mini|Ansicht von Süden (um 1900) Die Neue reformierte Kirche, auch Neue Kirche, II. reformierte Kirche, im Volksmund nach der Straße, an der sie steht, Sophienkirche genannt, ist das zweite für die reformierte Kirche des heutigen Wuppertaler Stadtteils Elberfeld errichtete Gotteshaus.
Geschichte Die Bevölkerung Elberfelds hatte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr als verdreifacht (1800: 12.000, 1852: 40.500 Einwohner), so dass die Alte Kirche im historischen Ortskern der Stadt zu klein für die Gemeinde geworden war. Gleichzeitig hatte sich westlich des Zentrums ein klassizistischer neuer Stadtteil gebildet, das heutige „Luisenviertel“, das seit 1835 von dem dominierenden Bau der katholischen Laurentiuskirche geprägt wurde. So entschloss sich die Gemeinde im Jahr 1851, beim Deweerth’schen Garten am westlichen Rand des Viertels eine zweite Kirche zu bauen. Architekt war der damalige Kölner Dombaumeister und Schinkel-Schüler Ernst Friedrich Zwirner; die Kirche wurde 1853 begonnen und am 26. März 1858 eingeweiht. Der Bau gehört architektonisch dem so genannten Rundbogenstil an, der den Übergang vom Klassizismus zum Historismus bestimmte und antike wie romanische Formen aufnahm. Zwirner orientierte sich auch am schlichteren Stil der Berliner Vorstadtkirchen seines Lehrers, den er mit den Raumformen der barocken bergischen Predigtkirche verband. In ihrer ursprünglichen Gestalt hatte die Kirche 1.424 Sitzplätze. Seit 2007 ist die Neue Kirche das einzige noch in Gebrauch befindliche Gotteshaus der Vereinigten Evangelischen Kirchengemeinde Elberfeld-West, sie liegt jedoch an der Ostgrenze des Gemeindebezirks.
mini|links|hochkant|Ernst Friedrich Zwirner
Äußeres mini|Ansicht von Osten (nach 1863) mini|Neue Kirche in der Perspektive der Sophienstraße (2007)
Das Gebäude ist nach Norden ausgerichtet, der Südfassade ist mittig ein achteckiger Turm (63 m) auf einem quadratischen Unterbau vorgesetzt, durch den das Hauptportal führt. Das Äußere der Kirche ist mit Sandstein und Grauwacke verblendet, hinter der Altarwand befindet sich die Sakristei, die außen als Rechteckchor ausgeführt ist. Das Gebäude gliedert auf Höhe der Emporen außen ein schlichter Fries. Über diesem befinden sich auf den Längsseiten je fünf große Rundbogenfenster; darunter, an der Sakristei und an den Ecken, die vier Treppenhäuser bergen, sind kleine Rundbogenfenster angebracht. Auf der Höhe des Hauptgesimses umgibt das gesamte Gebäude, einschließlich des Turms, ein Rundbogenfries, der sich am hier achteckigen Turm auf etwa doppelter Höhe wiederholt. Der Turm steht genau in der Flucht der von Süden herführenden Sophienstraße und präsentiert sich aus dieser Perspektive als Blickpunkt, der mit dem großen Fenster über dem Portal und einem kleinen Giebelchen im Übergang von quadratischem zu achteckigem Grundriss die Eigenständigkeit der Turmfassade betont. Einheit am Bau stiften zahlreiche Vierpassrosetten unterschiedlicher Größe, die sich sowohl im Rundbogen der großen Maßwerk-Fenster als auch an zahlreichen Stellen der Fassade und des Turmes, unter anderem in den acht Dreiecken des Giebelkranzes unter der Turmspitze wiederholen.
Inneres mini|Innenraum der Kirche Der rechteckige, tonnengewölbte Saal im Innern war durch korinthische Pilaster an den Längsseiten und dreiseitig umlaufende Emporen gegliedert, die, damals eine neue Technik, aus Gusseisen gefertigt waren und damit verhältnismäßig leicht und transparent wirkten. An der Nordseite erhob sich der mittig angelegte Komplex aus Altartisch, Kanzel und Orgel vor einer halbrunden Apsis. Das Gebäude blieb im Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt. 100 Jahre nach der Einweihung beschloss die kleiner gewordene Gemeinde jedoch, eine Zwischendecke einzuziehen und den Innenraum in einen Gottesdienstraum auf Höhe der bisherigen Emporen und Gemeinderäume im Erdgeschoss zu teilen. Dieser einschneidende Umbau war 1962 abgeschlossen, eine weitere Renovierung 1978 legte die zunächst verbauten gusseisernen Trägerkonstruktionen der Emporen wieder frei.
