mini|Palatias Wappen, im Herzschild die Burg Pfalzgrafenstein Das Corps Palatia Bonn ist eine farbentragende Studentenverbindung, genauer ein Corps, das seit dem Ausschluss aus dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) nicht mehr pflichtschlagend ist. Es vereint Studenten und ehemalige Studenten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Die Corpsmitglieder werden „Bonner Pfälzer“ genannt.
Couleur und Sprüche mini|Mensur Hansea I c/a Palatia Bonn (1842) mini|Früheres Corpshaus der Palatia, I. Fährgasse 1 (1910)Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 23. Palatia hat die Farben „violett-weiß-rot“ mit silberner Perkussion. Die Füchse trugen ein Fuchsenband in „violett-weiß-violett“ mit silberner Perkussion, das jedoch 1974 abgeschafft wurde. Der Wahlspruch der Pfälzer lautet „Fortis ut palma florebit“ (Psalm 92, Vers 12; deutsch: „Der Starke wird gedeihen wie eine Palme“). Der Wappenspruch lautet sincere et constanter (deutsch: aufrichtig und standhaft).
Geschichte
Gründungszeit Das Corps Palatia ging aus der Bonner Tischgesellschaft der „Treveraner“ (Trierer) hervor. Deren prominentestes MitgliedDass das stimmt, ist sehr unwahrscheinlich; denn die Namen auf der Rückseite des Stiches wurden vor dem „Weißen Roß“ von Schneider 1892 angebracht. Dieser Schneider war aber erst in Bonn immatrikuliert, als Karl Marx schon in Berlin war. Desgleichen sind auch andere Personen nicht mehr in Bonn, als dieser dort anfing zu studieren. Siehe dazu Manfred Schöncke: ‚Ein fröhliches Jahr in Bonn‘? Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge, Hamburg 1994, S. 239–255, hier S. 243–246. soll der junge Jura-Student Karl Marx gewesen sein, der hier als 17-Jähriger eine unbeschwerte Zeit erlebt und auch den Karzer kennengelernt hatte.sbt: Russe folgte den Spuren von Karl Marx. Zwei Aufenthalte in den Akten – Dr. Besymenski sprach. Bonner General-Anzeiger vom 26. Juli 1978
Am 10. August 1838 wurde die Trierer Tischgesellschaft zum Corps Palatia Bonn. Gründungsmitglieder waren Franz Carl von Gaertner, Ludwig Simon, Eduard Lintz, Carl Krug von Nidda und Friedrich Schneider.150 Jahre Corps Palatia Bonn 1838–1988 Es war seit dem Jahre 1856 Mitglied im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Im 19. Jahrhundert zählte das Corps vor allem Mitglieder aus Industriellen- und Unternehmerfamilien zu seinen Mitgliedern (z. B. Leverkus, Haniel, Schnitzler, Schoeller, Deichmann). Es waren aber auch zahlreiche Politiker in den Reihen der Pfälzer zu finden. In dieser Zeit galt das Corps Palatia als das wohlhabendste aller Corps.
Palatias Ehrenmitglied Alexander von Claer unterstützte Leonhard Zander 1881 bei seiner Kösener Reforminitiative. 1885 erwarb eine Aktiengesellschaft aus alten Herren die bisherige Corpskneipe als Eigentum, womit Palatia das erste Korporationshaus Bonns besaß.
Die Zeit der beiden Weltkriege Im Jahre 1933 wurde unter dem Druck der NS-Regierung in den Studentenverbänden, auch im Kösener Senioren-Convents-Verband, der „Ariergrundsatz“ eingeführt. 1934 forderte zudem der Allgemeine Deutsche Waffenring bei seinen Mitgliedsverbänden den Ausschluss der „Judenstämmlinge und jüdisch Versippten“. Daraufhin löste sich das Corps Palatia am 12. Oktober 1935 im Hotel Continental in Berlin wegen der „Unvereinbarkeit des Korporationswesens mit dem Nationalsozialismus“ auf.
Nachkriegszeit 1953 wurde das Corps rekonstituiert. Fünf Jahre später wurde erwogen, die Pflichtmensur abzuschaffen. Als Mutprobe mit der Waffe sei sie – zumal vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges – keine zeitgemäß würdige Fortsetzung alter ritterlicher Tradition. Außerdem sei der erzieherische Wert fragwürdig, bei lediglich einer Pflichtmensur jedenfalls aber gering. Eine sportliche Bedeutung sei der Mensur auch nicht beizumessen.
