Dieser Artikel befasst sich mit den Nebenfiguren im Superman-Universum.

In einem Eingangsabschnitt wird ein Überblick über die allgemeine Entwicklung des Ensembles der Nebenfiguren im Superman-Universum geboten. Dieser Abschnitt befasst sich mit allgemeinen Trends und Tendenzen in der Anwendung des erzähltheoretischen Konzepts der Nebenfigur in den Superman-Abenteuern, er stellt dar, in welcher Form dieses Konzept zu verschiedenen Zeiten in den Superman-Comics Anwendung gefunden hat.

Im zweiten Abschnitt wird eine Auswahl von Nebenfiguren in kurzen Charakter-Skizzen vorgestellt. Die Beschreibungen sind dabei nach thematisch-alphabetischen Gesichtspunkten geordnet, d. h. die Figuren werden in bestimmte Kontext-Gruppen eingeteilt (z. B. Mitarbeiter des „Daily Planet“ oder Angehörige der Polizei von Metropolis) und innerhalb einer Gruppe werden die verschiedenen Figuren wiederum alphabetisch angeordnet.

Eine kleine Besonderheit ist, dass Freundinnen Supermans die Initialen LL haben (Lois Lane, Lana Lang, Lori Lemaris, Lyla Lerrol). Diese Besonderheit teilen sie mit Supermans Erzfeind, Lex Luthor.

Geschichte 1930er- und 1940er-Jahre: Der Einzelkämpfer In den frühesten Superman-Abenteuern der 1930er- und frühen 1940er-Jahre gab es mit der Journalistin Lois Lane lediglich eine Nebenfigur. Sie wurde Supermans Alter Ego, dem sanftmütigen Journalisten Clark Kent, als berufliche Dauerrivalin und dem Titelhelden selbst als Verehrerin zur Seite gestellt. Lane trat bereits in der ersten Superman-Geschichte in Action Comics #1 vom Juni 1938 auf und war fortan in nahezu allen Abenteuern um den Superhelden als Begleitfigur vertreten.

Bis 1940 gab es keine anderen Assistenzfiguren. 1940 bzw. 1941 kamen mit Perry White, dem Chefredakteur des Daily Planets, der Zeitung für die Kent und Lane arbeiten, und Jimmy Olsen, dem Fotografen des Planets, zwei weitere beständige Nebenfiguren hinzu. Daneben traten in Rückblick-Sequenzen der Superman-Geschichten gelegentlich Ma und Pa Kent auf, die Pflegeeltern des jungen Clark Kent. Da diese nach dem damals geltenden Handlungskanon des Superman-Mythos bereits vor dem Beginn von Clark Kents Karriere als Superman verstorben waren, konnten sie in den in der Gegenwart angesiedelten Abenteuern des Helden nicht auftreten. Dafür wurden die Kents ab den 1950ern als permanente Nebencharakter, in der in Supermans Jugend als Teeny-Held Superboy angesiedelten, in dem Städtchen Smallville im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten spielenden Serie Superboy („The Adventures of Superman back when he was a Boy“) verwendet.

1950er- und 1960er-Jahre: Kleiner Kreis In der Reihe Superboy wurden außerdem zwei weitere Nebencharaktere eingeführt. 1950 wurde die rothaarige Lana Lang als Jugendliebe und Widerpart des „Jungen aus Stahl“, die dem Protagonisten mit ihren Versuchen, ihn als ihren Mitschüler Clark Kent zu entlarven, auf charmante Weise das Leben schwer macht, eingeführt. 1961 ergänzte Pete Ross, ein Schulfreund von Clark Kent und der einzige, der außer den Kents um dessen Doppelleben als Superboy/Clark Kent wusste, das Quartett der ständigen Nebenfiguren der Superboy-Serie (Ehepaar Kent, Ross, Lang). Neben diesen vier trat noch der junge Lex Luthor, in der Zukunft Supermans Erzfeind, hier aber noch ein jugendliches Genie und der beste Freund des Jungen aus Stahl, als gelegentliche Nebenfigur auf. Darüber hinaus gab es keine Nebenfiguren, sondern nur Figuren, die einen Zweck in einer einzelnen Geschichte erfüllten und danach nie wieder auftraten.

