Die Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt ist eine teils zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie zweigt in Sangerhausen von der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden ab und führt über Artern und Sömmerda nach Erfurt.
Geschichte Vorgeschichte und Bahnbau Die Bahnstrecke Halle–Bebra (Thüringer Bahn) wurde 1846–1849 eröffnet, die Bahnstrecke Halle–Hann. Münden 1866–1872. Die zwischen beiden Strecken liegende Gegenden wünschten sich danach ebenfalls einen Anschluss ans Eisenbahnnetz. Schon zuvor war am 17. November 1866 ein Staatsvertrag zwischen Preußen und Sachsen-Weimar abgeschlossen wurden, denn Preußen wollte schon seit den 1860er Jahren die beiden wichtigen Festungen Magdeburg und Petersberg in Erfurt mit einer Eisenbahn verbinden.
Die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn erhielt am 23. Oktober 1872 die Konzession von Preußen für die Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt als Teilstück einer direkten Verbindung von Magdeburg nach Erfurt. Sachsen-Weimar erteilte selbige am 26. November 1872, noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten. Das Planum selbst war bereits auf einen zweigleisigen Ausbau ausgelegt, vorerst sollte aber nur ein Gleis verlegt werden. Nach den Erfahrungen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wollte Preußen die wichtigen Strecken zwischen Berlin und Bebra verstaatlichen, denn trotz vertraglicher Abmachungen war es beim Truppentransport an die Front zu Verzögerungen gekommen. Von den Plänen betroffen war auch die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn. Kurz nach Baubeginn wurden die Bauarbeiten von der Gesellschaft zunächst verzögert und schließlich 1875 abgebrochen.
Im Sommer 1879 wurde die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn schließlich verstaatlicht und die Bauarbeiten unverzüglich wieder aufgenommen. Am 1. Oktober 1879 wurde der Abschnitt Sangerhausen–Artern für den Güterverkehr eröffnet, Personenverkehr wurde ab dem 15. Juli 1880 durchgeführt. Der Bahnhof Artern war somit für kurze Zeit Endbahnhof, bis das zweite Teilstück von Artern bis Erfurt am 24. Oktober 1881 eröffnet wurde.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs
Die Strecke wurde in der Folgezeit zur dritten Nord-Süd-Verbindung zwischen Mittelthüringen und Sachsen-Anhalt beziehungsweise der Harzregion. Sie diente und dient vor allem dem Verkehr zwischen Magdeburg (damals Provinzhauptstadt Sachsens) und Erfurt (damals Sitz eines Regierungsbezirks und drittgrößte Stadt in der preußischen Provinz Sachsen). Gleichzeitig wurde Verkehr von der Bahnstrecke Wolkramshausen–Erfurt der Nordhausen-Erfurter Eisenbahn-Gesellschaft abgezogen, was später die Verstaatlichung der Bahngesellschaft erleichterte. Später kam noch der Verkehr über die Bahnstrecke Neudietendorf–Ritschenhausen Richtung Süddeutschland dazu, welche die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft schwächte, die ebenfalls verstaatlicht wurde.
Im Zug der Kriegsvorbereitungen in den 1930er Jahren wuchs der Verkehr auf der Strecke weiter, sodass die Strecke nun zweigleisig ausgebaut werden sollte. Die Bauarbeiten zwischen Stotternheim und Erfurt begannen 1938, zwischen Sömmerda und Stotternheim 1942, bis Kriegsende konnte außerdem noch der Abschnitt Artern–Bretleben zweigleisig ausgebaut werden. Das Kriegsende überstand die Bahnstrecke weitgehend unbeschädigt, lediglich die Unstrutbrücke bei Artern wurde durch die Wehrmacht im April 1945 gesprengt.
Entwicklung nach 1945
Nach 1945 wurde das zweite Streckengleis sowie zahlreiche Sicherungsanlagen als Reparationsleistung demontiert. Die zerstörte Unstrutbrücke wurde noch 1945 wieder provisorisch instandgesetzt, die Anpassung der Signalanlagen an den eingleisigen Betrieb dauerte bis Anfang der 1950er Jahre.
