mini|Topographie von Suhl – Quelle: OpenTopoMap (2016) Suhl ist eine kreisfreie Mittelstadt im fränkisch geprägten Süden des Freistaats Thüringen und staatlich anerkannter Erholungsort. Sie liegt am Südhang des Thüringer Waldes im Tal von Lauter und Hasel. Suhl wird von der Landesplanung als Teil des kreisübergreifenden und funktionsteiligen Oberzentrums Südthüringen festgeschrieben.
Aufgrund ihrer Geschichte als Standort von Rüstungsbetrieben erklärten am 14. Februar 1991 die gewählten Vertreter des Stadtrates Suhl zur Stadt des Friedens. Gleichwohl bezeichnet sich die Stadt wegen der langen Tradition der Jagdwaffenherstellung gemäß Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2005 als Waffenstadt Suhl.
Suhl war über die Jahrhunderte eine vom Bergbau geprägte Stadt. Im Jahr 1952 wurde sie Bezirksstadt des Bezirkes Suhl. Es folgte der Beschluss, die Stadt umzugestalten und zu vergrößern. Beim Umbauprozess wurde umfangreich alte Bausubstanz in der Innenstadt abgerissen und durch moderne, von der Plattenbauweise geprägte Architektur ersetzt. So wuchs Suhl innerhalb weniger Jahre von etwa 25.000 Einwohnern auf über 56.000 an. Seit 1990 verzeichnete die kreisfreie Stadt allerdings mit knapp 40 Prozent den mit Abstand größten Bevölkerungsrückgang unter allen Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands.Daniel Eckert: Leben Sie in einer Zukunftsregion?, veröffentlicht auf welt.de am 24. September 2020, abgerufen am 25. September 2020.
In der Vergangenheit wurde Suhl sowohl für die seit Jahrhunderten ansässige Waffenherstellung als auch durch den Kraftfahrzeug- und Zweiradhersteller Simson bekannt. Viele Menschen verbinden mit Suhl auch das Wirken des Komponisten und Interpreten volkstümlicher Musik Herbert Roth. Heute sind es auch bekannte Wintersportler und Sportvereine wie der VfB 91 Suhl oder der Skiverein SWV Goldlauter-Heidersbach.
Geographie Geographische Lage Suhl liegt in einem in Südrichtung langgezogenen Tal (minimal 380 m über NN) am Süd- bis Westrand des Thüringer Waldes. Die Stadt ist von Bergen zwischen 650 und 983 m Höhe umgeben. Im Nordosten schließt das Stadtgebiet einen Teil des Rennsteigs, sowie die Gipfel des Großen Beerbergs (983 m), des Schneekopfs (978 m), des Großen Finsterbergs (944 m), des Großen Eisenberges (907 m) und des Sachsensteins (915 m) mit ein. Es grenzt schließlich mit dem Stadtteil Gehlberg an den nördlichen Teil des Thüringer Waldes sowie an das Tal der Wilden Gera. Im Osten wird das Kernstadtgebiet von Gipfeln begrenzt, die zum Adlersberg-Massiv zu zählen sind (Großer Erleshügel 839 m, Ringberg 746 m, Beerberg 808 m, Großer Dröhberg etwa 730 m). Des Weiteren dehnt sich das Stadtgebiet hier über den Stadtteil Vesser einschließlich des oberen Vessertales bis zum Stadtteil Schmiedefeld am Rennsteig aus. Südlich schließt sich mit dem 671 m hohen Schleusinger Berg (bzw. seinen Suhler Vorgipfeln Steinsburg und Sommerberg) der am Schneeberg bis zu 692 m hohe Kleine Thüringer Wald an, der bereits zum Thüringer-Wald-Buntsandstein-Vorland gezählt wird und im Westen Suhls in noch deutlich niedrigere Gipfel übergeht. Innerhalb der Stadt sind der Domberg (674,8 m), der Berg Hohe Loh (529 m) mit dem gleich hohen Nebengipfel Hainberg und der Döllberg (760 m) von Bedeutung.
Nachbargemeinden sind die sich unmittelbar anschließende Stadt Zella-Mehlis im Norden (Landkreis Schmalkalden-Meiningen), die Gemeinde Dillstädt im Westen, Geratal, Elgersburg und Ilmenau (alle drei Ilm-Kreis) im Osten und die Städte und Gemeinden Schleusingen, Schmeheim und Oberstadt (Landkreis Hildburghausen) im Süden.
Ein Teil der Suhler Gemarkung berührt im Osten das Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald der UNESCO.
