mini|270px|Blick vom Westen auf Kirche und Dorf Niedernjesa () ist der nördlichste Ortsteil der Gemeinde Friedland in Südniedersachsen. Zu Niedernjesa gehört das Klostergut Reinshof, das seit 1980 als Versuchswirtschaft für Agrarökonomie und Agrartechnik der Georg-August-Universität Göttingen genutzt wird. Der tiefliegende westliche Bereich von Niedernjesa liegt am Rand des Hochwassergebietes der Leine, wie die Hochwasserkarte anzeigt.Siehe Nr.21 und Nr.23 auf der Karte "Harte Tabuzonen Fläche". Niedernjesa befindet sich links oben auf der Karte. Niedernjesa befindet sich am westlichen Rand des Brut- und Schutzgebietes vom Rotmilan. Weitere Karten finden sich hier. In der Diskussion steht seit 2014 der Bau von Windkraftanlagen nordwestlich von Niedernjesa.
Geographie Lage mini|270px|Der Leinegraben bei Göttingen und Niedernjesa. Der Ort liegt ca. 6 km südlich von Göttingen im Leinetal an dem Fluss Leine und in der Nähe der Bundesstraße 27 und des Wendebach-Stausees.
Klima Die jährlichen Niederschläge betragen im langjährigen Durchschnitt 645 mm; es fallen vom Mai bis Juli 203 mm und vom Mai bis September 310 mm. Relativ wenig Niederschläge sind recht gleichmäßig verteilt über durchschnittlich 121 Tage. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt im langjährigen Durchschnitt 8,7 °C, nämlich vom Mai bis Juli 15,3 °C und vom Mai bis September 15,2 °C. Die Periode zwischen erstem und letztem Frost dauert 170 Tage. Die mittlere relative Luftfeuchtigkeit beträgt 77,3 %.
Wendebach-Stausee
Zum Schutz vor Hochwasser wurde 1967 auf Betreiben der Gemeinde Niedernjesa oberhalb von Niedernjesa mit dem Bau eines Rückhaltebeckens am Wendebach begonnen, das von 1970 bis 1973 fertiggestellt wurde. Der zweiteilige Staudamm besaß eine Länge von 260 m, eine Höhe von 15 m und eine Krone von 5 m Breite. Bei Hochwasser konnte der Wendebach auf einer Länge von 2 km, auf einer Breite von 400 m und auf einer Fläche von 28 ha angestaut werden. Die Oberfläche des Stausees lag dann auf einer Höhe von 180 m über NN, und der Stausee fasste dann 1.520.000 m³ Wasser.
mini|270px|Blick vom ehemaligen Staudamm auf den Wendebachstausee. Die Stauanlage staute seit 1973 den Wendebach, einen Zufluss der Leine. Den angestrebten vollkommenen Hochwasserschutz für die Bundesstraße 3 und den Ort Niedernjesa erreichte der Wendebachstausee nur teilweise, und seine beiden Erddämme brachten für die Bundesstraße 3 und den Ort Niedernjesa im Falle einer hohen Flutwelle eine zusätzliche Gefahr, weil die Standsicherheit der beiden 15 Meter hohen Erddämme trotz mehrfacher Sanierung nicht gewährleistet war und diese einer ebenso hohen Flutwelle nicht standhalten könnten.
Durch den am 6. Oktober 2014 begonnenen Umbau verspricht man sich mehr Sicherheit für die Region. Nun ist die Gemeinde Friedland gezwungen, Niedernjesa durch eigene Deiche zu schützen.
Während der Zeit des Umbaus ist der Badesee geschlossen.
Nach dem Umbau werden die beiden Abschlussdämme in der Mitte etwa sieben Meter niedriger sein als vorher, der Wasserstand des Badesees liegt dann nach wie vor bei 4,65 Meter (gemessen an der Sperrstelle), und eine Hochwasserentlastungsanlage wird dafür sorgen, dass auch ein sehr großes und seltenes Jahrtausend-Hochwasser die Talsperre so sicher passieren kann, wie es die aktuellen technischen Regelwerke vorsehen, nach denen heute solche Anlagen wie der Wendebach-Stausee geplant, gebaut und betrieben werden.
Der Umbau mini|Nilgänse und Graugänse besuchen am 23. August 2014 die Wiesen des Wendebachstausees. Am 6. Oktober 2014 öffneten Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) den Staudamm und begannen mit dem Ablassen des Wassers. Seit dem 6. Oktober 2014 wurden die Randbereiche des Wendebach-Stausees nach Muscheln abgesucht, die umgesiedelt wurden. Als der Wasserstand so niedrig war, dass die Fische am Auslaufbauwerk mit Hilfe von Netzen und Gittern geborgen werden konnten, nahmen Mitglieder des Sportangelklubs Göttingen die Fische artgerecht auf und setzten sie in ihre eigenen Gewässer um. Danach wurde das restliche Wasser abgelassen und der See entschlammt.
