mini|Karl von Frisch, um 1926 mini|Unterschrift von Karl von Frisch mini|Das Grab von Karl von Frisch und seiner Ehefrau Margarete geborene Mohr auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München Karl Ritter von Frisch (* 20. November 1886 in Wien; † 12. Juni 1982 in München) war ein Zoologe und Verhaltensforscher und ein langjähriger Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Verhaltensforscher. Im Zentrum seines Schaffens stand die Erforschung der Sinneswahrnehmungen von Honigbienen und der Art und Weise der Verständigung dieser Insekten untereinander. Für seine Leistungen wurde er 1973 gemeinsam mit Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt. Mit der Auszeichnung wurden „ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern“ gewürdigt.

Leben Karl von Frisch war ein Enkel des 1877 geadelten Generalstabsarztes Anton Ritter von Frisch (1811–1886). Er war jüngster von vier Söhnen des Chirurgen und Urologen Anton Ritter von Frisch (1849–1917) und seiner Frau Marie von Frisch geb. Exner. Die drei älteren Brüder, darunter der Jurist Hans von Frisch, wurden ebenfalls Universitätsprofessoren. Nach seiner Schulzeit am Schottengymnasium und der 1905 bestandenen Matura studierte er zunächst Medizin, wechselte aber nach fünf Semestern zur Zoologie und studierte in München ab 1908 bei Richard von Hertwig. 1909 kehrte er nach Wien zurück und arbeitete bei Hans Leo Przibram an der Biologischen Versuchsanstalt, wo er mit Ueber die Beziehungen der Pigmentzellen in der Fischhaut zum sympathischen Nervensystem 1910 zum Dr. phil. promoviert wurde. Im selben Jahr ging er als Assistent von Hertwig an das Zoologische Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er sich 1912 mit Über farbige Anpassungen bei Fischen habilitierte und Privatdozent für Zoologie und vergleichende Anatomie wurde.Karl von Frisch: . München 1980.Manfred Wenzel: Frisch, Karl Ritter von. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 441 f. Während des Ersten Weltkriegs war er 1914 bis 1919 am Rudolfinerhaus in Wien medizinisch und bakteriologisch tätig. 1919 wurde er, wieder in München bei Hertwig, zum a. o. Professor ernannt. mini|Gedenktafel für Karl von Frisch in Rostock

1921 ging von Frisch als Ordinarius für Zoologie und Institutsdirektor an die Universität Rostock. 1923 folgte er einem Ruf nach Breslau, kehrte dann aber 1925 an die Universität München zurück, wo er die Leitung des Zoologischen Instituts übernahm. 1924 gründete er zusammen mit Alfred Kühn die Zeitschrift für vergleichende Physiologie,Hansjochem Autrum: Karl von Frisch. In: Journal of Comparative Physiology A, 1982, Band 147, S. 417–422; doi:10.1007/BF00612005. die seit 1972 als Journal of Comparative Physiology erscheint. Mit Unterstützung der Rockefeller Foundation gelang es ihm, 1931/32 ein neues zoologisches Institut in München zu errichten (dieses wurde allerdings inzwischen abgerissen). Während des Dritten Reiches war es für Karl von Frisch schwierig, seine Stelle zu behalten, insbesondere da er eine jüdische Großmutter hatte und nicht aktiv mit dem Nationalsozialismus kooperierte. Die US-Wissenschaftshistorikerin Tania Munz bezeichnete Frisch als „grundsätzlich eher unpolitisch“. Er setzte sich für die Freilassung von im KZ Dachau inhaftierten polnischen Akademikern ein. Erst nachdem er mit Untersuchungen über die Nosemose und mit Untersuchungen zur Steigerung der Honigproduktion eine wissenschaftliche Tätigkeit aufgenommen hatte, die für die Ernährung der Bevölkerung von Bedeutung war, wurde er unbehelligt an seinem Arbeitsplatz belassen. Auf der anderen Seite war Frisch nach Klaus Taschwer ein Befürworter der NS-Eugenik. So rechtfertigte er in seinem Buch "Du und das Leben", dessen wenig bekannter Schlussabschnitt in späteren Auflagen gestrichen wurde, auch das 1934 in Kraft getretene "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" und das Rassenpolitische Amt.Klaus Taschwer: Der Bienenforscher und das NS-Regime. In: Der Standard. 31. Dezember 2014, abgerufen am 20. Oktober 2020.

