Hossingen ist ein Stadtteil von Meßstetten im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Der Ort liegt auf der Schwäbischen Alb nordwestlich von Meßstetten.

Geschichte Keramikfunde deuten auf eine spätkeltische Ansiedlung in Bereich der Albrechtstraße hin.

Hossingen, das zur Scherragrafschaft und später zur Grafschaft Hohenberg gehörte, wurde 1347 an Heinrich von Tierberg verkauft.Bestand A602 Nr. 6595 = WR 6595 auf Landesarchiv-BW.de 1370 kam die Herrschaft Meßstetten an die Wildentierberger Linie. Durch die Heirat einer Wildentierberger Tochter Anna von der Wildentierberg mit Conrad von Hölnstein kam die Herrschaft Meßstetten an diesen. 1418 verkauft Konrad von Hölstein Tieringen, Meßstetten und Hossingen, behält aber sein Haus mit Hofreite in Tieringen.Bestand A602 Nr. 6627=WR6627 auf Landesarchiv-BW.de

Unter Württemberg wurde das Dorf vom Amt Balingen verwaltet. 1477 werden fünf Herdstätten mit Mannen und ein lediger Knecht beurkundet. Laut der Musterungsliste ab dem Jahre 1521 obliegt den Hossinger Milizsoldaten die Sicherung der Burg Hossingen nach Unterdigisheim.

Hossinger Bauern waren am Bauernkrieg beteiligt.Bestand A44 U96 auf Landesarchiv-BW.deBestand A44 U98 auf Landesarchiv-BW.de In Hossingen verübte eine Gruppe von 20 Reitern 1647 aus Konstanz einen Überfall und führte den Vogt sowie elf Pferde und Fohlen weg.

Ab 1806 gehörte das dem Oberamt Balingen unterstellte Hossingen zum neu errichteten Königreich Württemberg und ab 1919 zum gleichnamigen Volksstaat.

1907 werden im Gemeindebrief Heimatklänge Namenslisten alteingesessener Familien aus den Kirchbüchern des Jahres 1583 veröffentlicht. In Hossingen sind alteingesessene Familien schon im Anfang in den Kirchenbüchern 1525, zum Teil noch früher genannt: Eppler, Göhring 1600, Kiesinger 1604, Roth 1650, Bodmer Kanton Zürich 1654, Scherle 1760, Merz 1784, Narr 1807, Mundle 1825, Strölin 1825.

Hossingen kam 1934 zum Kreis Balingen, ab 1938 Landkreis Balingen.

Am 1. September 1971 wurde Hossingen nach Meßstetten eingemeindet.

Die Kapellen und Friedhöfe mini|Evangelische Nikolauskirche

Die Burgkapelle gehörte wie die 1404 erstmals erwähnte Hossinger St. Nikolauskapelle bis zur Reformation zur Ebinger Martinskirche. Dort befand sich längere Zeit der Friedhof für Hossingen. Alle Einwohner, Manns- und Weibspersonen, Junge und Alte, zu Hossingen gehören von alters her tot und lebendig in die Pfarrei Ebingen. Doch werden sie jetzt 1564 von einem Pfarrer zu Meßstetten versehen. Die Sargträger umrundeten laut Alb-Guide Helmut Meng Hossingen und wählten wahrscheinlich den im Originalzustand erhalten Siebenkreuzlesweg ().Absturz. In: Schwarzwälder Bote. 7. Juni 2014. Seitdem beim Ebinger Kreuz eine römische Siedlung entdeckt wurde, wird ein römischer Ursprung der Rinnen nicht mehr ausgeschlossen. Albguide Helmut Meng:Alb-Guide. In: Schwarzwälder Bote,7 August 2012. vermutet einen von den in der Gegend Wüstgläubigen genannten Reformatoren zerstörten Stationenweg auf dem Weg der Toten der Kirchspielgemeinden Heinstetten und Hossingen zum Ebinger Friedhof.Burg. In: Schwarzwälder Bote. 25. August 2016. Stationenwege mit sieben Stationen sind durchaus üblich. Ein Abzweig führt in einer Kurve zu einer Sandgrube in Richtung Meßstetten. In diesem Abzweig wurden 2016 weitere Ausgrabungen vorgenommen. Gefunden wurde eine Doppelspur mit 1,05 Metern Spurweite. Die Ortsgruppe Ebingen des Schwäbischen Albvereins führt derzeit (2015) wissenschaftliche Forschungsarbeiten durch.Rätsel. In: Schwarzwälder Bote. 17. Mai 2015.

