Das unsichtbare Visier ist eine sechzehnteilige deutsche Fernsehserie von Peter Hagen. Sie wurde durch das DEFA-Studio für Spielfilme für das Fernsehen der DDR in den Jahren 1973 bis 1979 produziert und entstand in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR.

Allgemeines Die einzelnen Teile dauerten ungefähr 75 Minuten, je zwei oder drei Teile ergaben eine zusammenhängende Episode. In der ersten Staffel (Folgen 1–9) war die gleichnamige Roman-Buchreihe von Herbert Schauer und Otto Bonhoff Vorlage für das von ihnen auch geschriebene Drehbuch. Die zweite Staffel (Folgen 10–16) sowie die nachfolgende Miniserie Feuerdrachen schrieb Michel Mansfeld (Pseudonym von Oberst Günter Halle, Leiter der Abteilung Agitation des MfS von 1957 bis 1975). Für die zweite Staffel und die Serie Feuerdrachen gibt es keine Romanvorlagen. Die auch außerhalb der Serie z. B. für Auftritte des Fernsehballetts verwendete Filmmusik stammt von Walter Kubiczeck. Sie war die erste, die in der DDR auf einer LP (Langspielplatte) veröffentlicht wurde.

Hauptdarsteller der Spionagereihe war zunächst Armin Mueller-Stahl, der 1976 wegen seines Protestes bei der Ausbürgerung von Wolf Biermann in Ungnade fiel. 1980 verließ Müller-Stahl die DDR. Seit 1977 hatte Horst Schulze die Hauptrolle in der Fernsehserie; im MfS-Team spielte auch Jürgen Heinrich, der nach der Wende auch im Westen bekannt wurde.

Mit einer Sehbeteiligung von teilweise weit über 50 % in der DDR war die Serie sehr erfolgreich.

1979 erhielt das Kollektiv mit Otto Bonhoff, Peter Hagen, Ottomar Lang, Dr. Michel Mansfeld, Wenzel Renner und Herbert Schauer den Orden Banner der Arbeit Stufe I.

Handlung Erste Staffel (Folge 1–3, 1945 – 1951) von 1973 In der ersten Folge wird erzählt, wie Werner Bredebusch (Armin Mueller-Stahl) als „Kundschafter“ vom MfS rekrutiert wird. Der Transportflieger Werner Bredebusch, Angehöriger der Transportfliegerstaffel 11, beging Fahnenflucht und lief im Zweiten Weltkrieg aus Gewissensgründen zu den Sowjets über und wurde in der Kriegsgefangenschaft Frontbeauftragter des Nationalkomitees Freies Deutschland. Nach der Gründung des MfS 1950 wird er für dieses gewonnen und erhält den Auftrag, die Identität des gefallenen Jagdfliegers Oberleutnant Achim Detjen aus Hamburg anzunehmen. In einem Heimkehrerzug gelangt Bredebusch alias Detjen in die Bundesrepublik.

Der wirkliche Detjen hat sich in Frankreich eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht und wird deshalb von der französischen Besatzungsmacht gesucht. Doch bevor ein Kommando der französischen Militärpolizei Bredebusch alias Detjen ausfindig machen kann, wird er von einer Geheimorganisation abgefangen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, zurückkehrende Kriegsverbrecher und Nationalsozialisten aufzufangen und so die „alten Kameraden“ vor Verfolgung zu schützen. Später wird die Organisation ausdrücklich ODESSA genannt, die Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen. Auf dem „römischen Weg“ gelangt der Kundschafter mit Hilfe dieser Organisation über Italien nach Argentinien, wo er das Vertrauen von Oberst Krösing, dem ehemaligen Geschwaderchef von Detjen, erwerben kann.

In der zweiten Folge erlebt Detjen Abenteuer im südamerikanischen Urwald und man erfährt, dass die alten Nationalsozialisten planen, bei der künftigen Errichtung der Bundeswehr eine Rolle zu spielen. Auf der Spur dieser „Wölfe“ befindet sich auch der französische Journalist Charles André. Detjen wird mit dessen Verfolgung beauftragt, warnt diesen aber vor einer Falle und gewinnt sein Vertrauen. Danach spielt er ihm weiteres enthüllendes Material zu, bittet ihn aber, seinen Namen in seinem Bericht nicht zu erwähnen. Am Ende der Folge wird der Journalist von den Schlägertrupps der Wölfe dennoch ermordet.

