Josef „Jupp“ Heynckes (* 9. Mai 1945 in München Gladbach, heute Mönchengladbach) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer.

Während seiner aktiven Zeit als Stürmer galt er als vielseitig, schnell und vor allem torgefährlich. In seinen 369 Bundesligaspielen erzielte er insgesamt 220 Tore.Nimmersatt vom Bauernhof, sueddeutsche.de, abgerufen am 16. Oktober 2020. Anmerkung: In dem Artikel der Süddeutschen Zeitung anlässlich Heynckes’ 75. Geburtstag ist als Datum der 17. Mai 2018 angegeben, welches aber nicht stimmen kann, da Heynckes 2018 erst 73 Jahre alt war. In den 1970er Jahren gewann er als Spieler mit Borussia Mönchengladbach vier deutsche Meisterschaften, den DFB- sowie den UEFA-Pokal und wurde mit der Nationalmannschaft Europa- und Weltmeister.

Als Trainer war Heynckes bei mehreren Vereinen in Deutschland und Spanien sowie kurzzeitig in Portugal tätig. 1998 erreichte er mit dem Champions-League-Sieg für Real Madrid seinen für lange Zeit größten Erfolg, bevor er dies 2013 mit dem FC Bayern München wiederholte. Im selben Jahr gewann er nach 23 Jahren zum dritten Mal die deutsche Meisterschaft und zum ersten Mal in seiner Trainerkarriere den DFB-Pokal, womit er mit Bayern München als erstem deutschen Verein das Triple holte. Anschließend trat er vom Trainerberuf zurück und begab sich in den Ruhestand.

Nach der Entlassung von Carlo Ancelotti wurde er im Oktober 2017 zum vierten Mal Trainer beim FC Bayern München und gewann mit diesem, 29 Jahre nach seinem ersten Titel, seine vierte deutsche Meisterschaft. Im Mai 2018 trat er erneut als Trainer ab.

Heynckes hat als Spieler und Trainer in der Bundesliga insgesamt 1038 Spiele bestritten und 518 davon gewonnen, jeweils so viele wie kein anderer Akteur., bundesliga.com, abgerufen am 11. Juli 2021

Spielerlaufbahn Vereine mini|Heynckes beim Torschuss, Aufstiegsrundenspiel zur Bundesliga im Juni 1965 bei Holstein Kiel

In der deutschen Bundesliga spielte Heynckes als Stürmer von 1965 bis 1967 und von 1970 bis 1978 für Borussia Mönchengladbach sowie von 1967 bis 1970 für Hannover 96.

Seine erfolgreichste Zeit als Spieler waren die 1970er Jahre bei Borussia Mönchengladbach. Mit der Borussia gewann er 1971, 1975, 1976 und 1977 vier deutsche Meisterschaften, 1973 den DFB-Pokal und 1975 den UEFA-Pokal. Von 1970 bis 1978 erzielte Heynckes 168 Tore in 226 Bundesligaspielen, was einem Schnitt von 0,74 Toren pro Spiel entspricht. 1974 und 1975 wurde er jeweils Bundesliga-Torschützenkönig mit 30 bzw. 27 Toren, dabei teilte er sich 1974 den Titel mit Gerd Müller. In der Saison 1966/67 erzielte er beim 11:0 gegen den FC Schalke 04 fünf Tore. Beim bislang höchsten Sieg der Bundesliga-Geschichte und gleichzeitig Heynckes letztem Liga-Einsatz, einem 12:0 gegen Borussia Dortmund in der Saison 1977/78, war er ebenfalls mit fünf Toren beteiligt. mini|hochkant|Heynckes im Trikot von Mönchengladbach (1975)

Nach insgesamt 369 BundesligaspielenWeltfussball.de beendete Heynckes 1978 seine Spielerlaufbahn. Mit 195 Bundesligatoren ist er Rekordtorschütze von Borussia Mönchengladbach, die Gesamtzahl von 220 Toren bedeutete jahrzehntelang Platz drei in der ewigen Torschützenliste der Bundesliga hinter Gerd Müller mit 365 und Klaus Fischer mit 268 Toren, bevor Ende 2019 Robert Lewandowski an Heynckes, seinem ehemaligen Trainer, vorbeizog. Mit 51 Treffern gehört er auch zu den erfolgreichsten Torschützen in europäischen Vereinswettbewerben. In seinen 64 Spielen erreichte er einen Durchschnitt von 0,80 Toren, der nur von Gerd Müller mit 0,89 übertroffen wird.

In der Geschichte des UEFA-Pokals ist Heynckes, gemeinsam mit Dieter Müller, der für den 1. FC Köln und Girondins Bordeaux spielte – beide erzielten 29 Treffer –, der dritterfolgreichste Torjäger hinter Henrik Larsson mit 40 Toren, der für Celtic Glasgow und Helsingborgs IF antrat, und Waldo vom FC Valencia mit 31 Toren.