Es wurden in Hossingen alte Grabfelder gefunden: Gräber Bohl TK 25 7819, r. 3494230, h. 5339200. Die Fundstelle liegt 75 m nordwestlich der Kirche am Westrand des Ortskernes. Nach einem Bericht samt Karte von 1891 wurden dort zu einem unbekannten Zeitpunkt „sehr alte Skelette … aber bis jetzt keinerlei Inlagen“ aufgedeckt. Hof aus dem fortgeschrittenen 7. Jahrhundert. Gräber Ob der Gasse TK 25 7819, r. 3494250, h. 5339410. Die Fundstelle liegt etwa 200 m nördlich des alten Ortskerns an einem Südwesthang.

Im Jahre 1957 wurden Gräber aus der Merowingerzeit aufgedeckt. Weitere Gräber sollen seinerzeit noch unberührt im Boden gelegen haben. Aufgrund des topografischen Lagebezugs zum alten Ortskern wird es sich bei diesen Gräbern am ehesten um das merowingerzeitliche Ortsgräberfeld handeln.Georg Schmitt: Die Alamannen im Zollernalbkreis. ( PDF, 5,8 MB). Inauguraldissertation Uni Mainz 1989, S. 146. 1275 wirkte Heinrich von Tieringen als Pfarrer. 1360 stiften die Tierberger eine Jahrzeit in der Kirche St. Lamprecht zu Meßstetten, in deren Krypta etliche Tierberger begraben sind.Bestand A 602 auf Landesarchiv-BW.de Aus dem Jahr 1337 ist eine der umstrittenen religiösen Urkunden, ein Ablassbrief aus Avignon erhalten: Wer am Altarpatronizium in der Wolfgangskapelle auf dem benachbarten Burg Altentierberg teilnimmt, dem soll laut Bischof Paulus Fluginens ein 40-tägiger Ablass der Sünden zuteilwerden.Dep. 38 T 1 Nr. 1350 auf Landesarchiv-BW.de Lichtmess 1535 wurde die Reformation in Württemberg eingeführt. Der für Hossingen zuständige Pfarrer Magister Johann Tierberger weigerte sich zunächst seine Pfarrei aufzugeben, die ihm sein Halbbruder Hans Konrad von Tierberg, der Patronatsinhaber der Ebinger Martinskirche verliehen hatte. Hans Tierberger war ein unehelicher Sohn von Melchior von Tierberg. Hans Tierberger hatte 1494 in Freiburg zu studieren begonnen und wechselte dann nach Tübingen über, wo er 1500 den Magistergrad erlangte. Da die Tierberger am alten Glauben festhielten, wollte Herzog Ulrich den Pfarrer nicht länger dulden. 1554 erfolgt ein Tausch: Die Herzöge werden Patronatsherren, traten dagegen das Patronat der Frohnstetter Kirche ab.

Sprache In Hossingen wird ein schwäbischer Ortsdialekt des Oberdeutschen gesprochen. Die seltenen auf den Felsköpfen neben dem Hochalbpfad wachsenden Küchenschellen werden im örtlichen Dialekt Hosenglocka genannt, es gibt ein Vorkommen von etwa 50 Blüten auf dem Triebfels bei Hossingen.Winfried Groh (whg): schwarzwaelder-bote.de In: Schwarzwälder Bote vom 14. Oktober 2015.

Im Hochdeutschen wäre die Übertragung Hossenglocke = Hirtenglocke, vergleichbar Nachthosser = Nachthirte.

Weitere Blumennamen sind Schlüsselblumen Baddenga, Hanf Sohmboringer Reiste und Hanuf und der Wundklee Katzendapen.

Wirtschaft Im 20. Jahrhundert wurde Hossingen von der Textilindustrie dominiert. Bedingt durch den Strukturwandel in der Branche ist ein Großteil der Arbeitsplätze in diesem Bereich weggefallen.

Trotz der Höhenlage verfügte die Landwirtschaft in Hossingen Ende des 19. Jahrhunderts über eine eigene Baumschule und zahlreiche hochstämmige Obstbäume.Obstbautabelle Seite 171, Beschreibung des Oberamts Balingen, 1880.

Kultur Heimatlied Johannes Strölin hat ein Heimatlied gedichtet. Die Zeichnung mit der Handschrift ist im Hossinger Heimatmuseum archiviert. Melodie: Wohl ist die Welt so groß und weit.Heimatmuseum Insta

Freizeit und Sport Hossingen verfügt über mehrere Vereine: Der TSV Hossingen ist vor allem für die Handballabteilung bekannt.TSV Der Schwäbische Albverein e. V., Ortsgruppe Hossingen, unterhält in Hossingen ein Heimatmuseum und mehrere kostenlose, unbewirtschaftete Schutzhütten und Grillplätze.Albverein

Sagen Der Geist vom Gräbelesberg Auf dem Gräbelesberg begegnet den Leuten ein Geist mit dem Kopf unter dem Arm.

