Reinhard Schmitz-Scherzer (* 22. April 1938 in Krefeld; † 20. Oktober 2016) war ein deutscher Psychologe, Gerontologe, Fachautor, Schriftsteller und Universitätsprofessor. Er war Mitbegründer der Freizeitforschung und pflegte die differentielle Gerontologie in Forschung und Lehre.

Leben

Schmitz-Scherzer legte das Abitur in Willingen/Waldeck ab. Anschließend unternahm er Studien der Medizin, der Vergleichenden Religionswissenschaft, der Volkswirtschaftslehre und der Psychologie an der Universität Bonn. 1965 folgte die Diplomprüfung im Fach Psychologie mit sehr gut. Schmitz-Scherzer war Schüler von Hans Thomae und Ursula Lehr. Er promovierte und habilitierte sich in Bonn.

Reinhard Schmitz-Scherzer lebte nach seiner Emeritierung zunächst in der Schweiz und danach wieder in Deutschland. Er war auch im Ruhestand als Wissenschaftler und Schriftsteller engagiert. Es war ihm ein Anliegen, neben seinen hohen wissenschaftlichen Ansprüchen die Ganzheitlichkeit, die praktische Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und die humane Sicht sozialer Gerontologie nicht aus dem Auge zu verlieren, z. B. belegt durch sein frühes Plädoyer für den Aufbau von Hospizen. Dabei setzte sich Schmitz-Scherzer für die Menschenrechte und Menschenwürde älterer Menschen, die in Bedrängnis sind, ein.

Wirken Gerontologische Forschung und Lehre in Bonn und Kassel Reinhard Schmitz-Scherzer führte Untersuchungen zu Fragestellungen der Pädagogischen Psychologie, der Freizeitforschung und der Gerontologie durch. Er zählte zur zweiten Generation der Bonner Gerontologischen Längsschnittstudie (BOLSA), die von Hans Thomae ins Leben gerufen wurde. Diese wissenschaftlichen Arbeiten wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem BMJFG und der Deutschen Gesellschaft für Freizeit gefördert.

Von 1982 bis 1998 hatte Schmitz-Scherzer den Lehrstuhl für Soziale Gerontologie an der Universität Kassel inne. Unter anderem setzte er den von Hartmut Radebold initiierten ersten bundesdeutschen Aufbaustudiengang Soziale Gerontologie für berufserfahrene Sozialarbeiter und Sozialpädagogen um. Er promovierte eine Vielzahl von engagierten Alternswissenschaftlern und habilitierte u. a. Walter Tokarski, Gerhard Naegele und Fred Karl. Reinhard Schmitz-Scherzer vertrat die Psychologie des Alter(n)s, pflegte bewusst zugleich kooperative Beziehungen zu Vertretern der Soziologie und Sozialpolitik des Alter(n)s. Ein besonderes Anliegen war ihm die "angewandte und anwendbare soziale Gerontologie". Das von ihm mitherausgegebene "Handbuch für Lehre und Praxis" zur Sozialen Gerontologie ist Ausdruck dieser interdisziplinären Herangehensweise.

Gremien Schmitz-Scherzer hat in einer Vielzahl wissenschaftlicher Gremien mitgearbeitet, als Gutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die VW-Stiftung, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und verschiedene andere Ministerien sowie Stiftungen und Organisationen auch im europäischen Ausland.

Medien Schmitz-Scherzer hat zahlreiche Radio- und Fernsehsendungen zu gerontologischen Themen mitgestaltet und entsprechende Artikel in internationalen und nationalen Tages- oder Wochenzeitungen veröffentlicht.

Internationale gerontologische Forschung und Lehre Schmitz-Scherzer gehörte als Schatzmeister zum engen Kreis der Organisatoren des 12. Internationalen Kongresses für Gerontologie 1981 in Hamburg und war Mitglied des Exekutiv-Komitees der Internationalen Gesellschaft für Gerontologie. In dieser Position arbeitete Schmitz-Scherzer an der Entwicklung des wissenschaftlichen Programms des 13. Internationalen Kongresses für Gerontologie 1985 in New York mit und gestaltete in ähnlicher Funktion auch den 1. Europäischen Kongress für Gerontologie in England.

