Die Sprungschanzenanlage Čerťák am Nordhang des Berges Čertova hora (deutsch Teufelsberg) im tschechischen Harrachov (deutsch Harrachsdorf) besteht aus fünf Skisprungschanzen, darunter eine von weltweit sechs Skiflugschanzen. Harrachov war regelmäßiger Austragungsort für Welt- und Kontinentalcupspringen sowie Weltcupskifliegen und Skiflugweltmeisterschaften. Seit 2014 verfallen die Anlagen aufgrund finanzieller Probleme, die letzte Schanze wurde 2018 gesperrt.Skisprungschanzen in Harrachov völlig marode auf mdr.de, abgerufen am 10. März 2019
Geschichte Bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden in Harrachov die ersten Skiclubs gegründet. 1922 wurde die erste Sprungschanze mit künstlichem Anlaufturm in Böhmen von einem tschechischen Sportclub errichtet, allerdings noch nicht am Čerťák, sondern am Ptačince (Vogelstein) im Ortsteil Ryžoviště (Seifenbach). Dort konnte man bereits 30 Meter springen. Die Schanze wurde mehrmals erweitert, so dass bald um die 50 Meter erreicht wurden. Anfang der 1930er-Jahre wurde unweit der alten Schanze eine neue errichtet, auf der Weiten um die 70 Meter erreicht werden konnten, diese wurde aber 1937 von einem Sturm zerstört und nicht mehr saniert.
Am Čerťák selbst wurde auch schon Anfang der 1920er-Jahre die erste Schanze von einem deutschen Sportclub errichtet. Diese wurde im Laufe der Jahre immer wieder erweitert und vergrößert, später kam auch eine kleinere Schanze dazu. Hier wurden Sudetendeutsche Meisterschaften, Deutsche Jugendmeisterschaften und international besetzte Teufelsberg-Sprungläufe veranstaltet. Auf der größeren Schanze wurden dabei Weiten um die 60 Meter erreicht.
1946 vereinigten sich die beiden Vereine, und in der Folge wurde nur noch am Čerťák gesprungen.
1952 wurden die Schanzen neu errichtet, schon damals gab es aber Pläne, eine 100-Meter-Schanze zu bauen.
1955 schließlich wurde das gesamte Areal neu ausgearbeitet, die große Schanze wurde zur K70-, die kleine zur K50-Schanze umgebaut. Zusätzlich wurde eine K30-Schanze errichtet, die ein Jahr später mit Matten belegt wurde und somit die erste Mattenschanze der Tschechoslowakei war.
Als in den 1970er-Jahren die Holzkonstruktionen aus dem Jahr 1955 baufällig wurden, war eine Erneuerung unumgänglich. Daraufhin beschloss der damalige tschechoslowakische Skiverband den Neubau des Areals in seiner heutigen Form. Es entstanden insgesamt fünf Schanzen. Die Mammutschanze, also die heutige Flugschanze, eine K120-Schanze, eine K90-Schanze sowie eine K70- und eine K40-Schanze.
1979 wurde das neue Areal feierlich eröffnet, im März 1980 wurde die Flugschanze bei der Skiflugwoche eingeweiht. 1983 gab es die erste Skiflug-Weltmeisterschaft vor rund 60.000 Zuschauern. In den folgenden Jahren machte die Schanze jedoch mehr Schlagzeilen mit schweren Stürzen als mit weiten Flügen. Der Luftstand war mit bis zu zwölf Metern zu hoch, was dazu führte, dass die FIS die Schanze sperrte. Da dieses Problem nahezu alle Flugschanzen betraf, wurde seinerzeit erkannt, dass ein Luftstand von fünf Metern für die Springer wesentlich sicherer ist und trotzdem große Weiten erreicht werden können, wenn das Schanzenprofil entsprechend angepasst wird. Der Einzug des V-Stils besiegelte schließlich die Profiländerung der Schanzen.
Von 1989 bis 1992 wurde die Flugschanze nach neuesten Erkenntnissen umgebaut, wobei der K-Punkt auf 185 Meter verlegt und eine Windschutzwand installiert wurde. Andreas Goldberger überflog 1996 die magische 200-Meter-Marke auf dieser Schanze.
Auch die anderen vier Schanzen wurden auf den neuesten Stand der Technik gebracht, die K90-Schanze erhielt 1998 eine Keramikspur und eine Mattenbelegung.Geschichte, Schanzendaten und Rekordentwicklung für Flug- und Großschanze auf www.skisprungschanzen.comGeschichte und Schanzendaten für Normal- und Kleinschanzen auf www.skisprungschanzen.com
mini|Die Schanzenanlage 2009 Der letzte Wettbewerb der Weltelite in Harrachov fand im Rahmen der Skiflug-Weltmeisterschaft 2014 statt. Der Teamwettbewerb musste windbedingt abgesagt werden.