Die Glocken der Neuen Kirche
Die Geschichte des Geläuts der Kirche ist von mehrfachen Veränderungen, Verlusten und Neubeschaffungen geprägt. Erst mehrere Jahre nach der Eröffnung der Kirche wurden am 7. Juni 1860 in den dafür vorgesehenen Turmgeschossen drei Bronzeglocken installiert. Sie stammten aus der Gießerei Petit & Gebrüder Edelbrock in Gescher (Westfalen) und wurden durch zwei Uhrglocken ergänzt. Mit ihrer Inbetriebnahme erhielt die Gemeinde erstmals ein vollständiges Geläut, das sowohl zum Gottesdienst rief als auch die Zeit im westlichen Stadtgebiet hörbar machte.
Im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken 1917 beschlagnahmt, abgenommen und zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Im gleichen Jahr wurden als Ersatz zwei Uhrglocken von der Glockengießerei Ulrich & Weule aus Bockenem geliefert, welche noch heute erhalten sind. Aber erst 1924 konnte ein neues Geläut eingeweiht werden: Drei Bronzeglocken der Gießerei Rincker aus Sinn (Oberhessen) wurden unter großer Beteiligung der Gemeinde feierlich in den Turm eingebracht. Dieses zweite Geläut bestand jedoch nur bis zum Jahr 1942, als auch diese Glocken im Zuge des Zweiten Weltkriegs eingezogen und abtransportiert wurden.
Eine dauerhafte Lösung ergab sich erst nach Kriegsende. Im Frühjahr 1948 erhielt die Gemeinde ein historisches Geläut aus dem späten 18. Jahrhundert. Die drei Bronzeglocken waren ursprünglich 1785 von Christian Voigt in Isselburg gegossen und 1786 in Elberfeld umgegossen worden und läuteten bis zum Zweiten Weltkrieg im Turm der alten reformierten Kirche (heute Citykirche). Mit ihrer charakteristischen Tonfolge h°–cis′–d′ (dorischer Dreiklang) entsprechen sie einem sehr typischen rheinischen Geläut dieser Zeit. Da nur wenige historische Glocken die beiden Weltkriege unbeschadet überstanden hatten, wurde diesem Geläut ein besonderer Denkmalwert beigemessen. Auf Empfehlung des Evangelischen kirchlichen Orgel- und Glockenamtes der Rheinprovinz wurden die Glocken in der Kirche aufgehängt, auch weil die ursprünglich vorgesehene Rückführung an ihren früheren Standort aufgrund von Kriegsschäden zunächst nicht möglich war. In einem Gutachten wurde zudem hervorgehoben, dass Bronzeglocken gegenüber Stahlglocken klanglich überlegen seien und weniger Raum sowie Gewicht erforderten.
Am 11. Mai 1948 erklang das Geläut erstmals vom Turm der Kirche und prägt seither wieder das akustische Bild der Umgebung. Die harmonische Abstimmung mit benachbarten Geläuten wurde dabei ausdrücklich berücksichtigt.Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der Neuen Kirche, abgerufen am 18. Juni 2026.
Der Glockenstuhl selbst befindet sich in der mittleren Etage des Turms (auf Höhe der unteren Schallfenster) und beherbergt neben den Glocken auch die tragende Holzkonstruktion aus massiven Eichenbalken. Glocke I. hängt unten, drüber die Glocken II. und III. Die Glocken hängen an geraden Stahljochen, da die ursprünglichen historischen Originalarmaturen nach dem Krieg nicht mehr vorhanden waren. In der Etage darüber liegt ein historisches mechanisches Uhrwerk der Firma Weule, das heute nicht mehr in Betrieb ist, jedoch noch vollständig erhalten ist. In der oberen Glockenstube, welche charakteristisch auf jeder der acht Seiten mit einem Schallfenster ausgestattet ist, hängen zur Vorderseite die zwei historischen Uhrglocken. Es handelt sich hierbei um die letzten noch erhaltenen und sich in Betrieb befindlichen Gusseisenglocken der Stadt Wuppertal. Sie sind, anders als die Voigt-Glocken, starr aufgehängt und können nur angeschlagen werden.