Lana Lang blieb bis in die 1970er-Jahre neben White, Olsen und Lane die einzige wirkliche Nebenfigur. Während das Dreieck Olsen/Lane/White sich als so etwas wie eine fest Institution um den Titelhelden gruppierte – die Figuren waren alle drei in nahezu allen Superman-Abenteuer enthalten – trat Lang zwar auch häufig auf, aber doch deutlich seltener als jene drei. Ähnlich häufig wie Lang trat zudem Lucy Lane auf, die Schwester von Lois Lane und Freundin von Jimmy Olsen. Sie war eine Stewardess, die Olsen häufig in Schwierigkeiten brachte oder von ihm in solche gebracht wurde. Sehr sporadisch waren zudem Perry Whites Ehefrau Alice sowie Lois Lanes Eltern Sam und Ella als Nebenfiguren zu sehen, wobei diese meist eher als instrumentale Plot-Elemente dienten und nur in geringem Umfang eine Charakterisierung erfuhren. Noch seltener als diese, aber dennoch wiederkehrend, traten Lex Luthors Schwester Lena Luthor und die Meerjungfrau Lori Lemaris, eine alte Freundin von Clark Kent, auf.

Mit Abstrichen ließ sich noch der „böse Wissenschaftler“ Lex Luthor, ein Schurke und Supermans Erzfeind, als Nebenfigur einstufen, da er in den harmlos-verspielten, „unschuldigen“ Geschichten der 1950er-Jahre relativ naive „Schurkereien“ ausheckte, sodass er nicht zwingend als Antagonisten zu klassifizieren ist.

Die Popularität von Jimmy Olsen und Lois Lane ging indessen sogar so weit, dass beide Figuren eigene Reihen erhielten deren Identifikationsgrad mit der Superman-Figur bzw. den Superman-Reihen derart weitreichend war, dass Superman in den Titeln ihrer jeweiligen Serien mitfirmierte (Superman's Pal Jimmy Olsen bzw. Superman's Girl Friend Lois Lane). Die Abenteuer in den 1950er- und 1960er-Jahren („Silver Age“) drehten sich um Alltagssituationen und Probleme, die sich bei der gemeinsamen Arbeit der „Viererbande“ Lane/Olsen/White und Clark Kent ergaben. Hauptschauplatz der Superman-Abenteuer waren daher auch die Redaktionsräume des Daily Planets.

In der Reihe World’s Finest Comics erlebte Superman auf monatlich gemeinsame Abenteuer mit Batman und dessen Partner Robin, wobei die Helden aus Gotham City so etwas wie gleichberechtigte Partner des „Mannes von Morgen“ – wie Superman im Zeitalter des Sputnikschocks und der hochfliegenden Raumfahrtambitionen genannt wurde – und daher keine Nebenfiguren waren.

In Supermans Soloreihen wurde, beginnend 1959 mit Supergirl, Supermans Cousine vom Planeten Krypton, schließlich noch weitere „Super-“-Charaktere eingeführt, die ab und an auftraten, so vor allem der „Super-Streichelzoo“ mit „Krypto“ dem Superhund, „Streaky“, der Superkatze, „Comet“, dem Superpferd und „Beppo“, dem Super-Affen.

So ergab sich zum Ende der 1960er-Jahre folgendes Bild: Es gab drei permanente Nebenfiguren (Olsen, Lane, White), zwei sehr häufige Nebenfiguren (Lucy Lane und Lana Lang) und eine Handvoll selten auftretender Nebencharakter (Ehepaar Lane, Alice White, Lena Luthor, Lori Lemaris), sowie verschiedene Supertiere als gelegentliche Co-Stars des Titelhelden. In der Reihe Superboy gab es ein festes Ensemble von Nebenfiguren aus Lana Lang, Pete Ross, dem Ehepaar Kent und Lex Luthor.

1970er- bis Mitte 1980er-Jahre: Zaghafte Expansion In den 1970er-Jahren änderte sich das grundlegende Setting der Superman-Geschichten nachhaltig, indem Clark Kent neben seiner Arbeit als Journalist für den Daily Planet auch eine Anstellung als Nachrichtenmoderator bei WGBS, einem Fernsehsender in Metropolis, annahm. Während Lane, White und Olsen als Nebenfiguren geringfügig in den Hintergrund traten – aber essentielle Bestandteile des Superman-Stoffes blieben – konnten erstmals seit 1951 ernsthaft neue Nebenfiguren etabliert werden. So kamen der Sportmoderator Steve Lombard, der Clark Kent das Leben bei WGBS schwer machte, und Morgan Edge, der Chef von WGBS, der seine Stellung nutzte, um seine eigenen Machenschaften als heimlicher Boss von Intergang zu vertuschen, hinzu.