Von 1941 bis 1945 war der österreichische Meeresforscher und Zoologe Hans Hass ein häufiger Gast bei Frisch. In ihren Gesprächen tauschten sie sich über ihre Beobachtungen hinsichtlich der Verständigung von Fischen und der Aufgabe und Funktion ihres Seitenlinienorganes aus. Hass interessierte sich außerdem für seine Entdeckung des Schreckstoffes bei Fischen. Eventuell ließe sie sich zur Abwehr von Haien einsetzen.

Nach weitgehender Zerstörung des Münchner Zoologischen Instituts im Zweiten Weltkrieg ging Frisch 1946 an die Karl-Franzens-Universität Graz, wo er am 7. November seine AntrittsvorlesungKarl Frisch: Medizinstudium und Biologieunterricht. Jos. A. Kienreich, Graz 1947. hielt, bis er 1950 nach Wiedereröffnung des Münchner Instituts dorthin zurückkehrte. 1958 wurde er emeritiert, setzte aber auch in der Folgezeit seine wissenschaftlichen Forschungen fort.

Karl von Frisch war mit Margarete, geb. Mohr, verheiratet; sein Sohn, Otto von Frisch, war von 1977 bis 1995 Direktor des Staatlichen Naturhistorischen Museums Braunschweig und Präsentator der 1970er Fernsehserie Paradiese der Tiere.

Zu seinen bekanntesten Schülern zählen Martin Lindauer, Karl Daumer und Maximilian Renner, die seine Forschungen weiterführten.

Der umfangreiche Nachlass befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek.

Die Grabstätte von Karl von Frisch befindet sich auf dem Friedhof am Perlacher Forst im Münchener Stadtteil Obergiesing-Fasangarten.

Werk mini|Kärntner Biene auf der Goldrute Karl von Frisch wurde vor allem bekannt durch seine Untersuchungen an der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera carnica), er machte aber auch bedeutende Entdeckungen an anderen Tieren, vor allem an verschiedenen Fischen.

Arbeiten über Fische Karl von Frisch gelang, zusammen mit seinem Schüler Hans Stetter, der Nachweis des Hörvermögens der Fische und die Entdeckung eines Schreckstoffes in der Haut der Fische.Hans Stetter: Untersuchungen über den Gehörsinn der Fische, besonders von Phoxinds laevis L. und Amiurus nebulosus Raf. In: Zeitschrift für vergleichende Physiologie. Band 9, 1929, H. 2, S. 339–477, doi:10.1007/BF00340160.Karl von Frisch und Hans Stetter: Untersuchungen über den Sitz des Gehörsinnes bei der Elritze. In: Zeitschrift für vergleichende Physiologie. Band 17, 1932, H. 4, S. 686–801, doi:10.1007/BF00339067. Er hat als Erster nachgewiesen, dass auch Fische Farben sehen können, was lange umstritten war.

Erkenntnisse über Bienen Der Geruchssinn Frisch fand heraus, dass Bienen verschiedene blühende Pflanzen am Geruch unterscheiden können. Erstaunlicherweise ist ihre Empfindlichkeit für die Geschmacksempfindung „süß“ nur wenig stärker ausgeprägt als beim Menschen. Durch die feste Kopplung des Geruchssinns an den Tastsinn hielt Karl von Frisch eine räumliche Geruchswahrnehmung der Biene für möglich.

Die visuelle Wahrnehmung Das räumliche Auflösungsvermögen des Facettenauges der Biene ist dem eines Linsenauges stark unterlegen. Das Facettenauge ist aber durch ein sehr hohes zeitliches Auflösungsvermögen (schnellere Lichtreaktion der Photorezeptoren) besonders gut geeignet, Bewegungen wahrzunehmen.