Berg Höhe OrtsteilGroßer Beerberg983 mGehlbergSchneekopf978 mGehlbergGroßer Finsterberg944 mSchmiedefeld am RennsteigGroßer Eisenberg907 mSchmiedefeld am Rennsteig
Geologie Aufgrund der geologischen Situation am Rand des Thüringer Waldes kommen bei Suhl verschiedene Bodenschätze vor. Eisenerze: Roteisenerz, Brauneisenerz, Magneteisenerz in Gang- und sedimentären Lagerstätten fast im gesamten Stadtgebiet Kupfererze: Kupferkies, Kupferpecherz, Malachit in Ganglagerstätten, aber auch im Acanthodesschiefer bei Suhl-Goldlauter Silbererze: Fahlerze und selten gediegen Silber im Acanthodesschiefer; Silbergehalte der Gang-Kupfererze Manganerze: Braunstein, Schwarzer Glaskopf in Gängen Uranerze: Anreicherungen von Uranglimmer und Pechblende in Lettenlagen des Buntsandsteins Steinkohle: kohlehaltige Schiefer in permischen Sedimenten Spat: violetter Fluorit, Baryt, Calcit Salz: hoch angereicherte Chlorkalziumquelle „Ottilienquelle“, 2003 wieder neu erbohrt Alle Bodenschätze wurden bis Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts, Eisenerze und Spat bis Anfang des 20. Jahrhunderts bergmännisch gewonnen. Heute spielen sie keine wirtschaftliche Rolle mehr.
Stadtgliederung Zu Suhl gehören zehn eingemeindete Dörfer und die zu DDR-Zeiten errichteten Plattenbau-Wohnkomplexe am Stadtrand sowie das Stadtzentrum im Tal in der Mitte. Sie sind in der Liste der Ortsteile von Suhl aufgeführt.
Die im Jahr 1994 eingemeindeten Orte Dietzhausen, Wichtshausen und Vesser haben eigene Postleitzahlen und Telefonvorwahlnummern: Dietzhausen und Wichtshausen die Postleitzahl 98529 und die Vorwahl 036846, Vesser die Postleitzahl 98528 und die Vorwahl 036782.
Die 2019 eingemeindeten Orte Gehlberg und Schmiedefeld am Rennsteig haben wie Vesser die Postleitzahl 98528.
Geschichte Frühgeschichte Bodenfunde auf dem Gebiet der heutigen Stadt Suhl belegen den Aufenthalt von Menschen schon um 2000 v. Chr. Etwa 500 v. Chr. wurden mit der Einwanderung keltischer Volksstämme im Suhler Raum Menschen sesshaft. Angenommen wird, dass ein einzelner Hof in der Gegend der Hauptkirche, am Rimbach gelegen, die erste Ansiedlung war. Die Salzquellen und das vorgefundene Eisenerz dürften der Anlass zur Ansiedlung gewesen sein. Der anfängliche Hof vergrößerte sich zum Dorf und entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte allmählich zur Stadt.
Mittelalter Unterlagen des Klosters Fulda nennen zwischen 900 und 1155 wiederholt einen Ort „Sulaha“. Seit etwa 1100 gehörte das Gebiet den Grafen von Henneberg. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1300. Die ältesten Eisenhämmer Suhls wurden 1363 bis 1365 genannt: der Niederhammer und der Lauterhammer. Damit wird eine vorherige Tradition des Eisenerzbergbaus belegt, die bis um die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückreicht. Bereits aus dem Jahr 1474 sind Berichte von Verhandlungen am Berggericht zu Suhl überliefert.
Anstelle eines früheren Vorgängerbaus wurde auf dem Kirchberg, dem ältesten Siedlungszentrum der Stadt, von 1487 bis 1491 die Hauptkirche St. Marien errichtet. Nach Stadtbränden 1590, 1634 und 1753 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche, zuletzt 1761 im Rokoko-Stil.
Frühe Neuzeit Von 1500 bis 1806 gehörte Suhl, wie auch das restliche Henneberger Land, zum Fränkischen Reichskreis.
1527 bestätigten die gefürsteten Grafen von Henneberg-Schleusingen Suhls städtische Rechte und Statuten, die zuvor schon bestanden.Diese Ansicht wurde 1940 von Karl Grübner im Jahrbuch des Hennebergisch-fränkischen Geschichtsvereins abgelehnt und 1623/24 als Zeitpunkt der Stadtwerdung Suhls favorisiert. 1553 wurde Suhl als Bergstadt bezeichnet, was der Stadt Rechte und Pflichten als Sitz der Bergverwaltung und der Berggerichtsbarkeit zubilligt. Im gleichen Jahr ließen sich Büchsenschmiede aus Nürnberg und Augsburg nieder, seit 1535 ist die Handfeuerwaffenproduktion nachgewiesen.