Diese Erwägungen führten am 22. Mai 1958 auf dem Kösener Congress in Würzburg dazu, dass Palatia den Antrag stellte, das pflichtgemäße Schlagen von Mensuren als Voraussetzung für den Erwerb eines Burschenbandes im KSCV abzuschaffen. Da jedoch keines der anwesenden Mitglieder des Corps Palatia die für die Reception in ein Kösener Corps mindestens erforderliche Mensur gefochten hatte, stellte der CC der Rhenania Bonn den Antrag, die Vertreter des Corps Palatia auszuschließen. Dieser Antrag wurde angenommen. Daraufhin wurde der vorherige Antrag der Palatia nicht mehr behandelt (sog. „Tagesordnungstrick“). Dies führte zum Ausschluss des Corps Palatia aus dem KSCV. Am 5. Juli 1958 schafften die Pfälzer die Pflichtmensur formal ab und waren damit das erste Corps, das diesen Schritt tat.
Auswärtige Beziehungen Das Corps Palatia ist heute verbands- und kreisfrei, unterhält aber seit 1998 (erneut) ein befreundetes Verhältnis mit dem Corps Bremensia, das 1971 aus ähnlichen Gründen wie die Palatia aus dem KSCV ausgetreten ist. Vor dem Ausschluss aus dem KSCV bestanden mehrere Verhältnisse zu anderen Corps des Verbandes, unter anderem zum Corps Hannovera Göttingen sowie zum Corps Palatia Straßburg, mit dem das Corps Palatia Bonn den sog. „Violetten Kreis“ bildete.
Bonner Pfälzer
Abgeordnete und Minister Christoph Becker (1814–1886), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, MdHdA Hermann Poelchau (1817–1912), Richter und Abgeordneter in Hamburg Eduard Lintz (1818–1878), Arzt, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Anton Fonck (1819–1898), Landrat in Adenau und im Rheingau, MdHdA Adalbert Kuhlwein (1819–1872), Richter, MdHdA Ludwig Simon (1819–1872), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Werner Keuffel († 1869), Richter, MdHdA Heinrich Lantz (1820–1901), MdHdA Hermann von Mallinckrodt (1821–1874), Zentrumspolitiker, MdHdA, MdR Karl Ludwig von Weitzel (1821–1881), Mitglied des Reichstages des Norddeutschen Bundes, MdHdA Eduard Schenk (1821–1900), MdR Otto von Recum (1821–1885), Mitglied des Provinziallandtags der Rheinprovinz Heinrich von Feder (1822–1887), Rechtsanwalt, Mitglied der II. Badischen Kammer Christian Lutteroth (1822–1896), Advokat, MdHdA, MdHB Philipp Wilhelm Plessing (1823–1879), Lübecker Senator, MdR Clemens August Schröder (1824–1886), MdR, MdHdA Hugo von Bonin (1826–1893), MdHH Viktor Stomps (1826–1907), Richter, Ehrenbürger von Elberfeld, MdHdA Rudolph Schulz (1827–1899), MdR Lambert Rospatt (1829–1902), Landrat in Löbau und Lennep, Kreisdirektor in Château-Salins, MdHdA Alexander Czwalina (1830–1893), Richter, MdHdA Heinrich Alphons Plessing (1830–1904), Lübecker Senator Georg Thilenius (1830–1885), MdR Fritz Pauli (1832–1898), Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes Wilhelm Simon (1833–1916), Vorsitzender Direktor der Berlin-Hamburger Bahn, MdHdA Karl Peter Klügmann (1835–1915), diplomatischer Vertreter der Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck, Mitglied des Reichstags und des Bundesrats Richard Maß (1837–1917), Richter, MdHdA Justus von Rosenberg-Gruszczynski (1837–1900), Landrat in Duisburg und Mülheim/Ruhr, MdHdA Oskar von Weiß (1838–1901), Landrat in Soldin, MdHdA Albert Herr (1840–1912), MdHdA Emil von Jordan (1840–1922), MdHdA Siegfried von Quast (1842–1887), Erbherr auf Radensleben bei Neuruppin, Landrat des Kreises Ruppin, MdHdA Friedrich von Kölichen (1844–1915), MdHdA Rudolf von Bitter der Jüngere (1846–1914), preußischer Kronsyndikus, MdHH Max von Balan (1849–1905), Polizeipräsident in Potsdam, Regierungspräsident in Köln, MdHdA Anton Opfergelt (1850–1915), MdR, MdHdA Warner Poelchau (1852–1922), MdHB Wilhelm Johannes Wentzel (1852–1919), MdHB Alexander Baur (1857–1909), Senator der Stadt Altona Alexander Lucas (1857–1920), Industrieller, MdHdA Walther vom Rath (1857–1940), Aufsichtsrat der I.G. Farben, MdHdA Hans von Hellmann (1857–1917), MdR Viktor Schnitzler (1862–1934), MdHdA Georg Fließbach (1864–1934), MdHdA August von Rospatt (1869–1942), Landrat in Birnbaum, MdHdA Bernhard Grund (1872–1950), Jurist, Unternehmer, DDP-Politiker, MdHdA Leopold Peill (1872–1941), Glasfabrikant Hans Schnitzler (1908–1985), Abgeordneter der Volkskammer der DDR Martin Haushofer (1936–1994), Mitglied des Bayerischen Landtags Alexander Graf Lambsdorff (* 1966), FDP-Politiker, Diplomat, ehemaliger MdEP, ehemaliger MdB
