mini|Fans hissen die deutsche Flagge vor niederländischen Fans in Basel, 2008. Die Rivalität zwischen der niederländischen und der deutschen Fußballnationalmannschaft ist eine der prägnantesten Rivalitäten im internationalen Fußball. Beide Mannschaften gehören zu den besten der Welt; die besondere Rivalität hat sowohl historische Gründe außerhalb des Fußballs als auch eine langjährige bewegte Geschichte auf dem Fußballplatz.

In ihrer gesamten Geschichte spielten beide Teams bisher 48 Partien gegeneinander (Stand September 2026); dabei gab es 18 Siege der deutschen Mannschaft, zwölf der niederländischen Mannschaft und 18 Unentschieden. Für beide Mannschaften ist die andere der zweithäufigste Länderspielgegner. Deutschland spielte nur häufiger gegen die Schweiz (55 Spiele), die Niederlande nur häufiger gegen Belgien (129 Spiele) (Stand: 21. September 2026).

Geschichte mini|links|Kontrahenten: Die deutsche… mini|… und die niederländische Mannschaft

Obwohl die zugrundeliegenden Gefühle bis zum Zweiten Weltkrieg zurückreichen, in dem Deutschland die Niederlande überfiel und besetzte, etablierte sich die Rivalität erst bei der WM 1974 in der Bundesrepublik Deutschland. Die durchaus unruhige Zeit vorher erlebten Bram Appel, der während des Krieges 1943 bis 1945 für Hertha BSC spielte und daraufhin vom niederländischen Fußballverband wegen Kollaboration mit dem Feind bis 1947 gesperrt wurde, sowie Frans de Munck, der 1950 unter großen Anfeindungen in der Heimat zum 1. FC Köln wechselte. Für Willem van Hanegem ließen sich Sport und Geschichte nicht trennen: „Ich hasse sie. Sie ermordeten meine Familie. Meinen Vater, meine Schwester, zwei meiner Brüder. Jedes Mal, wenn ich Deutsche sah, war ich voller Angst.“Hugo Borst u. a.: Willem van Hanegem. De Buitenspelers, Kats u. a. 2007, ISBN 978-90-71359-03-3. Als der in Deutschland groß gewordene Willi Lippens sein einziges Spiel für die Niederlande absolvierte, wurde er von großen Teilen der Mannschaft (insbesondere von Hanegem und Rinus Israël) gemobbt. Lippens war so verletzt, dass er sich Jahrzehnte später weigerte, als Ehrengast bei einem Spiel der Niederlande zu erscheinen. Israël bezeichnete sein Verhalten später selbstkritisch als „inkorrekt und dumm“, und Lippens bereute es, „nicht sofort aus dem Teambus ausgestiegen zu sein, um doch für die Bundesrepublik zu spielen“.Willi Lippens wil geen haasje, NOS.nlMisschien was het toch een fout. Na ja, volkskrant.nl Festzustellen war aber auch, dass der Deutsche Horst Blankenburg von Ajax Amsterdam so gut akzeptiert wurde, dass der jüdische Teamkollege Sjaak Swart sein guter Freund warSpieler auf beiden Seiten, taz.de und ihn Ajax-Star Johan Cruyff vor der WM 1974 für die niederländische Mannschaft anwerben wollte. Blankenburg lehnte ab, da er für die Bundesrepublik spielen wollte, wurde aber zu seinem Leidwesen nie nominiert.Große Ehre für einen fast vergessenen Fußball-Helden, welt.de

1974 besiegte die Bundesrepublik die Niederlande im Finale der Fußballweltmeisterschaft. Die Niederlande, die nach 1945 fußballerisch lange bedeutungslos waren, hatten sich 1974 erstmals seit 1938 für eine WM-Endrunde qualifiziert. Das Team um Johan Cruyff war durch Rinus Michels’ „totalen Fußball“ geprägt. Es begann als Turnierfavorit und spielte auch dementsprechend. Die deutschen Gastgeber hatten die WM hingegen nur mit mäßigen Spielen, darunter einer Niederlage gegen die DDR begonnen, und galten als Außenseiter. Im Finale selbst retteten die Deutschen ihre 2:1-Führung über die zweite Halbzeit gegen anstürmende, aber erfolglose Niederländer. Viele Niederländer empfanden die Niederlage als zweite Schmach nach der Besetzung, nachträglich oft als „Mutter aller Niederlagen“ bezeichnet.van Houtum, van Dam, 2002, S. 244. Explizit feindliche Gefühle gab es im Moment des Spiels aber noch kaum; der niederländische Spieler Willem van Hanegem weigerte sich mit der Begründung, er möge keine Deutschen, das Abschlussbankett zu besuchen, und sagte vor dem Turnier: „Der Hass, er war immer da. Er hat Hintergründe, die jeder kennt und die noch nicht vergangen sind. Ich würde es bis an mein Lebensende nicht verwinden, wenn wir es nicht schafften, zu verhindern, dass sie später grölen könnten, sie seien Weltmeister – und wir nicht.“ Er war dabei aber eine Ausnahme im niederländischen Team: Franz Beckenbauer und Johan Cruyff waren persönlich befreundet, Johnny Rep und Paul Breitner wehrten sich gemeinsam gegen das FIFA-Verbot des Trikottauschs, indem sie beim Abschlussbankett Jackett und Krawatte tauschten. Erwähnenswert im Hinblick auf das Finale ist auch, dass mit Rainer Bonhof auch ein Spieler in der deutschen Finalaufstellung stand, der als niederländischer Staatsbürger geboren wurde.https://www.dfb.de/news/detail/bonhof-die-hollaender-mussten-sehr-leiden-199616/

