Die Kathedrale von Burgos () ist eine gotische Kathedrale in Burgos (Spanien) und die Bischofskirche des Erzbistums Burgos. Sie ist zu Ehren der Jungfrau Maria geweiht und berühmt für ihre Größe und Architektur. Seit 1984 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe.

Geschichte mini|Frontansicht der Kathedrale im Jahr 1771 mini|Seitenansicht der Kathedrale im Jahr 1771 Der Bau der ersten großen, spanischen Kathedrale im gotischen Stil wurde von König Ferdinand III. von Kastilien und Maurizio, dem Bischof von Burgos, in Auftrag gegeben. Anlass war die Hochzeit Ferdinands mit Beatrix von Schwaben. Es galt, die veränderte Rolle Kastiliens im europäischen Machtgefüge durch eine adäquate Bischofskirche zu demonstrieren. Baubeginn war am 20. Juli 1221 auf dem Gelände der früheren romanischen Kathedrale. Verantwortlicher Baumeister war ein namentlich nicht bekannter Franzose. Nach neun Jahren war die Konstruktion der Apsis abgeschlossen. Der Hochaltar wurde am 20. Juli 1260 das erste Mal geweiht, anschließend ruhte der Bau fast 200 Jahre.

1417 wohnte der Bischof von Burgos dem Konzil von Konstanz bei und sah auf dieser Reise gotische Kathedralen in Frankreich und Deutschland. Sein Nachfolger Alfonso de Cartagena besuchte 1435 anlässlich des Konzils von Basel ebenfalls Süddeutschland, besichtigte den gerade durch Ulrich von Ensingen vollendeten Nordturm des Basler Münsters und kehrte mit dem deutschen Baumeister Johannes von Köln (* 1410) (spanisch: Juan de Colonia) zurück, der die Kathedraltürme von Burgos angelehnt an das Basler Münster mit offenen Steinmetzarbeiten vollendete. Mit Sicherheit kannte Johannes von Köln auch den Fassadenplan der geplanten Kölner Domtürme von 1310/20. 1539 stürzte der von ihm erbaute Vierungsturm bei einem Sturm ein und wurde anschließend in ähnlicher Form aber mit Übergang zum Platerostil wieder errichtet. Mit der Vollendung des Vierungsturmes wurde der Bau der Kathedrale 1567 abgeschlossen, jedoch wurden bis 1734 Änderungen und Ergänzungen vorgenommen.

mini|Kathedrale Santa María de Burgos 1835 wurden der spanische Nationalheld Rodrigo Díaz de Vivar, El Cid, und seine Frau Doña Jimena vom Kloster San Pedro de Cardeña bei Burgos in die Kathedrale umgebettet. 1921 wurde beschlossen, ein würdigeres Grab zu schaffen. Dieses befindet sich heute in der Vierung und ist mit einer einfach gestalteten Marmorplatte bedeckt. Der Widerspruch zwischen der Bedeutung des Cid und der unspektakulären Gestaltung seines Grabes wird in Burgos damit erklärt, dass die Marmorplatte nur äußerer Abschluss des Grabes, die Kathedrale im Ganzen aber als sein Grabmal zu betrachten sei.

Am 26. September 1887 wurde sie zum Monumento Nacional, zum nationalen Denkmal, erklärt. Papst Pius XI. verlieh ihr am 13. Juli 1921 den Titel Basilica minor. Am 31. Oktober 1984 wurde sie von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und ist damit die einzige spanische Kathedrale mit diesem Status.

Architektur mini|Plaza Rey San Fernando mit Südansicht der Kathedrale mini|Grundriss der Kathedrale Die Kathedrale von Burgos ist äußerlich durch die reich dekorierten Turmkonstruktionen der Fassade und der Vierung gekennzeichnet. Der gesamte Bau ist im oberen Teil überreich mit Fialen versehen, sodass sich der Eindruck eines sperrigen Zuckerbäckerstils ergeben kann. Pierre Loti sprach von einem „versteinerten Wald“.

Die Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriss und besteht aus Langhaus, Querhaus, zwei Seitenschiffen, Chorumgang und fünfzehn Kapellen. Durch den tiefen Altarraum liegt das Querhaus mittig; wie in vielen spanischen Kathedralen teilt der Chor das Mittelschiff. Die Gesamtlänge der Kathedrale beträgt 106 Meter, sie ist am Hauptschiff 26 Meter und am Querschiff 59 Meter breit. Die Höhe der Kuppel über dem Querhaus beträgt 54 Meter.