mini|Schloss Burgk in Thüringen, Drehort anstelle der Burg, die in der dritten Folge „Das Wasserschloß“ vorkommt. In der dritten Folge kommt Detjen mit Krösing im Jahre 1951 in die Bundesrepublik Deutschland zurück, wo sie für die „Dienststelle des Bevollmächtigten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“, dem Amt Blank, der Vorgängerorganisation des Bundesministeriums der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland, arbeiten. Krösing führt Detjen in die von Nationalsozialisten durchsetzte westdeutsche Gesellschaft ein. Durch interne Machtspiele innerhalb des Amtes Blank bekommt es Detjen auch schnell mit dem CIA-Agenten Wilson zu tun. Dessen Bekanntschaft und die daraus entstehenden weitläufigen Kontakte nutzt er dabei für seine Arbeit immer wieder geschickt aus. Außerdem erhält Detjen ersten Kontakt zu seinen beiden Unterstützern, der Frankfurter Fotografin Winni Winkelmann und dem Korvettenkapitän Wendland. Diese helfen ihm bei seiner Arbeit und ermöglichen die Übergabe der durch ihn gewonnenen Erkenntnisse.

Eine erste größere Aufgabe für Detjen ist die Mitorganisation eines geheimen Treffens auf einem Wasserschloss, wo die Aufrüstung Westdeutschlands besprochen wird. Detjen lässt dem MfS Kopien der Sitzungsprotokolle zukommen (ein nur wenig verbrämter Hinweis auf die Himmeroder Denkschrift). So kann der Rundfunk der DDR – der Deutschlandsender – am 11. August 1951 die westdeutschen Machenschaften publik machen, sehr zum Missfallen der alten/neuen Militärs im Westen.

Interessant ist die Sequenz des 3. Teils ab 1:15:05 bis 1:15:46. Man sieht links neben dem Gebäude der Nationalen Front zwei DDR-Flaggen mit Emblem wehen. Diese Fahne gibt es aber erst nach 1959; aber die im Film genannte Internationale Pressekonferenz fand 1951 statt.

Erste Staffel (Folgen 4–5, 1958) von 1975 Im Sommer 1958 stürzt eine portugiesische Linienmaschine während des Fluges von Lissabon nach Porto ab. An Bord reisten zwei Bundesbürger, einer von ihnen war Ministerialdirigent Dr. Franz Hohlfeld vom BRD-Verteidigungsministerium. In Bonn löst die Nachricht Alarm aus: man befürchtet einen Anschlag aus politischen Gründen. MAD-General Gert von Wieseneck traut sich nicht einmal, mit dem Fall einen seiner eigenen Mitarbeiter zu betrauen. Er ersucht seinen Schwiegervater, Oberst Krösing, um die Hilfe seines – in heiklen Angelegenheiten zuverlässigen – Adjutanten, Major Achim Detjen. Detjen reist als Versicherungsdetektiv nach Lissabon, um so ungestört und diskret ermitteln zu können. Wieseneck verfolgt seine Tätigkeit von der Botschaft der Bundesrepublik aus.

Schon am ersten Tag gibt es Probleme: Portugal Airways verweigert die Herausgabe der genauen Passagierliste, und bei Besichtigung des Unfallortes verüben drei Amerikaner – John, Stan und ihr Chef Cliff, die auch für den Anschlag verantwortlich sind – einen Mordversuch an Detjen. Er kommt nur knapp mit dem Leben davon. Von Isabella Solano, einer Mitarbeiterin der Portugal Airways, erfährt er, dass es einen Passagier gab, der einen Flugschein für die Maschine gelöst hatte, aber die Maschine nicht bestiegen hatte. Trotzdem hat man ihn unter den Toten am Unfallort gefunden. Detjen nimmt die Spur von Rafael Lupus auf. Er findet heraus, dass er Lkw-Fahrer im Ethnographischen Museum war. Im Museum lernt er einerseits die etwas merkwürdige Direktorin Prof. Godiva kennen, andererseits bemerkt er hinter einer exotischen Maske Augen, die ihn beobachten.

Bei der Polizei erfährt Detjen, dass das Gepäck seines „Klienten“, des Kaufmanns Lüders, und das von Dr. Hohlfeld schon von der Botschaft abgeholt worden ist. Als er von Wieseneck davon berichtet, scheint jener zu explodieren: von ihnen sei es niemand gewesen, die Koffer sind also in falsche Hände geraten! Detjen spürt, dass mit Lüders etwas nicht stimmt, also ermittelt er auch in seinem Fall.

Durch Isabella – mit der er eine Nacht verbringt – erreicht ihn eine Nachricht der Amerikaner: er soll sich mit ihnen bzw. ihrem Chef treffen. Sie bieten ihm das ganze Honorar an, das ihm von seiner Firma zustünde, wenn er in Deutschland erzähle, es sei ein bedauerlicher Unfall mit dem Flugzeug passiert. Andernfalls würde er Portugal nicht lebend verlassen. Detjen geht scheinbar auf das Geschäft ein. Allerdings springt er noch vor dem Einstieg ins Flugzeug aus dem Zubringerbus und verschwindet.