1989 war Schmitz-Scherzer in Santiago de Chile, Chile, um mit Kollegen aus Chile die Gerontologie als Fach an der Universidad de Chile etablieren zu helfen. 1995 folgte ein ähnliches Projekt an der Universität PUCRS in Porto Allegre in Brasilien. Diese Arbeiten wurde vom DAAD unterstützt. Ebenso begründete er eine Kooperation mit dem Psychologischen Institut der Universität von Granada.

Seit seiner Emeritierung war Reinhard Schmitz-Scherzer Präsident der GERO – Gerontological-Economic Research Organization.GERO - Gerontological-Economic Research Organization (Homepage)

Würdigung Anlässlich des Abschiedes von Reinhard Schmitz-Scherzer, Beate Fachinger und Erhard Olbrich fand an der Universität Bonn am 10. Februar 2017 eine akademische Trauerfeier statt. Namhafte Gerontologen wie Ursula Lehr, Fred Karl, Andreas Kruse, Gerhard Naegele und Georg Rudinger bekundeten für das wissenschaftliche Werk von Reinhard Schmitz-Scherzer ihre besondere Wertschätzung. Die „psycho-soziale Dimension des Alterns“ sollte den Fokus der herausragenden Leistungen eines Gelehrten zum Ausdruck bringen.Research Gate

Veröffentlichungen (Quelle: ) Freizeitforschung (Auswahl) Freizeit (mit Walter Tokarski), 1985 Aktuelle Beiträge zur Freizeitforschung, 1977 Alter und Freizeit, 1975 Sozialpsychologie der Freizeit, 1974 Freizeit, 1974 Freizeit und Alter, 1969

Soziale Gerontologie (Auswahl) Soziale Gerontologie – Ein Handbuch für Lehre und Praxis (mit Birgit Jansen, Fred Karl und Hartmut Radebold), 1999 Soziale Gerontologie – Wissenschaft und Praxis (mit Fred Karl) 1994 Aggression und Gewalt in der Pflege und Betreuung älterer Menschen, 2002 Demenz, 1999 Psychologie im Berufsfeld Altenpflege, 1986 Altenwohnheime, Personal und Bewohner, 1977

Ressourcen älterer und alter Menschen (mit Andreas Kruse, Fred Karl und Gertrud Backes), 1994 Zur Wirkung der Berliner Seniorenbriefe „Informationen für die zweite Lebenshälfte“ (mit Hermann-Josef Fisseni), 1980 Weiterbildung im höheren Erwachsenenalter (mit Ursula Lehr), 1979 Vorbereitung auf das Alter?, 1977 Probleme der psychischen Entwicklung im Alter, 1976

Altern und Sterben, 1992 Sterbebeistand, 1984 Einsam sterben – warum?, 1982

Meditationen Blätter aus der Hintergasse / Nr. 3. Wassermann und Bernsteinreiter, 2004 Vogeleier und Vogelnester, 1998 Verläufe, 1988

Literatur über Reinhard Schmitz-Scherzer

Ingrid Friedrich, Birgit Jansen, Fred Karl (Hrsg.): Theoria cum Praxi. Reinhard Schmitz-Scherzer zum 60. Geburtstag. (= Kasseler Gerontologische Schriften. Bd. 60). Kassel 1998, ISBN 3-88122-946-9. Fred Karl, Jens Schmitz-Scherzer (Hrsg.): Soziale Gerontologie – Theorie und Praxis. In Erinnerung an Reinhard Schmitz-Scherzer. LIT, Berlin 2018, ISBN 978-3-643-14120-0. Hans-Werner Wahl: Reinhard Schmitz-Scherzer: ein Rückblick. In: Z Gerontol Geriat. 52, Springer Medizin Verlag, 2019, S. 87–89.

Auszeichnungen

1975 wurde Schmitz-Scherzer mit dem Max-Bürger-Preis der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie für seine gerontologischen Forschungsarbeiten ausgezeichnet.

1993 erhielt er in Budapest einen Preis der Internationalen Gesellschaft für Gerontologie für besondere Verdienste um diese Gesellschaft und die Gerontologie.

Quellen

Weblinks

Literaturliste im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin

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