Im Frühjahr 2015 wurde der Abschlussdamm um rund sieben Meter abgetragen und mit einer neuen Hochwasserentlastungsanlage versehen; gleichzeitig wurde die bisherige Hochwasserentlastungsanlage verfüllt. Im Juni 2015 erneuerte der Zweckverband gemeinsam mit der Gemeinnützigen Arbeitsförderungsgesellschaft GAB zum Preis von 42.600 Euro den Badesteg und die Brücke über den Wendebach am Rundweg des Sees. Die Abschlussdämme wurden um rund sieben Meter abgetragen und mit einer neuen Hochwasserentlastungsanlage versehen, die geeignet ist, ein sogenanntes Jahrtausendhochwasser abzuführen; gleichzeitig wurde die bisherige Hochwasserentlastungsanlage verfüllt.
Für die Entschlammung stellte das Land Niedersachsen 180.000 Euro zur Verfügung. Das reichte nur für den Badebereich und die angrenzenden Bereiche. Aus Leader-Mitteln soll es einen Zuschuss von 22.000 Euro für den Badesteg geben; die Kosten insgesamt sind hier 50.000 Euro.Sitzung am 30. Januar 2014 vom Ortsrat Stockhausen, Öffentlicher Teil: Tagesordnungspunkt 9.
Im Januar und Februar 2016 wurde der Stausee bis zu der ursprüngliche Dauerstauhöhe von 171 Metern über Normal-Null (4,65 Meter Wassertiefe an der Sperrstelle) befüllt. Schnell fanden die Amphibien wieder von sich aus in ihr angestammtes Laichgewässer am Wendebach-Stausee zurück. Fische und Muscheln wurden danach in Abstimmung mit Fischereifachleuten neu besetzt. Am 7. Juni 2016 wurde der See als Badesee wieder freigegeben.
Rosdorfer Baggersee mini|Der Rosdorfer Baggersee Auf dem Gebiet der Klosterkammer Hannover bei Reinshof entstand 1969 im Zuge des Kiesabbaus wenige Meter östlich der Leine der Rosdorfer Baggersee, der 40 Jahre später bereits eine Fläche von 15 ha und eine Wassertiefe von über 40 m aufwies. Er liegt nahe der Nordwestgrenze des Ortsteils Niedernjesa und damit an der nordwestlichen Gemeindegrenze von Friedland und wird seit den 1970er Jahren als Naherholungsgebiet genutzt, vor allem von der Göttinger und Rosdorfer Bevölkerung. Der Zugang zum See war seit jeher frei und kostenlos, Nacktbaden üblich, Baden und Betreten jedoch offiziell verboten. Die Zahl der Badegäste im Sommer ist sehr hoch, dennoch gibt es keine sanitären Anlagen und keine geregelte Abfallentsorgung. Das Errichten von Zäunen um den See ist nicht zulässig, da der See im Überflutungsgebiet der Leine liegt. mini|Schildkröte am 1. August 2014 am Ostufer des Rosdorfer Baggersees. Mehrmals lehnten es sowohl der Landkreis als auch die Gemeinde Friedland mit Hinweis auf das Badeverbot ab, sich der Probleme des Badesees anzunehmen, der wenige 100 Meter südlich der Stadtgrenze Göttingens liegt und der von der Bevölkerung der Gemeinde Friedland einschließlich der von Niedernjesa nur sehr selten genutzt wird.goettinger stadtinfo „Baggersee“ Im August 2013 antwortete Landrat Bernhard Reuter auf eine Anfrage im Kreistag, eine zukünftige Nutzung als Badegewässer sei nicht vorgesehen.Landkreis Göttingen – Kiesabbau im Kieswerk Rosdorf (Anfrage Die Linke und Antwort Verwaltung) Im Juli 2014 weigerte sich der Landkreis, der Forderung des Umweltministeriums Hannover nachzukommen und eine Badewasserqualitätsbewertung zu erstellen, und forderte daraufhin die Gemeinde Friedland auf, das Baden noch einmal explizit per Satzung zu verbieten. Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) betonte im Anschluss mit Nachdruck, dass das Baden im See verboten sei. Dieses Verbot sei einzuhalten.Andreas Fuhrmann, Jürgen Gückel: Knöllchen für Falschparker am Rosdorfer Baggersee In: Göttinger Tageblatt vom 20. Juli 2014
Geplanter Hochwasserschutz für Niedernjesa Von 1967 bis 2014 trug der Wendebach-Stausee in einer leider unzureichenden Weise zum Hochwasserschutz von Niedernjesa bei. Diese Funktion verlor der Wendebach-Stausee in den Jahren 2014 bis 2016 durch den Bau eines niedrigeren Dammes, der das Wasser nur bis zur gewünschten Höhe des Wendebach-Badeteiches staut. Seitdem wird nach einer Lösung für den Hochwasserschutz für Niedernjesa gesucht.