Bei Isabella erwartet ihn ein Deutscher namens Herzog, der ihn zu seinem „alten Kameraden“ aus der Kriegsgefangenschaft, Born, begleitet. Dieser erklärt ihm die ganze Situation: seine Firma und die US-Gesellschaft Interarms streiten um den portugiesischen Markt. Beide wollen Waffen an Portugal verkaufen, die das Land in seinem schmutzigen Kolonialkrieg braucht. Interarms wollte sich an Borns Mitarbeiter Lüders rächen, der das Geschäft beinahe schon abgeschlossen hat. Dr. Hohlfeld verhandelte übrigens auch mit der Regierung – über einen hochmodernen und geheimen NATO-Luftwaffenstützpunktring in Portugal.

Um die Situation zu entschärfen, kommt CIA-Agent Wilson nach Lissabon. Er will die Interarms zurückpfeifen, kann sich aber zunächst nicht durchsetzen, denn die Gesellschaft hat die Koffer und damit den größten Trumpf in der Hand. Detjen versucht diese im Museum zu finden, dabei wird er ertappt und ins Landesinnere verschleppt. Als Wilson sich bei der Zentrale von Interarms mit Hilfe des Pentagon schließlich doch durchsetzt, muss die Interarms Detjen freilassen. Inzwischen hat Isabella herausgefunden, wo sich die Koffer befinden: an Bord der Yacht von Frau Prof. Godiva bzw. der Interarms. Detjen bemächtigt sich des Gepäckes, indem er sich als Godivas Kurier ausgibt. So kann er sich das ganze Material ansehen und die Hohlfeld-Papiere auf Mikrofilm fotografieren. Später übergibt er die Koffer Wilson. Detjen reist mit Wieseneck in dessen Kuriermaschine nach Bonn zurück, wo er den Mikrofilm Winnie Winkelmann gibt, die diesen schließlich nach Ost-Berlin übermittelt.

Zweite Staffel (Folgen 6–7, 1960) von 1975 CIA-Agent Wilson hat für Achim Detjen einen neuen Auftrag, indem er herausfinden soll, was der aus NS-Wissenschaftlern bestehende Lofthuser Kreis während des Krieges in Norwegen erforschte.

Denselben Auftrag bekommt auch ODESSA-Mann Born, der aus Portugal verschwinden musste und jetzt wieder in Deutschland lebt. Seine Leute verüben ein fingiertes Kidnapping der Tochter eines ehemaligen Mitgliedes des Lofthuser Kreises, Dr. König. Als König zur Übergabe des Lösegeldes wegfährt, dringt Herzog in sein Haus ein, und entwendet einen Zettel mit Zahlen. Als man Christine König gesund wiederfindet, wird die Sache undurchsichtig: man vermutet Industriespionage dahinter: König entwickelte gerade eine neue Funkmesssonde. Das Verteidigungsministerium schickt Achim Detjen nach Staufen. Die Spur führt ihn zur Frankfurter Rhein-Main-Detektei, der Organisation von Born.

Born erklärt Detjen, dass sie kein Interesse an der Sonde haben, sie beschäftigen sich nur mit der Tätigkeit des Lofthuser Kreises. Der Zettel enthält übrigens den Ort eines 1945 im Skagerrak versenkten Behälters, der das gesamte Material des Kreises in sich birgt. Da der Kreis offenbar Ölfelder in der Nordsee entdeckt hat, sind auch zwei große US-Ölgesellschaften am Behälter interessiert.

Born organisiert eine Expedition mit Tiefseetauchern, um den Behälter vor Oslo zu heben. Die Konkurrenz verrät diesen Plan der Polizei, mit der Begründung, im Behälter liege Rauschgift, das nach Norwegen geschmuggelt werden sollte. Die Polizei bemächtigt sich schließlich des Behälters, der aber dann von der Konkurrenz gestohlen wird. Detjen findet mit Hilfe Winnie Winkelmanns das Versteck, so können beide das Material besichtigen. Winkelmann fotografiert jede Akte und jede Karte, um dann den Behälter Borns Leuten zu überlassen. Mit einer Ausnahme: es befanden sich auch Kampfstoff-Proben darunter. Diese lässt Detjen auf einer Baustelle in einem frischen Beton-Fundament verschwinden.

Zweite Staffel (Folgen 8–9, 1961) von 1976