mini|Der 1816 vom Münchener Münzkabinett erworbene „Münchener Goldstater des Achaios“, geschlagen 217–213 v. Chr. in Sardeis, das einzig bekannte Beispiel für dieses Nominal. Der Avers zeigt den Kopf des Königs nach rechts mit Königsdiadem. Der Revers trägt die Aufschrift ΒΑΣΙΛΕΩΣ – ΑΧΑΙΟΥ ΘΕ; Athena steht nach links mit erhobenem Speer und Schild, Monogramm, im Feld ein Pferdekopf nach links, er findet sich auf allen Nominalen des Achaios, wahrscheinlich handelt es sich dabei um ein Beizeichen.Zur Münze vgl. Gerhard Kleiner: Der Münchner Goldstater des Achaios. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 5–6 (1954/55), S. 143–49. Die Rückseite der Münze ist im zugehörigen Objekt-Eintrag in bavarikon abgebildet [Zugriff am 23. Mai 2026]. Achaios der Jüngere (altgriechisch Ἀχαιός, Achaíos; * spätestens um 250 v. Chr.; † 214/13 v. Chr. in Sardeis) war ein Mitglied des griechisch-makedonischen Adels des Seleukidenreichs und unter Antiochos III. Megas Generalstatthalter der Gebiete diesseits des Tauros. Im Sommer 220 entschloss er sich zur offenen Rebellion wider die Seleukiden, wofür er als Verräter hingerichtet wurde.
Nach Polybios war er der Sohn des Andromachos, Enkel von Achaios dem Älteren und ein Verwandter von Seleukos III. Keraunos sowie Antiochos III. Nach dem Tod Seleukos’ III. (222 v. Chr.) übernahm er zunächst den Oberbefehl über das Heer, schlug jedoch die Erhebung zum König zu Gunsten des jungen Antiochos III. aus. Dieser betraute ihn mit den Gebieten diesseits des Tauros; dort entriss Achaios 223/22 v. Chr. Westkleinasien Attalos I. In seiner Stellung gewann er zunehmend an Einfluss und wandte sich schließlich gegen Antiochos III. Ein Vorstoß in das seleukidische Kernland im Jahr 220 v. Chr. scheiterte, sodass sein Machtbereich fortan auf Kleinasien beschränkt blieb. 216 v. Chr. zog Antiochos in Anatolien ein und belagerte ihn in Sardeis. 214 oder 213 v. Chr. wurde Achaios durch eine List gefangen genommen, vor den König und den Kronrat gebracht und nach Beratung brutal verstümmelt und hingerichtet. Sein zerstückelter Körper wurde öffentlich zur Schau gestellt.
Biographie Herkunft Nach PolybiosPolybios 4,48,5; Kapitelzählung durchgehend nach der Edition von Paton (Polybius. The Histories, 6 Bde. (Loeb Classical Library), London 1922–27). war Achaios ein Angehöriger einer bedeutenden griechischen Adelsfamilie im Seleukidenreich und ein Verwandter (συγγενὴς) des Antiochos III. Diese Verwandtschaft beruhte auf Heiratsbeziehungen, bleibt jedoch im Detail umstritten. Laodike I., die Antiochos II. Theos geheiratet hatte, war nach Eusebius von CaesareaEusebius, Chronik 1 (Sp. 251 Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,6. eine Tochter des Achaios des Älteren, nach PolyainosPolyainos 8,50; Ἀντίοχος ὁ προσαγορευθεὶς Θεὸς ἔγημε Λαοδίκην ὁμοπάτριον ἀδελφὴν, ἐξ ἧς αὐτῷ παῖς ἐγένετο Σέλευκος. dagegen eine Schwester des Antiochos II. mit demselben Vater, also offenbar eine Tochter des Antiochos I. und Halbschwester des Antiochos II. gewesen. Die Angabe, dass diese Laodike eine Tochter des Achaios gewesen ist, ist hierbei deutlich wahrscheinlicher, da von Antiochos I. nur eine einzige Ehefrau bekannt ist, keine Tochter namens Laodike und auch keine Kinder von anderen Frauen erwähnt werden.Alex Mc Auley: The House of Achaios. Reconstructing an early Client Dynasty of Seleukid Anatolia. In: The Seleukid Empire, 281–222 BC. War Within the Family, hrsg. v. Kyle Erickson, Swansea 2018, S. 37–58, hier: S. 47f.
