Laufenburg (Baden) (alemannisch: Laufeburg), bis 1930 Kleinlaufenburg,leo-bw.de ist eine Kleinstadt am Hochrhein im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg direkt an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz.
Geographie mini|Das rechtsrheinische Laufenburg (Baden) 1864, linksrheinisch Laufenburg (AG), Blickrichtung flussaufwärts mini|Blick von Laufenburg (Aargau) auf Laufenburg (Baden) mini|Laufenburg am Rhein, 1906 Laufenburg ist eine der „vier Waldstädte“ am Rande des Hotzenwalds und deutsche Grenzstadt zur Schweiz. Auf der Schweizer Seite des Rheins liegt der 1801 durch den Frieden von Lunéville abgetrennte Stadtteil Laufenburg AG (Aargau), ehemals „mehrere Stadt“ oder Grosslaufenburg genannt, während der nun badische Teil „mindere Stadt“ oder Kleinlaufenburg hieß. Seit dem Mittelalter verbinden Brücken die beiden Ortsteile. 1911 wurde die moderne Laufenbrücke an der Stelle der älteren Brücke dem Verkehr übergeben, 2004 folgte die wenig rheinaufwärts liegende Hochrheinbrücke.
Städte und Gemeinden in der Umgebung Nachbarorte: Laufenburg AG, Kaisten (CH), Murg, Rickenbach (Hotzenwald), Görwihl, Albbruck, Mettauertal (CH) Zentralorte in der nahen Umgebung (< 15 km): Bad Säckingen, Waldshut-Tiengen, Laufenburg AG, Stein AG, Frick Weitere Umgebung (> 15 km): Lörrach, Basel, Brugg, Aarau, Zürich, Schaffhausen, St. Blasien, Todtmoos, Freiburg, Singen (Hohentwiel)
Stadtgliederung Zur Stadt Laufenburg (Baden) gehören die früher selbstständigen Gemeinden Binzgen (1160 Einwohner), Grunholz (625 Einwohner), Hauenstein (bis zur Eingemeindung kleinste Stadt Deutschlands, heute 97 Einwohner), Hochsal (555 Einwohner), Luttingen (1102 Einwohner), Rotzel (518 Einwohner) und Stadenhausen (140 Einwohner).
Zur ehemaligen Gemeinde Binzgen gehören das Dorf Binzgen, die Zinken Bühl, Diegeringer Mühle, Gaisbühl, Hammer, Hochrütte (Bürlishäuser) und Loch (Binzger Loch), das Gehöft Mittlerholz und die Häuser Hinterfeld (Rohr) und Spechtenhof (Rappenstein). Zu den ehemaligen Gemeinden Grunholz, Hauenstein und Luttingen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur Stadt Laufenburg (Baden) in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehören die Stadt Laufenburg (Baden) und die Stadtteile Rhina und Stadenhausen. Zur ehemaligen Gemeinde Rotzel gehören das Dorf Rotzel, der Zinken Hübel und die Höfe Im Rebland und Winterhof.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 994–999
Bei Laufenburg münden mehrere kleine Gewässer von rechts in den Rhein: der Mühlbach an der Stadtgrenze zu Albbruck, der Bleielbach, der Feldgraben, der Andelsbach, das Hänner Wuhr, der Schreiebach und der Seelbach.
Geschichte mini|Merian: Laufenburg um 1640 mini|Hauptstraße und Halde Bis zum 18. Jahrhundert Laufenburg wurde 1173 erstmals urkundlich erwähnt, als das Kloster in Säckingen den Ort als Lehen an die Habsburger übergab. Die erste urkundliche Erwähnung von Loufenberc erfolgte im Jahr 1207; der Ortsname bedeutet «Berg beim Wasserfall, beim Wasserstrudel, bei den Stromschnellen».Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 239–241 Demgemäß bestanden damals bereits Burganlagen (nördliche Burg Ofteringen und südliche Burg auf dem Hügel) neben der Stromschnelle im Rhein, dem Kleinen Laufen, der später die beiden Stadtteile trennte. An dieser schmalen Stelle im Flusslauf konnte mit Pfeilern auf den über das Wasser aufragenden Felsen mit verhältnismäßig wenig Aufwand eine Brücke errichtet werden. Laufenburg war Münzstätte der Grafen von Habsburg-Laufenburg.
1315 erlangte Laufenburg das habsburgische Stadtrecht. Zum Schutz des Flussübergangs wurde als Ergänzung der Stadtbefestigung und zum Schutz der Häuser an der Hauptstraße, der zur Landstraße hinaufführte, ein weiträumiges Vorwerk am nördlichen Flussufer mit Türmen und dem Waldtor (an der Stelle des heutigen Rathauses) errichtet. Aus dieser kleinen Vorstadt, die eine eigene Kirche besaß, entwickelte sich die heutige Stadt Laufenburg (Baden).