Die Kathedrale von Burgos steht nicht in der Tradition der Kathedralen der Île-de-France, sondern orientiert sich an den von ihnen abhängigen Bischofskirchen der Normandie und Burgunds, die deren Stil bereits abgewandelt haben. Der Grundriss des Chores wird mit dem von Pontigny oder St-Étienne in Caen verglichen. Der Choraufriss steht dem der Kathedrale von Bourges besonders nahe. Der Meister von Burgos hat aber die französischen Bauideen „schlecht verdaut“ (Robert Branner). „Er hat die Grundlagen der neuen Bauweise nicht durchschaut, er blieb einer romanisch bestimmten Tradition treu. Sein Raumkonzept bleibt sehr einfach. Er betont die Horizontalen und verstärkt sie noch durch ein überreich dekoriertes Triforium. Das Licht kann sich nicht ungehindert verbreiten“.Erlande-Brandenburg, S. 543 Der Bau ist, außen wie innen, gekennzeichnet durch zunehmende dekorative Verkleidung in einem ornamentalen Liniensystem. Die Ausschmückung der Langhaus-Kapellen erfolgte im plateresken Stil.

Die ursprünglich klar gegliederte äußere Gestalt der Kathedrale ist aufgrund der Anbauten nicht mehr erkennbar: Neben Kapellen an den Quer- und Seitenschiffen der Kathedrale wurden im 15. Jahrhundert der Kreuzgang und im Südwesten der erzbischöfliche Palast angebaut. Die Betrachtung wird durch die dichte Umbauung erschwert, eine Ausnahme stellt allein die Plaza Sta. María dar.

Fassaden, Türme und Portale Westfassade und Haupttürme mini|Die Westfassade der Kathedrale

Die dreistöckige, 58 Meter hohe Haupt- oder Westfassade ist eine Doppelturmfassade im Stil der nordfranzösischen Gotik, allerdings mit vollendeten und identischen jeweils 88 Meter hohen Türmen. Jeder der beiden auf viereckigem Grundriss errichteten Türme endet in einem achteckigen, mit durchbrochenem Maßwerk verzierten Aufsatz. Über den drei Portalen wird das erste Geschoss vom zweiten durch eine mit Fialen besetzte Balustrade abgegrenzt. Im zweiten Geschoss wurde im mittleren der drei Joche ein Spitzbogen auf die Wand aufgelegt und diese durch eine Fensterrose durchbrochen. Diese Rosette wurde aus Spenden Burgaleser Juden finanziert und zeigt auf Wunsch der Geber einen Davidstern.

Darüber sind im dritten Geschoss die beiden Türme durch eine hohe offene Maßwerkarchitektur verbunden, an deren Basis acht gekrönte Statuen (um 1230–1240) kastilischer Herrscher nach dem Vorbild nordfranzösischer Kathedralen eine Königsgalerie bilden. Sie setzt sich seitlich davon mit den Tabernakelfiguren an den Strebepfeilern fort. Das Maßwerk hat hier die Form von zwei vierbahnigen Fenstern mit jeweils drei Vierpässen im Bogenzwickel an. Gekrönt wird diese transparente Struktur von einer weiteren Balustrade mit der Inschrift PULCHRA ES ET DECORA („schön bist du und reich geschmückt“), das lässt sich einerseits als Anspielung auf die Jungfrau Maria und ihre Darstellung in der Mitte dieser oberen Balustrade verstehen, dürfte aber auch auf die Kathedrale als Ganzes bezogen sein. Spitze, achteckige Fialen schließen die vier Ecken ab. Die ornamentale Verwendung von Inschriften und Wappen an den Türmen ebenso wie die Maßwerkgalerie des Mitteltrakts der Westfassade sind spanischen Anregungen verpflichtet.

Der Baumeister der ab 1442 errichteten Turmhelme war Johannes von Köln. Die Vorbilder dieser Turmgestaltung finden sich in süddeutschen spätgotischen Turmhelmen wie beispielsweise der Frauenkirche in Esslingen oder im Entwurf zum Ulmer Münsterturm, die ihrerseits in einem engen Beziehungsgeflecht zu flandrisch-brabantischen Turmanlagen stehen. Die Portalzone wurde nach irreparabler Schädigung des Sandsteins im 18. Jahrhundert klassizistisch erneuert.