Glockendaten Nr.FunktionSchlagtonGießerGussjahrGewichtDurchmesser1.Läuteglockeh⁰Christian Voigt (Dremmen-Isselburg)17852.800 kg1.645 mm2.Läuteglockecis′Christian Voigt (Dremmen-Isselburg)17851.970 kg1.465 mm3.Läuteglocked′Christian Voigt (Dremmen-Isselburg)17851.650 kg1.385 mm4.Uhrglocke (Stundenschlag)e′′Ulrich & Weule (Bockenem)1917ca. 130 kgca. 720 mm5.Uhrglocke (Viertelstundenschlag)g′′Ulrich & Weule (Bockenem)1917ca. 75 kgca. 590 mm
Läuteordnung Im Jahre 2026 wurde für die Neue Kirche eine neue Läuteordnung beschlossen. Zuvor haben die Glocken ausschließlich zu Gottesdiensten an Sonntagen und Festtagen geläutet. Mit Inkrafttreten der neuen Regelung erklingen die Glocken häufiger und in verschiedenen Kombinationen.
Auszug aus der neuen Läuteordnung: Werktage AnlassWochentageUhrzeitGlockenLäutedauerMorgenläutenMontag bis Freitag08:01 Uhr32 MinutenMittagsläutenMontag bis Freitag12:01 Uhr24 MinutenAbendläutenMontag bis Freitag19:01 Uhr14 MinutenSterbestundengeläutFreitag15:01 Uhr14 Minuten
Wochenende AnlassWochentageUhrzeitGlockenLäutedauerMorgenläutenSamstag und Sonntag–––MittagsläutenSamstag12:01 Uhr24 MinutenMittagsläutenSonntag12:01 Uhr1, 34 MinutenSonntagseinläutenSamstag19:01 Uhr1, 2, 315 MinutenAbendläutenSonntag19:01 Uhr14 Minuten
Gottesdienste AnlassWochentageUhrzeitGlockenLäutedauer1., 2. und 4. AdventssonntagSonntag–2, 315 Minuten3. AdventssonntagSonntag–1, 2, 315 MinutenWeihnachten und Sonntage der WeihnachtszeitSonntag–1, 2, 315 MinutenEpiphanias––1, 2, 315 MinutenSonntage nach EpiphaniasSonntag–1, 2, 315 MinutenSonntage der VorpassionSonntag–1, 315 MinutenAschermittwochMittwoch–2, 315 Minuten1., 2., 3. und 5. PassionssonntagSonntag–1, 215 Minuten4. Passionssonntag (Lätare)Sonntag–1, 2, 315 MinutenPalmsonntagSonntag–1, 2, 315 MinutenGründonnerstagDonnerstag–1, 2, 315 MinutenOstern und Sonntage der österlichen FreudenzeitSonntag–1, 2, 315 MinutenPfingstsonntagSonntag–1, 2, 315 MinutenPfingstmontagMontag–1, 2, 315 MinutenTrinitatisSonntag–1, 2, 315 MinutenSonntage der TrinitatiszeitSonntag–1, 2, 315 MinutenReformationstag––1, 2, 315 MinutenBuß- und Bettag––1, 315 MinutenTotensonntagSonntag–115 MinutenEwigkeitssonntagSonntag–1, 215 Minuten
Ganzjährige Anlässe AnlassWochentageUhrzeitGlockenLäutedauerTaizé-Andacht––215 MinutenKonzert––215 MinutenTaufe––1, 2, 315 MinutenHochzeit––1, 2, 315 MinutenTrauerfeier––1, 215 MinutenKonfirmation––1, 2, 315 Minuten
Literatur Klaus Pfeffer: Die Kirchenbauten in Wuppertal-Elberfeld, Köln 1980, ISBN 3-88094-301-X. Klaus Goebel, Andreas Knorr (Hrsg.): Kirchen und Gottesdienststätten in Elberfeld, Düsseldorf 1999, ISBN 3-930250-35-7.
Weblinks
Porträt der Kirche auf der Homepage der Gemeinde
Einzelnachweise
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