Der Spuk an der Hossinger Leiter Bei der Hossinger Leiter am Lauterbach geht ein Geist mit den Leuten bis zum Ort. Der Mann soll vor vielen Jahren sein Weib in der Säge totgeschlagen haben.

Muislochhöhle In der Muislochhöhle wohnte ein Mann mit dem Spitznamen Mui. Ohne es zu wollen, verriet ihn seine Frau, die von den Landjägern beobachtet wurde, als sie ihm abends einen Korb mit Essen brachte.Verräterin. In: Schwarzwälder Bote, 8. September 2017. In der Gegend ist jedoch belegt, dass Waren bis 1835 für Händler über die von Landjägern bewachten Zollgrenzen geschmuggelt wurden; Ausgangspunkt und Warenlager des nächtlichen Schmuggels und Diebstahls sollen Höhlen gewesen sein. Kaffeeschmuggler Haux wurde am 21. Juli 1831 im Pfaffental von einer Kugel des Meßstetter Landjägers getroffen und starb. Lange Zeit war der Kaffee wegen der hohen Steuern das Schmuggelgut Nummer eins. Kein Zollbeamter konnte es wagen, einen Sarg zu öffnen, in dem ein Cholera- oder Pockentoter lag. Ungezählte Menǵen von Schmuggelkaffee passierten auf diese makabere Weise die Zollgrenzen. Es gab Schneider, die sich auf Kleidung spezialisiert hatten, mit der man ohne großes Risiko Zollware transportieren konnte. Äußerlich schien es ein Buckliger oder Hinkender mit Klumpfuß zu sein. Aber schon um die nächste Ecke entpuppte sich der Buckel oder die Behinderung als geschickt getarntes Versteck. In der Steige nach Ebingen gab es eine zu umgehende österreichische Zollstation im Hohenberger Forst. Bibeln sowie Gesang- und Gebetbücher wurden über schmale Pfade in entlegenste Gebiete geschmuggelt. 1698 wurde knapp eine Tonne Stahlmasseln geschmuggelt. 1750 kaufte der Eselmüller von der Winterlinger Bannmühle 130 Scheffel Dinkel aus Meßstetten und Hossingen auf und ließ ihn über die Grenze in die Schweiz schmuggeln. Da auch aus Hechingen 1000 Scheffel aufgekauft und geschmuggelt wurden, kam es zu einem Kornmangel.

Schuhmacher Vor langer Zeit wurde ein Schuhmacher aus Hossingen vom Gericht der Herrschaft angeklagt. Seine Hinrichtung schien unabwendbar. Man einigte sich auf ein Gottesurteil in Form eines einseitigen Ordals. Der angeklagte Schuhmacher hatte auf dem Schuhmacherfels in schwindelerregender Höhe über dem Abgrund ein paar Schuhe anzufertigen. Dabei durfte er nichts vom abgezählten Material verlieren. Die tadellos gefertigten Schuhe und die Tatsache, dass er nicht abstürzte, wurde damals vor Gericht als Beweis seiner Unschuld angesehen. Während in den amtlichen Karten bei einer Felsnadel bei der Muislochhöhle der Name Schuhmacherfels eingetragen ist, soll das Ordal laut mündlicher Überlieferung auf der rechten Talseite bei der Hossinger Leiter stattgefunden haben.

Des Schimmelreiters heimliche Liebschaften Eine alte Sage berichtet von dem Schimmelreiter, der sich mit seiner Geliebten heimlich beim Weichenwang trifft. Manchmal in stürmischen Herbstnächten soll nämlich auf dem alten Schloss Burtel bei Hossingen, von dem noch wenige Reste vorhanden sind, ein Schimmelreiter sichtbar werden, der gegen den Weichenwang (Heiligenwang) herüber reite. Heute steht auf dem Weichenwang in Meßstetten eine Radaranlage der Bundeswehr. Das Gelände ist nicht mehr zugänglich. Bei den Liebespaar handelt es sich um eine standesgemäße Beziehung zwischen einem edlen Ritter und der Tochter des Hossinger Burgherrn. Ihre Wohnorte sollen die Burgen Hossingen und Tierberg sein. Emil Schweizer bindet 1898 die bekannte Version dieser Sage in seinen Artikel aus den Balinger Bergen ein.

Stadt Wangen Sagenhafte Erinnerungen weiß man von abgegangenen Orten. Eine Stadt Wangen sei zwischen Hossingen und Meßstetten verschwunden.