Insbesondere Lombard und seine Kapriolen stellten ein Hauptelement der Superman-Geschichten der 1970er-Jahre dar, als der DC-Verlag sich bemühte „entpolitisierte“ Geschichten zu erzählen, um vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges weder linke noch rechte Leser durch eine Stellungnahme zugunsten der einen oder der anderen Seite zu verprellen. Dementsprechend wurde auch die Idee von Superman als „Weltenretter im Auftrag der US-Regierung“ und Verteidiger des American Way of Life vorerst begraben, um der Verunglimpfung des Protagonisten als einem „Roboter im Dienste der Macht“, wie sie zum Teil von linken Gruppen geäußert wurde, den Boden zu entziehen.

Mit den Hairies, einer Gruppe von idealistischen High-Tech-Hippies, die in der Wild Area im Umland von Metropolis lebten und deutliche Elemente der Aussteigerkultur und des friedlichen Anarchismus der Autonomen aufwiesen, kamen sogar linke Identifikationsfiguren hinzu. Die Verbeugung vor dem gewandelten Zeitgeist wurde insbesondere in der Wahl der Gaststars der Superman-Geschichten deutlich. Während in den 1960ern noch US-Präsident John F. Kennedy dem Mann aus Stahl zur Seite gestellt worden war, um gemeinsam die Welt zu retten und das „Sport hält Amerika fit“-Programm des Weißen Hauses zu bewerben, bekam nun der Boxer und Vietnamkriegsverweigerer Muhammad Ali einen Auftritt in der Serie. Dies ging so weit, dass dem als „Drückeberger“ beschimpften linken Sportler attestiert wurde, dass er „härter als Superman“ sei. Es kam sogar zu einem Faustkampf, bei dem entschieden werden sollte, wer die Erde bei einem galaktischen Wettstreit vertreten sollte. Dabei gelang es Ali den Superhelden auszuknocken (siehe Superman vs. Muhammad Ali).

Einen deutlichen Schub an Nebenfiguren erhielten die Superman-Reihen durch die von Jack Kirby erdachte „Fourth World“-Mythologie, die unter anderem in der Superman-Reihe Superman’s Pal Jimmy Olsen erzählt wurde. Als neue, häufiger wiederkehrende, Figuren wurde der Superman-Stoff um die Mitarbeiter und die Schöpfungen des Projektes Cadmus bereichert. Dieses ist eine in Metropolis tätige Forschungseinrichtung der amerikanischen Regierung, die sich u. a. darauf spezialisiert hat, Klone aus menschlicher und außerirdischer DNA zu erschaffen. Zu den Mitarbeitern von Cadmus zählten eine moderne Version des Helden Guardian (dem Klon eines ermordeten Polizeibeamten namens Jim Harper), die zweite Generation der Newsboy Legion (einer Gruppe aus fünf Jungen, die ihre Abenteuern auf den Straßen von Metropolis erlebten), sowie ihre Väter (die ursprünglichen Newsboys) und der Telepath Dubbilex.

Mitte der 1980er- bis späte 1990er-Jahre: Expansion Nach dem Neustart der Superman-Reihe 1986 (siehe dazu Crisis on Infinite Earths) wurde kontinuierlich die Zahl der Nebenfiguren des Helden ausgebaut. Neben den Altbekannten (Olsen, White und Lane) wurde entschieden, das Ehepaar Kent nicht kurz vor dem Beginn der Karriere Clark Kents als Superman sterben zu lassen, sondern sie auch dem erwachsenen Helden als ratspendende Eltern zur Seite zu stellen – die allerdings nicht in Supermans Heimat Metropolis leben, sondern im ländlichen Smallville, wo sie dank Supergeschwindigkeit des (Adoptiv-)Sohns jederzeit schnell aufsuchbar sind. Bereits in der Miniserie Man of Steel die den Ausgangspunkt des inhaltlichen Neustarts bildete, traten Lucy Lane und der Bürgermeister von Metropolis, Frank Berkowitz, auf, die fortan als gelegentliche Nebenfiguren fungierten.

Hinzu kamen in rascher Folge zahlreiche neue Figuren. Die Reihe Adventures of Superman präsentierte direkt in den ersten Monaten nach dem Neustart der Serie Figuren wie den Polizisten Harry Henderson, die Klatschreporterin Catherine Grant und ihren Sohn Adam, Perry Whites Sohn Jerry, den Wissenschaftler Professor Hamilton, den Sportlehrer José Delgado und den ehemaligen Boxer und trinkfesten Kneipengänger Bibbo Bibbowski. In den Reihen Superman und Action Comics debütierten die Wissenschaftlerin der S.T.A.R.-Labs Kitty Faulkner, der Gefängnisdirektor Stryker, sowie Maggie Sawyer und Dan Turpin von der Sondereinheit der Polizei von Metropolis.