Die adelungsche s-Schreibung (nach Johann Christoph Adelung, 1732–1806) ist eine Regel in der deutschen Rechtschreibung für die Schreibung der s-Laute. Häufig wird sie auf die Entscheidung reduziert, ob der stimmlose s-Laut als „ss“ oder als „ß“ (Eszett) zu schreiben ist, sofern er nicht als einfaches „s“ geschrieben wird. Die adelungsche s-Schreibung wurde mit der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 durch die Heysesche s-Schreibung ersetzt.
Regeln für die Unterscheidung zwischen ß und ss Gemäß AdelungJohann Christoph Adelung: Vollständige Anweisung zur Deutschen Orthographie, nebst einem kleinen Wörterbuche für die Aussprache, Orthographie, Biegung und Ableitung. Frankfurt / Leipzig 1788, S. 185 f., Abschnitt Gebrauch des ß; . So auch nach Christina Noack: Regularitäten der deutschen Orthographie und ihre Deregulierung. Eine computerbasierte Untersuchung zu ausgewählten Sonderbereichen der deutschen Rechtschreibung. Dissertation, Universität Osnabrück, 2000, S. 157; repositorium.uni-osnabrueck.de (PDF; 3,4 MB). wird ß geschrieben „nach einem gedehnten Vocal oder Diphthongen“ und „am Ende einer Sylbe oder vor einem Consonanten“ (also auch am Wortende und vor der Wortfuge).
Die heysesche s-Schreibung unterscheidet sich dadurch von der adelungschen, dass die zweite Bedingung nicht gilt.
Alternative Darstellungen der Regel
Es ist möglich, die adelungsche s-Schreibung so zu formulieren, dass sie angibt, wann ss geschrieben wird, nicht jedoch ß: Nach einem kurzen Vokal schreibt man ss, unter der zusätzlichen Bedingung, dass im selben Wort unmittelbar ein Vokal folgt.
Eine gleichwertige Formulierung kann über eine Verwendung des Fachworts Silbengelenk erreicht werden, das einen vorangehenden kurzen Vokal und einen folgenden Vokal impliziert: Im Silbengelenk schreibt man ss.Theodor Ickler: Laut-Buchstaben-Zuordnungen. sprachforschung.org/ickler, Abschnitt: 4. s – ss – ß: Zur Problematik der „Heyseschen s-Schreibung“
Das ist genau dann der Fall, wenn der s-Laut sowohl zum Ende der vorangehenden Silbe als auch zum Anfang der nachfolgenden Silbe gehört. Beispiele: Wasser, wässerig, müssen, Klasse.
Wenn aber kein Silbengelenk vorliegt, dann steht dagegen statt ss ein ß. Beispiele: wäßrig, muß, du mußt, Erstkläßler.
Geschichte Die adelungsche s-Schreibung geht auf den Orthographen Johann Christoph Adelung (1732–1806) zurück. In verschiedenen Ländern wurde sie schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbindlich. Seit der Zweiten Orthographischen Konferenz von 1901 wurde sie im gesamten deutschen Sprachraum angewendet. Seit den 1930er Jahren wurde die adelungsche s-Schreibung in der Schweiz nach und nach aufgegeben und „ß“ stets durch „ss“ ersetzt. In der Rechtschreibreform von 1996 ist die adelungsche s-Schreibung durch die heysesche ersetzt worden.
Vollständige Regel im originalen Wortlaut In seinem 1774–1786 veröffentlichten Buch Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der OberdeutschenJohann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen, 3. Teil (M–Scr). Hrsg. von Franz Xaver Schönberger, Wien 1808, Sp. 1228 f.; ub.uni-bielefeld.de beschreibt Adelung die Regelung folgendermaßen:
Siehe auch Heysesche s-Schreibung – hier werden beide Schreibweisen vergleichend gegenübergestellt.
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsche Rechtschreibung