Im Jahr 1981 war Niedernjesa von einem hohen Hochwasser betroffen. Später folgten weitere niedrigere Hochwasser. Der Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz fördert maximal Pläne für ein Jahrhunderthochwasser (HQ100). Dieser Wert HQ100 ist relevant für Maßnahmen der Hochwasservorsorge und des Hochwasserschutzes, wo er zur Dimensionierung von hochwasserrelevanten Anlagen wie Dämmen und Brücken dient. Aber Dämme, die auf HQ100 bezogen sind, bieten keinen Schutz vor einem möglichen höheren Hochwasser. Die Einwohner von Niedernjesa hofften ursprünglich auf einen höheren Hochwasserschutz, weil der Umweltminister Stefan Wenzel im Jahr 2013 wegen des Wegfalls des Schutzes durch den Wendebachstausee eine bevorzugte Förderung von Niedernjesa durch das Land Niedersachsen zugesagt hatte.
Im Jahr 2013 wurden die Überschwemmungsgebiete aber nur für ein HQ100-Hochwasser festgelegt. Im Jahr 2014 wurde ein Förderantrag für die Vorplanung und 2015 für die Entwurfsplanung bewilligt. Bis Ende 2015 wurden 103 000 Euro (davon 82 000 Euro Förderung) dafür ausgegeben. Im November 2015 begannen die Untersuchungen zur Bodenbeschaffenheit, um standsichere Dämme und Mauern bauen zu können.
Anfang November 2015 wurde im Bauausschuss Friedland der neue Plan für den HQ100-Hochwasserschutz von Niedernjesa vorgestellt. In diesem Plan fehlt jedoch ein Hochwasserdamm im Norden entlang der Klothgasse, die bei dem Hochwasser 1981 vollständig unter Wasser gestanden hat. In der Sitzung Anfang Dezember 2015 sprach sich der Ortsrat einstimmig dafür aus, für den Hochwasserschutz in Niedernjesa den vor drei Jahren vorgestellten ersten Entwurf weiter zu verfolgen. Dieser beinhaltete einen Hochwasserschutzdamm entlang der Straße Klothgasse vom Ortsrand bis zur Pumpstation. Diesen nördlichen Teil des Hochwasserschutzes sieht der letzte Plan von Anfang November 2015 nicht mehr vor. Aus Erfahrung ist in Niedernjesa bekannt, dass die Klothgasse bei Hochwasser teilweise überschwemmt wird. Die Sorge besteht, dass Niedernjesa von dort aus vollläuft, wenn der Deich im Norden von Niedernjesa fehlt.
Erst nach dem noch ausstehenden Planfeststellungsbeschluss können Maßnahmen zum Hochwasserschutz begonnen werden.Jürgen Gückel: Dann läuft das Dorf von Norden voll. Dritter Entwurf zum Hochwasserschutz von Niedernjesa stößt bei Anliegern auf Skepsis: Göttinger Tageblatt vom 7. November 2015. und Ortsrat will Schutz wie im ersten Plan. Hochwasserschutz in Niedernjesa. Göttinger Tageblatt vom 9. Dezember 2015. (Stand vom 24. Juni 2016.)
Geschichte Etymologie Der Ortsname Niedernjesa ist als in Minori Jese um 1269 erstmals schriftlich erwähnt, nachdem schon seit 1022 eine Ortschaft Gese/Jese/Iese verzeichnet ist, die aber noch nicht in Obern- und Niedern- unterschieden ist. Nennungen: von Gese in den Jahren 1022, 1142, 1168, 1197, von Jese in dem Jahr 1100 und von Yese in dem Jahr 1189.K. Janicke: Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe I, 370. Leipzig 1896. Zitiert nach: Förstemann: Altdt. Namenbuch, 2 Bd., Band 2,1. A-K., Nachdruck der 3. Aufl. von 1913, Sp. 1040 unter Ges, Gese.
Die Herleitung des Namensteils „Jesa“ ist nicht ganz eindeutig: Aus der Wurzel jesan (gären, schäumen) könnte ein Teilabschnittsname der Leine entstanden sein, der sich auf die Ortschaften Niedernjesa und Obernjesa übertragen hat, selbst aber vom älteren und bedeutenderen Hauptnamen „Leine“ wieder verdrängt wurde und in Vergessenheit geraten ist.
Mittelalter mini|Der Thie in Niedernjesa