Im Dreißigjährigen Krieg waren Laufenburg und das Fricktal zeitweise von den Schweden besetzt. Herzog Federigo Savelli geriet in der Schlacht bei Rheinfelden in Gefangenschaft und wurde im Rathaus von Laufenburg eingesperrt, konnte aber mit Hilfe einer Frau fliehen. Aus Rache für seine Flucht über den Rhein (bei Hüningen, da die andern Brücken zerstört waren) in die Schweiz wurden der Pfarrer, der Kaplan und ein schwedischer Feldweibel (dieser wegen des Verlassens seines Postens) kurz darauf auf Anordnung Johanns von Nassau und Johann Ludwigs von Erlach in der Bluttat von Laufenburg hingerichtet.Emil Jegge: Die Geschichte des Fricktals bis 1803. Joh. Binkert, Laufenburg 1943, S. 158
Im Oktober 1793 ertranken George Samuel Browne und sein Freund Charles Sedley Burdett in den Stromschnellen unterhalb der Laufenbrücke bei dem Versuch, diese mit einem Weidling zu durchfahren. Emil Strauß schrieb 1909 die Novelle Der Laufen.
19. Jahrhundert bis heute Bis 1801 stand ganz Laufenburg als Teil Vorderösterreichs unter habsburgischer Herrschaft. Im Jahre 1801 wurde Laufenburg im Frieden von Lunéville durch Napoleon geteilt. An der Laufenbrücke wurde eine Zollstelle errichtet.
Das jetzt badische Laufenburg nannte sich fortan Kleinlaufenburg; diesen Namen trug die Stadt bis 1930, als sie ihn durch das noch heute geltende Laufenburg (Baden) ersetzte. In diesem Zusammenhang steht auch die Tatsache, dass die Einheimischen noch heute von Laufenburg AG mit der alten Grafenburg von der mehreren Stadt und von Laufenburg (Baden) von der minderen Stadt sprechen.Siehe auch Burg Laufenburg.
Im Jahre 1908 wurden beim Bau des 1,2 km stromabwärts gelegenen Laufenburger Kraftwerkes, des ersten stromquerenden Flusskraftwerks im Rhein, einige der Laufenfelsen weggesprengt. Neben dem Rheinfall bei Schaffhausen hatten diese die beeindruckendste Stromschnelle des Hochrheins, den Kleinen Laufen, gebildet. Der Maler Gustav Schönleber war zuvor von der Badenschen Regierung beauftragt worden, diese landschaftliche Sehenswürdigkeit künstlerisch in einem Gemälde festzuhalten.
Viele Bürger Laufenburgs lebten in der Frühen Neuzeit von der Eisenindustrie. Das Doggererz bezog man aus den Bergwerken im Fricktal, vor allem aus Herznach und Frick, und verarbeitete es zu Handelseisen. So schreibt schon Sebastian Münster in seiner Cosmographia „die Bewohner nähren sich zu einem guten Teil von dem Erz das man schmeltzt …“ und bildete als Vignette im Text zu Laufenburg ein Hammerwerk ab. Am 21. Januar 1494 gründeten 33 Hammerschmiedmeister den Hammerschmiedbund.Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds; S. 474
Ein weiteres bedeutendes Gewerbe bildeten die „Laufenknechte“, die gegen gutes Geld oberhalb der Stromschnellen Schiffe entluden, die Waren auf Karren packten und die leeren Boote an Seilen durch das tosende Wasser führten. Auch Flöße wurden von ihnen aufgebunden, die Stämme einzeln durch den „Laufen“ geschickt und unten wieder zusammengebunden. Die Hochrheinflößerei erreichte Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Schifffahrt bereits deutlich abgeflaut war, ihren Höhepunkt. Ab der Aaremündung bei Koblenz wurden zwischen 1852 und 1859 insgesamt 20.618 Flöße, im Jahresdurchschnitt 2.577 Flöße, gezählt. 1927, 15 Jahre nach Fertigstellung des Kraftwerks Laufenburg, fuhr das letzte Floß bis Basel.Rudolf Metz. Geologische Landeskunde des Hotzenwalds. Moritz Schauenburg Verlag. Lahr/Schwarzwald 1980. S. 600f
Unterhalb der Stromschnellen sammelten sich die Lachse (Salm) auf ihrer Wanderung flussaufwärts. Der Lachsfang war das dritte bedeutende Gewerbe der Stadt und ist bis heute im öffentlichen Bewusstsein besonders präsent, da die Fischerzunft als Narrenzunft weiterlebt.
Heute legen die beiden Schwesterstädte, Laufenburg (Baden) und Laufenburg (Schweiz), einen hohen Wert auf ihre grenzüberschreitenden Beziehungen, und es gibt zahlreiche Feste, insbesondere die alemannische Fasnacht, die von beiden Städten gemeinsam gefeiert werden.