Besondere Spiele WM-Finale 1974

War vorher noch Belgien der wichtigste Gegner gewesen, entwickelte sich in der Folge Deutschland zum Hauptrivalen der Niederlande, die Spiele der Teams gegeneinander wurden zunehmend emotionaler. Bei der WM 1978 trafen beide Mannschaften in der zweiten Finalrunde aufeinander. Vor dem Spiel äußerte sich Karl-Heinz Rummenigge: „Der Druck war extrem. Die Boulevardpresse blähte die alte Rivalität wieder auf. Wir wussten, dass die Holländer bereit waren und auf uns warteten. Wir mussten uns konzentrieren. Es ist eine wirkliche Schande und traurig, dass sie den Fußball als Ventil für ihren Hass wegen des Zweiten Weltkriegs benutzen.“ In diesem Match kam es beinahe zu einer Schlägerei zwischen Bernd Hölzenbein und Dick Nanninga, als Nanninga Hölzenbein in den Magen boxte, woraufhin Hölzenbein Nanninga an der Nase packte. Beide Mannschaften trennten sich unentschieden und die Niederlande erreichten das Finale, während die deutsche Mannschaft ausschied.

Das offizielle Turnierbuch der EM 1980 bemerkte eine „seltsame Rivalität“ zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden. Beide Mannschaften trafen in der Vorrunde aufeinander. Karlheinz Förster ließ vor dem Spiel verlauten: „Vor dem Spiel wusste ich, dass es schlimm werden würde. Wir hatten uns geschworen zu siegen, weil dieser Sieg so wichtig für unseren Stolz war. Für sie wäre es das größte, uns zu schlagen. Die hassen uns so viel mehr, als wir sie hassen.“ Karl-Heinz Rummenigge beschwerte sich über eine harte Spielweise der Niederländer, die mehr als einmal über das Zulässige hinausgegangen sei. Unter anderem versetzte Johnny Rep dem deutschen Torhüter Toni Schumacher einen Tritt in den Magen, als beide noch eine Flanke erreichen wollten. Die Bundesrepublik siegte durch drei Tore von Klaus Allofs mit 3:2 und erreichte das Finale, während die Niederlande ausschieden.

EM-Halbfinale 1988

Erfolgreich Revanche für das 74er-Finale nahmen die Niederländer bei der EM 1988, wiederum in der Bundesrepublik, als sie den Gastgeber mit einem 2:1 in der 89. Minute im Halbfinale besiegten und später Europameister wurden. Das war der erste Sieg gegen die DFB-Auswahl nach 32 Jahren. Nach dem Spiel feierten geschätzt neun Millionen der damals 15 Millionen Niederländer den Sieg auf der Straßevan Houtum, van Dam, 2002, S. 243., wobei sie unter anderem „1940 kamen sie//1988 kamen wir//Holadije, holadio“ sangen. Nach dem Halbfinale sagte Hans van Breukelen: „Ich habe auf diesen Augenblick 14 Jahre gewartet. Ich bin froh, dieses Geschenk der älteren Generation zu geben, derjenigen, die während des Krieges gelebt haben.“ Ruud Gullit äußerte sich: „Wir machten die ältere Generation glücklich. Ich sah ihre Gefühle, ihre Tränen.“ Die Emotionen flammten auf, als sich Ronald Koeman nach dem Trikottausch mit Olaf Thon mit dessen Trikot in einer demonstrativen Geste den Hintern abwischte. Darüber hinaus sprach Marco van Basten zum EM-Sieg lakonisch von einem „wunderbaren Gefühl, besonders, weil wir auf dem Weg ins Finale diese widerwärtigen Deutschen rausgeworfen haben“. Nachdem die Rivalität vorher eine vor allem von den Niederländern gepflegte Angelegenheit war, entwickelte sie sich nach 1988 zu einer beiderseits gepflegten Haltung.