Die Farbwahrnehmung der Bienen ist mit der des Menschen vergleichbar, aber vom Rot weg zum Ultravioletten hin verschoben. Daher können sie die Farbe Rot nicht von Schwarz (farblos) unterscheiden. Die Farben Weiß, Gelb, Blau und Violett können jedoch unterschieden werden. Farbpigmente, die UV-Anteile reflektieren können, erweitern das Spektrum der differenzierbaren Farben um zwei weitere. Mehrere Blüten, die dem Menschen im gleichen Gelb erscheinen, können für Bienen wegen des verschiedenen Ultraviolettanteils unterschiedlich gefärbt (mehrfarbig gemustert) erscheinen.

mini|Ein genau im rechten Winkel zur Sonne aufgenommenes Bild mit Polarisationsfilter und Weitwinkelobjektiv vermittelt einen Eindruck vom Polarisationsmuster des Himmels: In der Mitte ist der Himmel am dunkelsten, gegen beide Seitenränder wird er heller.

Das Orientierungsvermögen Bedeutend sind die Untersuchungen über das Orientierungsvermögen der Bienen. Karl von Frisch fand heraus, dass Bienen die gewünschte Himmelsrichtung auf drei verschiedene Weisen erkennen können: die Sonne, das Polarisationsmuster des blauen Himmels sowie das Erdmagnetfeld, wobei sie die Sonne als führenden Kompass benutzen und die Alternativen unter den besonderen Bedingungen der bewölkten Sonne oder der Dunkelheit des Bienenstockes anwenden.

Dank ihrer ausgeprägten inneren Uhr können Bienen die Veränderung des Sonnenstandes auch im dunklen Bienenstocks kompensieren. Dies ermöglicht den Bienen, die Richtungsangabe im Schwänzeltanz stets aktuell zu halten, ohne bei längeren Tanzphasen einen Abgleich mit der Sonne herstellen zu müssen. Sie verknüpfen dabei die räumliche Richtungsangabe mit ihrer inneren Zeitinformation, um die Erddrehung während längerer Tanzphasen präzise auszugleichen. Die Biene erkennt das Polarisationsmuster durch je einen UV-Rezeptor in jedem Facettenauge und einen UV-Filter, der in jedem Auge verschieden orientiert ist. Durch Streulicht am blauen Himmel entsteht ein für den Menschen nicht sichtbares charakteristisches Muster teilweise polarisierten Lichts, das vom Stand der Sonne abhängig ist. Hier reicht ihr ein kleines Stückchen blauen Himmels, um das sich ebenfalls im Tagesverlauf verändernde Muster zu erkennen. Dies gibt nicht nur eine Richtungs-, sondern auch eine Zeitinformation. Zusätzlich hilft der Magnetsinn den Bienen bei der Orientierung.

Die Biene verfügt demnach über eine innere Uhr mit drei verschiedenen Synchronisations- oder Taktmechanismen. Kennt die Biene von einem Ausflug am Morgen die Richtung eines Futterplatzes, findet sie dessen Standort anhand des Sonnenstandes auch am Nachmittag, ebenso wie die genaue Zeit, zu der diese Quelle Futter spendet.

Räumliche Orientierung beim Wabenbau Die Bienenwaben (z. B. die neuen Waben eines Schwarms) werden nach Karl von Frisch auf der Basis des Magnetsinns in der gleichen Richtung ausgebaut wie im Heimatstock des Schwarms. Im Experiment konnten sogar kreisförmig deformierte Waben nachgewiesen werden.

Die stets lotrechte Ausrichtung des Wabenbaus führt Karl von Frisch auf die Fähigkeit der Bienen zurück, die Vertikale durch den Kopf und das daraus gebildete Pendel im Zusammenspiel mit einem Kranz aus Sinneszellen im Halsbereich zu erkennen.

mini|Schwänzeltanz Die Tanzsprache Erkenntnisse über gefundene Futterplätze können von Biene zu Biene weitergegeben werden. Hierzu dient als Verständigungsmittel eine besondere Tanzsprache. Die Tänze treten in zwei Formen auf: Rundtanz und Schwänzeltanz.

Der Rundtanz dient als Information, dass sich die Futterstelle (ohne Richtungsangabe) im näheren Umkreis des Bienenstocks befindet, etwa im Abstand von 50 bis 100 Metern. Durch nahen Kontakt der Bienen werden dabei auch Informationen über die Art der Nahrungsquelle (Blütenduft) übergeben.