mini|1. Bundesliga, 1. FFC Frankfurt gegen 1. FFC Turbine Potsdam (Mai 2008) mini|Empfang auf dem Römerbalkon nach der WM 2007 Frauenfußball ist auch in Deutschland eine der am schnellsten wachsenden Sportarten. Nicht zuletzt dank der Erfolge der Nationalmannschaft und der Vereinsmannschaften hat sich der deutsche Frauenfußball von einer belächelten Randsportart zu einem gesellschaftlich akzeptierten Sport entwickelt. Beim DFB gibt es im Frauenfußball ein hierarchisches Ligasystem mit rund 400 Ligen auf bis zu zehn Ebenen, an denen in der Saison 2024/25 4.090 Frauen-Mannschaften teilnahmen. Außerdem waren in derselben Saison 6.042 Mädchen-Mannschaften gemeldet.

Geschichte Anfänge In Deutschland spielten Frauen um die Wende zum 20. Jahrhundert eine Art Fußball, bei dem sie sich, im Kreis stehend, den Ball gegenseitig zuspielten. Das Spiel galt jedoch als moralisch verwerflich. Als der Frauenfußball in anderen europäischen Ländern in den 1920er Jahren einen ersten Höhepunkt erreichte, wurde der Sport 1926 in Deutschland vermutlich innerhalb des DFB verboten, dies ist allerdings bisher nur durch Quellen aus einer französischen und einer belgischen Zeitung belegt. Bereits zuvor spielten Frauen in Deutschland Fußball und gründeten Vereine.

Gynäkologen und Funktionäre beklagten eine „weibliche Rekordsucht“, warnten vor einer drohenden Vermännlichung der Sportlerinnen und vor einer Verzögerung der Aufnahme mütterlicher Pflichten durch den Sport. Die Gegenperspektive existierte aber auch und es gab Sportlerinnen und Medizinerinnen wie Carla Verständig, die dem widersprachen.

Frauenfußball-Verbot in Vereinen durch den DFB ab Mitte der 1950er Jahre Als das deutsche Männerteam 1954 die Fußball-Weltmeisterschaft gewann, kam die Diskussion um den Fußball der Frauen erneut auf. Am 30. Juni 1955 beschloss der DFB auf seinem Verbandstag, es den im DFB organisierten Vereinen zu untersagen, Frauenfußball anzubieten. Im Detail lautete der einstimmig getroffene Beschluss hierzu:

In der damaligen Begründung hieß es, „… dass diese Kampfsportart der Natur des Weibes im Wesentlichen fremd ist. … Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand“. Zudem gab der DFB in seiner Begründung eine angeblich gesundheitsschädigende Wirkung des Sportes auf Frauen an, da dadurch ihre Gebärfähigkeit beeinträchtigt würde.Okka Gundel: Elf Freundinnen müsst ihr sein: Warum Frauenfußball begeistert. Knaur eBook, 2011, ISBN 3-426-41032-X, S. 9.

Am 30. Juli 1955 kam es zu einem Zwischenfall, als der niederrheinische Fußballverband beim Spiel zwischen dem DFC Duisburg-Hamborn und Gruga Essen den Sportplatz zwangsweise räumen ließ. Nach der WM 1954 tummelten sich vor allem im Ruhrgebiet eine stolze Anzahl von Frauenteams und maßen immer wieder untereinander die Kräfte. Das beste Team dieser Zeit war Fortuna Dortmund.Hennies/Meuren: Frauenfußball. Der lange Weg zur Anerkennung. S. 15.

Die Hoffnung des DFB, mit seinem Verbot des Frauenfußballs auf seinem Bundestag am 30. Juli 1955 und durch die nachfolgende Bestätigung am 16. November 1957 dem Frauenfußball ein Ende bereitet zu haben, erfüllte sich nicht. Trotz dieses Verbotes kam es bis 1963 zu 70 Länderspielen. Der Kaufmann Willi Ruppert gründete zunächst 1956 den Westdeutschen Damenfußballverband, im Folgejahr vereinnahmte er sogar den Titel des Deutschen Damenfußballverbandes. Zum ersten Länderspiel dieses Verbandes gegen eine Auswahl aus den Niederlanden kamen am 23. September 1956 18.000 Zuschauer in das Essener Mathias-Stinnes-Stadion. Es endete 2:1 für Deutschland. Lotti Beckmann schoss dabei das erste Tor für die deutschen Frauen.Eduard Hoffmann, Jürgen Nendza: . In: Die graue Spielzeit. Frauenfußball in der Verbotszeit. Hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn 2007 (Dossier). Am 17. März 1957 fand in München im Dante-Stadion das nächste Spiel gegen Westholland statt.Hennies/Meuren: Frauenfußball. Der lange Weg zur Anerkennung. S. 16.