WM-Achtelfinale 1990

mini|links|hochkant|Bekannte Protagonisten: Rudi Völler (D) und… mini|hochkant|…Frank Rijkaard (NL)

1989 versuchten die beiden Fußballverbände die Wogen zu glätten, indem sie das Qualifikationsspiel zur WM 1990 als „Fan-Freundschaftsspiel“ deklarierten. Zu dem Spiel rückten die beiden damals sehr aktiven Hooligan-Szenen beider Länder an. In der Stadt Rotterdam kam es zu stundenlangen Ausschreitungen samt einigen Schwerverletzten. Im Rotterdamer De Kuip verglich ein Transparent den deutschen Spieler Lothar Matthäus mit Adolf Hitler. Das Spiel selbst endete friedlich 1:1.

Im Achtelfinale des Endturniers 1990 fand anschließend ein besonders denkwürdiges Spiel statt: Vor dem deutschen Sieg gab es den berühmten Spuck-Zwischenfall zwischen Frank Rijkaard und Rudi Völler, der medial intensiv diskutiert wurde: Der von Problemen im Team und im Privatleben frustrierte Rijkaard spuckte Völler insgesamt zweimal an; beide wurden von dem argentinischen Schiedsrichter Juan Carlos Loustau mit der roten Karte vom Platz gestellt, Rijkaard entschuldigte sich später bei Völler. Das Spiel gewannen die Deutschen, die sich dem großen Rivalen nun auch in moralischer Hinsicht durch die Herausstellung Völlers überlegen sahen, nicht zuletzt dank der wohl besten Leistung Jürgen Klinsmanns mit 2:1.

Allmähliches Abkühlen In den Folgejahren blühte die Rivalität regelmäßig vor wichtigen Turnieren wieder auf. Beispielsweise wurde eine Umfrage publiziert, welche ein negatives Deutschlandbild unter der niederländischen Jugend offenbarte. Auch berichtete der Spiegel 1993, dass Lothar Matthäus auf dem Oktoberfest einen ihn mit der Videokamera filmenden Niederländer mit „Ach, auch noch Holländer, das sind sowieso alles Arschlöcher, und du bist wohl vergessen worden vom Adolf“ beleidigte. Matthäus bestritt, diese Aussage gemacht zu haben. Insgesamt sind diese Auseinandersetzungen jedoch allenfalls als gegenseitige Sticheleien zu beurteilen. Nicht selten werden diese künstlich durch Sensationsmedien (Bild, De Telegraaf) vergrößert.

Das erste Aufeinandertreffen bei einem Pflichtspiel seit der WM 1990 fand am 18. Juni 1992 in der Vorrunde der Fußball-Europameisterschaft 1992 in Göteborg statt, das die Niederländer mit 3:1 für sich entscheiden konnten. Vor diesem Spiel griffen rund 300 deutsche Krawallmacher Niederländer an, woraufhin die Polizei Tränengas einsetzte.

Nach der intensiven Rivalität bis in die frühen 1990er-Jahre ist ein niederländisch-deutsches Spiel zwar noch immer von besonderer Bedeutung. Körperliche Auseinandersetzungen sind aber zu einer Seltenheit geworden. Diese Tendenz bestätigten zahlreiche Freundschaftsspiele sowie die Begegnung in der Vorrunde der EM 2004, die ohne Ausnahme anständig verliefen. Als Lothar Matthäus im Jahr 2000, ausgerechnet in Amsterdam, sein 144. Länderspiel spielte und damit einen europäischen Rekord aufstellte, überreichten ihm die Niederländer einen Blumenstrauß. Matthäus, der jahrelang in den Niederlanden der Prototyp des abscheulichen Deutschen gewesen war, erhielt dabei seitens der überwiegend niederländischen Fans deutlich mehr Beifall als Ablehnung.

Zur WM 2002, für die sich die Niederlande nicht qualifizierten, war „Ohne Holland fahr’n wir zur WM“ einer der häufigsten Slogans in deutschen Stadien. Bei der EM 2004 genoss ein „Schade, Deutschland, alles ist vorbei“ Beliebtheit auf den niederländischen Rängen, nachdem die niederländische Mannschaft auf Kosten der Deutschen in das Viertelfinale eingezogen war. Nach dem Ausscheiden der Niederlande bei der WM 2006 wurde von den deutschen Rängen „Ohne Holland fahr’n wir nach Berlin“, eine neue Variation des Slogans, skandiert.