Die Flugschanze wurde 2014 stillgelegt, die K90 als letzte der kleineren Anlagen 2018. Unter der Voraussetzung, dass der tschechische Staat die Modernisierung und somit die Wiederinbetriebnahme der Schanzenanlage finanziere, war Harrachov der einzige Bewerber für die Skiflug-Weltmeisterschaft 2024. Nachdem Harrachov den Zuschlag erhalten hatte, wurde Ende Oktober 2019 die Ausrichtung der Skiflug-WM aufgrund anhaltender finanzieller Schwierigkeiten wieder abgegeben.Schanze marode, Kasse leer: Harrachov gibt Skiflug-WM 2024 ab, auf skispringen.com. Abgerufen am 16. November 2019.
Immerhin wurden 2022 an der HS100-Schanze Sanierungsarbeiten gestartet, sodass eine neue Zertifizierung erteilt wurde, die zwischenzeitlich bis 2030 verlängert wurde. So konnten am 11. und 12. Februar 2023 Alpencup-Wettkämpfe in der Nordischen Kombination in Harrachov stattfinden, ebenso im Folgejahr am 17. und 18. Februar.
Die weitere Schanzenanlage befindet sich (Sommer 2025) in einem äußerst maroden Zustand. Die Schanzen waren für die Nationalmannschaften die einzigen in ganz Tschechien, die das ganze Jahr über genutzt werden konnten. Am 20. Juli 2025 begann die Sanierung der Großschanze HS142 (K125) mit einem angestrebten Ausbau der Anlage auf eine Hillsize von 162 Metern.
Čerťák-Skiflugschanze Die Čerťák-Skiflugschanze war eine von weltweit sechs Skiflugschanzen. Sie war regelmäßig Austragungsort von Skiflugweltcups und -meisterschaften. Die letzten Weltcupveranstaltungen fanden in der Saison 2012/13 statt. Aufgrund der Wetterbedingungen fanden beide Springen am Sonntag statt. Der Sieger hieß beide Male Gregor Schlierenzauer. Die letzte Skiflug-Weltmeisterschaft auf dieser Schanze fand im Jahr 2014 statt, Severin Freund konnte diese für sich entscheiden.
Technische Daten
Schanzenrekord 214,5 m – , 9. März 2002 214,5 m – , 18. Januar 2008
Entwicklung des Schanzenrekordes Nachfolgend eine Aufstellung der Schanzenrekordentwicklung seit Beginn der Wettbewerbe auf der Flugschanze.Geschichte, Schanzendaten und Rekordentwicklung für Flug- und Großschanze auf www.skisprungschanzen-archiv.de
Jahr Name Weite1980 176,0 m 20px|Weltrekord1983 181,0 m 20px|Weltrekord1985 183,0 m1992 194,0 m1996 201,0 m1996 201,0 m1996 201,0 m1996 203,0 m1996 204,0 m2001 205,0 m Jahr Name Weite2001 206,5 m2001 211,0 m2001 212,0 m2001 212,5 m2002 212,5 m2002 214,5 m2008 214,5 m
Čerťák-Großschanze
Auf der Großschanze am Čerťák wurden regelmäßig Weltcup-Wettbewerbe ausgetragen. In der Saison 2006/07 und in der Saison 2010/11 mussten die Springen Anfang Dezember wegen Schneemangels abgesagt werden. Die Geschichte dieses Bakkens wird hier behandelt. Mit einem Tischwinkel von 10,5 Grad haben die beiden Schanzen am Čerťák den flachsten Anlauf aller Weltcup-Schanzen.
Technische Daten
Schanzenrekord 145,5 m – , 12. Dezember 2004 (WCS)
Weitester Sprung 151,0 m – , 17. Dezember 2004 (COC-H)
Čerťák-Normalschanze Auf der Normalschanze in Harrachov wurden Weltcupbewerbe in der Nordischen Kombination und FIS-Cup-Springen sowie die Wettbewerbe der Junioren-Weltmeisterschaften 1993 ausgetragen. Seit 1998 gab es eine Keramikspur und Matten, so dass die Schanze ganzjährig besprungen werden konnte. Die Geschichte der Schanze wird in diesem Abschnitt behandelt.