1958 gründete sich die Deutsche Damen-Fußballvereinigung, die unter Leitung von Josef Floritz bis 1965 etwa 150 inoffizielle Länderspiele organisierte.Eduard Hoffmann, Jürgen Nendza: Das Ausnahmeteam: Fortuna Dortmund 1955–1965. In: Die graue Spielzeit. Frauenfußball in der Verbotszeit. Hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn 2007 (Dossier). Den Veranstaltern wurde vorgeworfen, dass sie mit dem frei verfügbaren Begriff ‚Nationalmannschaft‘ schnelles Geld machen wollten. „Wenn das alles so lächerlich gewesen wäre, hätten wir bestimmt nicht ein zweites oder gar drittes Mal in manchen Städten spielen dürfen“, verweist die Nationalspielerin Christa Kleinhans auf den sportlichen Wert dieser Vergleiche.Hennies/Meuren: Frauenfußball. Der lange Weg zur Anerkennung. S. 18.

1968–1990: Frauenfußball in der DDR Nach der Gründung der ersten Frauenfußballmannschaft 1968, der BSG Empor Dresden-Mitte, wurde der Frauenfußball zunächst staatlicherseits nicht gefördert, die Teams trugen anfangs nur regionale Wettbewerbe (Bezirksebene) aus. Ab 1979 gab es unter dem Namen „Bestenermittlung“ eine DDR-Frauenfußballmeisterschaft. Die erst 1990 gegründete Oberliga Nordost qualifizierte die beiden bestplatzierten Mannschaften für die Bundesliga-Saison 1991/92.

Die DDR-Nationalmannschaft der Frauen absolvierte nur ein einziges Spiel und verlor dies am 9. Mai 1990 mit 0:3 gegen die Tschechoslowakei.

1970er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland: Aufhebung des DFB-Frauenfußballverbots, Neuanfang und deutsche Meisterschaft Bereits Ende der 1960er Jahre bildeten sich in der Bundesrepublik Frauenmannschaften innerhalb der dem DFB angeschlossenen Vereine. Am 31. Oktober 1970 hob der DFB auf seinem Verbandstag in Travemünde das Frauenfußballverbot auf. Es gab jedoch einige Auflagen: So mussten die Frauenteams wegen ihrer „schwächeren Natur“ eine halbjährige Winterpause einhalten, Stollenschuhe waren verboten und die Bälle waren kleiner und leichter. Das Spiel selbst dauerte nur 70 Minuten. Später wurde die Spieldauer auf 80 Minuten erhöht. Seit 1993 gilt auch im Frauenfußball eine Spieldauer von zweimal 45 Minuten.

Die Frauenfußballabteilung des SC 07 Bad Neuenahr war bereits am 20. Juni 1969 gegründet worden, obwohl Frauenfußball zum damaligen Zeitpunkt noch vom DFB verboten war. Am 1. Mai 1970 richtete dieser Verein das damals größte Frauenfußballturnier der Welt aus. Der Erfolg des Turniers sprach sich bis nach Italien herum. Der SC wurde daraufhin als deutscher Vertreter zur ersten inoffiziellen Frauenfußball-Weltmeisterschaft der Fédération Internationale et Européenne de Football Féminin (FIEFF) eingeladen. Sie unterlag gegen die Engländerinnen mit 1:5 sowie gegen den späteren dänischen Weltmeister mit 1:6.Als die Stadtmannschaft zur WM fuhr auf blick-aktuell.de Wim Thoelke empfing 1970 im aktuellen Sportstudio einige Spielerinnen der inoffiziellen deutschen Fußballnationalmannschaft: Doris Reeder, Veronika Kutter, Sonja Spielberger und Marliese Emig. Die Sendung demonstrierte das Unverständnis, das gegenüber dem Frauenfußball seinerzeit herrschte. Moderator Thoelke witzelte in einem Spielkommentar: „Decken, decken – nicht Tisch decken“.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte zwar im Oktober 1970 den Frauenfußball grundsätzlich legalisiert, untersagte dem SC 07 Bad Neuenahr 1971 aber die FIEFF-WM-Teilnahme für das Folgejahr.Rainer Hennies/Daniel Meuren: Frauenfußball. Der lange Weg zur Anerkennung. Die Werkstatt, Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-639-3, S. 37 und 39

Zumindest bildeten sich schnell erste Ligen auf lokaler Ebene. In Berlin wurde 1971 der erste Verbandsmeister ermittelt. Sieger wurde Tennis Borussia Berlin. Die anderen Landesverbände zogen schnell nach und 1973 wurde die erste, wenn auch inoffizielle deutsche Meisterschaft ausgespielt (Endspiel TuS Wörrstadt – Bayern München 3:1). Inoffiziell deshalb, weil nicht jeder Landesverband einen Meister ermittelt hatte. Ein Jahr später war es soweit: Am 8. September 1974 standen sich in Mainz die Mannschaften vom TuS Wörrstadt und DJK Eintracht Erle gegenüber. Vor 3800 Zuschauern gewann Wörrstadt mit 4:0 und durfte sich als erster deutscher DFB-Frauenfußballmeister feiern lassen. Bärbel Wohllebens Treffer zum 3:0 wurde von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum Tor des Monats gewählt.