Eisenerzabbau bildete die Grundlage für die Entwicklung des Rohrschmiede- und Büchsenmacherhandwerks. Die Fertigung von Sicheln und Wagen ist 1155 und von Harnischen, Panzern und Schwertern im Jahr 1499 nachgewiesen. 1548 bildete sich die Barchent- und Leineweberzunft, 1555 erfolgte die Gründung der Rohr- und Büchsenschmiede-Innung. Graf Georg Ernst von Henneberg erteilte 1563 den „Schlössern, Büchsenmachern, Spohrern und Windenmachern“ Innungsprivilegien.Wilhelm Maesser: Die Bevölkerung des Kreises Schleusingen, vornehmlich im 17. Jahrhundert, 1914, Seiten 42–46 (online bei archive.org) Ende des 16. Jahrhunderts wurden jährlich über 20.000 Gewehrrohre hergestellt. Im Jahr 1555 wurde mit dem Bau der vor den Toren der Stadt gelegenen Gottesackerkirche/Heiligkreuzkapelle begonnen. Die drei Hauptflüsse Steina, Lauter und Hasel lieferten die Antriebsenergie für 37 im Stadtgebiet nachgewiesene Mühlen.Udo Jacobs: Mühlen an Steina, Lauter und Hasel (= Suhler Heimat. 1). Erfurt Druck- und Verlags-Haus, Erfurt 1994, , S. 72.
Nach dem Tod von Georg Ernst von Henneberg im Jahr 1583 fiel die Stadt als gemeinschaftlicher Besitz an die sächsischen Wettiner. Für das Jahr 1590 ist der erste große Stadtbrand bezeugt. Kaiserliche kroatische Truppen unter Feldmarschall Graf Johann Ludwig Hektor von Isolani plünderten und zerstörten Suhl 1634 im Dreißigjährigen Krieg, nachdem zwei Jahre zuvor Waffenproduktion und -handel ihren Höhepunkt erreicht hatten. Auch die Truppen des schwedischen Königs Gustav Adolf von Schweden wurden mit Waffen beliefert, daher erschien Suhl den Kriegsparteien immer wieder als lohnendes Ziel. Die Eisen- und Waffenproduktion geriet in eine Krise. Der Bergbau konnte sich seitdem nicht wieder erholen.
Suhl war von 1553 bis 1699 von der Hexenverfolgung betroffen. Im gesamten heutigen Stadtgebiet mit den Ortsteilen Albrechts, Dietzhausen, Goldlauter, Heinrichs (Suhl), Mäbendorf, Neundorf (Suhl), Vesser (Suhl) und Wichtshausen gab es 116 Hexenprozesse mit 74 Hinrichtungen. Vier Angeklagte starben unter der Folter. Am 26. Juni 2011 wurden die Opfer der Suhler Hexenprozesse postum rehabilitiert.Quellenangaben zu Suhl (zu den Ortsteilen siehe daselbst): Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“. Bereich Suhl, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum (= Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland. Band 2). DOBU-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-934632-03-3, S. 246 und 254, (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2000); Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-10602-X, S. 597–617, (Zugleich: Chemnitz, Technische Universität, Habilitations-Schrift).
mini|hochkant|Eilert-Köhler-Orgel und Altar in der Kreuzkirche Seit Mitte des 17. Jahrhunderts ist in Suhl Orgelbau ansässig. Caspar Lehmann, auch Kaspar Lochmann genannt, unterhielt mit Johann Heinrich Mann eine in Südthüringen anerkannte Orgelbaufirma. Bezeugt sind Suhler Instrumente u. a. in Steinbach (Steinbach-Hallenberg), Ohrdruf und Rohr.
1660 wurde Suhl nach dem sächsischen Teilungsvertrag albertinisch und fiel als Sitz des Amtes Suhl an das Herzogtum Sachsen-Zeitz.
In den 1690er Jahren bemühte sich Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz um eine Belebung des Bergbaus. Nach einem Gutachten von J. M. Paräus, Bergdirektor, wurde ein Konzept erarbeitet, in dessen Folge ein Hochofen in Suhl errichtet und zahlreiche Bergwerke wieder oder neu aufgenommen wurden – teils mit modernster Bergtechnik, wie beispielsweise einer Wasserkunst (1696 am Schacht Moritz Wilhelm).
Am 28. Mai 1702 marschierten 150 Dragoner unter Befehl des kursächsischen Oberst Roland in die Stadt ein und beschlagnahmten 620 Gewehre, die an den schwedischen General Baron Gyldenstein geliefert werden sollten. Den Auftrag dafür gab der sächsische Kurfürst August der Starke, der damit ein Zeichen gegen den florierenden Waffenhandel der Suhler mit Kriegsgegnern wie Schweden setzen wollte. Die Besatzungstruppe verließ Suhl mit dem Hinweis, dass man auch diejenigen Waffen abholen würde, die von anderen ausländischen Potentaten bestellt worden sind. Die von Herzog Moritz Wilhelm ausgerufene Mobilmachung der Landmiliz wurde erst am 15. Juli 1702 wieder aufgehoben.