Während der DDR-Zeit war die Bahnstrecke eine wichtige Umleiterstrecke für die ständig überlastete Verbindung zwischen Leipzig/Halle und Erfurt. In den 1980er Jahren waren daher der zweigleisige Ausbau sowie die Elektrifizierung vorgesehen. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen 1989 und sollten bis 1992 dauern, wurden aber von der Wende 1989/90 unterbrochen. So wurde bis 1990 nur der das Teilstück Stotternheim–Großrudestadt fertiggestellt.
Ab 1990
Bis 1993 wurden der Abschnitt Sömmerda–Erfurt zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Zwischen Sangerhausen und Artern erfolgte ebenfalls der zweigleisige Ausbau, elektrifiziert wurde nur bis Oberröblingen, wo sich ein Unterwerk befand.
Ende der 1990er Jahre erfolgte die grundlegende Modernisierung und Elektrifizierung der Bahnstrecke. Das verbliebene Teilstück Artern–Sömmerda wurde ab 1996 bis Jun 1997 für 50 Millionen DM saniert. Dabei wurden an den Stationen Bretleben, Heldrungen, Etzleben und Griefstedt im Gegensatz zu allen anderen Regionalverkehrsstrecken in Thüringen neue Bahnsteige mit einer Höhe von 76 Zentimetern errichtet, die damit höher als die Fahrzeugböden aller seitdem eingesetzten Züge sind. Die Abschnitte Sangerhausen–Artern und Sömmerda–Erfurt sind heute zweigleisig ausgebaut.
Streckenbeschreibung
Die Bahnstrecke beginnt in Sangerhausen am Südrand des Harzes in Sachsen-Anhalt. Nachdem sie wenige Kilometer südlich die Thüringer Landesgrenze passiert hat, erreicht sie Artern an der Unstrut. Die Unstrut wird überquert, und die Strecke führt, fortan dem Fluss folgend, durch die Diamantene Aue zur Thüringer Pforte bei Heldrungen. Hinter diesem Durchbruchstal der Unstrut, zwischen Hainleite im Westen und Schmücke im Osten, tritt die Strecke in das Thüringer Becken ein. Durch landwirtschaftlich geprägtes Tiefland geht es nun über Sömmerda nach Erfurt.
Verkehr mini|links|Bahnhof Sömmerda
Im Personenverkehr befahren heute zwei Linien im 120-Minuten-Takt die Strecke, sodass sich insgesamt ein Stundentakt ergibt.
Es verkehren der Regionalexpress 10 (Magdeburg–Erfurt), auf dem Dieseltriebwagen des Typs LINT 41 eingesetzt werden, sowie die Regionalbahn 59 (Sangerhausen–Erfurt), auf welcher Elektrotriebwagen des Typs Talent 2 zum Einsatz kommen. Beide Linien wurden bis zum Fahrplanwechsel 2024 von Abellio Rail Mitteldeutschland (ABRM) betrieben. Seit dem Fahrplanwechsel wird die Linie des RE 10, aufgrund der Insolvenz der ABRM, bis zum Jahr 2032 von der DB-Tochter Regionalverkehre Start Deutschland betrieben.
Güterzüge verkehren insbesondere im Durchgangsverkehr (Alternativstrecke von Halle/Leipzig nach Erfurt), sowie nach Erfurt Ost (Industriebahn-Anschluss) und Sömmerda (von und nach Kölleda).
Sonstiges
Der Bahnhof Griefstedt diente als Kulisse für den Film Drei Tage im April.
Der Haltepunkt Reinsdorf wird seit Dezember 2015 nur noch in den Abendstunden sowie an Wochenenden und Feiertagen bedient. Bei haltenden Zügen entfällt am Wochenende der Halt in Griefstedt.Fahrplan ab 13. Dezember 2015, Abellio Rail Mitteldeutschland, 15. November 2015.Fahrplan ab 13. Dezember 2015, Abellio Rail Mitteldeutschland, 15. November 2015.
Wegen zu niedriger Bahnsteige sollten die Regionalexpress-Züge nach der Übernahme durch Abellio nicht mehr in Stotternheim halten. Dies konnte durch die Festlegung konkreter Haltepositionen verhindert werden.
Weblinks
Streckenverlauf auf der OpenRailwayMap
Literatur Paul Lauerwald: Die Hauptbahn Erfurt–Sangerhausen. W. Herdam Fotoverlag, Wesseling 1996, ISBN 3-9804798-2-X
Einzelnachweise
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