1977 ernannte der DFB Hannelore Ratzeburg zur Referentin für den Frauenfußball. Auf ihre Initiative hin wurden mit dem Länderpokal und dem DFB-Pokal neue Wettbewerbe eingeführt. Zu dieser Zeit begann die große Ära der SSG 09 Bergisch Gladbach, die zwischen 1977 und 1989 insgesamt neun Mal deutscher Meister der Frauen wurde.

Die Mitgliederzahl der Frauen im DFB stieg von 50.000 im Jahr 1970 bis auf 215.000 im Jahr 1975.

1980er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland: Länderspiele und der große Durchbruch 1981 wurde erstmals ein deutscher Pokalsieger ermittelt. Das Finalspiel fand bis 2009 grundsätzlich unmittelbar vor dem Männerfinale statt. So bot sich für die Frauenmannschaften die Möglichkeit, sich vor einem großen Publikum zu präsentieren. Erster Pokalsieger wurde die SSG 09 Bergisch Gladbach durch einen 5:0-Sieg über den TuS Wörrstadt.

Am 10. November 1982 fand das erste offizielle Länderspiel der Frauennationalmannschaft statt. Gegner war die Schweiz. Die deutsche Auswahl, die von Gero Bisanz trainiert wurde, gewann das Spiel in Koblenz mit 5:1. Doris Kresimon erzielte dabei das erste Tor. Im gleichen Spiel wurde die damals 18-jährige Silvia Neid eingewechselt und schoss zwei Tore. Über 20 Jahre später wurde sie selbst Nationaltrainerin. Bei den ersten zwei Europameisterschaften kam die deutsche Auswahl nicht über die Qualifikation hinaus.

Im Vereinsfußball kristallisierten sich das Rheinland und Hessen als Hochburgen heraus. Neben der SSG 09 Bergisch Gladbach tauchten Mitte der achtziger Jahre der KBC Duisburg und der FSV Frankfurt in der Spitzengruppe auf. Nebenbei machte sich ein Leistungsgefälle zwischen den Verbänden, aber auch innerhalb der Verbände bemerkbar. Die o. g. Spitzenvereine wurden in ihren Verbandsligen wenig bis gar nicht gefordert. Andere Vereine waren für ihre Verbandsligen zu stark, aber auf Bundesebene zu schwach. Um das sportliche Niveau zu erhöhen, führte der Westdeutsche Fußballverband 1985 mit der Regionalliga West die erste verbandsübergreifende Spielklasse ein. Norddeutschland zog ein Jahr später mit der Oberliga Nord nach. 1986 fasste der DFB auf seinem Verbandstag in Bremen den Entschluss, eine Bundesliga im Frauenfußball einzuführen. Es vergingen noch einige Jahre, bis diese Liga Wirklichkeit wurde. Ende der 1980er Jahre begann die Ära des TSV Siegen, der bis Mitte der 1990er Jahre Titel in Serie sammelte.

mini|Kaffeeservice „Mariposa“ von Villeroy & Boch für die Gewinnerinnen der Fußball-EM 1989 im Deutschen Fußballmuseum 1988 schaffte die deutsche Nationalmannschaft erstmals die Qualifikation für die Europameisterschaft. Der DFB bewarb sich erfolgreich um die Ausrichtung des Finalturniers 1989. Im Halbfinale wurde Italien nach Elfmeterschießen besiegt. Dieses Spiel war das erste Frauenspiel, welches im deutschen Fernsehen live übertragen wurde. Am 2. Juli 1989 stand die deutsche Mannschaft in Osnabrück der favorisierten Mannschaft aus Norwegen gegenüber. 23.000 Zuschauer sorgten für ein ausverkauftes Stadion. Durch einen 4:1-Sieg gewann die deutsche Auswahl zum ersten Mal die Europameisterschaft. Dieser Erfolg bedeutete den großen Durchbruch für den deutschen Frauenfußball, der zu dieser Zeit immer noch vielfach belächelt wurde. Kurios: Als „Siegprämie“ erhielten die Spielerinnen vom DFB je ein Kaffeeservice.

1990er Jahre: Durch die Bundesliga an die Weltspitze