Der Begriff Grundkomponenten von Handschriften wurde von Lothar Michel geprägt und hat in die forensische Handschriftenuntersuchung allgemein Eingang gefunden.Vgl. Michel, Lothar: Gerichtliche Schriftvergleichung. Eine Einführung in Grundlagen, Methoden und Praxis, Berlin 1982, 78–85.
Bei den Grundkomponenten von Handschriften handelt es sich um ein System von Kategorien, denen Schriftmerkmale zugeordnet werden können. Das System ist vollständig und hierarchisch gegliedert.
Jeder durch eine Grundkomponente abgegrenzte Merkmalsbereich der zu vergleichenden Handschriften wird "Top-down", das heißt vom Allgemeinen ausgehend zu den Besonderheiten hin, analysiert. Hierdurch können Aussagen zum Beispiel zur Identität der Urheberschaft oder zur Echtheit der zu vergleichenden Handschriften getroffen werden.
Die Michel’schen Grundkomponenten Strichbeschaffenheit: Strichspannung, Strichsicherheit, Strich in sich, Bewegungsvor- und -rückschläge Druckgebung: Druckstärke, Druckverlauf Bewegungsfluss: relative Schreibgeschwindigkeit, Erfolgsgeschwindigkeit (Textleistung), Schreibeile, Grad und Art der Verbundenheit Bewegungsführung und Formgebung: Linien-/Bogenzügigkeit, Vereinfachung/Erweiterung, Besonderheiten der Formgebung Bewegungsrichtungen: Bewegungsabläufe/Bewegungsinkonsequenzen, Neigungswinkel, Zeilenführung Vertikale Ausdehnungen: Größen, Größenproportionen Horizontale Ausdehnungen: primäre Weite/Enge, sekundäre Weite/Enge Vertikale Flächengliederung: Obenrand, Untenrand, Zeilenabstände Horizontale Flächengliederung: Linksrand, Rechtsrand, Wortabstände, Flächenüberschreitungen
Literatur Lothar Michel: Gerichtliche Schriftvergleichung. Eine Einführung in Grundlagen, Methoden und Praxis, Berlin 1982.
Einzelnachweise
Kategorie:Manuelles Schreiben Kategorie:Forensik