Technische Daten
Schanzenrekord 102,5 m – , 16. September 2004
Weitere Schanzen Außer den drei oben beschriebenen Schanzen gibt es in Harrachov noch eine K70-Schanze, auf der der Tscheche Jan Matura den Schanzenrekord mit 77 Metern hält, und eine K40-Schanze, auf der der Tscheche František Vaculík den Rekord mit 43,5 Metern hält.
Internationale Wettbewerbe Genannt werden alle von der FIS organisierten Sprungwettbewerbe. Datum Kategorie Schanze 1. Platz 2. Platz 3. Platz 10. Januar 1981 Weltcup K120 8. Januar 1983 Weltcup K120 9. Januar 1983 Weltcup K120 17./18. März 1983 Weltmeisterschaft K185 14. Januar 1984 Weltcup K120 23. Februar 1985 Weltcup K185 24. Februar 1985 Weltcup K185 Wettkampf wegen starken Windes abgesagt 11. Januar 1986 Weltcup K120 10. Januar 1988 Weltcup K120 Wettkampf abgesagt 15. Januar 1989 Weltcup K120 19. März 1989 Weltcup K185 12. Januar 1990 Weltcup K120 21. Februar 1992 Weltmeisterschaft K185 16. Januar 1993 Weltcup K120 Wettkämpfe wegen Schneemangels abgesagt 17. Januar 1993 Weltcup K120 Wettkämpfe wegen Schneemangels abgesagt 2. März 1993 Junioren-WM K90 3. März 1993 Junioren-WM K90 9. März 1996 Weltcup K185 10. März 1996 Weltcup K185 Wettkampf abgesagt 14. Dezember 1996 Weltcup K120 15. Dezember 1996 Weltcup K120 12. Dezember 1997 Weltcup K90 19. Dezember 1998 Weltcup K120 20. Dezember 1998 Weltcup K120 6. Februar 1999 Weltcup K185 Wettkampf abgesagt 7. Februar 1999 Weltcup K120 11. März 2000 Continental Cup K120 12. März 2000 Continental Cup K120 13. Januar 2001 Weltcup K185 14. Januar 2001 Weltcup K185 10. März 2001 Continental Cup K120 10. März 2002 Weltmeisterschaft K185 11. Dezember 2004 Weltcup HS142 12. Dezember 2004 Weltcup HS142 18. Dezember 2004 Continental Cup HS142 19. Dezember 2004 Continental Cup HS142 10. Dezember 2005 Weltcup HS142 11. Dezember 2005 Weltcup HS142 16. Dezember 2005 Continental Cup HS142 Wettkampf abgesagt 17. Dezember 2005 Continental Cup HS142 18. Dezember 2005 Continental Cup HS142 Wettkampf abgesagt 14. Januar 2006 FIS Cup HS100 15. Januar 2006 FIS Cup HS100 2. Dezember 2006 Continental Cup HS142 Wettkampf abgesagt 3. Dezember 2006 Continental Cup HS142 Wettkampf abgesagt 9. Dezember 2006 Weltcup HS142 Wettkampf abgesagt 10. Dezember 2006 Weltcup HS142 Wettkampf abgesagt 15. Dezember 2007 FIS Cup HS100 16. Dezember 2007 FIS Cup HS100 19. Januar 2008 Weltcup HS205 Wettkampf abgebrochen 20. Januar 2008 Weltcup HS205 20. Januar 2008 Weltcup HS205 Wettkampf abgebrochen 10. Januar 2009 FIS Cup HS100 11. Januar 2009 FIS Cup HS100 12. Dezember 2009 Weltcup HS142 Wettkämpfe wegen Schneemangels abgesagt 13. Dezember 2009 Weltcup HS142 Wettkämpfe wegen Schneemangels abgesagt 8. Januar 2010 FIS Cup HS100 9. Januar 2010 FIS Cup HS100 11. Dezember 2010 Weltcup HS142 Wettkampf wegen starken Windes abgesagt 12. Dezember 2010 Weltcup HS142 Wettkampf wegen starken Windes abgesagt 8. Januar 2011 Weltcup HS205 9. Januar 2011 Weltcup HS205 9. Dezember 2011 Weltcup HS142 10. Dezember 2011 Weltcup HS142 11. Dezember 2011 Weltcup HS142 3. Februar 2013 Weltcup HS205 3. Februar 2013 Weltcup HS205 15. März 2014 Weltmeisterschaft HS205 11. März 2016 FIS Cup HS100 11. März 2016 FIS Cup HS100 12. März 2016 FIS Cup HS100 12. März 2016 FIS Cup HS100
Einzelnachweise
Siehe auch Liste der Skiflugschanzen Liste der Großschanzen Liste der Normalschanzen
Weblinks
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