Eingemeindungen Ohne Einbeziehung der Bürger wurden 1933 Rhina und 1934 Stadenhausen (November) durch die Nationalsozialisten nach Laufenburg eingemeindet. Die Zwangsheirat mit Rhina führte bis in die 1950er Jahre zu erheblichen Spannungen innerhalb der Stadtgesellschaft.Archiv der Stadt Laufenburg (Baden), Mappe Albert Wasmer
Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden folgende Gemeinden nach Laufenburg (Baden) eingemeindet:
1. Juli 1971: Grunholz 1. Januar 1972: Hauenstein 1. Mai 1972: Luttingen und Binzgen 1. Juli 1972: Rotzel 1. Januar 1975: Hochsal
Wappen der ehemaligen Gemeinden
Einwohnerentwicklung 1802: 270 – nach Teilung der Stadt durch Napoleon 1900: 600 1930: 1000 1933: 1424 – mit dem neuen Ortsteil Rhina 1939: 1924 – mit dem neuen Ortsteil Stadenhausen 1946: 2006 1948: 2150 1949: 2200 1951: 2397 1957: 3140 1961: 3400 1963: 3512 1967: 3700 1974: 7100 – nach der Gebietsreform mit weiteren 6 Ortsteilen 1978: 7300 – davon Kernstadt > 4000 2022: 9136 Nach dem Schulhaus-Neubau ein Schlachthaus geplant. In: Südkurier | Laufenburg. Ausgabe 21. März 1961Ansprache des Bürgermeister-Stellvertreters Stadtrat Helmut Weber zum 50. Geburtstag von Bürgermeister Wasmer am 23. Oktober 1967
Kultur, Religion und Sehenswürdigkeiten Fasnacht In Laufenburg hat sich bis heute eine der ältesten Fasnachten im süddeutschen Raum erhalten. Hauptträger der Fasnacht ist die Narro-Altfischerzunft 1386. Ihre Entstehung geht bis ins Jahr 1386 zurück und wurzelt in der österreichischen Vergangenheit der Stadt Laufenburg. Im besagten Jahr erfolgte unter Graf Hans IV. von Habsburg-Laufenburg der Verkauf der Burg, Stadt und Herrschaft Laufenburg an seinen Vetter, den österreichischen Herzog Leopold III. Am 4. Juli 1386 nahm Herzog Leopold III. die Huldigungen seiner neuen Untertanen an und aus dieser Zeit stammt die Sage vom Laufenburger Fasnachtskleid. Auf die Frage des Herzogs nach einem Anliegen ergriffen die Laufenburger Ratsherren die Gelegenheit und baten ihren Herrn um ein besonderes Gewand, woran man die treuen Laufenburger vor aller Welt erkennen könne. Sie erhielten ein Gewand aus unzähligen bunten Lappen, die wie Schuppen der edlen Lachse aufeinanderlagen. Die Ratsherren fanden an diesem Kleid keinen Gefallen. Die Fischerzunft aber, die schon damals die Fasnacht als ihr Hauptfest feierte, nahm das Gewand gerne an und trug es fortan an der Fasnacht. Die Krönung des Schuppenkleides ist eine von einem Künstler aus einem Stück geschnitzte Holzmaske. Napoleon vermochte 1801 durch seinen Machtanspruch die vorher vereinte Stadt politisch zu trennen, nicht aber ihr Narrentum: Die Städte beiderseits des Rheins haben noch heute eine gemeinsame Zunft, die getrennt verwaltet wird.
Jedes Jahr am ersten Faißen (fetten) Donnerstag findet abwechselnd einmal auf Badischer und einmal auf Schweizer Seite das traditionelle Hauptbott statt. Zum Hauptbott sind alle Zunftbrüder mit „Wiibli“, Zunftfreunden, Gästen und Gönnern sowie Abordnungen beider Stadträte eingeladen. Bei dieser Versammlung werden nochmals die Höhepunkte des vergangenen Jahres angesprochen. Auch die Gäste haben das Wort. Hauptereignis ist aber die Aufnahme von neuen Zunftbrüdern.
Anwärter für die Aufnahme in die Zunft müssen einige Jahre in Laufenburg ihren Wohnsitz haben und männlichen Geschlechts sein. Ein schriftlicher Antrag mit Begründung für den Eintritt in die Narrenzunft muss dem Zunftrat vorliegen. Zur Aufnahme in die Zunft bedarf es einer Zweidrittelmehrheit. Diese Abstimmung wird in geheimer Wahl durch die anwesenden Zunftbrüder an einem Bott vorher durchgeführt.
mini|Narronen beim Narrolaufen 2009