Dieser Achaios, Vater der Laodike I., ist das erste bekannte Mitglied seines Geschlechts und somit sein Stammvater.Zu diesem vgl. die detaillierte Untersuchung von Michael Wörrle: Antiochos I., Achaios der Ältere und die Galater. Eine neue Inschrift in Denizli. In: Chiron 5 (1975), S. 59–88. Weil seine Töchter Antiochis und Laodike Namen trugen, die in der Seleukidenfamilie oft vorkamen, ist in der Forschung vermutet worden, dieser Achaios sei mit der Seleukidenfamilie verwandt gewesen, nämlich ein Sohn des Seleukos I. Nikator,So unter anderem von Karl Julius Beloch: Griechische Weltgeschichte, 4. Bd., Abtlg. 2, 2. Auflage, Berlin/Leipzig 1927, S. 204–6. wofür aber ein sicherer Beleg fehlt. Die Namenswahl kann auch aufgrund naher Beziehung ohne leibliche Verwandtschaft getroffen worden sein. Denkbar ist auch, die unbekannte Ehefrau des Achaios habe aus der Familie des Seleukos gestammt. Dies wird unter anderem von Alex Mc Auley angenommen.Alex Mc Auley: The House of Achaios. Reconstructing an early Client Dynasty of Seleukid Anatolia. In: The Seleukid Empire, 281–222 BC. War Within the Family, hrsg. v. Kyle Erickson, Swansea 2018, S. 37–58.
Nach PolybiosPolybios 4,51,4; 8,20,11. war der Vater des jüngeren Achaios Andromachos, Schwester des Andromachos war eine oft als Laodike II. benannte Laodike, die Ehefrau des Seleukos (offenbar Seleukos II.). Polybios zufolge war Achaios der Jüngere also ein Urenkel des seleukidischen Dynastiegründers Seleukos I. Nikator. Seine Tante Laodike war die Frau König Seleukos’ II. und die Mutter Antiochos’ III. Dieser von Polybios entworfene Stammbaum ist in der modernen Forschung wiederum teilweise mit dem Argument eines zu großen Altersabstandes zwischen angeblichen Geschwistern infrage gestellt worden.
Da Achaios nämlich bereits um 228 zusammen mit seinem Vater unter Seleukos II. als Feldherr an einem Feldzug gegen Antiochos Hierax teilnahm, muss er spätestens um 250 geboren sein, womit sich die Frage stellt, ob Achaios wirklich ein Neffe Laodikes II., Gattin des Seleukos II., gewesen sein kann.Polyainos 4,17; vgl. Karl Julius Beloch: Griechische Weltgeschichte, 4. Bd., Abtlg. 2, 2. Auflage, Berlin/Leipzig 1927, S. 205. Julius BelochJulius Beloch: Griechische Weltgeschichte, 4. Bd., Abtlg. 2, 2. Auflage, Berlin/Leipzig 1927, S. 204–6. hat etwa argumentiert, dass Polybios einen Irrtum begangen habe und die oben als Laodike II. benannte Laodike nicht etwa Andromachos’ Schwester und damit Achaios’ Tante, sondern vielmehr die Schwester des Letztgenannten gewesen sei. Damit wären Antiochos III. wie Seleukos III. Neffen des Achaios. Dies würde auch zu EusebiusEusebius, Chronik 1 (Sp. 251 Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,6. passen; doch bleiben diese Mutmaßungen letztlich spekulativ, zumal es nach den Schilderungen des Polybios durchaus möglich scheint, dass zwischen Laodike II. und Andromachos lediglich ein Altersunterschied von 10 oder 15 Jahren lag und sie damit ohne Umstände der gleichen Generation angehören können, womit dem Kernargument von Beloch der Boden entzogen wäre.Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 30f. Achaios war außerdem mit einer weiteren Laodike, der Tochter des pontischen Königs Mithridates II. und seiner Frau,Diese Frau, die ebenfalls den Namen Laodike trug, war nach Eusebius, Chronik 1 (Sp. 251 Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,6 die Tochter von Antiochos II. Theos und Enkelin des Achaios des Älteren. verheiratet, welche wiederum eine Schwester der gleichnamigen Ehegattin Antiochos’ III. war.Polybios 8,20,11; zu den Verwandtschaftsverhältnissen siehe insbesondere Alex Mc Auley: The House of Achaios. Reconstructing an early Client Dynasty of Seleukid Anatolia. In: The Seleukid Empire, 281–222 BC. War Within the Family, hrsg. v. Kyle Erickson, Swansea 2018, S. 37–58; sowie Richard A. Billows: Kings and Colonists. Aspects of Macedonian Imperialism, Leiden u. a. 1995, S. 96–99; und Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 10, 30f.
