguinea freethii). Der endemische Laysangimpel (Telespiza cantans) ist weiterhin auf der Insel heimisch. Dessen Bestand ist nicht bedroht, da das Nahrungsspektrum breit gestreut ist und die Vögel auf mehrere Brutgebiete in verschiedenen Teilen der Insel zurückgreifen können.Mark J. Rauzon: Isles of Refuge – Wildlife and History of the Northwestern Hawaiian Islands. University of Hawai´i Press, Honolulu 2001, ISBN 0-8248-2209-9

Übrige Fauna Seit die Robbenjagd untersagt ist, sind Mönchsrobben auf Laysan wieder häufig, darunter auch die seltene Hawaii-Mönchsrobbe (Monachus schauinslandi). Die Robben sind Beutetiere der um die Insel patrouillierenden Tigerhaie (Galeocerdo cuvier). Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas) suchen die Strände zur Eiablage auf.

Zwei Reptilien leben auf Laysan: der Skink Ablepharus boutoni und der Gecko Hemidactylus garnotii. Wie auf vielen pazifischen Inseln, sind Einsiedlerkrebse auf Laysan häufig.

In der Lagune kommen Salzwasserkrebse (Artemia) und Salzwasserfliegen Neoscatella sexnotatain großer Anzahl vor.

Geschichte Polynesier