Durch Witterungseinflüsse, zeitgemäß übliche aber unvollständige Sanierungsmaßnahmen in den 70er Jahren entstanden an den Turmhelmen und der Westfassade bedenkliche Schäden.Burgos, Foto der Westfassade der Kathedrale, 1990 Ab 1993 lösten regionale Medien eine hitzige Debatte über dieses Thema aus, was zu einer Einsetzung eines Bauausschusses führte, der mit Hilfe eines Masterplans die Prioritäten für die Restaurierung festlegen sollte. Über die ersten Sofortmaßnahmen zur Gebäudesicherung berichteten die Architekten Dionisio Hernández Gil und Pío García-Escudero detailliert beim "Treffen der Kathedralenkonservatoren" (Encuentro de Conservadores de Catedrales) am 19. November 1994 in der Aula des Palasts von Saldañuela in der Nähe von Burgos.Encuentro de Conservadores de Catedrales, Burgos, 17 y 18 Novembre 1994, Veranstalter: Rat der Autonomen Architektenvereinigung von Kastilien und Leon sowie der Arbeitsgruppe Denkmalschutz des UIA, Programmheft der Tagung S. 2 (spanisch) Zu diesem Zeitpunkt waren bereits der nordwestliche Turmhelm ganz und der südöstlich zur Hälfte eingerüstet.Burgos, Kathedrale mit den eingerüsteten Westtürmen, 1994 Die Gesamtmaßnahmen für die Sanierung wurden Anfang 1995 mit 700 Millionen Peseten veranschlagt und beherrschten das äußere Bild der Kathedrale bis in das Jahr 1997.Burgos, Foto der eingerüsteten Westfassade, 1996

Vierungsturm mini|Südansicht mit Haupttürmen, Vierungsturm und oberem Teil des Sarmental-Portals mini|Vierung der Kathedrale mit einem durchbrochenen Sterngewölbe

Das bedeutendste Unternehmen des Johannes von Köln in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war der Vorgänger des heutigen Vierungsturms, das cimborrio (Zimborium), das nach einem zeitgenössischen Reisebericht in acht Fialen endete und mit reichem Bildwerk geschmückt war, aber bereits 1539 einstürzte. Der neue Vierungsturm wurde 1539 bis 1568 von Juan de Vallejo errichtet. Die Pfeiler der Vierung wurden zu dicken Zylindern verstärkt, um die Last des neuen Laternenturms zu tragen. Das Sterngewölbe der hohen Laterne vereinigt gotische und maurische Einflüsse (vgl. Große Moschee von Taza) zu einer Einheit.

Coronería-Portal Das Coronería-Portal (auch Krönungs-, Apostel- oder Hohes Portal) war der zentrale Zugang am nördlichen Querhaus aus der Zeit um 1240/1245. Seine Bedeutung erhielt es unter anderem durch den vorbeiführenden Jakobsweg. Es ist eingebettet in eine Nischenarchitektur zwischen den seitlichen Strebepfeilern. Ein Band von jeweils sechs überlebensgroßen Apostelfiguren zieht vom linken Pfeiler bis ins Portalgewände und rechts parallel weiter. Die beiden äußeren Figuren sind als sogenannte Zuschauerfiguren an den Innenseiten der Strebepfeiler angebracht, die dadurch im rechten Winkel zu den übrigen Aposteln stehen.

Das Tympanon stellt das Jüngste Gericht dar mit Christus als Richter in der Mitte. Rechts und links erbitten als Deësis-Gruppe die gekrönte Jungfrau und Johannes der Evangelist Erbarmen für die Seelen. Außen und über dieser Dreiergruppe präsentieren Engel die Marterwerkzeuge Christi: Ganz links zeigt ein Engel die Lanze, ganz rechts ein weiterer die Säule der Geißelung, in der Zwickelzone, auf einer angedeuteten Wolke schwebend: Engel mit Kreuz, Leichentuch, Dornenkrone und den Nägeln der Kreuzigung. Unter der zentralen Szene befindet sich auf dem Türsturz die friesartige Darstellung der Seelenwägung, der Psychostasie, durch den Erzengel Michael mit der üblichen Aufteilung der Gerechten auf der linken Seite und der Verdammten auf der rechten.

Das Coronería-Portal ist seit 1830 ständig geschlossen, „damit es nicht als Abkürzung in den tiefer gelegenen Teil der Stadt genutzt wurde und somit die Heiligkeit des Bauwerkes nicht mehr missachtet wurde“.López Martinez, S. 19 Hintergrund der Schließung war, dass Besucher des unterhalb der Kathedrale gelegenen Marktes regelmäßig das Querhaus mit ihren Einkäufen, darunter lebenden Tieren, durchquerten.

Pellejería-Portal