Nationalmannschaft Für die deutsche Fußballnationalmannschaft absolvierte er zwischen 1967 und 1976 39 Länderspiele und erzielte 14 Treffer. Mit der Nationalmannschaft gewann er 1972 den Europameistertitel in Belgien und 1974 den Weltmeistertitel im eigenen Land. Im Verlauf dieses Turniers kam er allerdings nur zweimal zum Einsatz.

Titel als Spieler Nationalmannschaft Weltmeister: 1974 Europameister: 1972

Verein (alle Borussia Mönchengladbach) International UEFA-Cup-Sieger: 1975

Deutschland Meister (4): 1971, 1975, 1976, 1977 Pokalsieger: 1973

Individuell Torschützenkönig des Europapokals der Landesmeister: 1976 (6 Tore) des Europapokal der Pokalsieger: 1974 (8 Tore) des UEFA-Cups (2): 1973 (12 Tore), 1975 (10 Tore) der Bundesliga (2): 1974 (30 Tore), 1975 (27 Tore) Silbernes Lorbeerblatt: 1974 Kicker-Stürmer des Jahres: 1975 Kicker-Trainer des Jahres (4): 1981, 1986, 2013, 2018

Trainerlaufbahn 1979 bis 1987: Borussia Mönchengladbach Noch im letzten Jahr seiner aktiven Laufbahn absolvierte Heynckes die Ausbildung zum Fußball-Lehrer an der Sporthochschule Köln.Absolventen des 23. Lehrganges (dfb.de) 1979 folgte er auf Udo Lattek als Trainer von Borussia Mönchengladbach und war mit 34 Jahren der bis dahin jüngste Cheftrainer der Bundesliga. Obwohl der Verein in dieser Zeit Leistungsträger zu diversen Spitzenclubs ziehen lassen musste, hielt Heynckes seine neu formierte Mannschaft fast ständig im oberen Tabellendrittel – mit Ausnahme der Saison 1982/83 mit längerer Abstiegsgefahr. Seine erfolgreichste Saison schloss er 1983/84 ab, als er mit Mönchengladbach den dritten Tabellenplatz erreichte, punktgleich mit Meister VfB Stuttgart und dem Zweitplatzierten Hamburger SV. Im selben Jahr erreichte der Verein unter Heynckes das DFB-Pokalfinale, in dem er erst nach Elfmeterschießen mit 7:8 (1:1 n. V.) gegen Bayern München unterlag. In der Saison 1986/87 landete Mönchengladbach erneut auf Platz drei der Bundesliga und stellte mit Uwe Rahn wieder einen Top-Torjäger der Bundesliga. Rahn schloss die Saison mit 24 Treffern als Torschützenkönig ab. Im DFB-Pokal drang der Verein im selben Jahr bis ins Halbfinale vor. In Mönchengladbach errang er als Trainer keine Titel. Am 22. April 1987 schied sein Team nach einem 0:0 beim schottischen Klub Dundee United mit einer anschließenden 0:2-Heimniederlage im Halbfinale des UEFA-Pokals aus. Nach Abschluss dieser Saison wechselte Heynckes zu Bayern München.

Heynckes gilt als Entdecker von Lothar Matthäus, der 1979 als 18-Jähriger aus Herzogenaurach nach Mönchengladbach geholt wurde und sich unter Heynckes zum Stammspieler weiterentwickelte.

1987 bis 1991: FC Bayern München 1987 wurde Heynckes vom FC Bayern München verpflichtet – wieder war Udo Lattek sein Vorgänger, der das Team in der Vorsaison zum Meistertitel geführt hatte. Heynckes’ erstes Jahr verlief aus Sicht der Bayern wenig erfolgreich. In der Meisterschaft Zweiter geworden, auch in den übrigen Wettbewerben ohne Titel geblieben, baute Heynckes die Mannschaft des FC Bayern durch mehrere Neuverpflichtungen (u. a. Jürgen Kohler, Alan McInally, Thomas Strunz) um und gewann 1989 die deutsche Meisterschaft. Diesen Titel verteidigte der FC Bayern unter Heynckes im Folgejahr. Nachdem der Verein 1990/91 Zweiter hinter dem 1. FC Kaiserslautern geworden war, kam es in der Spielzeit 1991/92 zu einer Krise für den FC Bayern, der durch die Abgänge von Jürgen Kohler und Stefan Reuter und Verletzungen von Raimond Aumann und Brian Laudrup geschwächt war. Nach vier Ligapartien in Folge ohne Sieg und einer 1:4-Heimniederlage gegen den Aufsteiger Stuttgarter Kickers wurde Heynckes am 8. Oktober 1991 freigestellt und durch Søren Lerby ersetzt. Der Manager des FC Bayern Uli Hoeneß bezeichnete diese Entscheidung gegen Heynckes später als „größte Fehlentscheidung“ seiner Karriere. Der FC Bayern war mit vier Siegen, vier Remis und vier Niederlagen nur Tabellenzwölfter gewesen. Auf den ebenfalls erfolglosen Lerby folgte Mitte März Erich Ribbeck. Bayern München beendete die Saison als Zehnter. Zum ersten Mal seit 1979 qualifizierte sich der FC Bayern nicht für einen internationalen Wettbewerb.