Wirken bis zur Rebellion Achaios der Jüngere diente zunächst wie sein Vater Andromachos und sein Großvater Achaios der Ältere dem Reich als General. Im Sommer 223 v. Chr.Zur Datierung vgl. Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 2f. wurde Seleukos III. Keraunos auf einem Feldzug gegen Attalos von Pergamon Opfer einer Hofintrige. Das Heer trug das Diadem zunächst an Achaios, der sich nach dem Mord durch die Hinrichtung aller verdächtigen Höflinge verdient gemacht hatte, heran, doch schlug dieser die Königswürde zu diesem Zeitpunkt noch aus und sicherte dem jungen Antiochos so den Königsthron.Polybios 4,48. Nach seinem Regierungsantritt beließ der junge König den ehrgeizigen Kanzler Hermeias von Karien in seiner Position als oberster Hofminister, ἐπὶ τῶν πραγμάτων, betraute Achaios mit der Verwaltung der kleinasiatischen Provinzen und setzte Molon und dessen Bruder Alexandros als Generalstatthalter in den Oberen Satrapien ein, eine Stellung, die er vor dem Tod seines Bruders offenbar selbst innegehalten hatte. Nach Polybios sollten sich all diese Entscheidungen als Fehler erweisen.Polybios 5,40,4–42,9.
Im Sommer 222 erhob sich der Generalstatthalter der Oberen Satrapien, Molon, gegen die seleukidische Königsmacht.Polybios behandelt die Molon-Rebellion in 5,40–54. Numismatische BefundeSiehe dazu: Thomas Fischer: Molon und seine Münzen (222–220 v. Chr.), Bochum 1988. belegen, dass Molon auch nach dem Diadem gegriffen hatte – ein Vorgang, den Polybios unerwähnt lässt.Die Gründe dafür sind unklar; Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 128; mutmaßt, dass die seleukidischen Quellen des Polybios dieses Ereignis verschweigen wollten. Molon bemühte sich, auch Achaios zur Rebellion gegen Antiochos zu bewegen, doch dieser weigerte sich in dieser Situation noch, seine Waffen gegen seinen Verwandten zu erheben.Polybios 5,41,1. Im Zusammenhang mit der Molon-Rebellion berichtet Polybios auch, dass Hermeias, der den Krieg gegen Ägypten vorantreiben und daher Antiochos von einem persönlichen Feldzug gegen Molon abhalten wollte, einen Brief gefälscht habe, welcher den Eindruck erweckte, die Ptolemäer versuchten, Achaios zum Abfall zu bewegen.Polybios 5,42,7–9. Das Motiv gefälschter Briefe erscheint bei Polybios auffallend häufig im Zusammenhang mit der Herrschaft des Antiochos. Schmitt hält es für möglich, dass es sich dabei um einen von den seleukidischen Quellen des Polybios verbreiteten Topos handelt, diskutiert aber auch die möglichen Hintergründe des Briefes ausführlich; Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 125, 161–64. Nach der Niederwerfung des Molon 220Polybios 5,54. Zur Molon-Rebellion und deren Niederwerfung vgl. insbesondere Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 116–50. Die Präsentation der Leichen von Molon und Achaios wird wegen der zeitlichen Nähe und Ähnlichkeit häufig gemeinsam behandelt. Umstritten ist, ob Molon gepfählt oder gekreuzigt wurde; überwiegend wird Schmitt gefolgt, der das ἀνασταυρόω im Sinne einer Pfählung unter Verweis auf asiatische Vorbilder deutet; ebd. S. 147, Anm. 2. Auch für Achaios geht Schmitt von einer Pfählung aus; ders.: Antiochos der Große. In: Große Gestalten der griechischen Antike. 58 historische Portraits von Homer bis Kleopatra, hrsg. v. Kai Brodersen, München 1999, S. 458–64, hier: S. 460; während Kay Ehling: Der Tod des Usurpators Achaios. In: Historia 56/4 (2007), S. 497–501, hier: S. 498; für Molon Pfählung, für Achaios hingegen Kreuzigung annimmt, obgleich Polybios in beiden Fällen denselben Terminus verwendet. wandte sich Antiochos zunächst gegen den Fürsten der Satrapeioi, Artabazanes, wohl da dieser Molon bei seiner Rebellion unterstützt hatte.Polybios 5,55.
Rebellion