mini|Erwin Neher mit dem Orden Pour le Mérite (2025) Erwin Neher (* 20. März 1944 in Landsberg am Lech, Bayern) ist ein deutscher Biophysiker.

Erwin Neher und Bert Sakmann erhielten 1991 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Entwicklung einer Methode zum direkten Nachweis von einzelnen Ionenkanälen in Zellmembranen. Beide Wissenschaftler waren federführend an der Entwicklung der Patch-Clamp-Technik beteiligt, die die Grundlage für ihre Entdeckungen bildete.

Leben Erwin Neher ist Sohn von Franz Xaver Neher, Angestellter einer Firma für Milchprodukte, und Elisabeth Neher (geborene Pfeiffer), ausgebildete Lehrerin. Er hat zwei ältere Schwestern. Erwin Neher ist katholisch. Er besuchte das Maristenkolleg in Mindelheim. Dort waren Mathematik und Physik seine Lieblingsfächer. Er verbrachte seine Jugend in Buchloe. In seiner Freizeit interessierte er sich für die neu erschienene Literatur zur Kybernetik. Er studierte ab 1963 Physik an der TU München und ab 1966 mit Hilfe eines Fulbright-Stipendiums an der University of Wisconsin. Den Titel Master of Science erhielt er 1967.

Am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München wurde er 1970 bei Hans Dieter Lux, in dessen Labor er auch Bert Sakmann kennenlernte, promoviert. Ab 1970 war er auch als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut in Göttingen tätig. Von 1975 bis 1976 war er Res. Assoc. der Yale University in New Haven, Connecticut (USA). Ab 1976 hatten Neher und Sakmann zusammen an der Universität Göttingen ein Young Investigator Laboratory, wo sie zusammen mit weiteren Forschern arbeiteten.

Neher entwickelte die Methodik der patch clamp-Technik zur hochauflösenden Stromregistrierung in biologischen Membranen. Er arbeitete über Ionenkanäle in biologischen Membranen und die Sekretion von Neurotransmittern und Hormonen.

Er war von 1983 bis 2011 Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen und Leiter der Abteilung Membranbiophysik.siehe Angabe auf , abgerufen am 11. Januar 2021. Seitdem ist er Leiter einer Emeritus-Arbeitsgruppe.

Neher lebt in Eddigehausen und ist seit 1978 mit Eva-Maria Neher, geborene Ruhr, verheiratet, mit der er fünf Kinder hat, Benjamin, Carola, Margret, Sigmund sowie den Physiker und Molekularbiologen Richard Neher.Biografie Erwin Neher's auf der Website des Nobel-KomiteesBiografie Richard Nehers auf der Website des Instituts für Evolutionsbiologie der MPG in Tübingen

Auszeichnungen und Ehrungen mini|Erwin Neher (2007) Neben dem Nobelpreis erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter eine Ehrenprofessur in Göttingen und zehn Ehrendoktortitel auf vier verschiedenen Kontinenten, sowie 1983 den W. Alden Spencer Award, 1984 den Adolf-Fick-Preis, 1986 den Louisa-Gross-Horwitz-Preis, 1987 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1989 einen Gairdner Foundation International Award, 1991 den Ralph-W.-Gerard-Preis und 1990 den Niedersächsischen Staatspreis für Wissenschaft. 1989 wurde er in die Academia Europaea sowie in die National Academy of Sciences und 1992 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, seit 1992 ist er ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen,Prof. Dr. Erwin Neher, Website der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 1. März 2019. seit 1998 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, seit 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften. 1994 wurde er als auswärtiges Mitglied in die Royal Society aufgenommen. Er ist auswärtiges Mitglied der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften. Erwin Neher ist zudem Ehrenbürger seiner Heimatstadt Buchloe.Kurzportrait der Stadt, Website von Buchloe, abgerufen am 19. Dezember 2015. 2004 erhielt er zudem den Karl-Küpfmüller-Ring der Technischen Universität Darmstadt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

als Mitherausgeber: Journal of Physiology. London.

Literatur Gisela Baumgart: Neher, Erwin. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1029. Neher, Erwin. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 885.

Weblinks

Homepage der Emeritusgruppe Erwin Neher am Göttinger MPI für biophysikalische Chemie

und Nobel Publikation (englisch; PDF; 419 kB)

Einzelnachweise

Kategorie:Biophysiker Kategorie:Physiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Auswärtiges Mitglied der Royal Society Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine Kategorie:Träger des Pour le Mérite (Friedensklasse) Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband Kategorie:Träger des Louisa-Gross-Horwitz-Preises Kategorie:Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin Kategorie:Träger des Canada Gairdner International Award Kategorie:Leibnizpreisträger Kategorie:Ehrendoktor der Autonomen Universität Madrid Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität München Kategorie:Ehrendoktor der Universität Tel Aviv Kategorie:Ehrenprofessor einer Hochschule in Deutschland Kategorie:Ehrenbürger im Landkreis Ostallgäu Kategorie:Buchloe Kategorie:Person (Mindelheim) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1944 Kategorie:Mann Kategorie:Ehrenmitglied der Deutschen Bunsen-Gesellschaft Kategorie:Stipendiat des Fulbright-Programms