1992 bis 1994: Athletic Bilbao Im Sommer 1992 unterschrieb Heynckes beim spanischen Erstligisten Athletic Bilbao einen Kontrakt und wurde nach Hennes Weisweiler und Udo Lattek der dritte deutsche Trainer in Spaniens höchster Fußball-Liga.

Seine Zeit bei dem baskischen Verein war von Beginn an erfolgreich. Gemäß der Philosophie des Vereins, nur auf Spieler aus dem Baskenland setzen zu dürfen, formte Heynckes eine Mannschaft, die von Platz 14 in der Vorsaison in seinem ersten Jahr auf den achten Rang kletterte und sich im zweiten Jahr mit dem fünften Platz für die Teilnahme am UEFA-Pokal qualifizierte.

Während dieser Zeit bewies Heynckes erneut ein Gespür für junge Talente und brachte unter anderem den baskischen Star Julen Guerrero heraus.

1994 bis 1995: Eintracht Frankfurt 1994 wurde Heynckes zusammen mit Horst Köppel als Co-Trainer von Eintracht Frankfurt engagiert. Heynckes übernahm die Eintracht in der ersten Saison nach dem Weggang von Uwe Bein und Uli Stein und verfolgte zunächst das Ziel, Ruhe in die Mannschaft zu bringen, um anschließend wieder für Erfolg zu sorgen.

Die Hessen hatten mit Andreas Köpke einen neuen Torhüter verpflichtet, in einer spielstarken Mannschaft mit u. a. Anthony Yeboah, Maurizio Gaudino (dem ein Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern verweigert wurde) und Jay-Jay Okocha. Diese drei Spieler sorgten nach einem mäßigen Einstand für einen Eklat: Beim Abschlusstraining der Eintracht am Freitag vor einem Bundesligaspiel gegen den HSV hatten laut Trainer Heynckes „einige Spieler schlecht trainiert“. Das betraf die drei genannten Stars. Daraufhin setzte Heynckes, wütend über deren Einstellung, einen 30-minütigen Waldlauf an. Yeboah erklärte dem Trainer, er werde zum Spiel gegen den HSV nicht erscheinen. Okocha gab vor, mental nicht in der Lage zu sein, Fußball zu spielen und Gaudino fühlte sich nach zwei Trainingseinheiten am Freitag körperlich kaputt. Alle drei Spieler meldeten sich für den 16. Spieltag der Saison 1994/95 krank. Daraufhin wurden sie einige Tage später gänzlich aus dem Kader für die restliche Saison gestrichen. Lediglich Okocha wurde in der Rückrunde für die Eintracht eingesetzt. Yeboah kritisierte später die Maßnahme: „Der Rauswurf war völlig unnötig und ein großer Fehler. Er hat mit dieser Aktion den Klub Frankfurt auf Jahre kaputtgemacht.“

Auch ohne die drei erreichte die Eintracht kurze Zeit später nach zwei Siegen über den SSC Neapel das Viertelfinale des UEFA-Pokals, in der Liga blieb der Erfolg jedoch aus. Nach neun Monaten im Verein löste Heynckes am 2. April 1995 seinen Vertrag auf und verzichtete auf eine Abfindung.

1995 bis 1997: CD Teneriffa Erneut wechselte Heynckes nach Spanien und unterschrieb drei Wochen nach seinem Rücktritt in Frankfurt einen bis 1997 gültigen Vertrag beim spanischen Erstligisten CD Teneriffa, bei dem er zu Beginn der Saison 1995/96 seine Arbeit aufnahm.Heynckes wird Teneriffa-Trainer für die nächsten zwei Spielzeiten, El Pais, 23. April 1995 (spanisch) Zusammen mit Ewald Lienen als Co-Trainer und später Egon Coordes als Konditionstrainer erzielte Heynckes in Teneriffa wie zuvor in Bilbao ansehnliche Erfolge.

In seinem ersten Jahr führte er CD Teneriffa in der Liga auf einen UEFA-Pokal-Platz. In der Copa del Rey kam er mit seiner Mannschaft unterdessen bis ins Viertelfinale, wo er mit 0:3 an Atlético Madrid scheiterte. Im anschließenden Sommer 1996 erhielt Heynckes ein Angebot vom FC Barcelona, welches er allerdings ablehnte, worauf Bobby Robson das Traineramt übernahm.BARCELONA IN DISBELIEF AFTER JUPP HEYNCKES REJECTED OFFER, Onefootball (englisch), 3. März 2018 Seine Absage an Barça begründete Heynckes später damit: „[er] habe nie einen Vertrag gebrochen.“"Habe nie einen Vertrag gebrochen", Spiegel, 6. Juni 2009