Hochschullehrer Ottokar von Feilitzsch (1817–1885), Physiker in Greifswald Heinrich Brunn (1822–1894), Archäologe Hermann Welcker (1822–1897), Anatom in Halle Herbert Pernice (1832–1875), Rechtswissenschaftler, vertrat das Haus Hessen gegen Preußen Justus Carrière (1854–1893), Zoologe in Straßburg Fritz Noetling (1857–1928), Paläontologe Hans Schröder (1868–1938), Gynäkologe Robert Hartmeyer (1874–1923), Zoologe Andreas Predöhl (1893–1974), Ökonom, Rektor der Universitäten Kiel und Münster Georg-Christoph von Unruh (1913–2009), Rechtswissenschaftler Gunnar Brands (* 1956), Archäologe Andreas Meyer-Lindenberg (* 1965), Psychiater
Unternehmer und Industrielle Fritz Simrock (1837–1901), Musikverleger Paul von Naehrich (1852–1937), Vorsitzender des Vereins der Deutschen Zuckerindustrie Carl Schmidt-Polex (1853–1919), Industrieller Wilhelm Gail (1854–1925), Tabakfabrikant und Landtagsabgeordneter Gustav Lahusen (1854–1939), Kaufmann Richard von Schnitzler (1855–1938), Bankier, Industrieller und Mäzen Paul von Schnitzler (1856–1932), Aufsichtsrat der I.G. Farben Herbert von Meister (1866–1919), Vorstandsvorsitzender der Farbwerke Hoechst Arnold Borsig (1867–1897), Großindustrieller Otto Goertz (1872–1934), Fabrikant, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bonn Alfred Leverkus (1873- ), Chemieunternehmer Walter Schoeller (1880–1965), Chemiker, Vorstandsmitglied der Schering-Kahlbaum AG Walther Bresges (1882–1961), Fabrikant Franz Haniel (1883–1965), Großindustrieller Otto Leverkus junior (1883–1957), Chemieunternehmer Georg Gail (1884–1950), Zigarrenfabrikant Georg von Schnitzler (1884–1962), Vorstand der I.G. Farben Karl Gelpcke (1895–1941), Vorstand der Preußischen Hypotheken-Aktienbank Victor Rolff (1934–2012), Unternehmer, Kunstsammler, Mäzen und Autorennfahrer Walter Deuss (* 1935), Manager Michael Wirtz (* 1939), Unternehmer Donatus Kaufmann (* 1962), Manager
Offiziere Otto von Claer (1827–1909), preußischer General Alfred von Kaphengst (1828–1887), preußischer Generalmajor Adolf von Deines (1845–1911), preußischer General der Kavallerie
Kommunal- und Ministerialbeamte Franz von Gaertner (1817–1872), Landrat in Saarbrücken, Stifter des Corps Gustav von Szczepanski (1819–1900) Offizier, Verwaltungsbeamter und Schriftsteller Joseph von Brewer (1821–1858), Landrat in Mayen Robert von Reitzenstein (1821–1902), Landrat in Recklinghausen Gustav Bournye (1823–1858), Landrat in Prüm Karl Heinrich Lottner (1825–1897), Oberbürgermeister von Koblenz Georg Dieterichs (1826–1903), hannoverscher Finanzminister und preußischer Landrat Paul von Jordan (1831–1870), Landrat Neustadt i. Westpr. und Wiesbaden Gustav Gottfried Keil (1836–1894), Landrat Robert Freiherr von der Heydt (1837–1877), Landrat in Eupen und Essen, Zivilkommissar in Straßburg, Bezirkspräsident des Oberelsass in Colmar Werner Meyer (1838–1889), Landrat in Halberstadt Reinhold Köpke (1839–1915), Altphilologe und Ministerialbeamter in Preußen Paul von Basse (1851–1919), Gutsbesitzer, Landrat in Steinfurt und Hagen Hermann von Chappuis (1855–1925), Landrat und Ministerialbeamter in Preußen Kurd von Berg-Schönfeld (1856–1923), Polizeipräsident von Kassel und Hannover, Regierungspräsident der Regierungsbezirke Stade und Hannover Otto Stürken (1856–1923), Polizeipräsident in Hamburg Heinrich von Schroeter (1856–1945), Landrat in Pleß, Polizeipräsident in Stettin und Kiel Ernst Pfeffer von Salomon (1856–1923), preußischer Verwaltungsbeamter, Landrat des Landkreises Saarburg Karl von Pastor (1857–1919), Landrat in Malmedy und Aachen Wilhelm Wiesand (1860–1919), Landrat in Torgau Max von Sandt (1861–1918), Regierungspräsident in Aachen, kaiserlicher Verwaltungschef für Belgien